Einst war Wolfenbüttel nur eine Wasserburg am Ufer des Flusses Oker, in der Reisende in gefährlichen Zeiten Schutz fanden. Doch schon 1283 wurde diese unter dem Welfen-Herzog Heinrich dem Wunderlichen zu einer Residenzfestung ausgebaut und ab 1430 zur ständigen Residenz der Welfenherzöge zu Braunschweig und Lüneburg. In über drei Jahrhunderten gewann die Stadt an politischer und kultureller Bedeutung und wurde dabei auch zum Standort der Herzog-August-Bibliothek, die im 17. Jahrhundert die größte europäische Büchersammlung beherbergte und Gotthold Ephraim Lessing als Bibliothekar beschäftigte, der hier das Drama Nathan der Weise schrieb. Heute faszinieren die historischen Gebäude, die über tausend Fachwerkhäuser in der Altstadt und auch die vielen inhabergeführten Geschäfte, die man bei einem Rundgang durch die Stadt entdecken kann.
Die letzte der Grachten

Einst wurde das sumpfige Gebiet der Stadt Wolfenbüttel vom niederländischen Architekten Hans Vredeman de Vries nach holländischem Vorbild mit Grachten entwässert und für die später errichtete Planstadt nutzbar gemacht. Mit „Klein Venedig“ ist eine letzte davon bis heute erhalten geblieben und bietet eine interessante und unerwartete Fotokulisse bei einem Spaziergang durch die Stadt. Sie wetteifert mit dem Schloss Wolfenbüttel, der Herzog August Bibliothek und dem schmalsten Haus Niedersachsens um die Gunst der Fotografen.
Eine museale Landschaft

Im Schloss Museum kann man Barockes erleben, durch die gut erhaltenen Repräsentationsgemächer flanieren, Stuckdecken, Wirkteppiche, Barockmöbel, Gemälde und Skulpturen bestaunen und in die Hofkultur des 17. und 18. Jahrhunderts eintauchen. Das Bürger Museum erzählt hingegen von 500 Jahren Wolfenbütteler Stadtgeschichte. In der Dauerausstellung geht es um die Stadtwerdung im Schatten der Residenz, um Wasserwege, die Industrialisierung und das bürgerliche Leben im 19. und 20. Jahrhundert. Aber auch Wirtschaftswunder und Stadtsanierung werden thematisiert, oft anhand von Leihgaben aus der Wolfenbütteler Bevölkerung.
Von Kultur und Schnaps

Einst entstand in Wolfenbüttel auf Wunsch der Herzöge das erste stehende Theater Europas. Musik, Kunst und Kultur wurden groß geschrieben in der Residenzstadt. Das zog auch illustre Besucher wie Giacomo Casanova an, der sich an seine Zeit in Wolfenbüttel mit den Worten „Hier verbrachte ich die acht schönsten Tage meines Lebens“ erinnerte. Auch heute wird der Genuss in der Stadt großgeschrieben. Sie ist nicht nur Stammsitz der Marke „Jägermeister“, der seit 1935 nach einem Geheimrezept aus angeblich 56 Kräutern in Wolfenbüttel produziert wird, sondern mittwochs und samstags auch Standort eines bis heute lebendigen Stadtmarktes mit regionalen Spezialitäten.
Vom Wochenmarkt in die Kochschule

Im Zentrum des Wochenmarktes steht ein Standbild des Herzogs August in Jägerkluft, der sein Pferd zur Tränke führt. Genuss wird auch im modernen Wolfenbüttel großgeschrieben. Katrin Beddies hat ihren Traum von einer Koch- und Patisserieschule verwirklicht. „Kochen ist keine Hexerei, muss nicht immer lange dauern, ist nicht schwierig, kurz: Kochen kann jeder“, ist sie Hotelbetriebswirtin überzeugt und setzt vor allem auf den Spaß am Kochen und die Freude am Genuss der Vielfalt von Lebensmitteln. In kleinen Gruppen von bis zu zwölf Gästen entstehen in entspannter Atmosphäre köstliche Menüs, die anschließend in der Kochschule „BonApp“ gemeinsam genossen werden. So kann man ein Genießerwochenende in Wolfenbüttel mit allen Sinnen erleben.
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