Geschätzte Lesezeit: 6 Minuten

Zum wiederholten Male hat eine Expertenjury ihre liebsten Weingüter ausgewählt. Neben Weinqualität und – Genuss geht es vor allem um das Erlebnis, das Gästen geboten wird. Ein Erlebnis war auch die Zeremonie auf dem westaustralischen Weingut Amelia Park Wines.

Bei Ankunft bekommen die Prämierten einen Schal umgelegt – welchen Platz sie errungen haben, wissen sie allerdings noch nicht
Bei Ankunft bekommen die Prämierten einen Schal umgelegt – welchen Platz sie errungen haben, wissen sie allerdings noch nicht / © FrontRowSociety.net, Foto: Verena Mayer

Mitte November blickte die Weinwelt nach Westaustralien: Zum wiederholten Male zeichnete ein mehr als 700-köpfiges Expertenteam die weltbesten Weingüter aus. Organisiert werden die Awards vom britischen Unternehmen William Reed, das auch für die Listen der „50 Best“ Hotels, Bars und Restaurants verantwortlich ist. Dieses Jahr fand die Verleihung im australischen Bundesstaat Western Australia statt. Unter den knapp 200 geladenen Gästen waren auch viele Vertreter der ausgezeichneten Weingüter – erkennbar an den roten Schärpen, die sie bei Begrüßung umgelegt bekamen, wobei die genaue Platzierung selbst für sie bis zuletzt geheim blieb.

Zur Begrüßung gibt es Weine des Gastgebers, Amelia Park Wines
Zur Begrüßung gibt es Weine des Gastgebers, Amelia Park Wines / © FrontRowSociety.net, Foto: Verena Mayer

Western Australia als Bühne für die Besten

Die Entscheidung, die diesjährigen Awards in Western Australia abzuhalten, habe im Wesentlichen zwei Gründe, mein Emma Sleight vom 50-Best-Team: Man wolle Weinregionen „die bis dato etwas unter dem Radar laufen“ eine Bühne geben (2024 fand das Event in England statt). Dieses Jahr also Margaret River. Die Weinregion, drei Stunden südlich von Perth, gehört zu den renommiertesten und dynamischsten des Landes. Obwohl sie nur rund drei Prozent der landesweiten Weinproduktion verantwortet, stammen rund ein Fünftel der australischen Premiumweine aus der Region. Der konstante Einfluss des Indischen Ozeans sorgt für lange Reifeperioden, klare Fruchtaromen und eine erstaunliche Eleganz. Dennoch ist die Region international gesehen noch immer ein Geheimtipp. Somit bekommt man diese erstklassigen Weine für ein „verrückt gutes Preis-Leistungs-Verhältnis“, wie es einer der anwesenden Weinexperten ausdrückte.

Die ideale Location: Amelia Park Wines zählt zu den besten der Region
Die ideale Location: Amelia Park Wines zählt zu den besten der Region / © FrontRowSociety.net, Foto: Verena Mayer

Der zweite Grund bedarf keiner Erklärung. Man muss sich nur umschauen: In sanften Hügeln breiten sich die Weinreben rund um Amelia Park Wines, dem gastgebenden Weingut, aus. Auf der Anhöhe stehen die Gäste bei Riesling, Chardonnay und Pinot Gris in der australischen Abendsonne beisammen, während eine leichte Brise von der Küste herüber weht, die keine zehn Kilometer und von Traumstränden gesäumt ist. Das 2009 gegründete, vielfach ausgezeichnete Weingut Amelia Park Wines zählt zu den besten der Region und ist mit seinem erstklassigen Restaurant und dem modernen Verkostungsraum der ideale Austragungsort.

Der tasting room des Weinguts: Bei diesem Ausblick fällt es schwer, sich auf den Wein zu konzentrieren
Der tasting room des Weinguts: Bei diesem Ausblick fällt es schwer, sich auf den Wein zu konzentrieren / © FrontRowSociety.net, Foto: Verena Mayer

Vor Beginn der Verleihung herrschte dort im tasting room reges Treiben. Die Architektur ist spektakulär. Eine Kathedralen für den Weingenuss – mit Theke anstelle eines Altars und dahinter eine verglaste Wand, die den Blick in die Weinberge freigibt. Rund zwei Dutzend Weine produziert das Weingut, allen voran Chardonnay, Cabernet Sauvignon und Shiraz. Offiziell eingeleitet wurde der Abend von einem Angehörigen der Wadandi People, indigenen Bevölkerung, die die dortige Region Wilyabrup seit mehr als 40.000 Jahren Heimat nennen.

Eröffnet wurde die Zeremonie von einem Vertreter der Wadandi People, auf deren Land das Weingut liegt
Eröffnet wurde die Zeremonie von einem Vertreter der Wadandi People, auf deren Land das Weingut liegt / © Foto: JCRISPINPHOTO, LIGHTFOOTAGENCY

Eine Ehrung für Leidenschaft und Qualität

Die Kriterien, nach denen die prämierten Weingüter ausgewählt wurden, sind denkbar einfach: „Das beste Erlebnis der vergangenen zwölf Monaten“, fasst es Emma Sleight vom 50-Best-Team zusammen. Die Wahl ist gewünscht subjektiv. Die Jury – bestehend aus internationalen Weinexpertinnen, Sommeliers, Journalistinnen und Branchenkennern – bewertet nicht (nur) nach Geschmack. Es geht auch um Atmosphäre, Architektur, kulinarische und Wellness-Angebote. Und: Um leidenschaftliche Gastgeber, die ihre Passion für Wein mit Gästen teilen.

Das zum Weingut gehörende Restaurant versorgte die Gäste mit dem Besten aus der Region
Das zum Weingut gehörende Restaurant versorgte die Gäste mit dem Besten aus der Region / © FrontRowSociety.net, Foto: Verena Mayer

Unter den Ausgezeichneten sind weltbekannte Traditionshäuser, kleine Familienbetriebe und von Weinenthusiasten gegründete Newcomer. Weingüter, die ihre Flaschen in jahrhundertealten Keller lagern und solche, die kühne Neubauten in die Weinberge gesetzt haben. Nach einem Schnelldurchlauf der Plätze 100 bis 51 durfte der erste rot beschalte Gast auf die Bühne: Platz 50 ging an das französische Traditionshaus Champagne Taittinger. Das erste (und zur Enttäuschung der Gastgeber einzige) australische Weingut folgte auf Platz 47: Henschke ist eines der ältesten Weingüter Südaustraliens und vor allem für seine Shiraz-Weine bekannt. Zum besten Weingut der gesamten Region Australasien wurde Cloudy Bay aus dem neuseeländischen Marlborough gekürt. Bestes Weingut Asiens wurde das 2017 gegründete 98 Wines aus Japan (Platz 20). Die Trophäe für Nordamerika holte Jordan Vineyard & Winery (Platz 13) aus Kalifornien, bestes Weingut auf dem afrikanischen Kontinent wurde Klein Constantia Wine Estate aus der Provinz Western Cape. Deutschland durfte sich erstmals bei Platz 16 freuen: Das Weingut Dr. Loosen, das zu den international renommiertesten deutschen Riesling-Erzeugern zählt.

Stefan Doktor vom Weingut Schloss Johannisberg freut sich über den zweiten Platz
Stefan Doktor vom Weingut Schloss Johannisberg freut sich über den zweiten Platz / © Foto: William Reed Ltd 2024

Platz zwei und auch der Preis für das beste Weingut Europas ging mit Schloss Johannisberg ebenfalls an Deutschland: Das Weingut im Rheingau gilt als das älteste Rieslingweingut der Welt. Oberhalb des Rheins auf gleichnamigen Hügel gelegen blickt es auf eine fast 1000-jährige Weinbautradition zurück. Geboten werden – neben hervorragendem Riesling – Führungen durch das historische Schloss, Mittagessen mit Traumblick über das Rheingau und abends Jazz- und Klassikkonzerte, die im Sommer unter freiem Himmel stattfinden. In Empfang genommen wurde die Auszeichnung von Geschäftsführer Stefan Doktor. Die Freude war sichtlich groß. „Deutscher Riesling ist ein Hero“, meinte er nach der Verleihung. Von internationalen Fachleuten schon lange geschätzt, werde er zunehmend auch von Endverbrauchern entdeckt.“

Nach der Zeremonie sprachen Vik-Gründer Alex und Carrie Vik und CEO Gastón Williams mit den anwesenden Journalisten über Vision und Zukunftspläne
Nach der Zeremonie sprachen Vik-Gründer Alex und Carrie Vik und CEO Gastón Williams mit den anwesenden Journalisten über Vision und Zukunftspläne / © Foto: William Reed Ltd 2024

Gewinner The World’s 50 Best Vineyards: Weingut Vik, Chilie

Auf Platz 1 landete das chilenische Weingut Vik (Vormals Platz 2). Es überzeugte die Jury – neben erstklassigen Weinen – mit futuristischer Architektur in der unberührten Landschaft des Millahue-Tals, das die indigenen Mapuche als „goldenen Ort” bezeichnen.  Das Gründerpaar setzt auf neueste wissenschaftliche Erkenntnisse und alte Traditionen. Neben Tastings, Führungen und organisierten Ausflügen in die Umgebung gibt es 22 individuell gestaltete Suiten und bald ein Wellness-Center. Gefragt, wie sich die Auszeichnung anfühle, antwortet Gründer Alex Vik kurz und knapp: „Großartig.“ Ehefrau Carrie ergänzte: Es sei die Belohnung für fast zwei Jahrzehnte harte Arbeit, die sie und das gesamte Team in ihren Traum gesteckt hätten.

Der Empfang war – wie überall in der Region – herzlich
Der Empfang war – wie überall in der Region – herzlich / © FrontRowSociety.net, Foto: Verena Mayer

Die Enttäuschung über die ausbleibende Platzierung währte bei den Gastgebern nicht lange. Die internationalen Gäste zeigten sich begeistert angesichts der Willkommenskultur, die ihnen bei Amelia Park Wines und sämtlichen anderen besuchten Weingütern entgegenschlug. Noch mag die Region ein Geheimtipp sein. Durch das Event – so die Hoffnung – könnte sich das bald ändern.

Der Inhalt dieses redaktionell erstellten Artikels wurde unabhängig verfasst. Die Veröffentlichung wurde durch externe Unterstützung ermöglicht, ohne Einfluss auf die journalistische Ausarbeitung. Es gilt der Redaktionskodex.