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Im Sommer ächzt die Baleareninsel unter dem Besucheransturm, Mallorca im Frühling ist längst kein Geheimtipp mehr. Den Mallorquinern bleiben die Wintermonate, um ihre Insel größtenteils für sich zu haben. Wie sieht Mallorca aus, wenn das Meer zu kalt zum Baden ist? Montuïri zählt zu den ältesten Dörfern auf der Insel. Die Region im Kernland ist ruhig, ursprünglich und gemütlich. Ein Rückzugsort zwischen Zitronenbäumen und Olivenhainen.

Die Sonne kämpft sich über die sanft geschwungenen Hügelketten des mallorquinischen Kernlandes. Die ersten orangegelben Strahlen erreichen die Häuser von Montuïri und tauchen den weithin sichtbaren Kirchturm in ein gemütliches Licht, das die zapfige Kühle der Nacht vertreibt. Rings um das Dorf leuchten die Felder in verschiedenen Grüntönen. Von der Finca Son Manera aus hat man all das wunderbar im Blick.

Die Terrasse vor dem Frühstücksraum ist in Richtung Dorf ausgerichtet. Die Sonne geht links davon auf, in den Palmen und Orangenbäumen des Gartens zwitschern die Vögel. Zur vollen Stunde dringt leise das Läuten der Kirchenglocken herüber. Nicht störend, sondern wohltuend eingefügt in den anregenden Klangteppich des Morgens.

Von der Terrasse hat man die Ebene des Kernlandes wunderbar im Blick
Von der Terrasse hat man die Ebene des Kernlandes wunderbar im Blick / © FrontRowSociety.net, Foto: Ponstingl

Es ist Winter, für Mallorca die absolute Nebensaison. Die Wochen des Jahres, in denen die überlaufene Baleareninsel einmal durchschnaufen kann. Zum Baden ist es zu kalt, die Partytouristen sind anderswo und der geneigte All-inclusive-Jetset sucht sich wärmere Domizile. Die Temperaturen sinken nachts unter zehn Grad, in Ausnahmefällen schneit es im Tramuntana-Gebirge sogar. Dann sind auf der Insel noch die Auswanderer unterwegs, vereinzelte Radsportgruppen und insbesondere jene, die Mallorca wegen des ursprünglichen Charmes der mallorquinischen Kultur besuchen – und Ruhe suchen.

Landwirtschaft im Kernland

Wer neben der atypischen Saison noch eine touristisch wenig berücksichtigte Region sucht, fährt ins Inland, in die Region Pla de Mallorca. Die weite Ebene ist geprägt von Landwirtschaft und weniger touristisch erschlossen als die Küste. Hier liegt Montuïri, eines der ältesten Dörfer Mallorcas und ziemlich genau in der Mitte der Insel. Pittoreske Gassen, ein weiter Blick über die Felder und kaum Hotels.

Landwirtschaft ist hier wichtiger als Tourismus. Auch Schafe zählen dazu
Landwirtschaft ist hier wichtiger als Tourismus. Auch Schafe zählen dazu / © FrontRowSociety.net, Foto: Ponstingl

„Montuïri ist ruhig, authentisch und echt“, sagt Sonja Miko. Die Österreicherin betreibt eine der wenigen Unterkünfte rund um das Dorf. „Der Weitblick über Mallorca, nach Montuïri und bis zum Tramuntana-Gebirge sowie die absolute Ruhelage haben uns die Entscheidung leicht gemacht“, erklärt Miko, weshalb sie ausgerechnet im mallorquinischen Niemandsland eine Finca eröffnet hat. Entlang der Auffahrt wachsen Palmen und Orangenbäume, dahinter ragt die weiß getünchte Fassade auf. Eine Finca, die früher einmal einer lokalen Familie gehörte und deren Namen Miko beibehalten hat. Nicht nur wegen des wunderbaren Klangs, sondern auch wegen der Verbindung zum Ort. Beinahe alle Angestellten der Finca kommen aus Montuïri, und man nimmt es ihnen ab, dass sie gern hier arbeiten.

Die Finca selbst schmiegt sich mit ihrem Konzept in die sie umgebende Landschaft ein. Yoga und Entschleunigung stehen im Vordergrund, die Verpflegung ist ausschließlich vegetarisch, die Produkte überwiegend lokal, und die Oliven stammen vom hauseigenen Hain hinter dem Pool, rings um die Yoga-Plattform. Son Manera ist zudem vielleicht der einzige Ort Mallorcas, an dem im Januar Hochsaison herrscht. Im Sommer ist es schlicht zu heiß für Yoga, während offenbar gerade im Winter gestresste Städter aus Deutschland und Österreich eine Auszeit zum Jahresstart benötigen.

Montuïris Mühlen sind charakteristisch für den Ort
Montuïris Mühlen sind charakteristisch für den Ort / © FrontRowSociety.net, Foto: Ponstingl

Verweilen und Schlendern in Montuïri

Die erhabene Silhouette Montuïris ist geprägt von Windmühlen. Das alte Mühlenviertel Molinar ist eines der Wahrzeichen des facettenreichen und für die spätere Entwicklung Mallorcas historisch bedeutenden Kernlandes. Unweit des Dorfes erinnert eine der bemerkenswertesten Ausgrabungsstätten der Balearen an die bewegte Vergangenheit Mallorcas, die bei all der opulenten Pracht der Zitrusfruchtplantagen, den türkisblauen Buchten und der Sommersonne gerne einmal in den Hintergrund rückt. Römer und Mauren haben ihre Spuren hinterlassen. Doch es ist die Talayot-Kultur, die die ältesten Fundstücke hinterlassen hat. Die Fragmente eines 3.300 Jahre alten Dorfes lassen sich einfach besichtigen, das dazugehörige Museum befindet sich – für die Gegend passend – in einer restaurierten Windmühle. Auch wenn die steinernen Mühlen schon lange nicht mehr in Betrieb sind, ist der Anbau von Getreide und Mandeln immer noch ein wichtiger Erwerbszweig für die in Montuïri lebenden Mallorquiner.

Die Gassen Montuïris laden zum Schlendern und Verweilen ein
Die Gassen Montuïris laden zum Schlendern und Verweilen ein / © FrontRowSociety.net, Foto: Ponstingl

Der Mangel an absoluten Höhepunkten ist ein Gewinn für die Region. Verweilen und Schlendern sind hier die Hauptattraktionen. Montuïri selbst besticht durch einen zauberhaft verschlafenen Charme. Tagsüber ist kaum eine Menschenseele zu sehen. Das Leben zeigt sich abends, wenn die Bewohner ihre Stühlchen hervorholen und sich auf die Gassen vor ihre Häuser setzen, um das Treiben zu beobachten und den neuesten Tratsch auszutauschen.

Essen, wo nur Mallorquiner einkehren

Der zentrale Anlaufpunkt für die Jugend Montuïris ist dann die am Ortsrand gelegene Bar S’Hostal. Berühmt ist sie für die mallorquinische Spezialität Pa amb oli, Brot mit Knoblauch, Olivenöl und Tomaten. Tagsüber lässt es sich gut bei einem Kaffee im Außenbereich aushalten. Abends lockt der Innenraum mit einem prasselnden Kaminfeuer und lokalen Weinen. Das S’Hostal muss einer der wenigen Orte auf Mallorca sein, an denen man weder auf Deutsch noch auf Englisch bestellen kann und wo man tatsächlich der einzige Tourist in einem proppenvollen Lokal ist. „Montuïri ist ursprüngliches Mallorca, wie es auf der Insel nur mehr sehr selten zu finden ist“, bestätigt die Hotelbetreiberin Miko. „Eine Kirche, ein paar kleine Geschäfte, am Montag Markttag und dazu fast ausschließlich einheimische Bevölkerung.“

Wo im Sommer dankbarer Schatten gespendet wird, sucht man im Winter die Sonne auf dem Dorfplatz
Wo im Sommer dankbarer Schatten gespendet wird, sucht man im Winter die Sonne auf dem Dorfplatz / © FrontRowSociety.net, Foto: Ponstingl

In den Sommermonaten ächzt die Baleareninsel unter dem Besucheransturm und unter Wassermangel. Die Nebensaison dehnt sich, Mallorca im Frühling und Herbst ist längst kein Geheimtipp mehr. Den Mallorquinern bleiben die Wintermonate, um ihre Insel größtenteils für sich zu haben. Wenn die Insel wieder atmen kann, bietet sich die Möglichkeit, Mallorca abseits der großen Touristenströme zu besuchen. Beinahe einsam durch die im Sommer überfüllten Orte wie Santanyí zu schlendern, in Ruhe auf dem Markt von Santa Maria die lokalen Köstlichkeiten in Augenschein zu nehmen und durch die auch im Winter herrlichen Buchten des Mondragó-Nationalparks zu wandern. Von Montuïri aus ist das alles ganz entspannt möglich.

Gerahmt vom rauen Mauerwerk öffnet sich der Blick über die Ebene von Pla de Mallorca und auf die Hügel rund um Montuïri
Gerahmt vom rauen Mauerwerk öffnet sich der Blick über die Ebene von Pla de Mallorca und auf die Hügel rund um Montuïri / © FrontRowSociety.net, Foto: Ponstingl

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