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Mit ihrem Studio Store im Teilbereich 60a/5 von Telliskivi bietet Reet Aus nicht nur Kleidung, sondern ein nachhaltiges Konzept, das nachhaltige Mode, Kreislaufwirtschaft und bewussten Konsum verbindet.

Der Standort liegt zentral in Telliskivi Creative City — einem kreativen Knotenpunkt in Tallinn, der vielen Designern, Künstlern und alternativen Köpfen Raum gibt. Im Studio Store von Reet Aus trifft man auf Kleidung, die bewusst anders gedacht ist: Anstatt neue Stoffe einzusetzen, nutzt Reet Aus Stoffreste aus der Massenproduktion – also jene Materialien, die andernfalls häufig im Müll landen würden. Diese Strategie verringert den Bedarf an neuen Rohstoffen und senkt den ökologischen Fußabdruck der Modekollektion signifikant.

Reet Aus Stoffreste aus der Massenproduktion — also jene Materialien, die andernfalls häufig im Müll landen würden
Reet Aus: Stoffreste aus der Massenproduktion, also jene Materialien, die andernfalls häufig im Müll landen würden / © Redaktion FrontRowSociety.net

Wer steckt hinter Reet Aus – Idee, Motivation und Hintergrund

Die Gründerin und Inspirationsquelle des Labels ist die gleichnamige Mode­designerin Reet Aus. Mit einer akademischen Ausbildung an der Estonian Academy of Arts begann sie sich früh mit den Problemen der Fast-Fashion auseinanderzusetzen. Ihre Studien und Erfahrungen führten sie zur Erkenntnis, dass in der Bekleidungs­produktion große Mengen ungenutzter Stoffe anfallen. Diese Überreste sah sie als verschwendete Ressource.

Die Gründerin und Inspirationsquelle des Labels ist die gleichnamige Mode­designerin Reet Aus
Die Gründerin und Inspirationsquelle des Labels ist die gleichnamige Mode­designerin Reet Aus / © Redaktion FrontRowSociety.net
Sie hat das Label gegründet ...
Sie hat das Label gegründet … / © Redaktion FrontRowSociety.net
... und ist damit über die Grenzen von Estland hinaus bekannt
… und ist damit über die Grenzen von Estland hinaus bekannt geworden / © Redaktion FrontRowSociety.net

Vor diesem Hintergrund entwickelte sie das Konzept des sogenannten „Industrial Upcycling“. Dabei werden Pre-Consumer-Stoffreste – also Material, das vor dem eigentlichen Kleidungs­fertigungsprozess übrig bleibt – zurück in den Produktionskreislauf geführt und zu neuer Kleidung verarbeitet. Mit diesem Ansatz verfolgt Reet Aus das Ziel, den Ressourcenverbrauch und die Umwelt­belastung der Modeindustrie zu senken. 

Zudem arbeitet sie neben der Designer­tätigkeit als Senior Researcher im Bereich nachhaltiges Design am Sustainable Design & Materials Lab der Estonian Academy of Arts. Damit verbindet Reet Aus praktische Modeproduktion mit wissenschaftlichem Anspruch und Forschung — ein Fundament, das ihr Label zu einem Vorreiter für nachhaltige Kreislauf­methoden macht.

Aus alt mach neu - feinste Kleidung...
Ihre Produkte sind begehrt … / © Redaktion FrontRowSociety.net
... und in einer sehr hohen Qualität
… und in einer sehr hohen Qualität / © Redaktion FrontRowSociety.net

Was die Kleidung und das Konzept auszeichnet

Ein zentrales Merkmal der Reet Aus-Kleidung ist die Kombination aus Nachhaltigkeit, Transparenz und langlebiger Qualität. Die Produkte sind nach dem eigenen Standard zertifiziert: der UPMADE Zertifizierung. Diese Garantie zeigt, dass die Kleidungsstücke unter Berücksichtigung eines reduzierten Ressourcenverbrauchs und unter fairen Produktionsbedingungen gefertigt werden.

Statistisch betrachtet spart ein Kleidungsstück der UPMADE-Kollektion durchschnittlich etwa 75 Prozent Wasser und 88 Prozent Energie und verursacht um rund 80 Prozent weniger CO₂-Emissionen im Vergleich zur konventionellen Produktion. Damit unterstreichen die Kleidungsstücke nicht nur modische, sondern auch ökologische Relevanz.

Darüber hinaus sind die Stücke stilistisch so konzipiert, dass sie nicht nur kurzlebige Modeerscheinungen bedienen, sie sind dafür gedacht, langlebig zu sein, sowohl materiell als auch stilistisch. Damit spricht Reet Aus Menschen an, die Wert auf einen bewussten Kleidungsstil legen und Mode als Teil eines nachhaltigen Lebensstils sehen.

Statistisch betrachtet spart ein Kleidungsstück der UPMADE-Kollektion durchschnittlich etwa 75 % Wasser und 88 % Energie und verursacht um rund 80 % weniger CO₂-Emissionen im Vergleich zur konventionellen Produktion.
Statistisch betrachtet spart ein Kleidungsstück der UPMADE-Kollektion durchschnittlich etwa 75 % Wasser und 88 % Energie und verursacht um rund 80 % weniger CO₂-Emissionen im Vergleich zur konventionellen Produktion / © Redaktion FrontRowSociety.net

Ein weiterer wichtiger Aspekt: Reet Aus bietet nicht nur fertige Kleidung, sondern mit dem integrierten Studio auch die Möglichkeit zur Reparatur und zum Upcycling bereits vorhandener Kleidungsstücke. Im Rahmen des Projekts Trash to Trend können Kundinnen und Kunden bestehende Kleidung bringen, reparieren lassen oder unter Anleitung lernen, eigenen Kleidungsstücke ein zweites leben zu schenken. Diese Offenheit für Upcycling und Reparatur reflektiert eine Haltung gegen Wegwerf­mode und für bewussten Konsum.

Rolle im Umfeld von Telliskivi und Bedeutung über Estland hinaus

Der Standort innerhalb des kreativen Umfelds von Telliskivi Creative City bietet für Reet Aus einen idealen Rahmen: Der Ort vereint zahlreiche kreative und nachhaltige Projekte, Galerien, Designshops und kulturelle Initiativen und spricht ein Publikum an, das offen ist für alternative Produktions- und Konsumkonzepte.

Der Standort innerhalb des kreativen Umfelds von Telliskivi Creative City bietet für Reet Aus einen idealen Rahmen:
Der Standort innerhalb des kreativen Umfelds von Telliskivi Creative City bietet für Reet Aus einen idealen Rahmen / © Redaktion FrontRowSociety.net

Mit ihrem Ansatz leistet Reet Aus zugleich einen Beitrag zu einer verantwortungsbewussteren Modeindustrie. Die Auszeichnung mit dem Bundespreis Ecodesign im Jahr 2023 unterstreicht die Relevanz ihres Ansatzes. Der Preis wurde vergeben, weil ihr Konzept zeigt, wie industrielle Upcycling-Methoden einen Beitrag leisten können, den Ressourcenverbrauch der Modebranche zu reduzieren und Mode nachhaltiger zu gestalten. 

Damit steht Reet Aus nicht nur für estnisches Design, sondern für eine Bewegung, die Mode, Umweltschutz und soziales Bewusstsein verbindet. Für Besucherinnen und Besucher von Tallinn, und speziell von Telliskivi, bietet der Studio Store eine Gelegenheit, Mode zu entdecken, die nachgedacht ist: in Materialwahl, Fertigung, Lebenszyklus und im Umgang mit Ressourcen.

Reparaturwerkstätten, Secondhandläden oder Upcycling-Studios zeigen, wie Ressourcen im urbanen Alltag wiederverwendet werden können
Der Bundespreis Ecodesign (German Ecodesign Award) ist die höchste staatliche Auszeichnung in Deutschland für ökologisches Design / © Redaktion FrontRowSociety.net

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