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Miami ist weit mehr als „nur“ Ocean Drive, Art déco, Strand und Everglades. Die Stadt am südlichen Zipfel von Florida besticht auch mit fruchtigen Gaumengenüssen. Sei es nun am berühmtesten Fruchtstand des Staates bei „Robert’s“ oder bei den Fruchtweinfreunden von „Schnebly’s“.

Palmen, weite Flächen, dazwischen verstreut ein paar kleine Häuser. Und dann, ganz plötzlich, erscheint eine Hütte am Straßenrand, auf dem Dach ein riesiges, verheißungsvolles Schild. Darauf zu lesen: „Robert is Here“. Es handelt sich dabei aber nicht um eine Robinson-Crusoe-Situation, in der jemand nach Hilfe sucht. Ganz im Gegenteil. „Robert’s“ ist eine kleine Oase für hungrige Gaumen: Unter dem Vordach stapeln sich Kisten um Kisten voller tropischer Früchte verschiedenster Farbe und Reifegrade. Dazwischen verstecken sich Gemüsesorten, Gläser und Saucen mit verheißungsvollen Genüssen. „Robert is Here“ gilt heute als kulinarisches Wahrzeichen vor den Toren der Stadt in Homestead – dabei begann der florierende Laden einst als unscheinbarer, kleiner Ein-Mann-(bzw. -Kind)-Straßenstand.

Vor den Toren Miamis: In den Gängen von
In den Gängen von „Frank is Here“ verläuft man sich gerne zwischen exotischen Früchten, Milkshakes und allerlei Köstlichkeiten / © FrontRowSociety.net, Foto: Christina Horn

Vor Ort bei „Robert is Here“

Die Geschichte nahm ihren Anfang in den späten 1950er Jahren. Robert Moehling wuchs in einer Bauernfamilie in Südflorida auf, die gemeinsam die Moehlings Slick Chick Egg Ranch betrieb. Um übrig gebliebene Gurken zu verkaufen, wurde der damals 6-Jährige an einen Straßenstand an der Ecke SW 344th Street und SW 192nd Avenue gestellt. Die Idee stammte von Roberts Vater, erzählt dessen Sohn Brandon, der uns beim Besuch von „Robert is Here“ zu einer Verkostung lädt. „Am Ende der Märkte blieb Grandpa immer auf einer Menge Gurken sitzen, die auf dem Florida City Farmers Market niemand kaufen wollte, sodass er für diese Gurken kein Geld bekam. Also sagt er: ‚Werft die Gurken nicht weg. Ich hole sie ab. Ich werde die Kisten wiederverwenden und wir versuchen es nächste Woche noch einmal.’ Als er die nächste Ernte einbrachte, schickte er meinen Vater Robert hierher: Er saß den ganzen Tag hier, genau dort, wo das Zuckerrohr wächst und die Bananen hängen“, erzählt Brandon. „Er saß einfach nur da am Rand entlang der unbefestigten Straße. Es gab etwas Verkehr, weil alle in den Everglades Landwirtschaft betrieben.“ Trotz der regelmäßig vorbeifahrenden Autos hielt allerdings kaum jemand an, um etwas von dem grünen Glück zu kaufen.

Das Schild
Das Schild „Frank is Here“ änderte 1959 alles – heute ist der Stand voll mit dem Namen des damals 6-jährigen „Geschäftsmanns“ Robert Moehling / © FrontRowSociety.net, Foto: Christina Horn

„Also dachten sich Oma und Opa: ‚Wisst ihr was? Vielleicht haben sie ihn einfach nicht gesehen.’ Und so kamen die Hurrikan-Fensterläden und das Schild mit dem aufgesprühten Schriftzug ‚Robert is Here‘ ins Spiel“, so die Familienchronik. „Und sie sollten Recht behalten: An diesem Sonntag war er ausverkauft. Es war wie der erste Lichtstrahl, den Gott auf die Familie geworfen hatte, und danach waren wir jeden Tag hier – mein Vater und seine Schwester, meine Tante, sie wurden morgens hier abgesetzt. Der Schulbus holte sie später hier ab.“ In den letzten 65 Jahren entwickelte sich aus dem kleinen Stand ein Lebenswerk.

Von Früchten und Milkshakes

Roberts Kinder Brandon, Savannah und Robert führen
Familiengeführt: Heute führen Roberts Kinder Brandon, Savannah und Robert „Robert is Here“ gemeinsam mit ihrer Mutter Anna sowie Brandons Frau Heather / © FrontRowSociety.net, Foto: Christina Horn

Auch heute noch ist „Robert is Here“ ein familiengeführter Betrieb, der mehrere Generationen umfasst. Roberts Kinder Brandon, Savannah und Robert führen das Geschäft gemeinsam mit ihrer Mutter Anna sowie Brandons Frau Heather weiter. Und auch die Enkel beginnen langsam, in den Betrieb einzusteigen. Sie kümmern sich täglich um zig Besucher, die mittlerweile nicht nur zufällig, sondern geplant dort landen. Sie laufen entlang der Kisten und Auslagen. Begutachten Mangos, Mandarinen, Papayas und Passionsfrüchte. Fragen, was es mit exotischen Früchten wie Canistel, Sapodilla (Kaugummibaumfrucht) oder Black Sapote (Schokoladenpudding-Frucht) auf sich hat.

Früchte aller Art unter Palmen, am Weg in die Everglades / © FrontRowSociety.net, Foto: Christina Horn
Natur pur bei
Natur pur bei „Robert is Here“ / © FrontRowSociety.net, Foto: Christina Horn
Bei
Bei „Robert is Here“ findet man frisches Obst und Gemüse aller Art – darunter auch Butternusskürbis / © FrontRowSociety.net, Foto: Christina Horn
Frische Früchte aller Art bei „Robert’s“ – hier die gelbe Drachenfrucht / © FrontRowSociety.net, Foto: Christina Horn

Was die Locals besonders verzückt, sind aber zweifelsohne die mittlerweile weltberühmten Milkshakes und Smoothies, die links des Eingangs verkauft werden. Frisches Obst wird hier händisch und mit viel Sorgfalt in cremige Form gebracht, gänzlich ohne Farb- und Konservierungsstoffe, wie Brandon betont: „Die Milchshakes, die Salsa und die Guacamole existieren alle zur Abfallvermeidung – und das seit 65 Jahren. Wir haben noch nie ein einziges Stück Obst oder Gemüse in den Müll geworfen.“ Zu den Geschmacksrichtungen zählen Klassiker wie Banane, Kirsche oder Schokolade, aber auch Exotisches wie Key Lime, Jackfrucht oder Tamarinde. Ich entscheide mich für Guanabana, die Stachelannone: Der Shake schmeckt wunderbar cremig, leicht süß-säuerlich – wie ein Mix aus Ananas und viel Banane. Kaum verwunderlich, dass es so viele Miamianer zu „Robert’s“ zieht, denke ich.

Ikonischer Genuss bei Miami: die Milkshakes von "Robert is Here"
Ikonischer Genuss bei Miami: die Milkshakes von „Robert is Here“ / © FrontRowSociety.net, Foto: Christina Horn

„Robert is Here“, nachhaltig verwurzelt

Nicht nur die Shakes, auch der Streichelzoo im hinteren Teil des Geschäfts hat einen nachhaltigen Hintergrund. „Unsere Familie hatte schon immer Tiere, wissen Sie? Dann bekamen wir langsam ‚Spenden‘: Schildkröten, Emus, Ziegen. Mittlerweile sind alle Tiere da draußen, einschließlich der Papageien, von uns gerettet worden. Es ist teuer, sie zu füttern, aber wir produzieren ja Abfall. Er wird zu Milchshakes, in Dosen abgefüllt oder zu Salsa und Guacamole verarbeitet. Auch die Suppenküche bekommt einen Teil. Aber alles andere, was immer noch eine Menge ist, geht an die Tiere. So werden sie gefüttert und unser Obst recycelt“, berichtet Brandon. Unter den von ihnen geretteten Tieren befand sich sogar eine Galapagos-Schildkröte, die nun Teil eines wichtigen Blutbankprogramms zur Zucht und Erhaltung ihrer seltenen Spezies ist.

Hinter dem Fruchtstand verbirgt sich Robert's
Hinter dem Fruchtstand verbirgt sich Robert’s „Animal Rescue“ – mit Papageien, Hühnern, Emus, Ziegen oder Schildkröten / © FrontRowSociety.net, Foto: Christina Horn

Dennoch, die Landwirtschaft ist und bleibt das Herz von „Robert is Here“. „Beim Anbau geht es darum, dass wir immer auf dem Laufenden bleiben“, so der Geschäftsführer. „Wir stellen also viele Fragen. Jede Woche fragt mich jemand nach zwei oder drei verschiedenen Obstsorten, von denen ich noch nie gehört habe. Es gibt so viel da draußen, dass man sein Leben damit verbringen könnte, Obst zu verstehen und mehr darüber zu lernen, und trotzdem jeden Tag überrascht sein würde.“ Auch wir stoßen während der Tour durch die fruchtvollen Gänge immer wieder auf unbekannte Sorten. Darunter der Zuckerapfel, der aufgeschnitten schmeckt „wie Eiscreme, die auf einem Baum wächst“ – die süße Annona Cherimoya ist reich an Antioxidantien, Vitaminen und Ballaststoffen.

Brandon zeigt uns ein paar seiner liebsten Früchte
Brandon zeigt uns ein paar seiner liebsten Früchte, etwa Zuckerapfel / © FrontRowSociety.net, Foto: Christina Horn
Brandon von
Brandon liebt die Früchte am Stand seines Vaters – vor allem die Kaki / © FrontRowSociety.net, Foto: Christina Horn

Oder Persimmons, uns als Kaki bekannt. Brandon zeigt uns ein Stück und betont, dass diese erst genießbar sind, wenn sie sehr weich sind. „So sehen sie innen aus. Diese Hälften sind sehr tiefrot. Man kann sich das wie einen Süßkartoffelkuchen und einen Kürbiskuchen mit einem Hauch von Erdbeere und Zimt vorstellen. So schmeckt Mamas Kuchen“, schwärmt er. „Ich finde, das ist unser bester Milchshake!“

„Schnebly’s“: Wo Frucht zu Wein wird

„Robert’s“ ist aber nicht der einzige frucht-fokussierte Place-to-be in und um Miami. Auch bei „Schnebly Redland’s Winery & Brewery“ in den Redlands – nur zehn Fahrminuten entfernt – setzt man auf die Vielfalt der Natur. Hier entfaltet sich die Fruchtexotik allerdings in Gläsern. Denn in der südlichsten Winzerei der USA macht man nicht aus Trauben, sondern aus der regionalen Obsternte Südfloridas Wein.

„Schnebly Redland’s Winery & Brewery“ macht aus Früchten aller Art Wein – sogar aus Kokosnüssen.
„Schnebly Redland’s Winery & Brewery“ macht aus Früchten aller Art Wein – sogar aus Kokosnüssen / © FrontRowSociety.net, Foto: Christina Horn

Gründer Peter Schnebly hat das Weingut mit Restaurant, gemeinsam mit seiner Familie, als Tropenfantasie mit Bali-Feeling konzipiert. Gäste sitzen unter Tiki-Dächern und blicken auf tropisches Grün, Wasserfälle und romantische Lagunen, in denen sich Fische tummeln. Hinter den Wänden verbirgt sich die Kellerei, in der Avocados, Kokosnüsse, Lychee, Mangos, Passionsfrüchte und viele weitere Früchte zu Weinen werden. Peter und sein Team überlegen sich dafür kreative Namen – darunter „CocoVino“, „Category 3 Hurricane“ oder „GuaVino“.

Bali-Feeling pur im Restaurant der Winzerei der „Schnebly Redland’s Winery & Brewery“
Bali-Feeling pur im Restaurant der Winzerei der „Schnebly Redland’s Winery & Brewery“ / © FrontRowSociety.net, Foto: Christina Horn

Auch hinter „Schnebly’s“ süßen Tropfen steckt eine Familiengeschichte. Peters Frau beschloss eines Tages, dass sie Winzerin werden wollte, erzählt er: „Ich komme nach Hause und sage: ‚Ich möchte ein Weingut gründen.‘ Und sie sagt: ‚Wir können das machen, solange ich die Winzerin bin.‘“ Sie begann damit, Wein ihrer Garage zu kreieren. Schon bald ziehen sie in ihre jetzigen Räumlichkeiten und bauen das Restaurant sowie einen Tanzstall hinzu.

Miami, jenseits von Beach und Clubs

Dinner bei
Dinner bei „Schnebly’s“ in den Redlands / © FrontRowSociety.net, Foto: Christina Horn

Übrigens verbindet Robert Moehling und Peter Schnebly mehr als nur die Liebe zu Früchten. Die beiden sind seit Jahren befreundet, erzählt Peter: „Wir fahren zusammen Harley. Wir waren unter den ersten, die hier etwas mit Landwirtschaft gemacht haben. Robert mit den Milchshakes und tropischen Früchten, wir mit dem Fruchtwein. Mittlerweile tauchen immer mehr Leute auf, die hier mit der Natur arbeiten.“

Orte wie „Robert is Here“ und „Schnebly’s“ zeigen, dass Miami und die umliegenden Regionen mehr sind, als es Touristen oft vermuten würden. „Wenn Sie in Miami sind, gehen Sie an die Strände, in die Clubs, nach Wynwood, nach Brickell. Hier allerdings sehen Sie Ackerland – und wer denkt schon an die Landschaft von Miami außerhalb der Strände?“, lacht Peter Schnebly und erhebt seinen Fruchtwein. Wir stoßen mit ihm an: auf Miamis fruchtige Welt jenseits von Glitz und Glam.

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