Mit dem neuen Mazda 6e machen die Japaner etwas, das heute fast schon mutig wirkt: Sie bauen eine klassische Limousine. Kein SUV. Kein pseudo-cooles Crossover-Coupé mit Plastikbeplankung und Offroad-Gehabe. Sondern ein flaches, elegantes Auto mit langer Haube, kurzem Heck und einer erstaunlich souveränen Ausstrahlung. Rein elektrisch natürlich – sonst darf heute schließlich kaum noch jemand in dieser Fahrzeugklasse mitspielen.

Von den Abmessungen passt der neue Mazda 6e zu Premiumkollegen wie Audi A6 e-tronoder den BMW i5, preislich spielt er aber eine Liga drunter mit. Er misst stattliche 4,92 Meter und tritt damit gegen Autos wie Tesla Model 3, VW ID.7 oder Hyundai Ioniq 6 an. Doch während viele Konkurrenten mit maximaler Digitalisierung und futuristischen Verrenkungen auffallen wollen, bleibt Mazda angenehm bodenständig. Der Japaner wirkt fast wie ein Gegenentwurf zur blinkenden Elektro-Welt. Kein rollendes Smartphone, keine peinlichen Lichtanimationen, kein künstlicher Zukunftszauber. Stattdessen fährt der 6e gelassen vor, als wolle er sagen: Auto fahren kann auch ganz entspannt sein.

Optisch gelingt das überraschend gut. Die flache Silhouette erinnert eher an klassische Gran-Turismo-Limousinen als an typische Elektroautos. Lange Proportionen, rahmenlose Türen und der kleine ausfahrbare Heckspoiler verleihen dem Wagen durchaus Eleganz. Mazda hat ein gutes Gespür dafür bewiesen, wie man moderne Technik hübsch verpackt. Dass unter dem Blech viel Technik vom chinesischen Partner Changan steckt, ist übrigens kein Geheimnis. Trotzdem fühlt sich der Mazda nach Mazda an.
Was macht den Mazda 6e begehrenswert?
Vor allem seine angenehme unaufdringlich Art. Wenn nicht gerade der Spurhalteassistent nervt. Denn der greift ziemlich rigoros und wenig sensibel ein. Zum Herbst soll eine neue Software kommen, die den Assistenten bessere Manieren beibringt. Was wirklich gefällt: Der Mazda 6e versucht nicht krampfhaft, innovativ oder besonders futuristisch zu wirken. Während viele Elektroautos ihre Fahrer mit blinkenden Menüs, Touchflächen und digitalem Dauergepiepse nervös machen, bleibt der Mazda ruhig und dezent.

Schon beim Einsteigen fällt auf, wie harmonisch der Innenraum gestaltet ist. Schöne Materialien, klare Linien und eine angenehm reduzierte Gestaltung schaffen fast schon Lounge-Atmosphäre. Das Cockpit wirkt hochwertig, ist aber nicht überzeichnet. Vieles fühlt sich solide an, die Sitze sind bequem und bieten auch auf längeren Strecken guten Halt.Besonders angenehm: die Ruhe an Bord. Der Elektromotor arbeitet nahezu lautlos, Windgeräusche bleiben selbst bei höherem Tempo erstaunlich dezent und auch das Stahlfahrwerk hält sich angenehm aus allem Drama heraus. Dazu kommt das ordentliche Platzangebot. Vor allem im Fond überrascht der lange Radstand mit viel Beinfreiheit. Der Kofferraum fällt dagegen mit 336 Litern für die Wagengröße eher mickrig aus, dazu gibt es vorne noch einen 72 Liter-Frunk für Ladekabel oder Kleinkram.

Kann man sich mit dem Mazda 6e sehen lassen?
Definitiv. Gerade weil der Mazda nicht aussieht wie jedes zweite Elektroauto. Der 6e trägt keinen futuristischen Karnevalsanzug, sondern bleibt angenehm stilvoll. Das Auto wirkt elegant, ohne geschniegelt zu erscheinen. Und genau das kommt gut an. Vor allem die Seitenansicht ist den Designern hervorragend gelungen. Die lange Dachlinie, die flachen Fenster und die breiten Schultern verleihen dem Wagen fast schon Oberklasse-Ausstrahlung.Wenig am Mazda 6e schreit nach Aufmerksamkeit – und genau deshalb schauen viele Leute hin.

Gerade im heutigen Straßenbild voller fetter SUV-Klötze wirkt der Mazda 6e fast schon angenehm kultiviert. Ein Auto für Menschen, die keinen fahrenden Machtbeweis brauchen.
Das kann der Mazda 6e besonders gut
Der Mazda 6e beherrscht vor allem eine Disziplin hervorragend: entspanntes Reisen. Der Japaner ist kein Elektroauto für Menschen, die an jeder Ampel den Dragster geben müssen oder ständig auf der Suche nach der nächsten Beschleunigungsorgie sind. Er kann auch anders, – aber er muss es niemandem beweisen. Die Basisversion leistet 258 PS und schiebt den Wagen ordentlich an. Der Sprint auf Tempo 100 gelingt locker und souverän, wichtiger ist aber etwas anderes: die Art, wie der Mazda fährt. Ruhig, ausgewogen und angenehm selbstverständlich. Das Fahrwerk passt hervorragend zum Charakter des Autos. Komfortabel abgestimmt, ohne schwammig zu wirken. Gerade auf längeren Autobahnetappen zeigt der Mazda seine Stärken.
Interessant ist außerdem Mazdas Akku-Strategie. Statt immer größere und schwerere Batterien einzubauen, setzt der Hersteller lieber auf vernünftige Dimensionen und zumindest auf dem Papier für eine gute Ladeleistung von 165 kW. In der Praxis kommt er an diese Leistung allerdings kaum heran.

Diese Idee gefällt uns beim Mazda 6e am besten
Mazda versucht erst gar nicht, das Auto neu zu erfinden. Und genau das ist vielleicht die beste Idee an diesem Wagen. Der 6e fühlt sich nämlich tatsächlich noch wie ein Auto an – nicht wie ein digitales Endgerät mit Rädern Besonders angenehm ist die Balance zwischen moderner Technik und klassischem Autofahren. Natürlich gibt es große Displays, Assistenzsysteme und digitale Features. Aber sie drängen sich nicht permanent in den Vordergrund. Stattdessen bleibt der Mensch tatsächlich noch Fahrer und nicht bloß Software-Bediener. Auch die umfangreiche Serienausstattung spricht für den großen Wagen. Schon die Basisversion bringt vieles mit, wofür andere Hersteller lange Aufpreislisten bemühen. Panorama-Glasdach, Head-up-Display, Soundsystem und zahlreiche Assistenzsysteme sind bereits enthalten.
Und das könnte beim Mazda 6e besser sein
Die größte Kritik betrifft die Bedienung. Zwar wirkt das Cockpit aufgeräumt, doch manche Funktionen verstecken sich unnötig tief in Untermenüs. Gerade während der Fahrt kann das nerven. Auch die Sprachsteuerung kann Kopfschmerzen bereiten. Die offensichtlich weibliche Assistentin mischt sich manchmal ungefragt ein, kann aber viele Dinge noch nicht beantworten, manche Übersetzungen im System wirken noch unfertig. Auch das soll mit neuer Software deutlich besser werden.
Da wir gerade beim Meckern sind: auch die reale Reichweite fällt im Alltag etwas nüchterner aus als die WLTP-Werte versprechen. Wer häufig Autobahn fährt oder zügig unterwegs ist, leert den Akku schneller als gedacht. Der reicht bei gemischter Fahrt ganzjährig für realistische Etappen von etwa 300 Kilometern.

Am besten geeignet ist der Mazda 6e für…
…alle, die genug von überdrehten E-Mobilen haben und mal wieder einfach Auto fahren möchten. Ein höflicher Japaner für Menschen, die Wert auf Design, Komfort und Charakter legen. Aber dafür keine Premiumpreise bezahlen wollen. Ebenso richtet sich der Mazda 6e an Fahrer, die klassische Limousinen vermissen und mit den aktuellen SUV-Trends wenig anfangen können.

Und was kostet der Spaß?
Ganz billig ist der Mazda 6e nicht – aber gemessen, an dem was er bietet, preiswert. Los geht es bei rund 45.000 Euro. Allerdings bekommt man dafür bereits eine ziemlich umfangreicheAusstattung und ein erstaunlich hochwertiges Gesamtpaket. Die besser ausgestatteten Varianten kratzen an der 50.000-Euro-Marke, bewegen sich damit aber immer noch auf einem Niveau, das viele Konkurrenten inzwischen locker überschreiten. Angesichts von Verarbeitung, Komfort und Design wirkt der Mazda fast schon vernünftig kalkuliert.

Fazit: Mazda 6e kaufen oder nicht?
Der Mazda 6e ist keine Revolution auf Rädern. Das will er auch nicht sein. Während viele Hersteller versuchen, Elektromobilität möglichst futuristisch oder spektakulär zu inszenieren, bleibt Mazda entspannt. Der 6e fährt leise, komfortabel und souverän. Er sieht gut aus, bietet viel Platz und vermittelt dieses selten gewordene Gefühl von Gelassenheit. Natürlich ist nicht alles perfekt. Die Software muss dringend überarbeitet werden, die Bedienung sollte einfacher sein und die Reichweite im Alltag etwas üppiger ausfallen. Trotzdem bleibt nach der Fahrt vor allem ein Gedanke hängen: Alles so schön entspannt hier…
Die Recherche erfolgte aufgrund der Zurverfügungstellung eines Testwagens. Der Inhalt wurde unabhängig erstellt; eine Einflussnahme fand nicht statt.






























































