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Mitten im kulinarischen Trubel Europas verteidigt Anthony Sarpong, Michelin-Stern-Träger und Inhaber von Anthony’s Kitchen, nicht nur seinen Platz unter den Besten der Gourmetwelt – er verfolgt zugleich eine tief persönliche Mission: den Bau einer Mädchenschule in Ghana.

Zwischen edlen Menüs und Spitzenbewertungen schlägt sein Herz für Bildung und soziale Gerechtigkeit. Im Interview spricht der Spitzenkoch über die Leidenschaft, mit der er sich für benachteiligte Mädchen in seinem Herkunftsland einsetzt. Ein Gespräch über Verantwortung, Visionen – und die Kraft, mit Talent mehr zu bewirken als nur kulinarische Meisterwerke.

Es ist das Herzensprojekt von Sternekoch Anthony Sarpong, dass die Mädchenschule in Ghana bald fertiggestellt wird
Es ist das Herzensprojekt von Sternekoch Anthony Sarpong, dass die Mädchenschule in Ghana bald fertiggestellt wird / © Foto: Anthony Sarpong / Smartphone

Exklusives Interview mit Sternekoch Anthony Sarpong über sein Herzensprojekt

Andreas Conrad: Was hat Dich dazu bewegt, eine Mädchenschule in Ghana zu gründen?

Anthony Sarpong: Ich bin in Ghana geboren – meine Wurzeln liegen dort. Alles, was ich heute bin, ist auch ein Resultat von Chancen, die ich bekommen habe. Viele junge Mädchen in Ghana haben diese Möglichkeiten nicht. Bildung bedeutet für sie nicht nur Wissen, sondern Zukunft, Würde und Freiheit. Genauso wie ich in der Küche Kreativität, Disziplin und Selbstentfaltung leben darf, will ich jungen Mädchen einen Ort geben, an dem sie ihre eigene “Küche” entdecken – ihre Talente, ihre Träume, ihre Kraft.

Sternekoch Anthony Sarpong liegt sein Projekt in Ghana sehr am Herzen
Sternekoch Anthony Sarpong liegt sein Projekt in Ghana sehr am Herzen / © Redaktion FrontRowSociety.net

Andreas Conrad: Welche Herausforderungen gab es beim Bau?

Anthony Sarpong: Es war kein leichter Weg. Bürokratie, Materialengpässe, Wetter, Finanzierung – manchmal war es ein echter Hürdenlauf. Aber wir haben nicht aufgegeben. Ich war oft selbst vor Ort, habe mit Behörden gesprochen, mit Bauarbeitern geplant, selbst mit Hand angelegt. Was mich durchhalten ließ? Der Gedanke, dass hinter jedem Ziegelstein ein Mädchen steht, das dadurch eine bessere Zukunft bekommt.

Es geht teilweise sehr langsam voran..
Es geht teilweise sehr langsam voran… / © Foto: Anthony Sarpong / Smartphone

Andreas Conrad: Wie gelingt kulturell relevante und zukunftsweisende Bildung?

Anthony Sarpong: Wir arbeiten mit lokalen Pädagogen, aber auch mit Expertinnen aus Europa zusammen. Die Mädchen lernen praxisorientierte Berufe wie Haarstyling, Fashion Design, Kulinarik, Eventmanagement und digitales Marketing – also das, womit sie realistisch Geld verdienen und sich unabhängig machen können. Gleichzeitig legen wir großen Wert auf Werte wie Selbstbewusstsein, Verantwortung und Gemeinschaftssinn.

Regelmäßige Zusammentreffen, ....
Regelmäßige Zusammentreffen, …. / © Foto: Anthony Sarpong / Smartphone
... auch zum Gebet
… auch zum Gebet / © Foto: Anthony Sarpong / Smartphone

Andreas Conrad: Wie ist die Gemeinde eingebunden?

Anthony Sarpong: Die Schule lebt nicht isoliert. Wir holen Eltern, lokale Handwerker, Unternehmer und sogar traditionelle Autoritäten mit ins Boot. Die Familien spüren, dass es um etwas Echtes geht – und viele unterstützen mit kleinen Beiträgen, mit Zeit oder einfach mit Stolz. Das stärkt nicht nur das Projekt, sondern die ganze Region.

Die Gemeinschaft hält zusammen
Die Gemeinschaft hält zusammen / © Foto: Anthony Sarpong / Smartphone

Andreas Conrad: Gibt es ein besonderes Erlebnis mit einer Schülerin?

Anthony Sarpong: Ja, und es berührt mich bis heute. Eine junge Schülerin namens Ama kam aus sehr schwierigen Verhältnissen. Kaum jemand hatte an sie geglaubt. Heute leitet sie mit 18 Jahren ein kleines Hair & Beauty Studio im Ort – aufgebaut mit dem Wissen und der Motivation, die sie aus der Schule mitgenommen hat. Wenn sie heute strahlt, sehe ich, warum sich jeder Stein gelohnt hat.

Andreas Conrad: Wie finanzieren wir das Projekt langfristig?

Anthony Sarpong: Ein Teil kommt über meine Stiftung „Anthony’s Charity e.V.“, ein weiterer durch private Spender und Partnerunternehmen, die hinter der Vision stehen. Langfristig planen wir ein Social-Business-Modell: Die Schule bietet z. B. Events, Caterings oder Designprodukte an – so können sich Teile des Betriebs selbst tragen und zugleich praktisches Lernen fördern.

Bald soll es soweit sein, das die Mädchen in ihre Schule gehen können
Bald soll es soweit sein, das die Mädchen in ihre Schule gehen können / © Foto: Anthony Sarpong / Smartphone
Wenn ein neuer Bauabschnitt eingeweiht wird, ... ist es immer ein Festakt
Wenn ein neuer Bauabschnitt eingeweiht wird, … ist es immer ein Festakt / © Foto: Anthony Sarpong / Smartphone

Andreas Conrad: Und in zehn Jahren?

Anthony Sarpong: Dann wünsche ich mir, dass unsere Absolventinnen nicht nur in Jobs arbeiten – sondern selbst Arbeitgeberinnen sind. Dass sie neue Schulen gründen, andere Mädchen fördern, die Gesellschaft mitgestalten. Ich glaube fest daran: Wenn man ein Mädchen bildet, bildet man eine ganze Generation.

FrontRowSociety-Herausgeber Andreas Conrad führte das Interview mit Anthony Sarpong, Sternekoch und Inhaber von Anthony’s Kitchen im Juni 2025.

Weitere Informationen:

Anthony’s Kitchen GmbH
Moerser Straße 81
40667 Meerbusch