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Seit Generationen steht der Name Paul Achs für präzise, langlebige Weine aus dem burgenländischen Gols.

Das Familienweingut, dessen Wurzeln bis ins 17. Jahrhundert reichen, verbindet gewachsene Erfahrung mit einer klaren, sachlichen Haltung gegenüber Qualität, Herkunft und nachhaltigem Arbeiten. Tradition ist hier kein romantisches Schlagwort, sondern ein belastbares Fundament, auf dem Entscheidungen mit Ruhe und Überzeugung getroffen werden.

Als Paul Achs 1990 den Betrieb übernahm, stellte er die Weichen neu: weg vom Schwerpunkt Weißwein, hin zu charakterstarken Rotweinen, die das Potenzial der Böden rund um den Neusiedler See präzise widerspiegeln. Sein Zugang ist analytisch, standortbezogen und kompromisslos in der Qualitätsfrage. Alte Rebanlagen, biodynamische Bewirtschaftung und ein feines Gespür für physiologische Reife prägen heute einen Stil, der für Klarheit, Struktur und Lagerfähigkeit steht.

Paul und Effi Achs unterwegs in der Ried Altenberg, einer der renommiertes Lagen für Blaufränkisch
Paul und Effi Achs unterwegs in der Ried Altenberg, einer der renommiertes Lagen für Blaufränkisch / Foto: © Roland Unger

Zugleich engagiert sich das Weingut in renommierten Winzervereinigungen wie Respekt und den Renommierten Weingütern Burgenland (RWB). Beide Zusammenschlüsse stehen für streng nachhaltige Bewirtschaftung, kompromisslose Qualitätsmaßstäbe und ein klares Bekenntnis zur Herkunft, Werte, die auch die Philosophie von Paul Achs konsequent widerspiegeln.

Im Interview spricht Paul Achs über Verantwortung gegenüber Herkunft und Geschichte, über die Abkehr von Trends zugunsten langfristiger Substanz und darüber, warum große Weine vor allem Geduld, Beobachtung und Konsequenz verlangen.

Exklusives Interview mit Paul Achs

Annett Conrad: Herr Achs, Ihre Familie betreibt seit dem 17. Jahrhundert Weinbau in Gols. Was bedeutet diese lange Geschichte für Sie persönlich? Ist sie Verpflichtung, Inspiration oder beides zugleich?

Paul Achs: Die lange Geschichte unseres Weinguts verstehe ich als klare Verpflichtung, bewährte Grundsätze fortzuführen und das Weingut solide weiterzuentwickeln. Gleichzeitig liefert die Erfahrung vieler Generationen verlässliche Orientierung für die täglichen Entscheidungen. Tradition ist für uns kein Selbstzweck, sondern ein Faktor, der Sicherheit gibt und verhindert, dass kurzfristige Trends dominieren. Die Inspiration liegt darin, Bestehendes immer wieder zu hinterfragen und dort weiterzuentwickeln, wo es sinnvoll erscheint. Unser Ansatz bleibt: Erfahrungen aus der Vergangenheit sinnvoll mit aktuellen Erkenntnissen zu verbinden, zum Nutzen des Weins und des Betriebs.

Gerti und Paul Achs haben 1990 die Verantwortung für das Weingut in die Händes ihres Sohnes gelegt
Gerti und Paul Achs haben 1990 die Verantwortung für das Weingut in die Hände ihres Sohnes gelegt / Foto: © Roland Unger

Annett Conrad: Als Sie 1990 den Betrieb übernommen haben, war das Weingut noch stark vom Weißwein geprägt. Wann entstand bei Ihnen die Überzeugung, dass die Zukunft Ihres Hauses im Rotwein liegt?

Paul Achs: Die Entscheidung für den Ausbau der Rotweine war das Ergebnis vieler Verkostungen und detaillierter Analysen unserer Lagen und klimatischen Bedingungen. Wir haben gezielt Bodenprofile genommen und die jeweiligen Eigenschaften systematisch ausgewertet. Dabei wurde deutlich, dass nicht nur der Blaufränkisch, sondern grundsätzlich die genaue Abstimmung der Rebsorte auf den jeweiligen Boden entscheidend ist. Unser Ansatz war und ist, für jede Lage die Sorte zu wählen, die dort die besten Voraussetzungen findet. Genau das macht unsere Arbeit aus: Die Verbindung von Standortkenntnis, präziser Beobachtung und der Bereitschaft, Maßnahmen immer wieder kritisch zu hinterfragen. Die Umstellung erfolgte Schritt für Schritt und auf Basis von klar nachvollziehbaren Ergebnissen – nicht als Trend, sondern als logische Konsequenz aus dem, was der Standort vorgibt und was die beste Qualität ermöglicht.

Annett Conrad: Viele Ihrer Weingärten gehen noch auf Pflanzungen Ihres Großvaters zurück. Wie sehr prägt dieses gewachsene Fundament heute noch Ihren Zugang zu Terroir und Stilistik?

Paul Achs: Unsere Großväter haben bereits darauf geachtet, dass die jeweils passende Sorte an die richtige Lage kommt. Diese vorausschauende Herangehensweise ist für uns heute eine zentrale Grundlage. Sie ermöglicht es uns, auf gewachsenen Strukturen und langjährigen Erfahrungen aufzubauen. Die alten Rebanlagen bilden ein stabiles Fundament und zeigen, wie wichtig die Abstimmung zwischen Sorte und Standort ist. Für uns bedeutet das, Eingriffe im Weinberg nur dann vorzunehmen, wenn sie nachweislich sinnvoll sind. Die Stilistik unserer Weine ist klar von diesen gewachsenen Strukturen geprägt: Wir setzen auf Präzision, Klarheit und Langlebigkeit. Die Arbeit unserer Vorfahren gibt uns heute die Möglichkeit, Entwicklungen sachlich zu bewerten und auf einem soliden Fundament weiterzuarbeiten.

Paul Achs, Paradewinzer aus dem Burgenland
Paul Achs, Paradewinzer aus dem Burgenland / Foto: © Roland Unger

Annett Conrad: Mit Pannobile haben Sie gemeinsam mit anderen Winzern eine neue Identität für den burgenländischen Rotwein geschaffen. Was war der ursprüngliche Antrieb hinter dieser Idee – und wie blicken Sie heute darauf zurück?

Paul Achs: Der Ursprung von Pannobile lag in den Lagen rund um Gols, mit dem Ziel, die Herkunft und Qualität der Region klar zu definieren. Die Besonderheit war, dass jeder Betrieb seinen eigenen Pannobile-Wein nach gemeinsamen Grundsätzen produziert hat. Das war unser verbindender Nenner. Solange sich die Gruppe auf diese Herkunft und die Golser Lagen konzentrierte, war die Marke Pannobile als Wein und als Gemeinschaftsprojekt sowohl im Markt als auch bei Konsumenten sehr erfolgreich. Mit der Entscheidung, die Herkunft des Weines auf andere Gebiete auszuweiten und die Stilistik zu öffnen, vor allem in Richtung Orange Wine, hat sich der Fokus verschoben. Während einige Betriebe als Einzelmarken in neuen Segmenten erfolgreich geblieben sind, hat der ursprüngliche Erfolg von Pannobile als gemeinschaftlicher Wein spürbar nachgelassen.

Für uns war das ein entscheidender Punkt die Gruppe zu verlassen. Wir sind bei unserem klaren Herkunftsverständnis und unserer Stilistik geblieben, weil wir überzeugt sind, dass eine starke Weinmarke eine klare Linie und Identität braucht. Die freundschaftliche Verbindung zu den Kolleginnen und Kollegen besteht weiterhin, aber für uns war es konsequent, aus der Gruppe auszutreten, als der gemeinsame Nenner verloren ging. Unser Standpunkt ist: Herkunft, Klarheit und ein definierter Qualitätsanspruch sind die Grundlage für nachhaltigen Erfolg einer Weinmarke. Eine Marke verliert an Wert, wenn sie ihre ursprünglichen Grundlagen aufgibt.

Der Pannobile ist (war) eine Cuvée aus Blaufränkisch und Zweigelt, aus Trauben, die in den besten Lagen von Gols gedeihen / © Redaktion FrontRowSociety.net

Annett Conrad: Ihr Arbeiten im Weingarten ist eng mit ökologischem Denken verbunden. Wann wurde Ihnen klar, dass nachhaltiger Weinbau für Sie kein Zusatz, sondern die Grundlage Ihrer Arbeit ist?

Paul Achs: Für uns hatten Biolebensmittel im Alltag der Familie immer einen sehr hohen Stellenwert. Wir konnten schon früh beobachten, dass Produkte wie Milch, Fleisch oder Obst aus biologischer Produktion in Qualität und Verträglichkeit klar überlegen sind. Beim Wein war das Thema Bio lange Zeit mit Vorbehalten behaftet – die Bezeichnung galt in der Branche eher als Entschuldigung für geringere Qualität. Erst als in Österreich viele Topbetriebe auf biodynamische Bewirtschaftung umgestellt und bewiesen haben, dass damit hochwertige und lagerfähige Weine entstehen, hat sich auch das öffentliche Bild von Bio- und Biodynamik grundlegend verändert. Für uns bleibt die biodynamische Arbeitsweise ein Fundament für nachhaltige Qualität, nicht ein Marketinginstrument.

Ried Ungerberg, wie in jeder anderen Parzelle gedeihen auch hier ide Reben auf komplex gesunden Böden
Ried Ungerberg, wie in jeder anderen Parzelle gedeihen auch hier ide Reben auf komplex gesunden Böden / Foto: © Roland Unger

Für uns war von Anfang an wichtig, im Weingarten konsequent ökologisch und später biodynamisch zu arbeiten. Unser Hauptanliegen war dabei, die Biodiversität zu fördern, den Humusgehalt und das Bodenleben zu erhalten und damit langfristig stabile und vitale Reben zu sichern. Dieses Vorgehen verstehen wir als Grundvoraussetzung für nachhaltige Qualität und nicht als kurzfristige Maßnahme. Heute, 20 Jahre nach der Umstellung, zeigt sich, dass unsere Reben mit den Herausforderungen des Klimawandels gut umgehen können und unter den veränderten Bedingungen zuverlässig stabile Ergebnisse liefern.

Es ist uns dabei wichtig zu betonen, dass biodynamisch bewirtschaftete Weingärten nicht automatisch mit Natural- oder Orange-Weinen gleichzusetzen sind. Unser Ziel ist es, Weine mit reifen, feinen Tanninen und langer Lagerfähigkeit zu erzeugen. Dafür ist die physiologische Reife der Trauben entscheidend. Große Weine entstehen aus unserer Sicht nur, wenn man mit Geduld die optimale Reife abwartet. Frühzeitige Lese, um niedrigere Alkoholwerte zu bekommen, führt aus unserer Sicht zu unreifen Tanninen und mangelnder Qualität. Unsere Philosophie steht für Präzision, Stabilität und Klarheit, nicht für kurzfristige Trends.

Annett Conrad: Sie arbeiten seit vielen Jahren biodynamisch. Was hat sich dadurch konkret in Ihren Weingärten und Weinen verändert – und was würden Sie Kritikern dieser Methode entgegnen?

Paul Achs: Die Umstellung auf biodynamische Methoden hat zu einer spürbaren Verbesserung der Bodenstruktur und der Vitalität der Reben geführt. Die Weine zeigen mehr Klarheit und Stabilität in ihrer Entwicklung. Wir beobachten eine größere Ausgeglichenheit der Jahrgänge und eine höhere Widerstandsfähigkeit gegenüber klimatischen Schwankungen. Kritikern begegnen wir mit nachprüfbaren Ergebnissen: Sensorische und analytische Daten belegen die positiven Effekte. Entscheidend ist für uns, dass die Methode in der Praxis funktioniert und messbare Verbesserungen bringt.

Familienbande eines Generationsbetriebs: Opa Paul ist immer noch im Presshaus aktiv
Familienbande eines Generationsbetriebs: Opa Paul ist immer noch im Presshaus aktiv / Foto: © Roland Unger

Annett Conrad: Der Klimawandel stellt den Weinbau vor große Herausforderungen. Welche Verantwortung tragen Winzer aus Ihrer Sicht gegenüber Boden, Landschaft und den kommenden Generationen?

Paul Achs: Winzer tragen die Verantwortung, die natürlichen Ressourcen so zu bewirtschaften, dass sie auch in Zukunft nutzbar bleiben. Dazu gehören der Erhalt der Böden, eine effiziente Wassernutzung und die Förderung der Biodiversität. Jede Maßnahme wird auf ihre langfristige Wirkung geprüft. Anpassungen an klimatische Veränderungen erfolgen auf Grundlage von Analysen und Erfahrungen. Das Ziel ist, die Grundlagen des Betriebs dauerhaft zu sichern und keine kurzfristigen Lösungen zu bevorzugen. Nachhaltigkeit und die Bewahrung der Bodenqualitäten stehen im Vordergrund.

Lebendiger Boden lässt gesunde Trauben wachsen
Lebendiger Boden lässt gesunde Trauben wachsen / Foto: © Roland Unger

Annett Conrad: Zum Abschluss der Blick nach vorne: Wie soll sich das Weingut Paul Achs weiterentwickeln und was wünschen Sie sich ganz grundsätzlich für die Zukunft des Weinbaus in Österreich?

Paul Achs: Für uns steht fest, dass wir mit unseren Lagen und den gewählten Sorten die richtige Basis gefunden haben. Seit den 1990er Jahren verfolgen wir einen klaren Stil, geprägt von Herkunft, Struktur und Ruhe, und nehmen nur dort Anpassungen vor, wo es tatsächlich sinnvoll ist. Das Ziel ist es, die Weine kontinuierlich weiterzuentwickeln und dabei Eleganz und Finesse in den Vordergrund zu rücken. Kleine Veränderungen, immer aus der Situation heraus, sind für uns wichtiger als radikale Richtungswechsel. Die biodynamische Bewirtschaftung unterstützt diesen Ansatz optimal, da sie den Reben ermöglicht, ihr Potenzial voll auszuschöpfen und die Unterschiede der Jahrgänge differenziert abzubilden.

Paul Achs mit seinem Sohn Johannes - der Staffelstab wird innerhalb der Familie weitergegeben
Paul Achs mit seinem Sohn Johannes – der Staffelstab wird innerhalb der Familie weitergegeben / Foto: © Roland Unger

Mit Blick auf den österreichischen Weinbau wünsche ich mir, dass Herkunft, nachhaltige Bewirtschaftung und ein individueller Zugang zu Sorten und Lagen noch mehr Gewicht bekommen. Die Vielfalt der Regionen ist ein großer Wert, der durch Qualität und stimmige Kommunikation gestärkt werden kann. Entscheidend ist aus meiner Sicht, dass nicht kurzfristige Trends, sondern langfristige Substanz, Authentizität und die Fähigkeit zur Anpassung im Mittelpunkt stehen.

Vielen Dank an Paul Achs für die Zeit und die aufschlussreichen Antworten. Darüber hinaus stellen wir zwei Weine des Weinguts in unserem Artikel Herkunft im Fokus: Die Weine von Paul Achs vor. Darin kommen die Cuvée Gols Reserve 2023 sowie der Blaufränkisch Ungerberg 2022 zu Wort. Beides sind großartige Weine, die ein großartiges Publikum verdienen. 

Paul Achs: Es ist erfreulich, dass Wein als integraler Bestandteil eines gehobenen Lebensstils betrachtet wird. Ein gutes Glas Wein bereichert besondere Momente, hebt die Stimmung und sorgt für Entspannung. Für uns als Weingut ist die Zusammenarbeit mit Gourmet-Restaurants und Hotels von großer Bedeutung. Unsere Weine finden sich auf den Karten vieler dieser erstklassigen Häuser, was die enge Verbindung zwischen hochwertiger Kulinarik und unseren Produkten unterstreicht. Wir sehen uns als Teil dieses Segments, in dem Genuss auf höchstem Niveau zelebriert und honoriert wird.

FrontRowSociety Herausgeberin Annett Conrad führte das Interview mit Paul Achs im Februar 2026. 

Weitere Informationen

Weingut Paul Achs GmbH
Neubaugasse 13
7122 Gols Österreich
Burgenland