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Der Markt für Lebensratgeber ist groß und wächst weiter. Viele Bücher versprechen Orientierung in einer Zeit, in der berufliche Anforderungen, permanente Erreichbarkeit und gesellschaftlicher Leistungsdruck das Gefühl verstärken, nur noch zu funktionieren. Genau hier setzt „Wieder spüren, wer ich bin“ von Frauke Bataille an.

Die Medizinerin und Coachin beschreibt ein Phänomen, das viele Menschen kennen: Man erledigt Aufgaben, erfüllt Erwartungen und organisiert den Alltag, doch das Gefühl für die eigenen Bedürfnisse geht dabei zunehmend verloren. Das eigene Leben wirkt dann eher wie eine Rolle, die man spielt, als wie eine bewusst gestaltete Biografie. Bataille versteht ihr Buch als Einladung, diese innere Distanz zu überwinden und wieder stärker mit sich selbst in Kontakt zu kommen.

Dr. med. habil. Frauke Bataille ist Fachärztin für Pathologie, Unternehmerin und Autorin beschreibt ein gesllschaftliches Phänomen unserer Zeit / © Charly Schwartz

Eine Ärztin schreibt über Selbstwahrnehmung

Bataille bringt für diese Aufgabe eine ungewöhnliche Perspektive mit. Sie ist habilitierte Fachärztin für Pathologie, Unternehmerin und Coachin und arbeitet seit Jahren mit Führungskräften, Unternehmerinnen und Privatpersonen zu Fragen der mentalen Gesundheit und Lebensgestaltung.

Diese doppelte Perspektive – Medizin und Coaching – prägt auch ihr Buch. Statt ausschließlich psychologischer Theorie bietet sie eine Mischung aus wissenschaftlichen Hintergründen, persönlichen Beobachtungen und praktischen Reflexionsübungen. Leserinnen und Leser sollen lernen, körperliche Signale, emotionale Reaktionen und innere Bedürfnisse wieder bewusster wahrzunehmen.

Das Ziel: mehr Selbstwirksamkeit – also das Gefühl, das eigene Leben aktiv gestalten zu können.

Aktive Auszeiten, sich mit der Natur verbinden, reine Präsenz ohne Ablenkung, um Kraft zu tanken und Gedanken neu zu sorteiren
Aktive Auszeiten, sich mit der Natur verbinden, reine Präsenz ohne Ablenkung, um Kraft zu tanken und Gedanken neu zu sortieren / © Redaktion FrontRowSociety.net

Ein Konzept, das älter ist als viele Ratgeber

Interessant ist dabei, dass Bataille sich mit einem Thema beschäftigt, das in der Psychologie längst etabliert ist. Der Begriff der Selbstwirksamkeit wurde bereits in den 1970er-Jahren vom Psychologen Albert Bandura geprägt. Bandura, Professor an der Stanford University, gilt als einer der einflussreichsten Psychologen des 20. Jahrhunderts. Seine Forschung zur sozial-kognitiven Lerntheorie untersuchte, wie Überzeugungen über die eigenen Fähigkeiten Motivation, Verhalten und Leistung beeinflussen.

Bandura definierte Selbstwirksamkeit mit einem Satz, der bis heute häufig zitiert wird:

„Self-efficacy is the belief in one’s capabilities to organize and execute the courses of action required to manage prospective situations.“ (Albert Bandura, Self-Efficacy: The Exercise of Control (1997))

Sinngemäß bedeutet das: Selbstwirksamkeit beschreibt den Glauben an die eigenen Fähigkeiten, Handlungen zu planen und umzusetzen, um zukünftige Herausforderungen zu bewältigen.

Dass dieses Konzept bereits seit Jahrzehnten in der Psychologie diskutiert wird, zeigt auch ein gesellschaftliches Paradox: Die Bedeutung von Selbstwirksamkeit ist wissenschaftlich gut belegt, und doch scheint vielen Menschen genau dieses Gefühl im Alltag zu fehlen.

„Wieder spüren, wer ich bin“ - nicht einfach ein weiterer Ratgeber, sondern ein lesenswertes Buch
„Wieder spüren, wer ich bin“ – nicht einfach ein weiterer Ratgeber, sondern ein lesenswertes Buch für den Gebrauch im Alltag / © Redaktion FrontRowsociety.net

Zwischen Erkenntnis und Umsetzung

Hier liegt der eigentliche Ansatzpunkt von Batailles Buch. Sie versucht nicht, eine völlig neue Theorie zu entwickeln, sondern eine Brücke zwischen wissenschaftlicher Erkenntnis und persönlicher Lebenspraxis zu schlagen.

Besonders überzeugend ist das dort, wo sie die Verbindung zwischen körperlichen Signalen und mentaler Belastung beschreibt. Stress, Überforderung und chronische Erschöpfung erscheinen in ihrer Darstellung nicht als rein psychische Phänomene, sondern als komplexe Wechselwirkungen zwischen Körper, Denken und Verhalten.

Gleichzeitig bewegt sich das Buch stellenweise im bekannten Vokabular moderner Selbsthilfeliteratur. Begriffe wie Balance, Selbstwert oder persönliche Verantwortung gehören längst zum Standardrepertoire des Genres. Wer radikal neue Perspektiven erwartet, wird hier eher Bekanntes in neuer Verpackung finden.

Mit dem Buch von Frauke Bataille sind sowohl Reflektion als auch Veränderung möglich / © Redaktion FrontRowsociety.net

Eine Einladung zur Selbstbeobachtung

Trotzdem besitzt „Wieder spüren, wer ich bin“ eine Stärke: Es versucht nicht, schnelle Lösungen zu verkaufen. Stattdessen versteht Bataille persönliche Veränderung als Prozess, der mit Aufmerksamkeit beginnt – Aufmerksamkeit für die eigenen Bedürfnisse, Grenzen und Ressourcen.

Meiner Meinung nach liegt gerade darin die eigentliche Botschaft des Buches: Die Idee der Selbstwirksamkeit ist keineswegs neu. Sie begleitet die Psychologie seit Jahrzehnten. Neu ist eher die Dringlichkeit, mit der viele Menschen heute nach ihr suchen.

Batailles Buch erinnert daran, dass das Gefühl, das eigene Leben gestalten zu können, nicht durch äußere Umstände entsteht, sondern durch die Fähigkeit, sich selbst wahrzunehmen. Und genau diese Fähigkeit, so zeigt ihre Argumentation, lässt sich trainieren.

Titel: Wieder spüren, wer ich bin
Verlag: Kösel Verlag, München
ISBN: 978-3-466-34848-0
Erscheinungsjahr: 2026
Autor/in: Frauke Bataille

Spannende Einblicke in die Arbeit von Dr. med. habil. Frauke Bataille und ihrem INHESA Institut in Berlin gibt es im Exklusiven Interview mit der Autorin.

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