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Was haben The Notebook, The Patriot, Cold Mountain und die Serie Outer Banks gemeinsam? Sie alle wurden teilweise in Cypress Gardens gedreht – einer unglaublich schönen Sumpflandschaft in South Carolina, rund 50 Kilometer nordwestlich von Charleston. Wer einmal mit einem der kleinen Holzboote durch die stillen Gewässer dieses Naturparks gleitet, versteht sofort, warum dieser Ort Filmemacher ebenso anzieht wie Naturfreunde. 

Cypress Gardens liegt in Moncks Corner in South Carolina und umfasst rund 69 Hektar, ein ehemaliges Plantagengelände, das später in einen Naturpark verwandelt wurde / © FrontRowSociety, Foto: Astrid Steinbrecher-Raitmayr
Cypress Gardens liegt in Moncks Corner in South Carolina und umfasst rund 69 Hektar. Es handelt sich um ein ehemaliges Plantagengelände, das später in einen Naturpark verwandelt wurde / © FrontRowSociety, Foto: Astrid Steinbrecher-Raitmayr

Entschleunigung in South Carolina

Ich stand dort, als der Morgen noch feucht vom Tau war. Das Wasser lag schwarzglänzend vor mir, glatt wie Glas. Nur die Spiegelbilder der meterhohen Sumpfzypressen (Taxodium distichum) brachen die Oberfläche, und das leise Rascheln einer Schildkröte, die sich gemächlich ins Wasser gleiten ließ. Die Luft roch nach Wald, Erde und Stille.

Mit etwas Glück entdeckt man auch den einen oder anderen Alligator / © FrontRowSociety, Foto: Astrid Steinbrecher-Raitmayr
Mit etwas Glück entdeckt man auch den einen oder anderen Alligator / © FrontRowSociety, Foto: Astrid Steinbrecher-Raitmayr
Die Alligatoren lassen sich von den Besucherinnen und Besuchern nicht stören - vorausgesetzt, man kommt ihnen nicht zu nahe / © FrontRowSociety, Foto: Astrid Steinbrecher-Raitmayr
Die Alligatoren lassen sich von den Besucherinnen und Besuchern nicht stören – vorausgesetzt, man kommt ihnen nicht zu nahe / © FrontRowSociety, Foto: Astrid Steinbrecher-Raitmayr

Erbe der Plantagenzeit

Cypress Gardens liegt in Moncks Corner und umfasst rund 69 Hektar – ein ehemaliges Plantagengelände, das später in einen Naturpark verwandelt wurde. Ursprünglich gehörte das Areal zur Dean Hall Plantation, auf der im 18. Jahrhundert Reis angebaut wurde.

Die heute so malerischen Kanäle, die sich durch den Park ziehen, dienten einst der Bewässerung, angelegt von versklavten Menschen, die unter härtesten Bedingungen das komplexe System aus Dämmen und Schleusen errichteten. Mit dem Niedergang des Reisanbaus geriet das Gelände in Vergessenheit, bis der Geschäftsmann Benjamin Kittredge Anfang des 20. Jahrhunderts die besondere Schönheit dieses Landstrichs erkannte.

Mit dem Boot gleitet man nahezu lautlos durch die beeindruckende Sumpflandschaft von Cypress Gardens / © FrontRowSociety, Foto: Astrid Steinbrecher-Raitmayr
Mit dem Boot gleitet man nahezu lautlos durch die beeindruckende Sumpflandschaft von Cypress Gardens / © FrontRowSociety, Foto: Astrid Steinbrecher-Raitmayr

Wiedergeburt im Sumpf

Ab 1909 ließ er die alten Reisfelddämme erneuern, Kanäle durch den Sumpf ziehen und das Areal mit neuen Bäumen, Sträuchern und Blumen bepflanzen. 1932 öffnete er die Gärten schließlich für die Öffentlichkeit. Heute wandern Besucherinnen und Besucher über dieselben Dämme, die vor fast 300 Jahren angelegt wurden, ohne zu ahnen, dass sich unter ihren Füßen Südstaatengeschichte verbirgt.

An den Ufern blühen Blumen und Bäume - Kamelien, Rosen, Taglilien, Azaleen, Magnolien / © FrontRowSociety, Foto: Astrid Steinbrecher-Raitmayr
An den Ufern blühen Blumen und Bäume – Kamelien, Rosen, Taglilien, Azaleen, Magnolien / © FrontRowSociety, Foto: Astrid Steinbrecher-Raitmayr
In Cypress Gardens gibt es keine lauten Touristenströme, nur Natur, Licht und stille Bewegung / © FrontRowSociety, Foto: Astrid Steinbrecher-Raitmayr
In Cypress Gardens gibt es keine lauten Touristenströme, nur Natur, Licht und stille Bewegung / © FrontRowSociety, Foto: Astrid Steinbrecher-Raitmayr

Zwischen Wasser und Wildnis

Die sogenannte Blackwater-Landschaft ist typisch für den Süden der USA: dunkles, fast schwarzes Wasser, das von organischem Material gefärbt wird, gesäumt von Zypressen, deren Wurzeln wie Knie aus dem Wasser ragen. Dazwischen treiben Seerosen, Libellen schwirren umher, Reiher warten unbeweglich auf Beute. Mit etwas Glück lässt sich auch der eine oder andere Alligator blicken – aus sicherer Distanz, aber nah genug, um zu spüren, dass man hier nicht allein ist.

Ich entschied mich beim Entdecken des Naturparks für eines der Boote und ließ mich von einem Ranger begleiten, der mir während der Fahrt Wissenswertes über Flora, Fauna und Geschichte des Gebiets näherbrachte. Wir glitten fast lautlos durchs Wasser und mit jeder Minute schien der Alltag weiter zu verblassen.

Cypress Gardens ist kein Spektakel, aber eine Einladung, langsamer zu werden / © FrontRowSociety, Foto: Astrid Steinbrecher-Raitmayr
Cypress Gardens ist kein Spektakel, aber eine Einladung, langsamer zu werden / © FrontRowSociety, Foto: Astrid Steinbrecher-Raitmayr

Filmreif schön

Spätestens jetzt versteht man, warum Hollywood diesen Ort so liebt. In der legendären Szene aus The Notebook (Wie ein einziger Tag) fahren Noah und Allie in einem Ruderboot durch ein Meer aus Seerosen und Wildgänsen – genau hier, in Cypress Gardens. Die Gänse wurden allerdings eigens für den Dreh eingeflogen, um die romantische Stimmung zu verstärken. Der Moment, in dem das Paar wenig später im strömenden Regen wieder zueinander findet, wurde zur Filmgeschichte. Wer selbst auf diesen Kanälen unterwegs ist, spürt sofort, dass der märchenhafte Zauber dieses Ortes kein extra Filmtrick, sondern real ist.

Wer mit einem der kleinen Holzboote durch die stillen Gewässer dieses Naturparks gleitet, versteht sofort, warum dieser Ort Filmemacher ebenso anzieht wie Naturfreunde / © FrontRowSociety, Foto: Astrid Steinbrecher-Raitmayr
Wer mit einem der kleinen Holzboote durch die stillen Gewässer dieses Naturparks gleitet, versteht sofort, warum dieser Ort Filmemacher ebenso anzieht wie Naturfreunde / © FrontRowSociety, Foto: Astrid Steinbrecher-Raitmayr
1932 öffnete Benjamin Kittredge die Gärten für die Öffentlichkeit / © FrontRowSociety, Foto: Astrid Steinbrecher-Raitmayr
1932 öffnete Benjamin Kittredge die Gärten für die Öffentlichkeit / © FrontRowSociety, Foto: Astrid Steinbrecher-Raitmayr

Garten für alle Jahreszeiten

Doch der Park bietet mehr als romantische Filmgeschichte. Ein etwa fünf Kilometer langes Wegenetz führt durch botanische Bereiche, vorbei an Wasserläufen, Magnolien und Azaleen. Im Frühling explodiert der Park in Farbe: Kamelien, Taglilien, Rosen leuchten in allen Nuancen. In der tropischen Sommerhitze spenden die Zypressen Schatten, während der Herbst das Wasser in goldenes Licht taucht.

Ein weiteres Highlight ist das Butterfly House, in dem Hunderte bunte Schmetterlinge zwischen tropischen Pflanzen tanzen. Gleich daneben befindet sich das Swamparium mit Salamandern, Fischen und Reptilien, sowie ein eigenes Alligatorgehege. Die Mitarbeitenden erzählen von der Flora und Fauna des Parks, beantworten Fragen und geben Tipps.

Das dunkle Wasser wird von organischem Material gefärbt und von Zypressen gesäumt, deren Wurzeln wie Knie aus dem Wasser ragen / FrontRowSociety, Foto: Astrid Steinbrecher-Raitmayr
Das dunkle Wasser wird von organischem Material gefärbt und von Zypressen gesäumt, deren Wurzeln wie Knie aus dem Wasser ragen / FrontRowSociety, Foto: Astrid Steinbrecher-Raitmayr

Neuanfang nach dem Sturm

Auch in jüngerer Zeit blieb Cypress Gardens nicht von Schicksalsschlägen verschont. 1989 zerstörte der Hurrikan Hugo große Teile des Parks, 2015 folgte eine schwere Überschwemmung, die alles unter Wasser setzte. Erst 2019 konnte die Anlage nach aufwendiger Restaurierung wiedereröffnet werden – schöner, barrierefreier und besser zugänglich. Wer heute durch den Park spaziert, sieht gepflegte Holzstege und Brücken, neue Infotafeln und frisch gestrichene Boote. Man spürt, wie viel Herzblut hier investiert wurde, um ein Stück Südstaatennatur lebendig zu halten.

Wohin man auch blickt - überall diese eindrucksvolle Natur. Die namensgebenden Sumpfzypressen (Taxodium distichum) prägen das Ökosystem der Blackwater-Sümpfe. Als anpassungsfähige Feuchtgebietsgewächse gedeihen sie direkt im Wasser und stabilisieren mit ihren charakteristischen Luftwurzeln, den sogenannten „Kniebildungen“, den weichen Untergrund. Sie filtern Nährstoffe, bieten Lebensraum für zahlreiche Tierarten – und verleihen Cypress Gardens sein unverwechselbares Erscheinungsbild / © FrontRowSociety, Foto: Astrid Steinbrecher-Raitmayr
Wohin man auch blickt – überall diese eindrucksvolle Natur. Die namensgebenden Sumpfzypressen (Taxodium distichum) prägen das Ökosystem der Blackwater-Sümpfe. Als anpassungsfähige Feuchtgebietsgewächse gedeihen sie direkt im Wasser und stabilisieren mit ihren charakteristischen Luftwurzeln, den sogenannten „Kniebildungen“, den weichen Untergrund / © FrontRowSociety, Foto: Astrid Steinbrecher-Raitmayr
Die Zypressen filtern Nährstoffe, bieten Lebensraum für zahlreiche Tierarten – und verleihen Cypress Gardens sein unverwechselbares Erscheinungsbild / © FrontRowSociety, Foto: Astrid Steinbrecher-Raitmayr
Die Zypressen filtern Nährstoffe, bieten Lebensraum für zahlreiche Tierarten und verleihen Cypress Gardens sein unverwechselbares Erscheinungsbild / © FrontRowSociety, Foto: Astrid Steinbrecher-Raitmayr

Herz des Südens

Cypress Gardens ist ist eine Verbindung aus historischem Erbe und ursprünglicher Natur. Geschichte, Landschaft und Zeit scheinen hier  ineinanderzufließen. Der Park ist keinesfalls ein Spektakel, sondern eine Einladung, langsamer zu werden. Es gibt auch keine lauten Touristenströme, nur Natur, Licht und stille Bewegung.

Nach Cypress Gardens kommen auch Schulklassen mit ihren Lehrerinnen und Lehrern auf Entdeckungstour / © FrontRowSociety, Foto: Astrid Steinbrecher-Raitmayr
Nach Cypress Gardens kommen auch Schulklassen mit ihren Lehrerinnen und Lehrern auf Entdeckungstour / © FrontRowSociety, Foto: Astrid Steinbrecher-Raitmayr
Gleich neben dem Swamparium befindet sich ein eigenes Alligatorgehege. Dieser Alligator etwa darf aufgrund seiner Größe nicht mehr in den öffentlichen Gewässern herumplantschen / © FrontRowSociety, Foto: Astrid Steinbrecher-Raitmayr
Gleich neben dem Swamparium befindet sich ein eigenes Alligatorgehege. Dieser Alligator etwa darf aufgrund seiner Größe nicht mehr in den öffentlichen Gewässern herumplantschen / © FrontRowSociety, Foto: Astrid Steinbrecher-Raitmayr

Romantik pur

Wer möchte, kann den Park auch zu Fuß erkunden. Ich begegnete älteren Paaren, die auf Bänken entlang der Wege saßen und den Blick über das stille Wasser schweifen ließen, einer Gruppe Fotografen, die gekonnt das Spiegelbild der Zypressen einfingen und einer Schulklasse, die mit ihrer Lehrerin auf Entdeckungstour war. Andere kamen zum Meditieren, einige zum Heiraten. Cypress Gardens ist ein beliebter Ort für Hochzeiten: Paare können sich am Gazebo oder im Memory Garden trauen lassen, manche gleiten mit dem Boot zur Zeremonie. Romantischer geht’s kaum.

Mein Guide erklärt mir während der ca. eineinhalbstündigen Bootsfahrt Wissenswertes über das Naturparadies / © FrontRowSociety, Foto: Astrid Steinbrecher-Raitmayr
Mein Guide erklärt mir während der ca. eineinhalbstündigen Bootsfahrt Wissenswertes über das Naturparadies / © FrontRowSociety, Foto: Astrid Steinbrecher-Raitmayr
Ein weiteres Highlight ist das Butterfly House, in dem Hunderte bunte Schmetterlinge zwischen tropischen Pflanzen tanzen / © FrontRowSociety, Foto: Astrid Steinbrecher-Raitmayr
Ein weiteres Highlight ist das Butterfly House, in dem Hunderte bunte Schmetterlinge zwischen tropischen Pflanzen tanzen / © FrontRowSociety, Foto: Astrid Steinbrecher-Raitmayr

Wissenswertes

Cypress Gardens ist täglich von 9 bis 17 Uhr geöffnet, der Eintritt für Erwachsene beträgt 10 US-Dollar, für Kinder von 6 bis 17 Jahren 5 US-Dollar, das Parken ist kostenlos. Drohnen sind nicht erlaubt. Die Bootstouren durchs Sumpfgebiet sind im Eintritt enthalten.

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