Etwa 20 Minuten von Georgetown an der South Carolina Hammock Coast – einer Küstenregion mit historischen Orten, Natur und Stränden – liegt Wicklow Hall, eingebettet zwischen jahrhundertealten Bäumen, Kamelien, Azaleen und Jasmin. Das historische Anwesen wurde aufwendig restauriert und 2025 als luxuriöses Bed & Breakfast neu eröffnet.

Bed & Breakfast seit 2025
Der Uber-Fahrer durchfährt das schmiedeeiserne Tor, und wir gelangen in einen elf Hektar großen Park mit jahrhundertealten Eichen, die mit Farnen und Spanischem Moos bewachsen sind. Wir müssen ein wenig suchen, denn sowohl die Cottages als auch das Haupthaus, vor dem ich die Besitzerin von Wicklow Hall treffen soll, sind so zwischen den Bäumen versteckt, dass man weder Haus noch Gastgeberin sofort erkennt.
Nach einer kurzen Rundfahrt durch den Park kommt uns schließlich Judith Puckett-Rinella lächelnd entgegen. Sie und ihr Mann David haben das idyllische Anwesen über Jahre hinweg liebevoll restauriert und im Februar 2025 als luxuriöses Bed & Breakfast eröffnet.

National Register of Historic Places
„Es war ziemlich heruntergekommen, als wir es gekauft haben“, erzählt Judith beim Rundgang, „aber es hatte einfach diesen Zauber. Man spürt so etwas.“ Die Geschichte des Anwesens reicht ins 19. Jahrhundert zurück. Judith erzählt von drei britischen Brüdern, die zunächst ein kleines Cottage errichteten, wie es damals üblich war. Während das große Haus entstand, lebte man im Gästehaus.
Das Haupthaus „The Grand House“ wurde schließlich 1853 fertiggestellt und ins National Register of Historic Places aufgenommen. Heute findet man hier noch originale Heart-Pine-Böden, welliges Fensterglas und zehn restaurierte Kamine. Nichts davon wirkt museal. Judith und David wollten kein Haus schaffen, das eine düstere Vergangenheit ausstrahlt.

Alles sollte echt und zeitlos sein
„Wir wollten auch nie dieses typische ‚historische‘ Bed & Breakfast“, sagt sie. „Keine Puppen, keine Spitzen, keine falsche Nostalgie oder Teddybären. Dergleichen findet man bei uns nicht. Stattdessen sollte alles echt sein. Und zeitlos.“
So wurden die Badezimmer mit italienischem Marmor ausgestattet, in jedem Zimmer gibt es eine kleine, moderne Kitchenette, einen funktionierenden Kamin, exklusive King-Size-Betten und ausschließlich maßgefertigte Möbel. Viele Möbel entstanden aus Holz aus North Carolina, manche aus gerettetem Material, das David selbst aufbereitete

Handgemaltes Wandbild von Lynne Fensterer
Echte Materialien altern schön, und sie werden nie aus der Mode kommen“, sagt Judith. Fast jedes Möbelstück, jedes Holzpaneel trägt eine Geschichte in sich. Freunde und Familienmitglieder arbeiteten am Ausbau mit. Die große Bar im Salon etwa wurde gemeinsam mit Judiths Mutter gefertigt.
Im Herzen des Haupthauses liegt der große Salon. Dort breitet sich ein handgemaltes Wandbild – eine Küstenmarschlandschaft der Beaufort-Künstlerin Lynne Fensterer – über die Wände aus: üppig, ruhig, beinahe träumerisch. Judith erzählt, wie die Künstlerin zunächst in ihrem Studio arbeitete und dann direkt vor Ort alles fertigstellte.


Nichts wurde dem Zufall überlassen
„Ich saß mit David hier im Salon und starrte auf diese eine noch weiße Stelle unter der Treppe. Ich sagte: Das geht so nicht. Und er sagte: Judith, du musst aufhören. Aber ich konnte nicht.“ Also kam Lynne zurück, blieb drei Tage und malte weiter. „Manchmal weiß man einfach, dass man noch nicht fertig ist“, sagt Judith wissend.
Judiths Entschlossenheit zeigt sich sowohl das Haupthaus als auch in den Gästehäusern. Nichts wurde dem Zufall überlassen. Türen aus einem abgerissenen Gebäude auf einer nahegelegenen Insel wurden umgedreht und eingebaut. Ein ehemaliger Stall wurde zu einem Cottage restauriert, die alten Namensschilder der Pferde „Lucy“ und „Polly“ blieben erhalten.

Wicklow Hall ist ein Haus für Geselligkeit
In manchen Badezimmern hängen Originalwerke von Ralph Gibson, im Haus Arbeiten von Nigel Parry sowie David Rinellas professionelle Fotografien. Die Lobby wirkt fast wie eine private Galerie. Als Seifenspender in den Bädern findet man schon mal schöne, alte, gläserne Parfumflakons oder Waschbecken mit Einlagen aus Perlmuttmuscheln. Jeder noch so kleine Lampenschirm ist auf die Farbe des Zimmers abgestimmt, jedes Fenster wurde so platziert, dass der Blick nach draußen besonders schön ist.
Wicklow Hall ist ein Haus für Geselligkeit. An den Wochenenden gibt es elegante Südstaaten-Dinner, oft begleitet von Live-Jazz. Beim Azaleen-Dinner im März kamen vierzig Gäste in Leinenanzügen und Abendkleidern zusammen; serviert wurden Dirty Rice (würziger Reis nach Südstaaten-Cajun-Art), Fried Fish, Roast Beef und Bourbon Punch (Cocktail mit Bourbon-Whiskey).

Unter Freunden
Judith erzählt davon nicht wie von einem Event, sondern wie von einem gelungenen Abend unter Freunden. „Unsere Gäste finden hier schnell ihre Lieblingsplätze – an der Bar, irgendwo im Garten, selbst auf der Treppe. Sie lernen einander kennen und haben sofort Spaß. Und meist setzt sich dann noch irgendjemand ans Klavier, und alle singen fröhlich mit.“
Auch das Frühstück folgt dieser persönlichen Philosophie. Statt standardisierter Buffets serviert Judith häufig selbstgemachte Gerichte direkt am Tisch: Zitronen-Ricotta-Pancakes mit karamellisierten Äpfeln, hausgemachte Würstchen oder frische Produkte lokaler Farmen.


„Nachts ist es hier wie in Jurassic Park“
Besonders beliebt sind auch die Cottages von Wicklow Hall, etwa für Paare, die häufig auch mit Hund anreisen. „Wir haben viele Gäste, die uns mit ihren Vierbeinern besuchen. Sie sitzen dann abends mit einem Glas Wein im privaten Hot Tub oder an der Feuerstelle, der Hund liegt daneben, und plötzlich fällt der ganze Stress ab. Wir wollten hier Dinge schaffen, die Menschen zu Hause nicht haben. Etwas, das sie wirklich entschleunigt.“
Am schönsten ist Wicklow Hall am Morgen oder spät am Abend, zum Beispiel auf der Hemingway Porch, die wegen der typischen Hemingway-Sessel nach dem großen Schriftsteller benannt wurde. Dann riecht der Garten intensiv nach Jasmin – ich war im Mai dort -, Vögel zwitschern, durch die Fenster fällt warmes Licht auf die alten Böden. „Das ist auch meine Lieblingszeit. Man muss gar nicht viel tun, nur sitzen und hören. Nachts ist es hier wie in Jurassic Park“, sagt Judith und lacht.

„Die Menschen wollen heute etwas fühlen“
Wicklow Hall muss sich nicht verkaufen, die Magie des Ortes war für mich sofort spürbar. Irgendwann sitzt man einfach nur noch auf der Veranda, hört der Natur zu und vergisst völlig die Zeit und sein Smartphone. „Ja, die Menschen wollen heute etwas fühlen. Nicht einfach mehr irgendwo schlafen“, sagt Judith.
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