In der südlichen Maremma, eingebettet zwischen mediterraner Wildnis und erfüllender Stille, entstehen auf dem Weingut Monteti außergewöhnliche Weine im Einklang mit der Natur, der Region und ihren Menschen.
Hier verbinden Eva Baratta und Javier Pedrazzini ihre sehr unterschiedlichen Lebenswege – Filmkunst und Diplomatie – mit einer gemeinsamen Vision: kompromisslosen Weinbau, tief verwurzelt im Terroir und zugleich international gedacht. Mit den beiden Inhabern spreche ich über persönliche Neuanfänge, die Kraft des Maremma-Bodens und die Entscheidung, nur drei charaktervolle Weine zu produzieren. Ein Blick hinter die Kulissen eines Ortes, an dem Handwerk, Herkunft und Hingabe zu einer eindrucksvollen Einheit verschmelzen.

Exklusives Interview mit Eva Baratta und Javier Pedrazzini
Annett Conrad: Javier, Sie haben eine beeindruckende diplomatische Karriere und Ihre argentinische Heimat hinter sich gelassen, um ein Weingut im abgelegenen Süden der Maremma zu leiten. Was war der innere Antrieb für diese radikale Entscheidung – und wann war Ihnen klar, dass der Weinbau für Sie mehr als nur ein neues berufliches Kapitel werden würde?
Javier Pedrazzini: Ich denke, der innere Antrieb war die magnetische Anziehungskraft des Projekts Tenuta Monteti. Jedes Mal, wenn wir das Weingut besuchten, hatten wir das Gefühl, eine andere mögliche Lebensform zu erproben: ein Leben in engem Kontakt mit der Natur, im Dialog mit den Elementen, in einer außergewöhnlichen Umgebung. Dabei ging es jedoch nicht um ein idyllisch-bukolisches Dasein, sondern um ein Leben voller Herausforderungen, mit einem starken Pioniergeist und dem klaren Ziel, Weine auf höchstem Niveau in einer nahezu unbekannten Ecke der Toskana zu erzeugen. Wir hätten unsere früheren Leben nicht aufgegeben, wenn es nicht diese einzigartige Mischung aus atemberaubender Schönheit, großer ursprünglicher Vision und extremen Schwierigkeiten gegeben hätte. Im Jahr 2010 nahm ich mir ein Sabbatjahr, um zu prüfen, ob all das Sinn ergab – und sehr bald wurde mir klar, dass diese Entscheidung eine endgültige war.
Annett Conrad: Eva, Sie sind mit Monteti aufgewachsen, haben zunächst jedoch eine erfolgreiche Karriere als Dokumentarfilmerin eingeschlagen. Was war der entscheidende Moment, in dem Sie sich entschieden haben, in die Fußstapfen Ihrer Eltern zu treten und die Arbeit auf dem Familiengut fortzuführen?
Eva Baratta: Ich bin in Rom aufgewachsen. Als meine Eltern das Anwesen kauften und das Projekt Tenuta Monteti ins Leben riefen, lebte ich im Ausland. In ihre Pläne war ich daher zunächst kaum eingebunden. Ab 2004 begann ich jedoch, mich immer stärker zu engagieren. Und im Jahr 2010, als meine Tochter noch ein Kleinkind war, wurde deutlich, dass das Weingut wuchs und die volle Aufmerksamkeit und Präsenz der Eigentümer benötigte. Ich kann nicht mit Sicherheit sagen, ob ich mich für Tenuta Monteti entschieden habe oder ob Tenuta Monteti sich für mich entschieden hat. Vielleicht brauchen wir einander einfach.

Annett Conrad: Javier, Ihr Weingut ist stark in der Region verwurzelt und trägt zugleich eine ausgeprägte internationale Prägung. Wie würden Sie Ihr persönliches Verständnis des Terroirs der Maremma beschreiben – und wie beeinflusst Ihr interkultureller Hintergrund den Charakter der Monteti-Weine?
Javier Pedrazzini: Sowohl Eva als auch ich lieben die Wildheit und den archaischen Charakter dieses Landstrichs. Unser Ziel war es immer, diese Landschaften durch unsere Weine sprechen zu lassen: das Meer, das Salz, die Felsen, die Macchia und die Wälder sind stets Teil der Palette, mit der wir unsere Weine komponieren. Um dies auf einem bestimmten Niveau zu erreichen, waren wir uns mit unserem Berater Carlo Ferrini einig, dass internationale Rebsorten notwendig sind – allerdings nur unter der Voraussetzung, dass wir das Risiko eingehen, sie auf völlig persönliche Weise zu verschneiden. Deshalb ähneln unsere Cuvées keinen anderen Weinen. Wenn unser interkultureller Hintergrund einen Beitrag leistet, dann vielleicht durch die Freiheit, keine Angst davor zu haben, neue Wege zu gehen und das Lokale durch das Internationale zu bereichern – und umgekehrt.
Annett Conrad: Eva, Monteti produziert bewusst nur drei Weine. Welche Philosophie steht hinter dieser Konzentration – und was bedeutet es für Sie, Qualität durch Fokussierung statt durch Vielfalt auszudrücken?
Eva Baratta: Unser Projekt war von Anfang an sehr ambitioniert: in einem noch unentdeckten Terroir ausschließlich Spitzenweine zu erzeugen. Wir wussten, dass wir Demut brauchen würden, um zu beweisen, dass wir recht hatten. Das bedeutete harte Arbeit und intensive Forschung – sowohl im Weinberg als auch im Keller. Wir mussten uns auf das konzentrieren, was unser Terroir auf höchstem Niveau ausdrücken kann, und durften uns nicht von kurzfristigen kommerziellen Erwartungen ablenken lassen. Wir begannen mit Monteti und Caburnio, deren erste Jahrgänge 2004 erschienen. 2014 kam TM Rosé hinzu. Jeder dieser Weine hat seine eigene Bedeutung und erzählt von einem bestimmten Teil unserer Landschaft. Sollte in Zukunft ein neuer Wein entstehen, dann nur aus dem Bedürfnis heraus, etwas Neues über uns selbst und unsere Weinberge zu erzählen.
Annett Conrad: Javier, die Cuvées von Monteti gelten als besonders terroirgeprägt und präzise gearbeitet. Wie entsteht für Sie eine Cuvée – ist es eher ein analytischer Prozess oder ein intuitiver Dialog mit den einzelnen Rebsorten und Fässern?
Javier Pedrazzini: Bei Tenuta Monteti sind die Cuvées das Ergebnis von Teamarbeit. Vier von uns setzen sich in mehreren Sitzungen zusammen, um sie zu komponieren. Die Idee ist, sowohl die Geschichte des Weins als auch die Charakteristik des jeweiligen Jahrgangs zusammenzuführen. Zunächst müssen wir die Frage beantworten: „Was wollen wir sagen?“ – und anschließend: „Wie wollen wir es sagen?“ Die erste Frage definiert den Charakter des Weins, die zweite seine Balance. Wir machen zahlreiche Versuche, mit Veränderungen von manchmal nur einem halben Barrique, bis wir einen Konsens erreichen, in dem wir alle das gewünschte „Was“ und „Wie“ wiedererkennen. In diesem Moment wird ein neuer Wein lebendig.

Annett Conrad: Eva, Ihr Weingut öffnet sich zunehmend für Besucher: Verkostungen, Führungen, persönliche Begegnungen mit dem Team, Blendings. Welche Art von Weinerlebnis möchten Sie Ihren Gästen bieten – und wie spiegelt es die Identität von Monteti wider?
Eva Baratta: Unsere Gastfreundschaft ist wirklich maßgeschneidert. Wir möchten, dass die Menschen, die uns besuchen, sich Zeit nehmen, entspannen, aber sich zugleich auf die Besonderheiten dessen konzentrieren, was wir sind und was wir tun. Ob Weinkenner oder Tourist – jeder erhält die gleiche Möglichkeit, tief in unsere Forschungsarbeit einzutauchen und ein Gefühl dafür zu bekommen, wie sehr Qualität und Eleganz im Wein von Details und kleinen Entscheidungen abhängen, die während des gesamten Prozesses getroffen werden.
Annett Conrad: Javier, eines Ihrer besonderen Angebote ist die Möglichkeit für Besucher, ihre eigene persönliche Cuvée zu kreieren. Was macht dieses Erlebnis so einzigartig – und welche Reaktionen oder Geschichten sind Ihnen besonders in Erinnerung geblieben?
Javier Pedrazzini: Die „Tour & Taste & Blend“ ist ein einzigartiges Erlebnis, das wir nur einer begrenzten Anzahl von Teilnehmern und entsprechend dem Arbeitskalender des Weinguts anbieten, da die Anwesenheit unseres Önologen erforderlich ist. Sie bietet die außergewöhnliche Gelegenheit, die Konsequenzen von Verschnittentscheidungen zu verstehen und zu erleben, wie selbst kleinste Veränderungen zu völlig unterschiedlichen Ergebnissen führen können. Die Menschen lieben diese Erfahrung und haben dabei immer großen Spaß.

Annett Conrad: Eva und Javier, mit Blick in die Zukunft: Wie sieht Ihre Vision für Monteti in den kommenden Jahren aus – sowohl in Bezug auf die Weine selbst als auch auf die Rolle, die das Weingut innerhalb der Maremma spielen möchte?
Eva & Javier: In all den Jahren hat sich Tenuta Monteti den Ruf eines äußerst konstanten Weinguts erarbeitet – geprägt von Qualität, Eleganz, Identität und Nachhaltigkeit.
Das Vertrauen der Konsumenten ist unser wichtigstes Kapital. Trotz vieler Herausforderungen, sei es durch Klima, geopolitische Entwicklungen oder verändertes Konsumverhalten, haben wir daran niemals Abstriche gemacht und werden dies auch in Zukunft nicht tun.
Unsere Forschung wird sich darauf konzentrieren, neue agronomische Lösungen zu erproben, um den Reben zu helfen, sich an ein zunehmend unberechenbares Klima anzupassen und mit noch weniger Eingriffen das Beste aus den Pflanzen herauszuholen. Im Keller reifen derzeit einige sehr interessante Jahrgänge, die noch mehr Präzision und Eleganz zeigen. Das ist es, was wir in den kommenden Jahren anbieten werden. Die neue Herausforderung in unserer geografischen Lage besteht darin, aromatische Reife bei moderatem Alkoholgehalt zu erreichen und gleichzeitig die außergewöhnliche Langlebigkeit unserer Weine zu bewahren.
Tenuta Monteti kam als Pionier in die Maremma – und mit demselben Geist blicken wir in die Zukunft.
Ich danke Eva und Javier für die aufschlussreichen Antworten und wer noch mehr über die Tenuta Monteti erfahren möchte, folgt diesem Link: Tenuta Monteti – Die leise Revolution aus der Maremma

Weitere Informationen
Tenuta Monteti
Strada della Sgrilla 6
58011 Capalbio (Grosseto)
Toskana / Italien




























































