Wer durch den südlichen Luberon reist, begegnet früher oder später diesem besonderen Licht der Provence – jenem warmen, fast goldenen Schimmer, der selbst alte Steinmauern weich erscheinen lässt. Hinter Lourmarin, dort, wo sich Lavendelfelder und Weinberge abwechseln, liegt Puyvert. Ein Dorf, das wirkt, als hätte es sich dem Rhythmus der Zeit entzogen. Und mitten darin: das Château Saint-Pierre de Méjans.
Schon die Auffahrt erzählt von einer anderen Epoche. Kies knirscht unter den Schuhen, Zikaden sirren im Hintergrund, der Wind weht den Duft von Kräutern und trockener Erde herüber. Das ehemalige Priorat aus dem 12. Jahrhundert gehört heute zu jenen seltenen Orten, die tiefgründig erlebt werden wollen.

Mauern voller Geschichten
1118 taucht das Anwesen erstmals in den Chroniken auf. Benediktinermönche lebten hier, pflegten ihre Reben und suchten zwischen den Mauern Stille und Einkehr. Später sollen auch die Tempelritter ihre Spuren hinterlassen haben. Inhaberin Wendy Gobbi führt uns durch die alte Kapelle, zeigt auf die verwitterten Ornamente im Stein und erzählt von einem Grab auf dem hinteren Teil des Grundstücks, das Zeichen des Templerordens trug. Die Geschichten dieses Hauses scheinen überall verborgen zu liegen, in den Mauern, den Bögen, den Schatten der alten Bäume.



Die Kapelle selbst war einst doppelt so groß, bevor ein Erdbeben Teile des Gebäudes zerstörte. Heute fällt das Licht durch die alten Fenster auf schlichte Steinwände, während draußen am Brunnen noch immer eine kleine Statue des Heiligen Petrus wacht. Seit der Säkularisation unter Napoleon ist die Kapelle nicht mehr geweiht, und doch besitzt dieser Raum eine stille Würde, die geblieben ist.


Fast zwei Jahrhunderte lang blieb das Château hinter verschlossenen Toren verborgen. Erst 2021 begann ein neues Kapitel.
Wendy Gobbi und die Wiedergeburt des Châteaus
Damals entdeckte Wendy Gobbi das Anwesen. Die Texanerin mit deutschen Wurzeln, geboren in Wiesbaden als Tochter eines amerikanischen Soldaten, hatte zuvor in Houston und Kalifornien gelebt. Gemeinsam mit ihrem französischen Mann Jean-Marc Gobbi kaufte sie das Weingut und verliebte sich, wie sie sagt, augenblicklich in diesen Ort.


Vieles war renovierungsbedürftig, manches beinahe vergessen. Doch statt das Château neu zu erfinden, ließen die Gobbis seine Geschichte sichtbar. Alte Steinböden blieben erhalten, schwere Holztüren ebenso wie die Patina der Mauern. Moderne Elemente wurden behutsam ergänzt, nie aufdringlich, eher wie leise Zwischentöne.

Heute wirkt das Anwesen, als hätte es genau auf diese Wiederbelebung gewartet.
Überall finden sich Spuren von Wendys Sinn für Details: Honig aus eigenen Bienenstöcken, Marmeladen aus der Küche des Hauses, Olivenöl aus den umliegenden Hainen, Hühner, die zwischen Kräutergärten umherlaufen. Nichts daran wirkt folkloristisch. Vielmehr entsteht das Gefühl eines Ortes, an dem Gastfreundschaft noch etwas Persönliches ist.

Das Terroir des Luberon
Auch die Weinberge erzählen vom behutsamen Wandel. Auf rund 13 Hektar wachsen Grenache, Syrah, Cinsault, Rolle oder Viognier auf kalkhaltigen Böden des Luberon. Die Nächte bringen Frische aus den umliegenden Höhenlagen, während tagsüber die provenzalische Sonne über den Reben steht.

Seit der Übernahme wird biologisch gearbeitet, seit 2024 ist das Weingut offiziell bio-zertifiziert. Zwischen den Rebzeilen darf wachsen, was wachsen möchte. Wildkräuter, Blumen und Gräser gehören hier genauso zum Landschaftsbild wie die Rebstöcke selbst.

Eine besondere Verbindung zur Vergangenheit bleibt erhalten, weil der Sohn der früheren Besitzerfamilie, Brice Doan de Champassak, weiterhin als Önologe die Weine begleitet. Vielleicht erklärt gerade das die Ruhe und Selbstverständlichkeit, die viele der Weine ausstrahlen.
Weine mit leiser Eleganz
Die Linie „1118“, benannt nach der ersten Erwähnung des Priorats, zeigt sich frisch und zugänglich. Der Rosé duftet nach Erdbeeren und Holunder, der Blanc nach Zitronenzeste und mediterranen Kräutern. Alles wirkt klar, präzise und erstaunlich leichtfüßig.

Mehr Tiefe besitzen die „La Chapelle“-Weine, die im Holz ausgebaut werden. Besonders der rote La Chapelle verbindet dunkle Frucht, Kräuter und feine Würze mit einer Eleganz, die eher an Zurückhaltung als an Kraft denkt.

Am meisten beeindruckt jedoch die Cuvée aus alten Reben, die im Zementtank ausgebaut wird. Ein Wein mit Noten von Pfeifentabak, Vanille und Erde, dabei weich und vollkommen unaufgeregt. Kein lauter Wein, eher einer, der langsam erzählt. Genau das passt zu diesem Ort.
Kunst, Stille und Gastfreundschaft
Denn das Château Saint-Pierre de Méjans ist längst nicht mehr nur ein Weingut. Zwischen den Weinbergen stehen überdimensionale Skulpturen französischer Künstler, in der Kapelle finden Konzerte und Yoga-Retreats statt, Maler kommen für Workshops in den Luberon. Kunst gehört nunmehr zum Château, wie der Wein selbst.



Auch die Gästezimmer folgen dieser Haltung. Historische Mauern treffen auf helles Leinen, alte Balken auf modernes Design. Morgens frühstücken die Gäste in kleinen Räumen mit dicken Steinwänden, während draußen bereits das Licht über die Weinberge wandert.



Wir bleiben länger als geplant. Vielleicht, weil Wendy Gobbi eine Gastgeberin ist, die diesen Ort mit großer Offenheit teilt. Vielleicht aber auch, weil das Château Saint-Pierre de Méjans zu jenen seltenen Orten gehört, die man nicht einfach besucht. Man nimmt etwas von ihrer Stimmung mit – den Duft der Kräuter, die Stille der Kapelle, das warme Licht des Luberon. Und die Ahnung, dass manche Orte eine zweite Blüte erleben dürfen.
Das Statement von FrontRowSociety Herausgeberin Annett Conrad
Wendy Gobbi ist eine Gastgeberin, die DAS Château Saint-Pierre de Méjans mit großer Offenheit teilt.
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