Bullshit mit Blümchenkleid – Die neue Lust am alten Rollenbild von Barbara Haas ist ein kluges, pointiertes und hochaktuelles Sachbuch über die Rückkehr traditioneller Rollenbilder im digitalen Zeitalter.
Ausgangspunkt ist der sogenannte Tradwife-Trend auf Social Media: junge Frauen, die auf Instagram oder TikTok ein Leben zwischen frisch gebackenem Sauerteigbrot, perfekt gestylter Häuslichkeit und weiblicher „Natürlichkeit“ inszenieren. Was auf den ersten Blick harmlos oder nostalgisch wirken mag, entlarvt Haas als politisch aufgeladenes Ideal mit weitreichenden gesellschaftlichen Folgen.

Wer hat Lust auf alte Rollen?
Besonders überzeugend gelingt der Autorin die Verbindung aus persönlicher Erfahrung, journalistischer Recherche und gesellschaftspolitischer Analyse. Haas erzählt nicht abstrakt über Hausfrauenbilder, sondern zieht immer wieder Parallelen zur eigenen Mutter, die als „Tradwife 1.0“ auf einem Bauernhof lebte, allerdings ohne Filter, Ästhetisierung und Markenkooperationen. Durch das Gespräch mit ihrer Mutter wird das Buch noch persönlicher. Alles was als selbverständlich aufopfernd gesehen wurde, waren Entscheidungen, die stets Männer für ihre Mutter trafen. Ein ernüchtertes Fazit eines Lebens, vor dem sie heute warnt. Und gerade dieser Kontrast zwischen realer Care-Arbeit und ihrer heutigen romantisierten Online-Inszenierung macht das Buch stark.

Haas beschreibt präzise, wie Influencerinnen aus dem Tradwife-Lifestyle ein Geschäftsmodell machen und warum gerade junge Frauen sich von diesen Bildern angezogen fühlen. Sie erklärt nachvollziehbar, weshalb die Erschöpfung vieler Frauen zwischen Karriereanspruch, Selbstoptimierung und Familienalltag den Wunsch nach vermeintlich einfachen Rollenbildern verstärkt. Dabei verfällt sie nie in Pauschalurteile oder moralische Überheblichkeit. Ihr Ton bleibt streitbar, aber differenziert.
Frauen an den Herd aus politischem Kalkül
Erschreckend relevant ist die politische Dimension, die Haas offenlegt. Sie zeigt, wie konservative und rechte Bewegungen gezielt mit Bildern von Weiblichkeit, Mutterschaft und Unterordnung arbeiten, um gesellschaftliche Rollenbilder neu zu festigen. Damit wird deutlich: Der Tradwife-Trend ist nicht bloß eine ästhetische Modeerscheinung, sondern Ausdruck eines kulturellen Backlashs.

Um dies nicht als bloße These stehen zu lassen, kommt im Buch Dr. Elisabeth Holzleithner zu Wort. Als Professorin für Rechtsphilosophie und Legal Gender Studies weiß sie um den politischen und gesellschaftlichen Druck, der unterschwellig, aber effizient aufgebaut wird. Auch sie zeigt, dass die schöne heile Welt von der Frau mit Abhängkeit bezahlt wird.
Für mich gehört dieses Buch in Hände einer jeden Frau, vorallem jungen Frau. „Bullshit mit Blümchenkleid“ überzeugt durch klare Sprache, gute Recherche und den Mut zur Haltung. Das Buch regt zum Nachdenken an, ohne belehrend zu wirken, und liefert wichtige Impulse für aktuelle Debatten über Gleichstellung, Care-Arbeit und die Macht sozialer Medien. Eine lesenswerte und notwendige Analyse unserer Gegenwart.

Wir haben mit Barbara Hass über das Buch und ihre Beweggründe gesprochen. Hier geht es zum Interview mit der Wiener Autorin und Journalistin.
Titel: Bullshit mit Blümchenkleid
Verlag: Carl Ueberreuter, Wien
ISBN: 978-3-8000-7809-7
Erscheinungsjahr: 2026
Autor/in: Barbara Haas
Die Recherche erfolgte aufgrund der Zurverfügungstellung eines Rezensionsexemplares. Der Inhalt wurde unabhängig erstellt; eine Einflussnahme fand nicht statt.





























































