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Schauplatz Quai Rambaud in Lyon. Irgendwann in der Nacht klatschen die Leinen ins Wasser. Das Grummeln der Maschinen lässt die Betten nur unmerklich vibrieren. Im Nachtsprung dampft MS BIJOU DU RHONE dann rund 65 Kilometer nach Norden und nimmt Kurs auf Chalon-sur-Saône in der südöstlichen Ecke des Burgund.

Schon zu Römerzeiten – Caesar lagerte hier Verpflegung für seine Feldzüge – war die Stadt ein wichtiger Inlandhafen, der heute sogar von 4000-Tonnen-Binnen-See-Schiffen angelaufen wird. Für die BIJOU-Gäste ist die Stadt Ausgangspunkt zu einigen Ausflügen. „Mit seinen pastellfarbenen Gebäuden und Ziegeldächern verbreitet Mâcon einen mediterranen Charme. Die Stadt ist, wie viele andere Städte in der Region, für ihren guten Wein bekannt“, verrät Kreuzfahrtleiterin Kathrin Wimmer aus dem Tagesprogramm.

Frankreich - Reiseroute Rhone, Saone
Frankreich – Reiseroute Rhone, Saone / © FrontRowSociety.net, Foto: Dr. Peer Schmidt-Walther

Crus de Beaujolais von der Cote d´Or

Die Liste berühmter Weinorte, die per Bus durchfahren werden, kann sich sehen lassen: Pommard und Meursault, Chassagne und Puligny. Ziel des Landausflugs ist heute Beaune – die von einem gut erhaltenen Wall umgebene Weinhauptstadt und das Juwel des Burgund an der Côte d´Or. Diese Hügelkette, die etwa 60 Kilometer südlich von Dijon beginnt, besteht aus „goldenem“ Kalkstein – ein armer Boden, der beste Reben-Qualität garantiert – und lässt an ihren Osthängen beste Weiß- und Rotweine gedeihen. Sogar auf den Kreisverkehrs-Inseln gedeihen Weinstöcke.

Burgund – eine Landschaft aus Hügeln und Reben / © FrontRowSociety.net, Foto: Jessica Conrad

Schon nach zehn Minuten Fahrt erreicht der Ausflugsbus die Weinregion Mâconnais. Häuser aus dem heimischen Kalkstein schimmern im frühen Licht. Angekommen in der Rotweinlandschaft des Beaujolais, dem „dritten Fluss der Region“, so die lokale Reiseleiterin. Einige Orte sind dann auch geadelt durch den Zusatz en Beaujolais. „Alles begann“, erklärt sie in Anspielung auf die Feuerzangenbowle, „mit der alkoholischen Gärung“, „und diese Erkenntnis haben wir den Römern zu verdanken“. Schon im ersten Jahrhundert vor Christus führten sie den Weinanbau ein, Kirche und Adel kultivierten ihn später. Heute werden 25.000 Hektar Weinreben in der Region bearbeitet, das sind 10.000 Stöcke pro Hektar, woraus jeweils 60 Hektoliter gewonnen werden.

Muschelkalk ist das Geheimnis der besten Lagen / © FrontRowSociety.net, Foto: Jessica Conrad

Den einstigen Reichtum der Gegend, in deren 38 Gemeinden der Crus de Beaujolais gewonnen wird, spiegeln Burgen und Schlösser wider. Ein historischer Dampfzug mit Weintankwagen vor dem Bahnhof von Romanèche-Thorins steht symbolisch für die wirtschaftliche Bedeutung des Rebensaftes. Den glänzenden Zeiten folgten Rückschläge wegen ausländischer Billig-Konkurrenz. Überproduktion zog schließlich Flächenstilllegungen nach sich. Im Weinmuseum „Georges Duboeufs Hameau du Vin“ von Romanèche-Thorins werden weitere Geheimnisse um den Beaujolais gelüftet. Spätestens nach der Weinprobe glaubt man den Unterschied zwischen einem 2007er „Moulin a Vent“ und einem 2009er „Chiroubles“ zu kennen.

Römisches Weintransportschiff, wie es auf Rhone und Saone im Einsatz war
Römisches Weintransportschiff, wie es auf Rhone und Saone im Einsatz war / FrontRowSociety.net, Foto: Peer Schmidt-Walther

Geistliche und geistige Schätze

„In Beaune“, so erfährt man von Kathrin Wimmer über das Ausflugsziel, „steht die Besichtigung des Hôtel-Dieu, welches im Jahre 1443 als Hospiz gegründet wurde, auf dem Programm. Das Hôtel-Dieu de Beaune blickt auf eine mehr als 500jährige Geschichte zurück und diente bis ins Jahr 1971 der Krankenpflege. Heute ist es eines der sehenswertesten Museen Frankreichs. Die vier Gebäude, die der Öffentlichkeit zugänglich sind, repräsentieren das Hôtel-Dieu in früheren Zeiten. Die Räumlichkeiten sind mit Schätzen überfüllt: Statuen, Möbel, Keramik, Gemälde, Wandteppiche … Und die Küche wurde genauso restauriert, wie sie im 19. Jahrhundert ausgesehen hat. Das bedeutendste Kunstwerk ist sicherlich das große Polyptychon des Jüngsten Gerichts, ein Meisterwerk des flämischen Malers Rogier van der Weyden. Zum Abschluss des Ausflugs können Sie noch an einer Weinverkostung in einem lokalen Restaurant teilnehmen“.

Gruppe vor dem Hotel de Dieu in Beaune
Gruppe vor dem Hotel de Dieu in Beaune / © FrontRowSociety.net, Foto: Dr. Peer Schmidt-Walther

Das entpuppt sich als der berühmte Weinkeller „La Reine Pédauque“. Verstaubte, von Spinnenweben umwickelte Flaschen zieren die Wände. Darunter viele historische Jahrgänge, die ehrfürchtig bestaunt werden.

Auf dem bunten, quirligen Markt rings ums Hôtel werden noch Souvenirs eingekauft. Sehr beliebt: Dijoner Senf in allen Geschmacksvariationen. Durch das Hauptanbaugebiet der großen Burgunder-Weine steuert die Gruppe wieder „ihrem“ Schiff entgegen und freut sich aufs Mittagessen.

Auf dem quirligen Markt locken kulinarische Souvenirs / © FrontRowSociety.net, Foto: Jessica Conrad
Bild 4: Eins von vielen Schlössern an der Saone Beaujolais
Eins von vielen Schlössern an der Saone Beaujolais / © FrontRowSociety.net, Foto: Dr. Peer Schmidt-Walther

Mittelalter-Pracht

„Von Chalon aus“, heißt es in der Tourenbeschreibung, „führt Sie Ihr Weg über die Weinstraße nach Süden. Hier besuchen Sie zuerst den kleinen Ort Brancion, dessen mittelalterliches Zentrum zum Bummel durch die Geschichte einlädt. Nächstes Ziel dieser wunderschönen Landschaftstour ist der kleine Ort Cormatin, der bekannt ist für sein Chateaux, dessen Grundmauern auf das 13. Jh. zurückgehen. Der heutige Bau wurde 1605 begonnen, wobei heute nur noch der Nordflügel erhalten ist. Aber auch dieser imposante Bau birgt einige Besonderheiten, die Sie bei einer ausführlichen Besichtigung kennenlernen werden. Das Schloss ist zweifellos eines der prächtigsten Schlösser in ganz Burgund“. Ausgrabungen von prähistorischen Funden belegen übrigens, dass die Gegend schon um 15.000 v. Chr. Besiedelt wurde.

Wer statt Wein Geistig-Geistliches vorzieht, den erwartet im Kloster Cluny ein völlig anderes Programm an diesem Tag: „Man kann sich heute kaum noch vorstellen, dass Cluny vor rund 1.000 Jahren das geistliche Zentrum Europas verkörperte. Die Klosterkirche Cluny III war bis zur Fertigstellung des Petersdoms in Rom die größte Kirche der Christenheit. Obwohl ein Großteil der Abtei von Cluny in Ruinen liegt, zeugen diese trotzdem noch von der Größe und Herrlichkeit der einstigen Zeit. Besichtigen Sie die Überreste der fünfschiffigen Kirche und tauchen Sie ein in die faszinierende Welt der Mönche, von denen im Mittelalter bis zu 10.000 im Kloster von Cluny lebten“.

Bild 5: Die berühmte grüne Brücke - Pont Vert – in Chalon-sur-Saone
Die berühmte grüne Brücke – Pont Vert – in Chalon-sur-Saone / © FrontRowSociety.net, Foto: Dr. Peer Schmidt-Walther

Bergfahrt zurück

Die Nicht-Ausflügler unternehmen einen Spaziergang über die berühmte Pont Vert. Die „grüne“ Brücke hinter dem Schiffsanleger ist zwar blau, aber durch die geöffneten grün gestrichenen Fenster des gleichnamigen Restaurants am Ufer klingt Weingläser-Musik. Die farbliche „Ungenauigkeit“ stört die träge dahin fließende Saône und die fröhlichen Gäste nicht. Auf der gegenüber liegenden Seite zeichnen sich die Berge des Burgunds sanft gegen den Abendhorizont ab. „Santé!“

Der Fluss-Nachmittag ist so recht geschaffen, um die Landschaft aus dem Salon oder von Deck aus zu genießen. Bei sonnigem Herbstwetter unter klar blauem Himmel. So bekommt man die nächtliche Bergfahrt quasi zurück.

Kurzes Anlegen in den idyllischen Städtchen Belleville und Trévoux bis zum Eintreffen der Ausflugsbusse.

Aber BIJOU DU RHONE muss weiter, will sie rechtzeitig am nächsten Morgen in Viviers anlegen. Die 3700-Einwohner-Gemeinde gehört zum Départment Ardèche in der Region Auvergne-Alpes. Der Ort am linken Rhone-Ufer hat nicht zu Unrecht den Titel „Mittelalter-Juwel“, der noch seine komplette mittelalterliche Struktur bewahrt hat. Ein Stadtrundgang durch die idyllischen Gassen der Unterstadt hinauf zur Kathedrale ruft immer wieder Erstaunen hervor. Und dann der Blick auf Berge und Flusstal! Im Norden steigen gewaltige Dampfwolken in die Höhe: ein Atomkraftwerk sorgt für die Energie der Gegend.

Typisches südfranzösisches Straßencafé in Viviers
Typisches südfranzösisches Straßencafé in Viviers / © FrontRowSociety.net, Foto: Dr. Peer Schmidt-Walther

Und es geht weiter – immer nach Süden…

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