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Einmal die Brücke zum Lied sehen! Das geben moderne Kreuzfahrer unumwunden zu, die die Provence ansteuern. Auf der Île de Barthelasse im südfranzösischen Avignon überspannt sie die Rhône nur zur Hälfte. Schon im 16. Jahrhundert entstand das französische Volkslied und ist bis heute weltweit bekannt. Und es wurde getanzt, unter oder auf der Brücke  während der Jahrmärkte.

Der nächste Vormittag gehört den Seh-Leuten an der Sonnendeck-Reling. Als das Schiff vor der Île de la Barthelasse anlegt, glaubt man Mireille Mathieu zu hören: „An einem Sonntag in Avignon…“.

Das Tagesprogramm empfiehlt einen Rundgang: „Durch verwinkelte Gassen, entlang der vielen kleinen Stadtpaläste, Kapellen und Kirchen, führen alle Wege zum berühmten Papstpalast, den Sie bei diesem Ausflug besichtigen. Avignon ist als ´Stadt der Päpste` aufgrund seiner Rolle im 14. Jahrhundert bekannt. Die Festung, die Kirche und der Palast sind dann als Zentrum der christlichen Welt im 14. Jahrhundert betrachtet worden. Von 1309 bis 1377 haben sieben Päpste in diesem beeindruckenden Gebäude – eines der weltweit faszinierendsten Beispiele gotischer Architektur – residiert.

Die berühmte Halbbrücke in der Papst-Stadt Avignon
Die berühmte Halbbrücke in der Papst-Stadt Avignon / © FrontRowSociety.net, Foto: Dr. Peer Schmidt-Walther

Natürlich darf bei diesem Ausflug auch ein Blick auf die Pont d`Avignon – eine verfallene Brücke aus dem 12. Jahrhundert – nicht fehlen. Einst hatte die Brücke die Rhône überspannt und ist heute aufgrund eines Volksliedes, welches vom Tanzen auf der Brücke handelt, für viele ein Begriff“.

Dass die weltberühmte Halb-Brücke das Zerstörungswerk der gewaltigen Flutwelle von 1669 ist, kann man sich angesichts des friedlich dahinströmenden Flusses einfach nicht vorstellen.

Nach dem Dinner ist ein Spaziergang auf dem Qai de Bâteaux angesagt, immer am Fluss, still liegenden Booten und der beleuchteten Stadtmauer entlang. Irgendwann lockt dann eine der gemütlichen Altstadtkneipen zur Einkehr bei einem Glas Châteauneuf-du-Pape, dem Spitzenwein der Provence, in der zehn Prozent aller französischen Weine produziert werden.

Alt wie ein Baum, die römische Pont du Gard
Alt wie ein Baum, die römische Pont du Gard / © FrontRowSociety.net, Foto: Dr. Peer Schmidt-Walther

Wasser-Brücke

Nur 25 Kilometer von Avignon entfernt zieht ein anderes römisches Brücken-Bauwerk die Gäste in seinen steinalten Bann: die Pont du Gard.

 „Sie ist“, erklärt die Reiseleiterin, „das größte noch erhaltene Stück des einst fünfzig Kilometer langen Aquädukts, welches von den Römern in der Mitte des ersten Jahrhunderts gebaut wurde, um die Stadt Nimes mit frischem Wasser zu versorgen. Sie gilt als antikes Architektur-Meisterwerk. Das dreigeschossige römische Aquädukt mit einer Länge von 275 Metern transportierte bereits vor über 2.000 Jahren eine Wassermenge von 20.000 Kubikmetern – täglich! Und versorgte damit weite Landstriche der römischen Provinzen im Süden mit Wasser“.

Das Symbol von Avignon - die römische Halbbrücke über die Rhone
Das Symbol von Avignon – die römische Halbbrücke über die Rhone / © FrontRowSociety.net, Foto: Dr. Peer Schmidt-Walther

Ein Schmankerl auf der Rückfahrt ist der Abstecher ins malerische Städtchen Uzes mit seinen engen Gassen und verträumten Plätzen. Zeit zum Bummeln, Schauen und Kaffetrinken auf dem geschäftigen Marktplatz.

Unser „Juwel der Rhone“, wie unser Schiff übersetzt heißt, zieht 75 Kilometer weiter nach Süden, ohne den größten Teil der Gäste. Sie möchten an diesem Sonnentag die Camargue kennenlernen.

Naturpark-Erlebnisse

Die Reiseleiterin hält ihren Einführungsvortrag: „Die Camargue ist wie ein kleines Land für sich selbst. Sobald Sie sich ein paar Kilometer südlich von Arles begeben, tauchen Sie ein in die Atmosphäre dieses einzigartigen Gebietes. Um die natürliche Schönheit dieser Landschaft zu erhalten, wurde das Gebiet in den Jahren 1927 und 1970 zum botanisch-zoologischen Naturschutzgebiet erklärt. Die Camargue bietet einer erstaunliche Palette von Tieren eine Heimat, wie zum Beispiel die halbwilden Stiere, berühmten Camarque-Pferden und eine Vielzahl von Vogelartent. Während des Ausflugs fahren Sie auch nach Sainte-Marie-de-la-Mer und besichtigen diesen wunderbaren Ort, der an der Mündung der Rhône in das Mittelmeer liegt“.

Der Naturpark Camargue an der Rhone-Mündung ist ein Paradies für Wildpferde /
Der Naturpark Camargue an der Rhone-Mündung ist ein Paradies für Wildpferde / © FrontRowSociety.net, Foto: Dr. Peer Schmidt-Walther

Die Hauptprobleme der Region verschweigt sie nicht: 150 Tage pro Jahr Starkwind, der mit über 100 km/h blasende Mistral, und bis zu 17 Meter hohe Überschwemmungen, ausgedehntes Sumpfland. Trotzdem könne erfolgreich Obst- und Gemüseanbau betrieben werden. Alle fünf Jahre müsse der Boden allerdings durch Reisanbau entsalzt werden.

Salinen nutzen Meerwasser und Sonnenwärme, in dem sie in flachen Verdunstungsbecken Salz produzieren, deren große weiße Hügel das Flachland überragen.

Überwiegend als „Kampfmaschinen“ werden die schwarzen Stiere auf der Farm von Stephanie Arnault, einer Kölnerin, gezüchtet. Pferde, eine klimaresistente Rasse, leisten touristische Dienste, indem sie mit Gästen durch das amphibische Land zockeln. Camargue-Cowboys nutzen sie, um die Stiere zusammenzutreiben. Wildpferde bekommt man auch zu Gesicht. Nicht zu vergessen Flamingos, Reiher, Greifvögel und Störche.

Sogar für einen Sprung ins Mittelmeer an einem der Strände von Sainte-Marie-de-la-Mer ist noch Luft, auch für einen „Grande crème“ danach. Staunend liest man in der Broschüre dieses hochtouristischen Ferienortes, dass schon um 600 v. Chr. Griechen an dieser Küste landeten und die Kolonie Massilia, Marseille, gründeten.

Eine Gruppe Flamingos im Naturpark Camargue
Eine Gruppe Flamingos im Naturpark Camargue / © FrontRowSociety.net, Foto: Dr. Peer Schmidt-Walther

Gallo-Römisches

Sprung zu Berg, flussaufwärts, nach Arles, einst mediterraner Seehafen und später versandet, gilt als das Tor zur Provence. Die Römer nannten sie „Provincia Gallia Narbonensis“. Bis heute heißt sie einfach Provence, berühmt durch ihre Weine und die Lavendelblüte.

Die letzte große Stadt am Flussweg kann mit einem imposanten Amphitheater punkten, in dem Gladiatoren vor bis zu 22.000 Zuschauern um ihr Leben kämpften. Ein Obelisk aus der Zeit erinnert an große Wagenrennen in dem steinernen Rund. Heute bejubelt die Menge hier Stierkämpfe. Das römische Portal der Kathedrale Saint-Trophime aus dem 11. Jahrhundert oder das Kloster anzusehen, sollte man am Place de la République nicht versäumen. Pilger machten hier einst Rast auf ihrem Weg nach Santiago de Compostela in Nordspanien.

Untrennbar verbunden mit Arles ist der impressionistische Maler Vincent van Gogh. Während seines Aufenthalts 1888, der kreativsten Zeit seines Lebens, entstanden 200 Ölgemälde und 100 Zeichnungen: Stadtsilhouetten, Porträts, Stilleben und Landschaften.

Cowboys treiben eine Herde schwarzer Kampfstiere
Cowboys treiben eine Herde schwarzer Kampfstiere / © FrontRowSociety.net, Foto: Dr. Peer Schmidt-Walther

Europa-Canyon

A propos Landschaft: Die Schlucht der Ardèche muss man gesehen haben! Ein letzter Höhepunkt der Reise. Sie geht am nächsten Tag zwischen Burgund und Provence zu Ende.

„Die Schlucht wird“, doziert die Reiseleiterin, „oft als Grand Canyon Europas bezeichnet. Die Ardèche hat sich im Laufe der Jahrmillionen bis zu 300 Meter tief in den Kalksandstein gefräst und damit eine der schönsten Landschaften Frankreichs geformt.

Die Schlucht beginnt nördlich mit dem Natursteinbogen des Pont d´Arc der ca. 60 m hoch ist und die größte natürliche Brücke Europas sein soll. Hier hat man auch die Chauvet-Höhle im Jahr 1994 entdeckt, wo 32.000 Jahre alte Höhlenmalereien gefunden wurden. Sie fahren entlang der bizarren Schluchtenlandschaft und genießen atemberaubende Aussichten auf hervorragend angelegten Aussichtspunkten“.

Man wandelt hier im Südausläufer des Massif Central auf Kalkablagerungen, ehemaligem Meeresgrund. Später wurden die Berge vom Eis geglättet, bis mit der Alpenfaltung das Wasser zurück wich und somit der Meeresboden ans Licht kam. Simone bringt die BIJOU-Fahrer zum Staunen und spricht von einem „Paradies für Kanu- und Kajakfahrer mit rund 320 Sonnentagen“. Aber nicht ungefährlich. „Nie“, warnt sie, sollte man am Ufer campen, denn nach starken nächtlichen Regenfällen kann das Hochwasser hier schnell bis zu 20 Meter Höhe erreichen“.

Blick in die malerische Ardèche-Schlucht
Blick in die malerische Ardèche-Schlucht / © FrontRowSociety.net, Foto: Dr. Peer Schmidt-Walther

Darauf einen Aperitif Ardèche: ein köstlicher Kastanienlikör, gemischt mit eiskaltem Chardonnay. Dazu wird am Info-Stand Olivenpaste auf frischem Brot gereicht. Ein echter regionaler Natur-Genuss!

Lyon, Gourmet-Hauptstadt

Von nun an rauscht es nur so unterm Kiel, denn bis zum nächsten Mittag müssen rund 250 Kilometer geschafft und sechs Riesenschleusen bewältigt werden.

Weinberge und Felswände engen den Rhône-Lauf ein, Burgen wachen an ehemals strategisch wichtigen Stellen. Altehrwürdige Städte wie Vienne, Tournon, Valence, Montélimar und Orange werden auf dem langen Flussweg nach Avignon passiert, deren Schönheit sich vom Wasser aus eindrucksvoll präsentiert. Immer wieder die Szenerie unterbrochen von Olivenhainen, Mandelbäumen, Zypressen und Pinien.  Bis zum Sonnenuntergang in den Bergen der Provence.

Fahrt auf der Rhone durch die Innenstadt von Lyon
Fahrt auf der Rhone durch die Innenstadt von Lyon / © FrontRowSociety.net, Foto: Dr. Peer Schmidt-Walther

Während einer Stadtrundfahrt kann man sich einen ersten Eindruck von der 2000 Jahre alten Halbmillionenstadt verschaffen. Aber auch Kulinarisches genießen. Die Auswahl in der „Hauptstadt der Gourmets“ mit ihren rund 1500 Restaurants ist groß.

„Am Zusammenfluss von Rhône und Saône“, liest man, „liegt mit Lyon eine der ältesten Städte Frankreichs. Sie wird gerühmt für ihre Gastronomie und die hohe Qualität der dort hergestellten Seidenprodukte.

Während eines Rundgangs durch die Altstadt Vieux Lyon, die zum UNESCO-Weltkulturerbe zählt, erlebt die von der italienischen Renaissance geprägten Häuser, das römische Theater und die Basilika Nôtre-Dame-de-Fourvière“.

Auch ohne Führung kann man das Flair der Stadt genießen, zumal das Schiff im Zentrum liegt, nahe an Vieux Lyon, der Altstadt. Vieles ist daher fußläufig, per Bus, Straßenbahn oder Mietfahrad zu erreichen. Dazu gehört auch, vor einem Café in der Sonne zu sitzen – vielleicht noch mit Blick aufs Wasser oder hinauf zur weißen Basilika – und genüsslich noch einen „Grande crème“ zum Abschied zu schlürfen.

Beim Kaffee hat man unterhalb der Basilika Notre-Dame einen herrlichen Blick über die Halbmillionen-Stadt
Beim Kaffee hat man unterhalb der Basilika Notre-Dame einen herrlichen Blick über die Halbmillionen-Stadt / © FrontRowSociety.net, Foto: Dr. Peer Schmidt-Walther

Weitere Informationen

  • MS BIJOU DU RHONE: Schiffstyp: Kabinenschiff (4 Sterne); Werft: V. H. Vav Vliet & Co, Hardingsveld/Holland; Baujahr: 2001; Tonnage: 2000 t; Länge: 114,30 m; Breite: 11,4 m; Tiefgang: 1,50 m (max.); Höhe: 6,00 m; Decks: 4; Antrieb: 2 x 1100 PS Caterpillar-Dieselmotoren; Geschwindigkeit (max. zu Tal): 27 km/h; Crew: 40 (international), Passagiere: 150; Flagge: Malta; Heimathafen: Valetta; Reederei: KD; Veranstalter: nicko cruises, Stuttgart;
  • Die Saône (von den Kelten Arar genannt) entspringt in 395 Meter Höhe südwestlich von Epinal im Plateau de la Haute-Saône, mündet bei Lyon in die Rhône (die S. ist größter Nebenfluss der R.) und ist 485 Kilometer lang. 375 Kilometer sind davon schiffbar (auch für Binnen-See-Schiffe). Der Fluss hat mit nur 60 Metern ein geringes Gefälle, ist sehr wasserreich und hat zahlreiche Nebenarme. Fünf wichtige Kanäle verbinden die Saône mit dem ausgedehnten französischen Fluss- und Kanalsystem.
  • Die Rhône (französischer le/der), deren Namensursprung sich sowohl aus dem keltischen Wort „rondos“ (fließen) als auch aus dem griechischen Rhodes/Rhodos ableitet, entspringt in einer Höhe von 2000 Metern am Rhône-Gletscher in den Alpen. Der Fluss hat eine Gesamtlänge von 875 Kilometern, davon 563 auf französischem Gebiet. Die Loire ist zwar der längste Fluss Frankreichs, aber die Rhône führt am meisten Wasser. Bei Sainte-Marie-de- la-Mer mündet sie ins Mittelmeer. Von hier bis Lyon ist sie schiffbar.
  • Das Rhône-Saône-Tal wird landwirtschaftlich und industriell genutzt und ist eine bedeutende Transportroute in Frankreich.
  • Gesamtkilometer: 848 km, davon auf der Rhone: 564 km; Schleusen: 15; Hubhöhe (Rhone): 150 m, Saone: 9,4 m

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