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Wer an bayerische Tradition denkt, hat oft die altbekannten Postkartenmotive vor Augen. Doch abseits der touristischen Hotspots entfaltet sich in Städten wie Freising und Landshut ein Lifestyle, der bayerische Geschichte und zeitgenössischen Genuss verbindet.

Die historischen Herzogs- und Bischofsstädte inszenieren ihr reiches Erbe und sind zugleich progressive Kultur-Hotspots. Eine Entdeckungsreise für Kosmopoliten, die das Authentische suchen und dabei auch das Außergewöhnliche finden.

Lebendige Avantgarde: Wie Veronika Schweikl Tradition neu dirigiert

Der Brunnen steht vor dem Marktplatz im Zentrum von Freising
Der Brunnen steht vor dem Marktplatz im Zentrum von Freising / © Foto Sabina Kirchmaier

Echter Luxus liegt heute in der Authentizität. Genau diese verkörpert Veronika „Vroni“ Schweikl. Aufgewachsen in einer Familie, in der die bayerische Volkskultur tief verwurzelt ist, beherrscht sie die klassische Klaviatur von Geige, Kontrabass und Klavier ebenso wie den Rhythmus moderner Urban Beats. Ihre wahre Inspiration fand sie nicht in Jazz, Rap und Techno, sondern in der Freisinger Fußgängerzone im Traditionsgasthaus „Furtnerbräu“. Dort hörte sie eine Interpretation der Volksmusik, die so gar nichts mit verstaubter Folklore zu tun hat, sondern modern und tanzbar klang.

Das Stadtzentrum von Freising wird von viel Grün und historischen Gebäuden geprägt
Das Stadtzentrum von Freising wird von viel Grün und historischen Gebäuden geprägt / © Foto Touristinfo Freising – Dietmar Denger

Seit 2012 bricht Vroni mit ihren Sing- und Tanzabenden Gewohnheiten auf. Sie schafft es, regionale Stammgäste genau wie internationale Gäste, die durch die Nähe zum Flughafen München nach Freising kommen, für die alpine Volkskultur zu begeistern. Neben Singen und Tanzen steht dabei auch Jodeln auf dem Programm. So wird die Volksmusik zu einem interaktives Kulturerlebnis, bei dem nicht Erfahrung und Können, sondern die Freude am Mitmachen im Mittelpunkt steht.

Freising: Das einstige Machtzentrum im neuen Glanz

Der Dom von Freising fällt dadurch auf, dass das Kirchenschiff tiefer liegt als der Eingang und der Altarraum
Der Dom von Freising fällt dadurch auf, dass das Kirchenschiff tiefer liegt als der Eingang und der Altarraum / © FrontRowSociety.net, Foto: Christian Kolb

Historisch betrachtet war Freising mit seinen heute rund 50.000 Einwohnern einst von weitaus größerer geopolitischer Bedeutung als die nahe Landeshauptstadt München. Als frühmittelalterlicher Bischofssitz und Zentrum des Hochstifts Freising verband sich in Isar-Stadt sakrale und weltliche Macht. Ein geführter Rundgang mit dem Historiker Gerhard Hroß zeigt die architektonischen Zeugnisse dieses goldenen Zeitalters. Die prunkvollen Patrizierhäuser im Stadtzentrum und die hochkarätigen Exponate im Stadtmuseum, darunter historische Fernrohre und kostbare Kunstgegenstände, zeugen vom enormen Wohlstand der Handelsstadt. Weil die Fürstbischöfe nur die versiertesten Baumeister und Künstler Europas verpflichteten, präsentieren sich die Fürstbischöfliche Residenz und der markante Dom mit seinen zwei Türmen als Meisterwerke barocker und romanischer Architektur.

Die Reliquien des Heiligen Korbinian liegen in der Krypta der Domkirche
Die Reliquien des Heiligen Korbinian liegen in der Krypta der Domkirche / © FrontRowSociety.net, Foto: Christian Kolb

Auf dem Marktplatz erinnert große Ziffern 1 3 0 0, in denen häufig Kinde spielen und zahlreiche Fotos entstehen, an die vor zwei Jahren groß gefeierte Ankunft des Wanderbischofs Korbinian, der vor 1300 Jahren auf Geheiß der der Herzöge nach Freising kam. Heute ist der Heilige Korbinian Stadtpatron von Freising. Seine Reliquie liegt in einem prachtvollen goldenen Schrein in der Krypta des Domes. Dargestellt wird Korbinian oft in Begleitung eines mit Gepäck bepackten Bären. Der Legende nach fraß der Bär zuvor das Lasttier des Heiligen und musste nach seiner Zähmung dessen Gepäck bis nach Rom tragen. Eine Last, die heutige Besucher der Stadt in der Regel Taxifahrern oder dem Personal des Hotels überlassen.

Der Marktplatz von Freising ist der Mittelpunkt der Stadt. Verschiedene Gastronomien laden ein, gemütlich beisammen zu sitzen
Der Marktplatz von Freising ist der Mittelpunkt der Stadt. Verschiedene Gastronomien laden ein, gemütlich beisammen zu sitzen / © Dirk Daniel Mann

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