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Mit der neuen Sandhof-Weinbar entsteht im Herzen von Lech am Arlberg ein exklusiver Treffpunkt für Weinliebhaber: 400 Positionen, Raritäten bis 1860, regionale Küche und ein innovatives Wohlfühlkonzept.

Hinter dem Projekt stehen Clemens Riedl (trinkreif/Wien) und Sandhof-Eigentümer Martin Prodinger, unterstützt von Sommelier Johann Artner, der die Bar leiten wird. Im Gespräch erzählen Riedl, Prodinger und Artner, warum Lech der ideale Standort ist, wie die außergewöhnliche Weinauswahl entstand und welche Erlebnisse Gäste künftig erwarten dürfen.

Die Sandhof-Weinbar öffnete am 6. Dezember 2025 offiziell ihre Türen und setzt damit einen neuen vinophilen Akzent in Lech. Denn außergewöhnliche Weinraritäten, regionale Küche, besondere Winzerbegegnungen und ein atmosphärisches Ambiente stehen auf der Tagesordnung.

Am 6. Dezember 2025 öffnete die Sanhof Weinbar ihe Türen in Lech am Arlberg / © Foto: Trinkreif

Exklusives Interview mit Clemens Riedl, Martin Prodinger und Johann Artner

Annett Conrad: Herr Riedl, beginnen wir ganz am Anfang: Warum fiel die Entscheidung gerade auf Lech am Arlberg – einen Ort, der ja nicht nur mondän, sondern auch sehr speziell ist? Was verbindet Sie persönlich mit Lech, vielleicht auch im Hinblick auf Ihre langjährige Rolle bei „Weinberg Arlberg“?

Clemens Riedl: Für mich ist Lech einer der schönsten Orte, die ich kenne. Ausgehend von der atemberaubenden Natur, hat sich der Ort den Dorfcharakter erhalten. Auch wenn Lech heute als Luxus-Skiort bekannt ist, kann man im Ort immer noch die bergbäuerlichen Wurzeln erkennen. In den letzten 10 Jahren wurde Lech für mich eine Heimat und auch wenn ich kein Walser bin, fühle ich mich zunehmend als Teil der Ortsgemeinschaft. Das Projekt Weinbar war keine bewusste Entscheidung für trinkreif, sondern das Ergebnis der Verbundenheit mit Lech und der Familie Prodinger sowie die Gelegenheit, die sich durch die Erweiterung des Hotel Sandhof ergab. Das Fehlen einer Weinbar, wie sie Martin Prodinger und mir vorschwebte, war zusätzliche Motivation. Meine ehrenamtliche Rolle bei Weinberg Arlberg hat mit der Bar nur wenig zu tun, ist aber das Ergebnis ähnlicher Motive.

Annett Conrad: Herr Prodinger, abgesehen vom Sortiment – die Sandhof Weinbar setzt auch architektonisch und atmosphärisch auf ein bewusst nachhaltiges und zugleich luxuriöses Konzept. Wie entstand die Idee zu diesem Raum- und Genusskonzept, und worauf lag Ihnen besonders viel Wert?

Martin Prodinger: Durch die Neugestaltung des Ortskerns ergab sich für uns die Gelegenheit, den Sandhof durch einen Neubau an der Stelle des früheren Gemeindeamts um ein Apartmenthaus zu erweitern. Wir wollten diese Gelegenheit nutzen, diesen Teil des Ortes stärker zu beleben – die Grundidee hinter dem, was wir heute als Sandhof Quartier bezeichnen. Dazu war es uns wichtig, vielfältige Anreize für einen Besuch zu etablieren, niederschwellig und gleichzeitig hochwertig. Frisches Brot aus der Backstube Lech mit unserem selbst gerösteten Kaffee lockt Besucher vor allem tagsüber an und ermöglicht es uns auch die berechtigte Auflage der Gemeinde, elf Monate im Jahr offen zu haben, zu erfüllen. Mit der Weinbar einen ungezwungenen Treffpunkt für Einheimische, Mitarbeiter und Gäste zu schaffen, war mir schon länger ein Anliegen, das wir aber erst mit dem neuen Gebäude realisieren konnten. Die Idee, das Erdgeschoss mit einem dualen Nutzungskonzept, Backstube und Weinbar, zu bespielen, hat Clemens und mich von Anfang an begeistert. Es bietet nicht nur Synergien und Frequenz, sondern trägt durch die geringere Versiegelung auch zur Nachhaltigkeit bei. Der Erfolg der ersten Wochen ist eine schöne Bestätigung für das Konzept.

Martin Prodinger (li.) und Clemens Riedl (re.) schaffen mit der neuen Sandhof Weinbar einen weiteren reffpunkt für weinaffine Menschen in Lech / © Foto: Anna Stoecher

Annett Conrad: Herr Artner, Sie stoßen nun als junger, aber bereits sehr profilierter Sommelier zur neuen Sandhof Weinbar dazu. Was hat Sie an diesem Projekt und an der Destination Lech besonders gereizt?

Johann Artner: Ich glaub, ich habe den schönsten Platz zum Arbeiten erwischt. Die Mischung aus Dorfleben und internationalem Flair hat mich bisher schon an Lech fasziniert. Das Konzept der Bar hat mich von Anfang an überzeugt. Die Kombination der Niederschwelligkeit, des damit verbundenen Gästemixes und das hochwertige Weinangebot macht den Job sehr abwechslungsreich. Und wer kann schon am Vormittag in einem der schönsten Gebiete die Leidenschaft zum Skifahren und anschließend die Leidenschaft zum Wein ausleben?

Annett Conrad: Herr Riedl, die Weinbar bietet rund 500 Positionen – darunter echte Raritäten bis zurück ins 19. Jahrhundert. Wie haben Sie die Auswahl kuratiert, und wie sehr spiegelt sich Ihr Fokus auf gereifte Weine aus dem trinkreif-Portfolio darin wider?

Clemens Riedl: Ziel war nicht die umfangreichste Weinkarte in Lech zu erstellen, aber eine der spannendsten. Dabei war es in erster Linie wichtig, auf den gewünschten Zielgruppen Rücksicht zu nehmen. Das heißt, mehrheitsfähige Easy-Drinking-Weine sind genauso wichtig wie anspruchsvolle Neuentdeckungen und hochwertige Raritäten. Natürlich haben wir versucht, unsere Stärke im Bereich gereifter Weine einzubringen. Das zeigt sich zum einen in der Jahrgangstiefe zahlreicher Positionen und zum anderen durch das Angebot gereifter Raritäten, wie beispielsweise Wachauer Weißweine oder Spitzenweine aus Bordeaux aus den 80er- und 90er-Jahren. Insgesamt wollen wir, dass die Gäste Freude an den Weinen haben, deshalb steht für uns Finesse und Trinkfluss im Vordergrund. Ein Punkt, der uns bei der Weinauswahl auch noch wichtig war: Die Weine kommen überwiegend aus handwerklich arbeitenden Betrieben mit nachhaltigem Anbau.

Annett Conrad: Herr Artner, wenn Sie an die Weinkarte denken: Wo sehen Sie die Schwerpunkte im täglichen Ausschank? Eher rare Tropfen für Kenner, große Klassiker oder auch unkomplizierte Entdeckungen für Gäste, die spontan auf ein Glas vorbeikommen?

Johann Artner – Headsommelier der Sandhof- Weinbar / © Johann Artner

Johann Artner: Im täglichen Ausschank ist für mich die Balance entscheidend. Die Weinbar soll kein Ort sein, an dem man Ehrfurcht vor der Karte haben muss, sondern einer, an dem man sich spontan wohlfühlt, egal ob man gezielt kommt oder zufällig hereinschaut. Deshalb spielen unkomplizierte, gut gemachte Weine eine sehr wichtige Rolle. Ein gutes Glas Riesling, ein trinkfreudiger Rotwein oder ein spannender Schaumwein müssen jederzeit zugänglich sein.

Gleichzeitig ist es ein großer Luxus, auf diesen Fundus an gereiften und raren Weinen zurückgreifen zu können, der Kenner oder neugierigen Gästen kaum Wünsche offenlässt. Mir ist wichtig, dass niemand das Gefühl hat, sich „auskennen zu müssen“. Wir holen die Gäste dort ab, wo sie stehen und wenn daraus ein Gespräch, eine Entdeckung oder ein zweites Glas entsteht, umso besser.

Annett Conrad: Herr Prodinger, viele gastronomische Betriebe sehen sich aktuell mit sinkenden Umsätzen und veränderten Gästeströmen konfrontiert. Welche Überlegungen standen hinter der Entscheidung, gerade jetzt eine hochwertige Weinbar zu eröffnen? War es Mut, Marktchance oder eine langfristige Vision?

Martin Prodinger: Als Familienbetrieb denken wir langfristig. Die konkrete Möglichkeit, das dem Sandhof gegenüberliegende Grundstück von der Gemeinde pachten zu können, war natürlich am Ende ausschlaggebend, denn Platz ist in einem Ort wie Lech ein besonders rares Gut. Natürlich gab es auch zahlreiche strategische Überlegungen: Gäste agieren heute flexibler, die Bedürfnisse sind breiter gestreut. Mit den Sandhof Apartments sprechen wir eine Zielgruppe an, die nicht in einem klassischen Hotel wohnen möchte, mit der Bar tragen wir dem Bedürfnis Rechnung, die Abende an unterschiedlichen Orten zu verbringen und schließen auch eine Angebotslücke in Lech: Ein Ort, in den man spontan ein gutes Glas Wein trinken kann, an dem jeder willkommen ist. Insgesamt sind wir unserer Vision des Sandhof Quartiers damit einen großen Schritt nähergekommen.

Annett Conrad: Herr Riedl, zur Eröffnungswoche kamen zahlreiche Spitzenwinzer:innen – ein beeindruckender Auftakt. Werden solche Begegnungen und Verkostungsformate ein wiederkehrender Bestandteil des Jahresprogramms sein? Worauf dürfen sich die Gäste künftig besonders freuen?

Clemens Riedl: Die Eröffnungswoche war nicht nur eine Attraktion für die Gäste der Bar, sondern entsprang auch unserem Wunsch, dass unsere Partnerwinzer die Bar kennenlernen und eine Beziehung dazu aufbauen. Lech wird von vielen Winzern besucht und es ist uns wichtig, dass die für eine Weinbar so wichtige Gruppe sich bei uns wohl fühlt. Unsere Winzer-Bilderwand soll das auch zum Ausdruck bringen. Wir haben eine Reihe von Verkostungsformaten entwickelt, die jederzeit bei uns buchbar sind. Jeden Donnerstag um 18 Uhr gibt es das Weinbar Jour Fixe mit sechs Weinen um sechzig Euro. In der Nebensaison und im Sommer sind wir auch für exklusive und individuelle Verkostungen perfekt aufgestellt – optional kann man auch das ganz Haus exklusiv mieten, perfekt für Geburtstage und Firmenevents.

Martin Prodinger (re.) und sein Weinbar-Team sind am Eröffnungsabend sichtlich zufrieden / © Foto: Trinkreif

Annett Conrad: Herr Prodinger, wenn Sie an die kommenden Jahre denken: Welche Entwicklungen sehen Sie im Weinbar-Bereich in alpinen Destinationen wie Lech? Und wie möchten Sie selbst das Profil der Sandhof-Weinbar langfristig prägen?

Martin Prodinger: Vielfältige und abwechslungsreiche Erlebnisse werden für unsere Gäste immer wichtiger. Die Zeiten, in denen sich Gäste neben dem Skifahren nur im Hotel aufhalten und Halbpension konsumieren, sind weitgehend vorbei. Dazu wollen wir mit dem Sandhof Quartier und der Bar beitragen. Dabei tragen hochwertige Qualität in einem informellen und entspannten Umfeld den geänderten Ansprüchen Rechnung. Und auch wenn Lech aufgrund der Höhenlage noch ein relativ sicheres Skigebiet ist, müssen wir uns noch stärker zu einer Ganzjahres-Destination entwickeln. Dafür ist ein attraktives und abwechslungsreiches kulinarisches Angebot besonders wichtig.

Annett Conrad: Und zum Schluss eine Frage an alle Beteiligten: Was ist Ihre persönliche Vision für die Sandhof Weinbar – sagen wir, in fünf Jahren? Wofür soll sie stehen, und welche Rolle soll sie im Ort Lech und darüber hinaus spielen?

Clemens Riedl: Ich würde mich freuen, wenn jeder weinaffine Lech-Besucher inklusive Winzer die Weinbar kennt und der Meinung ist, ein Lech-Besuch ohne Besuch in der Weinbar kein richtiger Lech-Besuch ist.

Martin Prodinger: Gleichzeitig soll die Bar auch ein sozialer Treffpunkt für jene Menschen sein, die hier leben und arbeiten. Das war immer schon ein Teil der Sandhof-Philosophie und mit der Bar haben wir jetzt auch den perfekten Rahmen dafür.

Ich bedanke mich bei den drei Protagonisten der Sandhof-Weinbar für die aufschlussreichen Antworten und wünsche allen einen grandiosen Erfolg mit der Sandhof Quartier.

FrontRowSociety-Herausgeberin Annett Conrad führte das Interview mit Clemens Riedl, Martin Prodinger und Johann Artner im November 2025. 

Weitere Informationen

Sandhof Weinbar
Dorf 329
6764 Lech / Österreich