Es gibt Reisen, die sind mehr als bloße Urlaube – sie sind Erlebnisse, die man mit allen Sinnen aufsaugt. Unsere fünftägige Segelkreuzfahrt im Juli auf der Star Flyer, einem Viertmast-Topsegelschoner der Reederei Star Clippers, gehört genau in diese Kategorie.


Auf einem Segelschiff weht ein anderer Wind. Schnell wird alles leichter, freier, unmittelbarer. Die Segel der Star Flyer spannen sich im Wind, das Meer liegt weit und offen vor uns. Wir sind bereit für unsere Reise, die in Wien beginnt und uns von Rom bzw. Civitavecchia über Gaeta nach Amalfi, Positano, Sorrent bis nach Ponza und wieder zurück nach Rom führt.


Erste Erkenntnisse und Erlebnisse
Der Start in Wien ist noch Routine: Montag Früh, Direktflug mit Ryanair nach Rom-Fiumicino. Von dort geht es mit dem Taxi nach Civitavecchia – rund eine Stunde Fahrt, 150 Euro. Wichtig zu wissen: Das Taxi fährt nicht direkt bis ans Schiff, sondern nur bis zum Busbahnhof am (!) Hafen. Von dort bringt ein kostenloser Transfer die Passagiere zum Einschiffungsbereich. Tipp: Gäste, die am Vormittag ankommen, können ihr Gepäck schon früher abgeben.
Vor dem Boarding ab 15 Uhr bleibt uns noch Zeit für eine Stärkung: Im Ristorante Gambero Rosso in der Altstadt Civitavecchias genießen wir als perfekten Auftakt Pasta und Wein. Gesättigt und gut gelaunt geht es via Shuttle-Bus weiter zum Terminal und wenig später liegt die Star Flyer vor uns. Beim ersten Anblick der vier Masten ist uns klar: Das wird keine gewöhnliche Reise. Kurz darauf stehen wir an Deck – und beim Welcome-Drink in der Tropical Bar, begleitet von Obst, Häppchen und sanfter Lounge-Musik, spüren wir: Der Welt da draußen ist schon weit weg.


Die Star Flyer
Die Star Flyer wurde 1991 gebaut, misst 115,5 m Länge, 15 m Breite und hat eine Masthöhe von 63 m. Mit ihren 3.365 m² Segelfläche ist sie mehr als ein Kreuzfahrtschiff – sie ist ein Stück Segelgeschichte. An Bord kümmern sich 76 Crewmitglieder um maximal 170 Passagiere, auf unserer Reise waren wir 119. Das bedeutet: viel Platz, kurze Weg, kein Gedränge. Auch nicht an den beiden Pools am Sonnendeck – und doch sah sich der eine oder andere Passagier bereits frühmorgens dazu gezwungen, „seine“ Liege für den ganzen Tag zu „reservieren“…
Die Takelage liest sich wie ein Crash-Kurs in Fluch der Karibik: Vorstagsegel, Innen- und Außenklüver, Jager, Focksegel, Mars- und Bramsegel, Großtagsegel, Kreuztagsegel, Fischermänner und das Besansegel. Wer sie aufgezogen sieht, versteht, warum viele Gäste allein für diesen Anblick reisen. Doch bis dahin heißt es warten – gesetzt werden die Segel erst beim Auslaufen.

Champagner in der Kabine
Die 85 Kabinen der Star Flyer sind in sechs Kategorien eingeteilt – von der großzügigen Eignerkabine bis zur kleineren Kategorie VI. Unsere Kabine: Kategorie II am Clipperdeck, rund 12 Quadratmeter groß, Bullauge hoch über dem Wasserspiegel, Doppelbett, Bad mit Dusche. Klein, aber klug geschnitten – und mit allem ausgestattet, was man braucht. Überraschung: Zwei Damen, viel Gepäck – und trotzdem alles fein verstaut, ein kleines Wunder. Im Badezimmer stehen Duschgel, Shampoo, Conditioner und Bodylotion bereit. Und beim Eintreten wartet eine feine Aufmerksamkeit auf uns: eine Flasche Champagner, frisches Obst und süße Köstlichkeiten – ein perfekter Auftakt für die Tage an Bord.
Bevor die Reise startet, steht die obligatorische Sicherheitsübung auf dem Programm. Alles läuft hochprofessionell: erklärt über die TV-Geräte in den Kabinen, via Lautsprecher und mit Hilfe der Crew. In jeder Kabine liegen Schwimmwesten bereit, die man zur Übung mitbringt. Jeder Passagier weiß nachher genau, wo sich seine Sicherheitsstation für den Notfall befindet.

Home Away From Home
Am ersten Abend stellt sich Alex, der Kreuzfahrtdirektor, vor. Er kommt aus Costa Rica, spricht vier Sprachen, führt immer mit Humor und Präzision durch den Tag, stellt täglich die anstehenden Landausflüge vor und beantwortet geduldig alle Fragen. Sein Motto für seine Gäste lautet schlicht: „Home away from home“. Treffender könnte man es nicht sagen.
Der Captain stammt aus Kroatien, die Crew größtenteils von den Philippinen – freundlich, aufmerksam und mit spürbarer Freude an ihrer Arbeit. Ihr Alltag ist hart: gearbeitet wird bis Mitternacht, um drei Uhr früh beginnt schon die nächste Schicht. Tagsüber bleibt oft nur ein kurzes Zeitfenster für ein bis zwei Stunden Schlaf. Trotzdem wirkt niemand unaufmerksam. Für die Gäste gibt es zudem eine Krankenschwester, die jederzeit per Funk erreichbar ist, und eine Spa-Therapeutin, die mit wohltuenden Massagen für Entspannung sorgt.

Ein Schiff zum Anfassen
Gäste dürfen jederzeit auf die Brücke, den Offizieren beim Navigieren über die Schulter schauen und erleben Seefahrt so direkt wie selten. Einmal pro Woche lädt Alex zur Storytime – mit Anekdoten, Fakten und kleinen Geheimnissen rund um die Häfen der Route.
Das Bordleben ist entspannt und unkompliziert. Kontakte entstehen fast wie von selbst – sei es mit der stets gut gelaunten Crew oder mit Mitreisenden aus aller Welt. Während unserer Reise sind 22 Nationen vertreten, was die Gespräche und Begegnungen an Deck besonders bunt macht. Manche genießen die Ruhe mit einem Buch in der Hand, andere eine Schachpartie in der Bibliothek. Doch egal, wie man die Zeit verbringt: Am Ende geht es immer um das eine – das unvergleichliche Erlebnis, mit einem Großsegler unterwegs zu sein.

Für jeden Geschmack etwas dabei
Sechs Mahlzeiten (im Preis inkludiert) täglich warten auf die Gäste, dazu wechselnde Themenabende. Die Küche ist abwechslungsreich und reicht von Klassikern bis zu internationalen Spezialitäten. Frische Meeresfrüchte, Bananensalat, gezupfte Lammhaxe, Beef Stroganoff oder Currys stehen ebenso auf der Karte wie Pasta und Antipasti, dazu wechselnd auch asiatische Gerichte oder ein knuspriges Spanferkel am Buffet. Mal italienisch, mal international – immer aber so, dass für jeden Geschmack etwas dabei ist. Platz genug gibt es ebenfalls: Das Restaurant fasst 210 Gäste und bietet damit allen Reisenden gleichzeitig Raum zum Genießen.
Die Wein- und Barkarte ist bestens sortiert, die Preise angenehm moderat: Longdrinks ab sieben Euro, Cocktails acht, Mocktails fünf, Softdrinks drei, Bier vier Euro fünfzig. Champagner gibt es ab 40 Euro, Spirituosen kosten zwischen sechs und acht, Prosecco liegt bei 20, eine Flasche Hauswein bei 18 Euro. Kaffee bewegt sich zwischen zwei und vier Euro – und Trinkwasser ist kostenlos.


Bühne frei
Am Abend schlägt die Stunde in der Piano- und Tropical Bar. Allan, Bordmusiker und Entertainer, begeistert nicht nur mit seiner Stimme und seinem Temperament, sondern wechselt auch mühelos vom Klavier zum Saxophon. Das Programm ist bunt und mitreißend: Modeschauen mit maritimen Looks aus dem Sloop Shop, kleine Konzerte, Disco, lokale Tanzvorführungen oder ein Talentwettbewerb, bei dem sowohl Passagiere als auch ihr Können zeigen. Von Gesang bis Pantomime, von Lachen bis Gänsehaut – alles ist dabei. Und das Schönste: Niemand bleibt nur Zuschauer, die Gäste sind Teil des Ganzen und genießen jeden Moment. Auch wir – wir tanzen, plaudern, lachen und fühlen uns so richtig pudelwohl.

Der Dresscode?
Ganz entspannt. Anzug und Abendrobe dürfen zu Hause bleiben. Hier reicht für die Herren eine leichte Hose mit Poloshirt, für die Damen ein luftiges Sommerkleid – fertig ist das Bord-Outfit.

Fit bleiben
Wer glaubt, Kreuzfahrt bedeutet nur Schlemmen, liegt falsch. Schon am Morgen geht es mit dem Sportteam zur Gymnastik an Deck. Später locken Kajaks und SUP-Boards ins glasklare Wasser, oder man erkundet beim Schnorcheln die Unterwasserwelt. Auch an Deck gibt’s Abwechslung: Pétanque- und Boule-Spiele sorgen für Bewegung und heitere Stimmung. Die beiden Pools sind zwar klein – drei, vier Züge gehen sich aus –, doch ideal für eine Erfrischung oder für lockere Wassergymnastik.

Rund um die Pools stehen ausreichend Liegen bereit, ergänzt durch überdachte Ruheflächen, sodass sich immer ein Platz findet – ob in der Sonne oder im Schatten. Doch das eigentliche Erlebnis liegt nicht im Pool: Es ist der traumhafte Blick auf Küsten, Inseln und Häfen, während wir am Sonnendeck sitzen, das leise Schlagen der Segel hören, das Salz in der Luft riechen und wissen: Genau hier sind wir richtig.

Leinen los
Montagabend, nach dem Dinner: die große Zeremonie. Zu den Klängen von Vangelis’ 1492 – Conquest of Paradise werden die Segel gesetzt. Champagnergläser klirren, eine Lichtshow erhellt die Takelage. Heroisch, überwältigend – ein unvergesslicher Moment. Während sich das Schiff in Bewegung setzt, spürt man nur sanftes Schaukeln. Keine Spur von Seekrankheit, nur ein Gefühl von Freiheit. Und wir schlafen wie Babys, während uns die Star Flyer mitten in der Nacht weiterträgt – hin zum nächsten Kapitel unserer Reise: Italien an Land… in Etappen: von Civitavecchia bis Gaeta bis Amalfi bis Positano bis Sorrent bis Ponza…

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