Geschätzte Lesezeit: 8 Minuten

Es gibt Reisen, die sind mehr als bloße Urlaube – sie sind Erlebnisse, die man mit allen Sinnen aufsaugt. Unsere fünftägige Segelkreuzfahrt im Juli auf der Star Flyer, einem Viertmast-Topsegelschoner der Reederei Star Clippers, gehört genau in diese Kategorie.

Ein neuer Tag, ein neuer Kurs – die Crew der Star Flyer startet mit der Morgenbesprechung an Deck / © FrontRowSociety.net, Foto: Astrid Steinbrecher-Raitmayr
Ein neuer Tag, ein neuer Kurs – die Crew der Star Flyer startet mit der Morgenbesprechung an Deck / © FrontRowSociety.net, Foto: Astrid Steinbrecher-Raitmayr
Wenn Himmel und Meer verschmelzen, ist die Star Flyer genau am richtigen Platz / © FrontRowSociety.net, Foto: Astrid Steinbrecher-Raitmayr
Wenn Himmel und Meer verschmelzen, ist die Star Flyer genau am richtigen Platz / © FrontRowSociety.net, Foto: Astrid Steinbrecher-Raitmayr

Auf einem Segelschiff weht ein anderer Wind. Schnell wird alles leichter, freier, unmittelbarer. Die Segel der Star Flyer spannen sich im Wind, das Meer liegt weit und offen vor uns. Wir sind bereit für unsere Reise, die in Wien beginnt und uns von Rom bzw. Civitavecchia über Gaeta nach Amalfi, Positano, Sorrent bis nach Ponza und wieder zurück nach Rom führt.

Kino der Seefahrer: Unser Bullauge zeigt nur die besten Szenen – Meer, Himmel, Horizont / © FrontRowSociety.net, Foto: Astrid Steinbrecher-Raitmayr
Kino der Seefahrer: Unser Bullauge zeigt nur die besten Szenen – Meer, Himmel, Horizont / © FrontRowSociety.net, Foto: Astrid Steinbrecher-Raitmayr
Seele baumeln lassen, nur schauen, wie die Sonne im Meer versinkt / © FrontRowSociety.net, Foto: Astrid Steinbrecher-Raitmayr
Seele baumeln lassen – einfach nur schauen, wie die Sonne im Meer versinkt / © FrontRowSociety.net, Foto: Astrid Steinbrecher-Raitmayr

Erste Erkenntnisse und Erlebnisse

Der Start in Wien ist noch Routine: Montag Früh, Direktflug mit Ryanair nach Rom-Fiumicino. Von dort geht es mit dem Taxi nach Civitavecchia – rund eine Stunde Fahrt, 150 Euro. Wichtig zu wissen: Das Taxi fährt nicht direkt bis ans Schiff, sondern nur bis zum Busbahnhof am (!) Hafen. Von dort bringt ein kostenloser Transfer die Passagiere zum Einschiffungsbereich. Tipp: Gäste, die am Vormittag ankommen, können ihr Gepäck schon früher abgeben.

Vor dem Boarding ab 15 Uhr bleibt uns noch Zeit für eine Stärkung: Im Ristorante Gambero Rosso in der Altstadt Civitavecchias genießen wir als perfekten Auftakt Pasta und Wein. Gesättigt und gut gelaunt geht es via Shuttle-Bus weiter zum Terminal und wenig später liegt die Star Flyer vor uns. Beim ersten Anblick der vier Masten ist uns klar: Das wird keine gewöhnliche Reise. Kurz darauf stehen wir an Deck – und beim Welcome-Drink in der Tropical Bar, begleitet von Obst, Häppchen und sanfter Lounge-Musik, spüren wir: Der Welt da draußen ist schon weit weg.

Amalfi voraus – die Küste wie ein Postkartenmotiv / © FrontRowSociety.net, Foto: Astrid Steinbrecher-Raitmayr
Amalfi voraus – die Küste wie ein Postkartenmotiv / © FrontRowSociety.net, Foto: Astrid Steinbrecher-Raitmayr
Wenn sich in Sorrent die Menschen drängen, liegt die Star Flyer friedlich vor Anker / © FrontRowSociety.net, Foto: Astrid Steinbrecher-Raitmayr
Wenn sich in Sorrent die Menschen drängen, liegt die Star Flyer im Hintergrund friedlich vor Anker / © FrontRowSociety.net, Foto: Astrid Steinbrecher-Raitmayr

Die Star Flyer

Die Star Flyer wurde 1991 gebaut, misst 115,5 m Länge, 15 m Breite und hat eine Masthöhe von 63 m. Mit ihren 3.365 m² Segelfläche ist sie mehr als ein Kreuzfahrtschiff – sie ist ein Stück Segelgeschichte. An Bord kümmern sich 76 Crewmitglieder um maximal 170 Passagiere, auf unserer Reise waren wir 119. Das bedeutet: viel Platz, kurze Weg, kein Gedränge. Auch nicht an den beiden Pools am Sonnendeck – und doch sah sich der eine oder andere Passagier bereits frühmorgens dazu gezwungen, „seine“ Liege für den ganzen Tag zu „reservieren“…

Die Takelage liest sich wie ein Crash-Kurs in Fluch der Karibik: Vorstagsegel, Innen- und Außenklüver, Jager, Focksegel, Mars- und Bramsegel, Großtagsegel, Kreuztagsegel, Fischermänner und das Besansegel. Wer sie aufgezogen sieht, versteht, warum viele Gäste allein für diesen Anblick reisen. Doch bis dahin heißt es warten – gesetzt werden die Segel erst beim Auslaufen.

Pflicht an Bord: Sicherheitsübung auf der Star Flyer / © FrontRowSociety.net, Foto: Astrid Steinbrecher-Raitmayr
Pflicht an Bord: Sicherheitsübung auf der Star Flyer / © FrontRowSociety.net, Foto: Astrid Steinbrecher-Raitmayr

Champagner in der Kabine

Die 85 Kabinen der Star Flyer sind in sechs Kategorien eingeteilt – von der großzügigen Eignerkabine bis zur kleineren Kategorie VI. Unsere Kabine: Kategorie II am Clipperdeck, rund 12 Quadratmeter groß, Bullauge hoch über dem Wasserspiegel, Doppelbett, Bad mit Dusche. Klein, aber klug geschnitten – und mit allem ausgestattet, was man braucht. Überraschung: Zwei Damen, viel Gepäck – und trotzdem alles fein verstaut, ein kleines Wunder. Im Badezimmer stehen Duschgel, Shampoo, Conditioner und Bodylotion bereit. Und beim Eintreten wartet eine feine Aufmerksamkeit auf uns: eine Flasche Champagner, frisches Obst und süße Köstlichkeiten – ein perfekter Auftakt für die Tage an Bord.

Bevor die Reise startet, steht die obligatorische Sicherheitsübung auf dem Programm. Alles läuft hochprofessionell: erklärt über die TV-Geräte in den Kabinen, via Lautsprecher und mit Hilfe der Crew. In jeder Kabine liegen Schwimmwesten bereit, die man zur Übung mitbringt. Jeder Passagier weiß nachher genau, wo sich seine Sicherheitsstation für den Notfall befindet.

Boarding completed, Gläser gefüllt / © FrontRowSociety.net, Foto: Astrid Steinbrecher-Raitmayr
Boarding done, Drinks serviert – das Abenteuer auf See nimmt Fahrt auf. Ab jetzt ist die Tropical Bar das Herz der guten Stimmung / © FrontRowSociety.net, Foto: Astrid Steinbrecher-Raitmayr

Home Away From Home

Am ersten Abend stellt sich Alex, der Kreuzfahrtdirektor, vor. Er kommt aus Costa Rica, spricht vier Sprachen, führt immer mit Humor und Präzision durch den Tag, stellt täglich die anstehenden Landausflüge vor und beantwortet geduldig alle Fragen. Sein Motto für seine Gäste lautet schlicht: „Home away from home“. Treffender könnte man es nicht sagen.

Der Captain stammt aus Kroatien, die Crew größtenteils von den Philippinen – freundlich, aufmerksam und mit spürbarer Freude an ihrer Arbeit. Ihr Alltag ist hart: gearbeitet wird bis Mitternacht, um drei Uhr früh beginnt schon die nächste Schicht. Tagsüber bleibt oft nur ein kurzes Zeitfenster für ein bis zwei Stunden Schlaf. Trotzdem wirkt niemand unaufmerksam. Für die Gäste gibt es zudem eine Krankenschwester, die jederzeit per Funk erreichbar ist, und eine Spa-Therapeutin, die mit wohltuenden Massagen für Entspannung sorgt.

Urlaubsmodus an: Häppchen schnappen, Segelträume starten / © FrontRowSociety.net, Foto: Astrid Steinbrecher-Raitmayr
Urlaubsmodus an: Häppchen schnappen, Segelträume starten / © FrontRowSociety.net, Foto: Astrid Steinbrecher-Raitmayr

Ein Schiff zum Anfassen

Gäste dürfen jederzeit auf die Brücke, den Offizieren beim Navigieren über die Schulter schauen und erleben Seefahrt so direkt wie selten. Einmal pro Woche lädt Alex zur Storytime – mit Anekdoten, Fakten und kleinen Geheimnissen rund um die Häfen der Route.

Das Bordleben ist entspannt und unkompliziert. Kontakte entstehen fast wie von selbst – sei es mit der stets gut gelaunten Crew oder mit Mitreisenden aus aller Welt. Während unserer Reise sind 22 Nationen vertreten, was die Gespräche und Begegnungen an Deck besonders bunt macht. Manche genießen die Ruhe mit einem Buch in der Hand, andere eine Schachpartie in der Bibliothek. Doch egal, wie man die Zeit verbringt: Am Ende geht es immer um das eine – das unvergleichliche Erlebnis, mit einem Großsegler unterwegs zu sein.

Platz ist in der kleinsten Kajüte - so klein unsere Kabine mit 11 m² auch ist, letztlich konnten wir alles gut verstauen. Und ein bisschen Abenteuer gehört ja auch dazu / © FrontRowSociety.net, Foto: Astrid Steinbrecher-Raitmayr
Platz ist in der kleinsten Kajüte – so klein unsere Kabine mit 11 m² auch ist, letztlich können wir alles gut verstauen. Und ein bisschen Seefahrer-Feeling gehört ja auch dazu / © FrontRowSociety.net, Foto: Astrid Steinbrecher-Raitmayr

Für jeden Geschmack etwas dabei

Sechs Mahlzeiten (im Preis inkludiert) täglich warten auf die Gäste, dazu wechselnde Themenabende. Die Küche ist abwechslungsreich und reicht von Klassikern bis zu internationalen Spezialitäten. Frische Meeresfrüchte, Bananensalat, gezupfte Lammhaxe, Beef Stroganoff oder Currys stehen ebenso auf der Karte wie Pasta und Antipasti, dazu wechselnd auch asiatische Gerichte oder ein knuspriges Spanferkel am Buffet. Mal italienisch, mal international – immer aber so, dass für jeden Geschmack etwas dabei ist. Platz genug gibt es ebenfalls: Das Restaurant fasst 210 Gäste und bietet damit allen Reisenden gleichzeitig Raum zum Genießen.

Die Wein- und Barkarte ist bestens sortiert, die Preise angenehm moderat: Longdrinks ab sieben Euro, Cocktails acht, Mocktails fünf, Softdrinks drei, Bier vier Euro fünfzig. Champagner gibt es ab 40 Euro, Spirituosen kosten zwischen sechs und acht, Prosecco liegt bei 20, eine Flasche Hauswein bei 18 Euro. Kaffee bewegt sich zwischen zwei und vier Euro – und Trinkwasser ist kostenlos.

Das Frühstücks- und Dinner-Restaurant der Star Flyer fasst bis zu 210 Personen / © FrontRowSociety.net, Foto: Astrid Steinbrecher-Raitmayr
Das Frühstücks- und Dinner-Restaurant der Star Flyer fasst bis zu 210 Gäste / © FrontRowSociety.net, Foto: Astrid Steinbrecher-Raitmayr
Wenn die Sonne im Meer versinkt, weiß man: kein Luxus der Welt schlägt diesen Moment / © FrontRowSociety.net, Foto: Astrid Steinbrecher-Raitmayr
Wenn die Sonne im Meer versinkt, weiß man: kein Luxus der Welt schlägt diesen Moment / © FrontRowSociety.net, Foto: Astrid Steinbrecher-Raitmayr

Bühne frei

Am Abend schlägt die Stunde in der Piano- und Tropical Bar. Allan, Bordmusiker und Entertainer, begeistert nicht nur mit seiner Stimme und seinem Temperament, sondern wechselt auch mühelos vom Klavier zum Saxophon. Das Programm ist bunt und mitreißend: Modeschauen mit maritimen Looks aus dem Sloop Shop, kleine Konzerte, Disco, lokale Tanzvorführungen oder ein Talentwettbewerb, bei dem sowohl Passagiere als auch ihr Können zeigen. Von Gesang bis Pantomime, von Lachen bis Gänsehaut – alles ist dabei. Und das Schönste: Niemand bleibt nur Zuschauer, die Gäste sind Teil des Ganzen und genießen jeden Moment. Auch wir – wir tanzen, plaudern, lachen und fühlen uns so richtig pudelwohl.

In der Piano Bar hinter der Tropical Bar werden die Menüs des Abends präsentiert / © FrontRowSociety.net, Foto: Astrid Steinbrecher-Raitmayr
In der Piano Bar, gleich hinter der Tropical Bar, werden die Menüs des Abends präsentiert / © FrontRowSociety.net, Foto: Astrid Steinbrecher-Raitmayr

Der Dresscode?

Ganz entspannt. Anzug und Abendrobe dürfen zu Hause bleiben. Hier reicht für die Herren eine leichte Hose mit Poloshirt, für die Damen ein luftiges Sommerkleid – fertig ist das Bord-Outfit.

Alex, Kreuzfahrtdirektor der Star Flyer. Er erklärt täglich - in vier Sprachen - die Landausflüge und das Bordprogramm - mit viel Humor und höchster Professionalität / © FrontRowSociety.net, Foto: Astrid Steinbrecher-Raitmayr
Alex, Kreuzfahrtdirektor der Star Flyer. Er erklärt täglich – in vier Sprachen – die Landausflüge und das Bordprogramm – mit viel Humor und höchster Professionalität. Sein Motto: „Home away from home“ / © FrontRowSociety.net, Foto: Astrid Steinbrecher-Raitmayr

Fit bleiben

Wer glaubt, Kreuzfahrt bedeutet nur Schlemmen, liegt falsch. Schon am Morgen geht es  mit dem Sportteam zur Gymnastik an Deck. Später locken Kajaks und SUP-Boards ins glasklare Wasser, oder man erkundet beim Schnorcheln die Unterwasserwelt. Auch an Deck gibt’s Abwechslung: Pétanque- und Boule-Spiele sorgen für Bewegung und heitere Stimmung. Die beiden Pools sind zwar klein – drei, vier Züge gehen sich aus –, doch ideal für eine Erfrischung oder für lockere Wassergymnastik.

Olympiareif? Vielleicht nicht. Erfrischend? Garantiert. Und drei bis vier Tempi gehen sich locker aus / © FrontRowSociety.net, Foto: Astrid Steinbrecher-Raitmayr
Olympiareif? Vielleicht nicht. Erfrischend? Garantiert. Und drei bis vier Tempi gehen sich auch locker aus / © FrontRowSociety.net, Foto: Astrid Steinbrecher-Raitmayr

Rund um die Pools stehen ausreichend Liegen bereit, ergänzt durch überdachte Ruheflächen, sodass sich immer ein Platz findet – ob in der Sonne oder im Schatten. Doch das eigentliche Erlebnis liegt nicht im Pool: Es ist der traumhafte Blick auf Küsten, Inseln und Häfen, während wir am Sonnendeck sitzen, das leise Schlagen der Segel hören, das Salz in der Luft riechen und wissen: Genau hier sind wir richtig.

Matrosenkost? Fehlanzeige. An Bord der Star Flyer landet auch Hummer auf dem Teller – samt Safranreis & Gemüse / © FrontRowSociey.net, Foto: Astrid Steinbrecher-Raitmayr
Matrosenkost? Fehlanzeige. An Bord der Star Flyer landet auch Hummer auf dem Teller – samt Safranreis & Gemüse / © FrontRowSociey.net, Foto: Astrid Steinbrecher-Raitmayr

Leinen los

Montagabend, nach dem Dinner: die große Zeremonie. Zu den Klängen von Vangelis’ 1492 – Conquest of Paradise werden die Segel gesetzt. Champagnergläser klirren, eine Lichtshow erhellt die Takelage. Heroisch, überwältigend – ein unvergesslicher Moment. Während sich das Schiff in Bewegung setzt, spürt man nur sanftes Schaukeln. Keine Spur von Seekrankheit, nur ein Gefühl von Freiheit. Und wir schlafen wie Babys, während uns die Star Flyer mitten in der Nacht weiterträgt – hin zum nächsten Kapitel unserer Reise: Italien an Land… in Etappen: von Civitavecchia bis Gaeta bis Amalfi bis Positano bis Sorrent bis Ponza…

Mittels Tenderbooten geht's an Land... / © FrontRowSociety.net, Foto: Astrid Steinbrecher-Raitmayr
Mittels Tenderbooten geht’s an Land… / © FrontRowSociety.net, Foto: Astrid Steinbrecher-Raitmayr

Der Inhalt dieses redaktionell erstellten Artikels wurde unabhängig verfasst. Die Veröffentlichung wurde durch externe Unterstützung ermöglicht, ohne Einfluss auf die journalistische Ausarbeitung. Es gilt der Redaktionskodex.