Das Abenteuer beginnt an Bord: Die Star Flyer, ein 115 Meter langer Viermast-Topsegelschoner der Reederei Star Clippers, ist mit maximal 170 Gästen weit entfernt vom Massenbetrieb großer Kreuzfahrtschiffe. Statt schwimmender Kleinstadt erlebt man hier entspanntes Bordleben. Und genau das macht den besonderen Reiz aus.

Und das Beste ist,
dass die Erlebnisse nicht am Schiffsdeck enden. An Land warten neue Eindrücke – von Amalfi bis Positano, von Sorrent bis Ponza. Schon nach der ersten Nacht auf dem Tyrrhenischen Meer legt die Star Flyer an. Von da an reiht sich auf unserer fünftätigen Schiffsreise von und bis Civitavecchia ein Höhepunkt an den nächsten: mittelalterliche Gassen, mondäne Küstenorte, stille Buchten und große Namen. Italien zeigt sich bei jedem Stopp von einer neuen, unwiderstehlichen Seite.


Die Landgänge – Italien von seiner schönsten Seite
Gaeta – Nach der ersten Nacht liegt das Schiff frühmorgens zwischen Rom und Neapel an der „Ulysses-Riviera“. Normalerweise locken die mittelalterliche Altstadt, die Kathedrale Assunta e Sant’Erasmo und die Burg aus dem 13. Jahrhundert Besucher an. Bei unserem Besuch am Nachmittag aber: geschlossene Türen, verlassene Plätze – eine Stadt wie ausgestorben. Aber gerade diese Ruhe hatte auch etwas: leere Gassen, kein Gedränge, einmal Italien in der Hochsaison ganz ohne Trubel erleben.


Mit dem Tenderboot geht´s nach Amalfi …
Amalfis Dom mit seinem Glockenturm aus dem 13. Jahrhundert wirkt wie ein Wahrzeichen der Küste. Auf der Piazza davor drängen sich Cafés, Gelaterien und kleine Läden – das Leben pulsiert im Schatten der Kathedrale. Überall begegnet man den berühmten Amalfi-Zitronen: süß als Limoncello, erfrischend als eisgekühlte Granita, als Motiv auf bemalter Keramik oder Souvenirs wie Topfhandschuhen oder Schürzen.



… und mit dem Positano Jet weiter nach Positano
Da wir Amalfi bereits gut kennen, geht es für uns nach einem schnellen Espresso mit der Fähre weiter nach Positano (Positano-Jet, 10 Euro pro Strecke, Dauer rund 15 Minuten). Steile Gassen, rund 200 Boutiquen – je höher man steigt, desto hochwertiger die Auswahl. Mittagessen gönnen wir uns im Caffè Positano, dazu der Blick über die Bucht – die Tischreservierung hat sich ausgezahlt.


Romantik pur & Kunst
Ein romantischer Programmpunkt ist das elegante Hotel Poseidon. Die Terrasse zählt zu den schönsten der Küste – hoch über dem Wasser, mit einem Ausblick, der atemberaubend ist. Und die Panna Cotta dort gehört – seit Jahrzehnten – zu den besten. Zwischen all den Souvenirshops erweist sich außerdem die Liquid Art System Galerie als ein Highlight – sehenswert, inspirierend und ein wohltuender Kontrast zum üblichen Gassentreiben.




Ravello und Pompej vertagt, Positano umso mehr genossen
Ein Abstecher nach Ravello wäre natürlich noch verlockend gewesen – hoch über der Küste, per Auto oder Roller erreichbar. Dort hätte man durch Gärten und Villen schlendern können: die Parkanlagen der Villa Rufolo – die Richard Wagner zu Szenen seines Parsifal inspirierten – oder die legendäre Terrace of Infinity in der Villa Cimbrone. Auch der historische Dom oder das modernistische Auditorium von Oscar Niemeyer prägen den kleinen Ort. Das Belmond Hotel Caruso thront in Ravello wie eine eigene Attraktion, bekannt für seine Terrasse, Gärten und den Infinity-Pool mit Blick über die Amalfiküste.
Doch wir haben uns so lange durch Positanos verwinkelte Gassen treiben lassen, dass am Ende keine Zeit mehr blieb. Auch Pompeji hätte sich angeboten – wir haben es im Juli aber bewusst ausgelassen, zu heiß, zu voll. Das heben wir uns für kühlere Tage in der Vor- oder Nachsaison auf. Ein Gelato mit Meerblick war die angenehmere Wahl.



Benvenuti a Sorrento
Spektakulär thront Sorrent auf einer steilen Felswand über dem blauen Golf von Neapel. Der Blick nach oben zeigt die dicht bebaute Küstenlinie, die Stadt scheint förmlich auf den Klippen zu kleben. Wir beginnen den Tag im Grand Hotel Excelsior Vittoria, einer Ikone seit 1834. Von der Terrasse dieses historischen Hauses, in dem schon Caruso und Sophia Loren residierten, genießen wir bei einem Kaffee die Aussicht auf unser Schiff tief unter uns.



Gassen voller Leben und dennoch Winkel voller Ruhe
Danach geht es in die Altstadtgassen – ein Labyrinth voller kleiner Läden, Cafés und Boutiquen. Hier reiht sich eine Eisdiele an die nächste, daneben Feinkostgeschäfte, Keramikläden und Parfümerien, etwa Scotti Sorrento Perfumes, mit handgemachten Düften. Die Gassen sind quirlig, bunt, voller Leben – und dennoch findet man immer wieder auch stille Winkel.
Zum Mittagessen landen wir im La Lanterna, einem Restaurant in einer der kleinen Seitenstraßen. Dort werden wir nicht nur ausgezeichnet bekocht, sondern auch herzlich umsorgt. So herzlich, dass wir uns fast wie Stammgäste fühlen. Alternativ lohnen sich auch das Bistro La Maison Douce, das L’Abate Ristorante Pizzeria oder die Trattoria Donna Nina, alle drei ebenfalls beliebte Adressen für gutes Essen.



Immer wieder dieser Ausblick …
Ein Abstecher führt uns in die Fotogalerie von Raffaele Celentano. Seine Schwarz-Weiß-Aufnahmen fangen italienisches Leben so ein, dass man glaubt, mitten in den Szenen zu stehen: spielende Kinder, alte Männer beim Kartenspiel, Nonnen beim Schaukeln.
Zum Abschluss des Tages zieht es uns ins Hotel Bellevue Syrene. Das Haus geht auf eine römische Villa aus dem 2. Jahrhundert v. Chr. zurück, wurde 1820 zum Hotel und ist seit 2011 Teil von Relais & Châteaux. 2024 erhielt es zwei Michelin Keys für Hospitality, 2025 wurde es offiziell als Relais & Châteaux Fünf-Sterne-Luxushotel ausgezeichnet. Wir nehmen einen Prosecco auf der Terrasse – hoch über dem Meer, mit Blick bis zum Vesuv.



Geheimtipp Ponza
Freitag schließlich Ponza – eine Insel, die man fast als Geheimtipp im Tyrrhenischen Meer bezeichnen kann. Kristallklares Wasser, bizarre Klippen und versteckte Buchten machen sie zu einem Ort, an dem man unbedingt länger bleiben möchte. Besonders eindrucksvoll sind die Pilatus-Grotten, antike römische Fischbecken, die direkt in den Fels geschlagen wurden. Hoch über dem Meer thront der Leuchtturm von Guardia – einsam und majestätisch auf einem 80 Meter hohen Felsen. Und dann die Bucht von Chiaia di Luna, eingerahmt von strahlend weißen Klippen – so schön, dass man sie kaum in Worte fassen kann.
In den engen Gassen finden sich neben Alimentari – kleinen, meist familiengeführten Lebensmittelläden, die Obst, Prosciutto und italienische Käse verkaufen – auch feine Adressen wie die Boutique Oceano – eine kleine Schatzkammer für die Damenwelt. Auch kulinarisch hat die Insel einiges zu bieten: Das Ristorante Punta Bianca etwa mit seinen herzhaften Tagliatelle bis zu Pistazien-Cannoli. Oder die Oresteria by Ponza Fish: Hier kocht Chef Oreste Romagnolo, unkompliziert, regional, herrlich frisch. Spezialitäten sind u.a. Spaghetti mit Bottarga oder Kabeljaugerichte, serviert in rustikaler Eleganz mit Blick aufs Meer. Ponza ist ein Stück Italien, das man für sich behalten möchte – und doch jedem wünscht.



Wie neu aufgeladen
Über Nacht segelt die Star Flyer zurück nach Civitavecchia. Am Vorabend erklärt Kreuzfahrtdirektor Alex den Ablauf der Ausschiffung. Um 8 Uhr ist Beginn, bis 10 Uhr müssen alle Gäste das Schiff verlassen. Der Shuttle-Bus bringt uns zurück zum Shuttle-Bus-Bahnhof. Dort heißt es: Taxi zum Flughafen. Anfangs werden 280 Euro verlangt, am Ende zahlen wir 120 – geteilt durch sechs Reisende in einem Van. Tipp: Italienischkenntnisse sind von Vorteil.
Nach fünf Tagen an Bord fühlen wir uns wie neu aufgeladen. Die Star Flyer hat uns nicht nur von einem wunderschönen Ort zum nächsten gebracht, sondern Italien aus einer Perspektive gezeigt, die man an Land nie bekommt. Vom Meer aus anzulaufen, in kleinen Häfen festzumachen und die Freiheit an Bord zu genießen – wir hätten uns gut noch ein paar Tage mehr davon vorstellen können.

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