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Elisabeth Gürtler, Eigentümerin des Alpin Resort Sacher Seefeld‑Tirol, einem 5‑Sterne‑Superior‑Luxushotel in den Tiroler Alpen, öffnet die Türen zu ihrer faszinierenden Welt.

Von den ersten Schritten im Familienbetrieb über die prägenden Erfahrungen mit ihrem Vater und ihren Ehemännern bis hin zu ihrer langjährigen Verantwortung für das legendäre Haus erzählt sie offen, wie sie in die Hotellerie hineingewachsen ist und was sie antreibt. Im exklusiven Interview spricht sie mit mir über ihre Philosophie von Luxus, Gastfreundschaft und Lebensfreude, über die Bedeutung von Nachhaltigkeit und regionalen Produkten, über Kulinarik, Wein und Spa-Treatments – und über die kleinen Details, die ein Hotel zu einem unvergesslichen Reiseziel machen. Authentisch, persönlich und stilvoll zeigt Elisabeth Gürtler, dass Hotellerie für sie nicht nur ein Beruf, sondern eine Leidenschaft ist, die Ästhetik, Kultur und Lebensfreude auf einzigartige Weise verbindet.

FrontRowSociety-Redakteurin Annett Conrad (li.) trifft im Juli 2024 Sacher-Chefin Elisabeth Gürtler (re.) zum Interview im Alpin Resort Sacher Seefeld / © Redaktion FrontRowSociety.net

Exklusives Interview mit Elisabeth Gürtler, der Grande Dame der österreichischen Luxushotellerie

Annett Conrad: Aus welchem Antrieb heraus haben Sie sich für die Hotellerie entschieden?

Elisabeth Gürtler: Also, eigentlich habe ich mich gar nicht bewusst für die Hotellerie entschieden – es hat sich einfach so ergeben. Mein Vater war ursprünglich im Getreidehandel tätig, wir haben in Wien gelebt, und er hatte dieses Hotel eher als Hobby, um das er sich selbst nicht gekümmert hat. Während meines Studiums habe ich hier immer wieder mitgearbeitet, Inventuren gemacht – mein Vater war der Meinung, Kinder sollten nicht zu viel Ferien haben, sondern auch etwas tun.

Ich habe Handelswissenschaften studiert und in dieser Zeit meinen späteren Mann, Peter Gürtler, kennengelernt. Nach meinem Studium habe ich ihn geheiratet. Er wollte allerdings nicht, dass ich im Betrieb meines Vaters arbeite, daher habe ich mich zunächst eher im Hintergrund im Hotel engagiert – vor allem in den schönen Bereichen wie Einrichtung und Gestaltung.

Nach meiner Scheidung bin ich wieder stärker in den Familienbetrieb eingestiegen. Mit der Zeit – und auch durch persönliche Einschnitte wie Todesfälle in der Familie – wurde mir schließlich die Verantwortung für die Hotels übertragen. Ab diesem Zeitpunkt war ich vollständig in der Hotellerie tätig, habe das Unternehmen geführt, weiterentwickelt und auch erweitert. So bin ich letztlich zur Hotellerie gekommen – nicht durch eine bewusste Entscheidung, sondern durch meinen Lebensweg.

Annett Conrad: Welche Stationen bzw. Persönlichkeiten waren besonders prägend für Ihren Werdegang?

Elisabeth Gürtler: Für mich war die prägendste Person ganz klar mein Vater. Er hat mich nach einem sehr strengen Leistungsprinzip erzogen. Schon als junges Mädchen war ich leidenschaftliche Reiterin und wollte unbedingt ein eigenes Pferd haben. Das habe ich allerdings nur unter der Bedingung bekommen, dass ich in der Schule Vorzug hatte – sonst wäre das Pferd sofort weg gewesen. Und das war für mich die schlimmste Vorstellung,

Elisabeth Gürtler hat in ihrem Leben wohl viel erreicht. Als erfolgreiche Unternehmerin etablierte sie Sacher als Marke mit internationalen Ansehen. Obendrein zog die passionierte Dressurreiterin ihre beiden Kinder auf, organisierte den Wiener Opernball, leitete die Geschicke der Spanischen Hofreitschule und setzte ihr Wissen sowie ihr strategisches Talent als Vizepräsidentin der Wirtschaftskammer Österreichs ein. Chapeau! Madam Gürtler / © Redaktion FrontRowSociety.net

denn dieses Tier war für mich wie ein Familienmitglied. Also habe ich alles darangesetzt, immer gute Leistungen zu bringen.

Auch im Studium hat er großen Wert darauf gelegt, dass ich es in der Mindestzeit abschließe. Darüber hinaus hat er mir vermittelt, dass Arbeit keine Belastung, sondern etwas ist, das auch Freude machen kann. Er hat mich in meinem Denken und meiner Haltung zur Leistung ganz wesentlich geprägt.

Eine weitere wichtige Rolle spielten meine Ehemänner. Mein erster Mann, Peter Gürtler, hat mir die Welt der Hotellerie nähergebracht. Mein Vater war selbst kein Hotelier im eigentlichen Sinne – ihn hat das operative Geschehen nicht interessiert. Durch meinen Mann habe ich jedoch gesehen, was ein gutes Hotel ausmacht und wie viel dahintersteckt.

Mein zweiter Mann, Helmut Lohner, hat mir wiederum eine ganz andere Welt eröffnet – die Welt der Kunst und Kultur. Mit ihm habe ich unzählige Museen, Konzerte, Opern und Theater erlebt. Ich bin dadurch mit Künstlern, Musikern, Architekten und vielen anderen kreativen Persönlichkeiten in Kontakt gekommen. Das war ein starker Kontrast zu meiner eher wirtschaftlich geprägten Herkunft.

Diese Verbindung aus einem sehr rationalen, leistungsorientierten Hintergrund und der späteren Auseinandersetzung mit Kunst und Kultur war für mich eine besonders wertvolle und prägende Mischung.

Annett Conrad: Wie können Sie Ihre derzeitigen Aufgaben definieren bzw. beschreiben?

Elisabeth Gürtler: Für mich ist es nur möglich, Dinge zu tun, die ich selbst nachempfinden kann. Urlaub ist etwas sehr Individuelles – jeder Mensch sucht einen Ort, an dem er einen Ausgleich zu seinem Berufsleben findet. Für mich bedeutet das vor allem eine Umgebung, die mir guttut und in der ich mich wirklich wohlfühlen kann.

Ich habe ein sehr starkes Empfinden für Ästhetik und Ordnung. Wenn etwas nicht stimmt – sei es eine schiefe Lampe, eine fehlende Symmetrie oder ein Detail, das nicht passt – dann lässt mich das nicht los. Es macht mich unruhig, und ich kann mich erst wieder entspannen, wenn es in Ordnung gebracht ist. Genau deshalb ist es mir so wichtig, dass auch ein Hotel diese Harmonie ausstrahlt. Denn nur dann kann man als Gast wirklich abschalten.

Das 5-Sterne-Superior-Alpin-Resort Sacher Seefeld gehört mittlerweile zur exklusiven Vereinigung The Leading Hotels of the World / © Redaktion FrontRowSociety.net

Ebenso wichtig ist für mich die Atmosphäre und das Umfeld. Ein gewisses Maß an Kultiviertheit und ein gepflegter Umgang miteinander sind mir sehr wichtig. Sprache spielt dabei eine große Rolle – sie ist für mich Ausdruck von Haltung und Persönlichkeit. Wenn das nicht stimmig ist, entsteht für mich keine Verbindung, ganz unabhängig vom äußeren Erscheinungsbild.

Ich möchte einen Ort schaffen, an dem sich Menschen begegnen, die ähnliche Ansprüche und ein ähnliches Empfinden haben – auf Augenhöhe und in einer angenehmen, stimmigen Atmosphäre. Es geht mir nicht darum, jedes Publikum anzusprechen, sondern jene Gäste, die sich in diesem Umfeld wirklich zuhause fühlen.

Was für mich persönlich eine Herausforderung bleibt, ist die digitale Welt. Ich habe mein ganzes Leben ohne sie verbracht, und vieles davon ist mir fremd. Gerade im Bereich Social Media fehlt mir das Verständnis und auch das Gefühl dafür. Das verunsichert mich manchmal und zwingt mich dazu, mich auf andere zu verlassen – was mir nicht immer leichtfällt

Annett Conrad: Welche Visionen bzw. Ambitionen haben Sie für Ihre persönliche Zukunft?

Elisabeth Gürtler: Ich denke mir, dass ich das Leben jetzt – mit 74 Jahren – auch genießen möchte. Gleichzeitig ist es so: Hätte ich meinen Mann noch, wüsste ich genau, wie dieses Genießen aussehen könnte, weil wir vieles gemeinsam gemacht haben, was uns beiden Freude bereitet hat. Allein ist das nicht ganz so einfach – das muss man ehrlich sagen. Deshalb arbeite ich auch nach wie vor sehr gerne. Es hält mich aktiv und gibt mir Struktur. In gewisser Weise bin ich damit wieder bei der Prägung meines Vaters: Arbeit ist nichts Belastendes, sondern etwas, das auch Freude machen kann.

Ich genieße es, etwas zu gestalten und zu bewirken – idealerweise auch mit einem gewissen Erfolg. Gleichzeitig muss man realistisch sein: Die Kostenstruktur in einem Tiroler Hotel ist im Grunde ähnlich wie in einem Haus wie dem Sacher an der Oper, aber die wirtschaftlichen Möglichkeiten sind ganz andere. Dafür braucht es schon eine gewisse Leidenschaft, auch Durchhaltevermögen und Begeisterung.

Wenn ich heute noch jung wäre und eine Familie davon erhalten müsste, würde ich manches wahrscheinlich anders beurteilen. In meiner jetzigen Lebensphase sehe ich es jedoch so: Es ist mir wichtig, beschäftigt zu sein, ein gutes Verhältnis zu meiner Familie zu haben und etwas zu tun, das mir Freude macht. In diesem Sinne glaube ich, dass ich für mich einen guten Weg gefunden habe.

Stil und Eleganz adelt das Luxushaus in Seefeld / Tirol / © Redaktion FrontRowSociety.net

Annett Conrad: Was macht Ihr Haus zu einem besonderen Reiseziel?

Elisabeth Gürtler: Ich glaube, unser Haus zeichnet sich vor allem dadurch aus, dass wir konsequent auf höchste Qualität setzen. Es ist ein Leading Hotel of the World, und diesem Anspruch versuchen wir in allen Bereichen gerecht zu werden. Wir sparen weder an der Einrichtung noch an der Ausbildung unserer Mitarbeiter – auch wenn natürlich nicht immer alles perfekt ist. Aber der Anspruch ist da.

Ein ganz wesentlicher Bestandteil ist für mich die Küche. Sie mag vielleicht nicht mit drei Michelin-Sternen ausgezeichnet sein, aber sie ist auf einem sehr hohen Niveau und bietet eine verlässliche, sehr gute Qualität.

Ebenso wichtig ist der Spa-Bereich. Viele Gäste legen heute großen Wert darauf, und für mich persönlich ist entscheidend, dass dort genügend Raum und Ruhe vorhanden sind. Ein Spa muss eine gewisse Intimität bieten – man möchte nicht dicht an dicht liegen, sondern Platz haben und sich wirklich entspannen können. Wir arbeiten mit hochwertigen Produkten, etwa von Augustinus Bader, und haben vor allem ein außergewöhnlich konstantes und erfahrenes Team. Unser Cheftherapeut ist seit Jahrzehnten im Haus, ebenso wie viele unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Spa. Diese Kontinuität spürt man.

Darüber hinaus spielt auch die Lage eine große Rolle. Auf etwa 1.200 Metern Höhe bietet der Aufenthalt hier nicht nur Erholung, sondern auch einen gesundheitlichen Effekt. In Kombination mit der schönen Umgebung, gutem Essen, einem hochwertigen Spa und einem aufmerksamen Service entsteht ein Gesamtangebot, das für viele Gäste sehr attraktiv ist.

Annett Conrad: Für welche Zielgruppe ist Ihr Betrieb konzipiert?

Elisabeth Gürtler: Wir sprechen damit eine Gästestruktur an, die Wert auf Qualität, Ruhe und ein gewisses Niveau legt. Es ist keine Frage – wir sind kein günstiges Hotel. Aber ich bin überzeugt, dass das Preis-Leistungs-Verhältnis stimmt und dass sich unsere Gäste hier wirklich wohlfühlen.

Annett Conrad: Können Sie ein Alleinstellungsmerkmal bezüglich Ihres Hauses definieren?

Elisabeth Gürtler: Die außerordentliche Qualität in allen Bereichen.

Annett Conrad: Welches kulinarisches Konzept verfolgen Sie im Besonderen?

Elisabeth Gürtler: Ich bin überzeugt, dass wir – auch im Sinne der Nachhaltigkeit – vor allem auf regionale Produkte setzen sollten. Besonders bei traditionellen Gerichten, die allerdings modern und auf höchstem Niveau zubereitet werden. Es gibt für mich kaum etwas Besseres als ein wirklich gutes Wiener Schnitzel – man sieht es auch bei unseren Gästen, das wird immer wieder sehr gerne bestellt. Ebenso ein klassischer Tafelspitz oder ein gut gemachter Kaiserschmarrn – das sind Gerichte, die einfach dazugehören.

Entscheidend ist, dass diese regionalen und teilweise auch typisch wienerischen Speisen perfekt umgesetzt sind. Das ist das, was sich unsere Gäste erwarten. Gleichzeitig muss man aber auch offen für internationale Einflüsse sein. Manche Gäste wünschen sich beispielsweise Gerichte mit asiatischen Aromen oder etwas Exotischeres. Daher bieten wir immer auch eine Wahlmöglichkeit mit einem international inspirierten Gericht an.

Regionalität, die sich nicht gegen internationale Einflüsse sträubt / © Redaktion FrontRowSociety.net

Wichtig ist zudem, dass vegetarische Speisen fixer Bestandteil des Angebots sind. Das ist ein klarer Trend, der sich nicht mehr zurückdrehen lässt. Deshalb gibt es bei uns immer auch ein eigenes vegetarisches Menü.

Insgesamt achten wir auf eine ausgewogene Mischung: ein vegetarisches Angebot, ein Fleischgericht, ein Fischgericht und eine Option mit internationalem Einfluss – immer mit dem Anspruch, Qualität und Geschmack in den Mittelpunkt zu stellen.

Annett Conrad: Welche Rolle spielt das Thema Wein bei Ihnen?

Elisabeth Gürtler: Das Thema Wein spielt bei uns eine sehr wichtige Rolle. Wir verfügen über eine umfangreiche österreichische Weinkarte, für die man sich als Österreicher ganz sicher nicht schämen muss – im Gegenteil. Gerade seit dem Weinskandal hat sich in Österreich enorm viel entwickelt, und heute haben wir international anerkannte, hervorragende Weißweine. Auch im Bereich der Rotweine – etwa aus dem Burgenland oder der Thermenregion – gibt es sehr beachtliche Qualitäten.

Diese Stärke spiegelt sich selbstverständlich in unserer Weinkarte wider. Gleichzeitig ist es aber wichtig, in einem Haus mit internationaler Gästestruktur auch eine entsprechende internationale Auswahl anzubieten. Dazu gehören klassische Weinländer wie Italien oder Spanien, insbesondere im Bereich der Rotweine, aber auch Weine aus Übersee, etwa aus Australien oder Kalifornien.

Ich habe jedoch die Erfahrung gemacht, dass gerade internationale Gäste sehr offen für österreichische Weine sind. Viele sind sich der hohen Qualität bewusst, lassen sich gerne beraten und entscheiden sich dann auch ganz bewusst für einen Wein aus Österreich.

Annett Conrad: Auf welche Spa-Treatments können sich Gäste insbesondere freuen?

Elisabeth Gürtler: Unsere besonderen Spa-Treatments sind vor allem jene, die wir als Signature Treatments bezeichnen. Dabei geht es nicht nur um die Wirkung hochwertiger Produkte, sondern auch um das ganzheitliche Erleben – bis hin zur mentalen und emotionalen Entspannung.

Ein Beispiel ist die Behandlung ‚Waldstille‘, bei der bewusst auch Ruhe, Achtsamkeit und ein Gefühl von innerer Ausgeglichenheit im Mittelpunkt stehen. Diese Anwendungen dauern in der Regel 90 Minuten oder länger und bieten damit ausreichend Zeit, wirklich abzuschalten.

Ichzeit im Spa des 5-Sterne-Superior-Alpin-Resort Sacher Seefeld
Ichzeit im Spa des 5-Sterne-Superior-Alpin-Resort Sacher Seefeld / © Redaktion FrontRowSociety.net

Wir arbeiten dabei mit verschiedenen Elementen wie ausgewählten Düften, natürlichen Ölen, etwa auch Steinöl, sowie regionalen Kräutern. Die Region soll spürbar Teil der Behandlung sein.

Insgesamt geht es uns darum, nicht nur körperliche Entspannung zu ermöglichen, sondern auch ein Gefühl von Ruhe, Gelassenheit und innerem Gleichgewicht zu vermitteln.

Annett Conrad: Was schätzen Sie an Ihren Mitarbeitern besonders?

Elisabeth Gürtler: Das Thema Mitarbeiter ist heute wohl eine der größten Herausforderungen für alle Dienstleistungsbetriebe. Gute Mitarbeiter entstehen nicht von heute auf morgen – sie müssen über einen längeren Zeitraum hinweg geschult und begleitet werden. Schulung ist ein kontinuierlicher Prozess, der immer wieder Auffrischung braucht.

Besonders wertvoll sind daher jene Mitarbeiter, die über viele Jahre im Haus bleiben. Sie tragen das Wissen weiter, entwickeln ein Gefühl für Qualität und verinnerlichen die Abläufe. Genau darin liegt die Stärke eines konstanten Teams. Hohe Fluktuation hingegen ist in diesem Zusammenhang sehr kontraproduktiv.

Ich bin zum Beispiel sehr stolz darauf, dass wir im Spa-Bereich praktisch keine Fluktuation haben. Dort arbeitet ein eingespieltes Team, und das spiegelt sich unmittelbar in der Qualität wider. Ähnlich ist es in der Küche – auch hier sorgt Kontinuität für ein entsprechend hohes Niveau.

Herausfordernder sind Bereiche wie Housekeeping oder der Service im Restaurant, wo die Fluktuation naturgemäß höher ist. Gerade dort wäre Stabilität besonders wichtig, weil viele Abläufe nur durch Erfahrung und Routine wirklich verlässlich funktionieren. In stressigen Situationen zeigt sich dann oft, wie entscheidend diese Verankerung ist.

Idealerweise hat man in solchen Bereichen einige erfahrene, verlässliche Mitarbeiter als stabile Stützen im Team. Sie geben Orientierung und Ruhe – während sich das übrige Team darum herum bewegt. Eine vollständige Lösung habe ich dafür noch nicht gefunden, aber diese Form von Stabilität ist aus meiner Sicht entscheidend.

Annett Conrad: Welche Sprachen werden in Ihrem Betrieb gesprochen?

Elisabeth Gürtler: Hauptsächlich Deutsch und Englisch. Letztere ist besonders wichtig, da wir Gäste aus aller Welt begrüßen.

Die persönliche Begrüßung im Alpin Resort Sacher Seefeld spricht eine universelle Sprache / © Redaktion FrontRowSociety.net

Annett Conrad: Gibt es spezielle Nachhaltigkeitsstrategien auf die Sie hinweisen möchten?

Elisabeth Gürtler: Nachhaltigkeit hat viele Facetten. Für uns bedeutet das, bewusst auf die Auswirkungen unserer Entscheidungen zu achten – sei es beim Heizen, bei der Nutzung von Energie oder bei den Lebensmitteln, die wir verwenden. Schon im Vorfeld spielt es eine Rolle: Woher kommen die Produkte, wie gelangen sie in unsere Küche, und welche Umweltbelastungen entstehen dabei?

Natürlich können wir nicht auf alles verzichten – Orangen etwa werden weiterhin aus Israel oder Südamerika kommen, weil unsere Gäste sie erwarten. Aber dort, wo es möglich ist, setzen wir auf regionale Produkte. Die Kartoffeln, die Milch, die Butter stammen von Tiroler Bauern, das Rindfleisch kommt von heimischen Weiden. Das hat nicht nur kürzere Transportwege, sondern wirkt sich auch auf die Qualität aus: Ein Rind von einer gesunden Alm hat ein besseres, gesünderes Fleisch als eines, das im Stall gemästet wird.

Wichtig ist mir aber auch, realistisch zu sein: Nachhaltigkeit allein ist für unsere Gäste nicht der Hauptgrund, hierherzukommen. Viele Menschen achten darauf, dass sie sich gut fühlen und dass ihr Urlaub verantwortungsvoll ist – aber sie wollen dabei nicht auf Genuss verzichten. Ein Luxusgast erwartet, dass er weiterhin frisch gepressten Orangensaft bekommt, auch wenn die Früchte importiert werden. Nachhaltigkeit darf also nicht auf Kosten des Aufenthalts gehen.

Für uns bedeutet das: Wir setzen, wo immer möglich, auf lokale und nachhaltige Produkte und Praktiken. Gleichzeitig sorgen wir dafür, dass der Aufenthalt unserer Gäste komfortabel und genussvoll bleibt. So verbinden wir Umweltbewusstsein mit höchstem Service und Erlebniswert.

Annett Conrad: Wären Sie Gast in Ihrem Haus, was würden Sie auf keinen Fall versäumen wollen?

Elisabeth Gürtler: Wenn ich Gast in meinem eigenen Haus wäre, würde ich auf jeden Fall ein Zimmer mit Blick wählen und nicht auf ein rückwärtiges Zimmer sparen. Ich möchte im Urlaub ein Zimmer nach Süden mit einem schönen Balkon haben.

Ganz wichtig wäre für mich auch eine gute Spa-Behandlung. Dabei würde ich ebenfalls nicht sparen, weil sie wesentlich zur Entspannung beiträgt – das beste Zeichen ist, wenn man dabei einschläft.

Ich würde auf jeden Fall beim Aktivprogramm mitmachen, weil einmal täglich außer Atem zu kommen für die Gesundheit sehr wichtig ist. Es ist zwar anstrengend, aber eine kreative Erschöpfung, bei der der Körper sich wieder aufbaut. Beim Essen bin ich sehr wählerisch: Ich esse kein Fleisch und wähle stets das vegetarische Menü, bei dem ich auf Qualität und Geschmack besonders achte.

Auch der schöne Garten des Resorts lädt zu Ruhepausen ein / © Redaktion FrontRowSociety.net

Außerdem liebe ich die Pianomusik am Abend – das ist nicht typisch für ein Tiroler Hotel, aber für mich als Wienerin gehört es zu einem gehobenen Restaurant und zur Lebenskultur dazu. Und selbstverständlich darf ein gutes Glas Champagner oder ein feiner Champagnerspritz nicht fehlen.

Annett Conrad: Und wo ist Ihr Lieblingsplatz hier im Hotel?

Elisabeth Gürtler: Das ist gar nicht so einfach zu beantworten, denn Sommer und Winter sind unterschiedlich. Im Sommer liebe ich es, auf der Terrasse zu sitzen – wirklich ganz für mich allein, mit den Heizstäben unter mir, wenn es abends kühler wird. Diese Ruhe empfinde ich als geradezu göttlich. Und meinen Hund dabei zu haben, wie jetzt bei mir, macht es noch schöner.

Im Winter hingegen sitze ich am liebsten auf dieser Bank drüben. Das Einzige ist, dass mein Hund dort nicht so bequem bei mir liegen kann – auf einem Stoffsofa ist das schwierig, ähnlich wie bei kleinen Kindern.

Annett Conrad: Was würden Sie jungen Menschen mit auf den Weg geben, die einen Beruf in der Hotellerie anstreben?

Elisabeth Gürtler: Ich würde jungen Menschen raten, sich zunächst genau zu überlegen, ob sie wirklich gerne Kontakt mit Menschen haben und ob sie menschenfreundlich sind. Denn wenn das nicht der Fall ist, kann einem der Umgang mit Gästen – besonders mit unfreundlichen – schnell sehr auf die Nerven gehen.

Man muss Freude daran haben, anderen Menschen einen angenehmen Aufenthalt zu bereiten. Dieses Gefühl, wenn man sieht, dass Gäste sich wohlfühlen, muss einem selbst Freude machen. Es erfordert die Fähigkeit, diese Momente wahrzunehmen und zu spüren – ohne dieses Gespür ist der Beruf ziemlich freudlos, weil man kaum Rückmeldung bekommt.

Darüber hinaus braucht man Durchhaltevermögen. Niemand wird als General Manager geboren. Man muss sich den Weg Schritt für Schritt erarbeiten, in allen Abteilungen Erfahrungen sammeln und überall gearbeitet haben, um am Ende zu wissen, wo man wirklich hinmöchte.

Vielen Dank Frau Gürtler für Ihre Zeit in Ihrem wunderbaren Alpin Resort Sacher Sefeld und für die aufschlussreichen Antworten.

FrontRowSociety-Herausgeberin Annett Conrad führte das Interview mit Elisabeth Gürtler vor Ort im Alpin Resort Sacher Seefeld.

Weitere Informationen

Alpin Resort Sacher Seefeld
Geigenbühelstraße 185
6100 Seefeld in Tirol / Österreich

Für Elisabeth Gürtler kommt Stillstand nicht in Frage. Stets entwickelt sie sich weiter und bleibt neugierig auf alle Herausforderungen der Zeit. Gemeinsam mit Prof. DDr. Johannes Huber, einem Arzt, Bestsellerautor und Experten für Gesundheit und Altern, verfasste sie das Buch „Hirnfit bis 100“ Hier geht es zu unseren Rezension.

Hirnfit bis 100 - das Buch von Elisabeth Gürtler und Johannes Huber
Hirnfit bis 100 – das Buch von Elisabeth Gürtler und Johannes Huber / © Redaktion FrontRowSociety.net

Hinweis der Redaktion: Die in diesem Interview geäußerten Aussagen, Einschätzungen und Meinungen geben ausschließlich die persönlichen Ansichten des Interviewpartners wieder. Die Redaktion macht sich diese Inhalte nicht zu eigen; für deren inhaltliche Richtigkeit und rechtliche Bewertung ist allein der Interviewpartner verantwortlich.