Für Südafrikafans gibt es einen neuen kulinarischen Sehnsuchtsort im Herzen des Kapweinlands: Auf dem traditionsreichen Weingut Boschendal vereint das Restaurant Arum Landschaft und moderne Küche zu einem ziemlich leckeren Gesamterlebnis.
Es ist einer dieser Orte, an denen man unwillkürlich langsamer wird und leiser spricht. Schon der Weg über das riesige Anwesen des Boschendal Estate ist ein Erlebnis. Er führt vorbei an uralten Eichen, sorgfältig gepflegten Gärten und liebevoll gepflegten Reetdachhäusern. Der Spaziergang über das historische Weingut, etwa 55 Kilometer östlich von Kapstadt zwischen Stellenbosch und Franschoek gelegen, ist die ideale Einstimmung auf das, was gleich auf den Teller kommt.


Wir haben einen Tisch im Arum reserviert. Das erst im November 2025 neu eröffnete Restaurant ist das jüngste Projekt von Küchenchef Peter Tempelhoff und seinem Team und steht ganz im Zeichen einer saisonal inspirierten, in der Region verwurzelten Küche. Doch es ist nicht nur das Essen, das diesen Ort besonders macht, sondern das Zusammenspiel aus südafrikanischer Atmosphäre, Landschaft und herzlicher Gastfreundschaft, das hier in seltener Harmonie aufeinandertrifft.
Das Arum selbst wirkt auf den ersten Blick eher unscheinbar, fast zurückhaltend, ein typisches weißes, reetgedecktes Farmhaus im Capestyle. Es entfaltet seine Wirkung erst beim Eintreten. Die alten Mauern, helle Kalkwände und warme Holzbalken tragen die lange Geschichte von Boschendal in sich, die bis ins sechszehnte Jahrhundert zurückgeht. Die Einrichtung des Arum ist modern und traditionell zugleich. Alles wirkt geerdet und natürlich– als wäre das Restaurant schon immer Teil dieses Häuser-Ensembles auf dem beliebten Weingut gewesen.


Mit insgesamt 117 Sitzplätzen ist das Arum großzügig angelegt und dennoch intim genug für ein paar Stunden kulinarischen Genusses. 14 Plätze gibt es an der Weintafel, während der Heritage Room mit 32 Sitzplätzen eine ruhigere Atmosphäre ausstrahlt. Der lichtdurchflutete Gartensaal mit 38 Plätzen öffnet sich zur einzigartigen Landschaft. Auf der mit Holzbohlen ausgelegten Terrasse mit ihren 33 Plätzen werden wir unseren Lunch einnehmen.
Hier, unter freiem Himmel und bei warmem, sanftem Klima, entfaltet sich ein Schauspiel, für das allein sich der Weg schon gelohnt hat. Der Blick schweift über den weitläufigen Gemüsegarten, dessen sorgfältig angelegte Beete als ewig grüner Vorratsraum des Arum für Nachschub sorgt. Kräuter, Gemüse und essbare Blüten wachsen hier, viele von ihnen werden erst kurz vor dem Servieren geerntet. Diese Nähe zur Küche ist nicht nur ein logistischer Vorteil, sondern Teil einer Philosophie, die auf Frische und Saisonalität basiert.

Hinter dem Garten öffnet sich das Franschhoek Valley in seiner ganzen Weite. Eingebettet wie in eine überdimensionale Filmkulisse, liegt das Tal zwischen sanft geschwungenen Hügeln und den imposanten Ausläufern der Drakensberge. Die Landschaft wirkt fast inszeniert, so perfekt scheint ihre Komposition aus Licht und Farbe. Wenn du hier sitzt, ein Glas Wein in der Hand, gibt es keinen Zweifel: die Welt ist gut zu dir.
Die Atmosphäre auf der Terrasse ist entspannt und doch stilvoll. Über allem liegt eine Ruhe, die man in dieser Form selten findet. Nichts wirkt hektisch, nichts laut. Einen entscheidenden Anteil daran hat auch der Service. Die Mitarbeiter begegnen den Gästen mit authentischer Herzlichkeit. Man wird aufmerksam begleitet, ohne dass es aufdringlich erscheint. Fragen werden geduldig beantwortet, Empfehlungen mit Herzblut ausgesprochen. Gastfreundschaft, die glaubhaft rüberkommt, nicht aufgesetzt.

Kulinarisch folgt das Arum einer klaren und zugleich anspruchsvollen Linie. Im Zentrum steht das Produkt – saisonal und von hoher Qualität. Viele Zutaten stammen direkt vom eigenen Hof oder aus unmittelbarer Umgebung. Gekocht wird mit dem, was die Natur gerade hergibt.


Zum Auftakt gibt es eine großzügige Bread Box, die bereits einen ersten Eindruck der Küche vermittelt. Kapokbos- und Oliven-Focaccia, wood-fired Ciabatta, dazu gesalzene Butter vom Hof und ein rauchiger Hummus – einfache Komponenten, mit Sorgfalt und handwerklichem Können umgesetzt. Begleitet wird der Einstieg von einem Glas Brut Rosé, danach gesellt sich ein gekühlter Boschendal 1685 Sauvignon Blanc dazu.

Der Hauptgang führt noch ein Stück tiefer in die kulinarische Welt des Arum. Die Wahl fällt auf ein dry aged Beef Cut von südafrikanischen, grasgefütterten Wagyu-Rindern aus der Region. Über offenem Feuer zubereitet, entwickelt das Fleisch eine spezielle Note. Es ist zart, saftig und zugleich kraftvoll im Geschmack. Dazu werden Karotten aus dem eigenen Garten serviert, karamellisierte Zwiebeln bringen die leichte Süße dazu
Am Ende das Dessert. Kein Rauswerfer, sondern die extrem leckere Abrundung eines gelungenen Lunches. Karamellisierter Honig trifft auf ein zartes Pain Perdu, oder arme Ritter, wie die Franzosen sagen, begleitet von Kokosmousse, frischen Heidelbeeren vom Hof und einer feinen Vanillecreme.
Nach dem abschließenden Espresso sind wir nicht nur glücklich und satt, sondern auch sicher: Das Arum ist weit mehr als nur ein weiteres Restaurant im Kapweinland. Es ist ein Ort, der Genuss auf seine spezielle Weise interpretiert. Die Verbindung von Landschaft, Architektur, Service und Küche schafft eine großartige Kulisse und Atmosphäre. Für Reisende, die das Besondere suchen, ist das Arum fraglos ein neuer Geheimtipp. Ein Lunch auf der Terrasse, mit Blick über das Franschhoek Valley und die fernen Berge, wird hier zu einem Erlebnis, das weit über den Moment hinaus in Erinnerung bleibt.

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