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Wer durch die engen Straßen von Bonnieux fährt und schließlich das Capelongue erreicht, versteht sofort, warum dieses Haus zu den besonderen Orten der Provence zählt. Hoch über dem Tal gelegen, mit Blick auf die sanften Hügel des Luberon, verbindet das Hotel die Ruhe der Landschaft mit der Eleganz eines modernen französischen Landhauses.

Mittendrin befindet sich das Sternerestaurant La Bastide. Hier möchte man mitnichten die Provence neu erfinden, sondern ihre Produkte, Aromen und Stimmungen auf sehr zeitgemäße Weise interpretieren.

Schon vor dem ersten Gang entsteht eine besondere Atmosphäre. Die Terrasse liegt im warmen Abendlicht der Provence, Naturstein reflektiert die untergehende Sonne, der würzige Duft von Kräutern liegt in der Luft und aus dem Tal zieht langsam die Kühle des Abends herauf. Innen wirkt das Restaurant hell, ruhig und bewusst reduziert. Nichts drängt sich auf oder oder erscheint überinszeniert. Gerade dadurch entsteht jene entspannte Atmosphäre, die viele Luxusrestaurants heute suchen, aber nur wenige wirklich erreichen.

Der Eingang des Michelin-Sternerestaurants La Bastide liegt verborgen hinter schützendem Mauerwerk, … / © Redaktion FrontRowSociety.net
… innen öffnet sich ein Raum aus Licht und Charme / © Redaktion FrontRowSociety.net

Das Hotel Capelongue als Teil des Gesamterlebnisses

Das Restaurant ist eng mit dem Hotel Capelongue verbunden, das heute zur französischen Hotelgruppe Beaumier gehört. In den vergangenen Jahren wurde das Haus umfassend renoviert und verbindet die bäuerliche provenzalische Architektur mit modernem Design. Anders als viele klassische Luxushotels steht das Landschaftsbild des Luberon selbst im Mittelpunkt.

Das Hotel Capelongue ähnelt eher einem provenzialischen Dorf statt eines Luxushotels / © Redaktion FrontRowSociety.net

Naturstein, helle Stoffe, offene Terrassen und die weiten Ausblicke über die bergige Landschaft prägen das Ambiente des Hotels. Die Gäste kommen allerdings nicht nur wegen der Küche hierher, sondern auch wegen der Ruhe und der besonderen Lage oberhalb von Bonnieux. Gerade in Verbindung mit dem Restaurant entsteht daraus ein Gesamterlebnis, das ein Stück Provence authentisch erlebbar macht. Hier geht es zu unserem Artikel: Capelongue, a Beaumier Hotel: Die Langsamkeit des Luberon

Spektakulär ist die Lage oberhalb von Bonnieux / © Redaktion FrontRowSociety.net

La Bastide – aus der Provence heraus gedacht

Die Philosophie von La Bastide beginnt bei den Produkten. Fast alles stammt aus dem direkten Umfeld des Luberon. Gemüse und Kräuter kommen teilweise aus dem eigenen Garten, vieles zusätzlich von kleinen Produzenten der Region. Selbst wilde Kräuter aus Wald und Wiesen finden ihren Weg in die Küche.

Auch beim Käse bleibt das Restaurant konsequent regional. Die Auswahl besteht fast ausschließlich aus Ziegen- und Schafsmilchkäse. Dazu kommen französische Weine, viele davon biologisch produziert. Diese starke regionale Verankerung wirkt in La Bastide allerdings nie nostalgisch oder rustikal. Die Küche von Noël Bérard ist modern, technisch präzise und überraschend komplex. Trotzdem behalten die Gerichte immer eine gewisse Natürlichkeit.

Bereits Amuse bouche beginnt einem aromatischen Paukenschlag / © Redaktion FrontRowSociety.net

Aktuell arbeitet das La Bastide mit zwei großen Degustationsmenüs, die unterschiedliche Perspektiven auf die Küche des Hauses zeigen: das vegetarisch geprägte „Menu Maraîchers“ sowie das klassische „Menu Luberon“.

Menu Maraîchers – Gemüse als Hauptdarsteller

Besonders deutlich wird diese Philosophie im „Menu Maraîchers“. Das vegetarisch geprägte Degustationsmenü stellt Gemüse und Kräuter ins Zentrum. Der Begriff „Maraîcher“ bedeutet im Französischen Gemüsebauer oder Marktgärtner. Und genau darum geht es hier. Das Beeindruckende ist weniger die Idee eines Gemüsemenüs an sich, sondern die Intensität der Aromen. Aus simplen Produkten entstehen Gerichte mit erstaunlicher Tiefe.

(Fast) alles Gute kommt vom Gemüsebauern und zeigt sich im La Bastide als Kohlrabisalat … / © Redaktion FrontRowSociety.net
… oder als Kombination von weißem Spargel, Morcheln und Ziegenmilch … / © Redaktion FrontRowSociety.net
… sowie als Gnocchi mit Aal und gereiftem Kaviar, … / © Redaktion FrontRowSociety.net
… aber auch als Artischoken-Soufflé mit Frühlingsgemüse / © Redaktion FrontRowSociety.net

Der eindrucksvollste Teller des Abends war dabei ein Sellerie-Gang. Sellerie ist normalerweise keine Zutat, die automatisch Begeisterung auslöst. In La Bastide wird daraus jedoch ein Gericht von außergewöhnlicher Eleganz. Unterschiedliche Texturen treffen aufeinander, dazu schwarzer Trüffel und fruchtige Akzente, die dem Teller Frische verleihen. Alles ist präzise ausbalanciert. Genau dieser Moment zeigte, was große Küche ausmacht: Aus etwas scheinbar Einfachem entsteht etwas, das emotional hängen bleibt. Man will eigentlich die Augen schließen und nichts anderes als genießen.

Doch der knusprige Sellerie mit schwarzem Trüffel an einer cremigen Blanquette-Sauce, die für das Menü auf Pflanzenbasis zubereitet wurde, ist das Highlight des Menüs / © Redaktion FrontRowSociety.net

Weitere Gänge des Menüs arbeiteten mit Fenchel, Aubergine, Karotten oder wilden Kräutern aus der Provence. Viele Gerichte wirkten leicht und mediterran, gleichzeitig aber aromatisch überraschend. Statt schwerer Saucen dominierten Kräuteröle, konzentrierte Jus und feine Säure.

Selbstverständlich kommen die Erdbeeren aus Bonnieux / © Redaktion FrontRowSociety.net
Schokoladenkuchen – kein Mainstram, sondern himmlisch / © Redaktion FrontRowSociety.net

Menu Luberon – Die klassische Seite von La Bastide

Das zweite große Degustationsmenü trägt den Namen „Menu Luberon“ und orientiert sich stärker an der klassischen provenzalischen Gourmetküche. Hier tauchen Produkte wie Langoustinen, Schnecken aus Roussillon oder das berühmte Lamm aus Sisteron auf. Besonders bekannt ist ein Gericht mit Schnecken, Pastis, Karotte und Beurre blanc, das inzwischen fast zu einer Signatur von Noël Bérard geworden ist. Andere Teller kombinieren Langoustinen mit Fenchel und Pfirsich-Basilikum-Aromen oder Taube aus Sarrians mit Navet, Majoran und Ziegenmilch. Immer wieder zeigt sich dabei die Handschrift der Küche: sehr präzise, technisch anspruchsvoll, aber nie überladen.

Das Menü Luberon beginnt mit Ziegenmilchreis und Garnelen … / © Redaktion FrontRowSociety.net
… setzt sich mit grünem Spargel und Schweinebauch fort, … / © Redaktion FrontRowSociety.net
… dieser wird von einer Rotbarbe abgelöst … / © Redaktion FrontRowSociety.net
… und findet seine Vollendung im Lamm, dessen Auftritt in mehreren Etappen zelebriert wird, … / © Redaktion FrontRowSociety.net
… bis es mit einem korrespondierendem Wein genossen wird / © Redaktion FrontRowSociety.net

Auch die Desserts greifen regionale Produkte auf ungewöhnliche Weise auf. Besonders interessant ist die Kombination aus Olive de Nyons und Schokolade. Was zunächst ungewöhnlich klingt, funktioniert erstaunlich gut, da die salzige Tiefe der Olive die Bitterkeit des Kakaos verstärkt.

Brillant: Eiscreme von der schwarzen Olive … / © Redaktion FrontRowSociety.net
… sodass das Menü Luberon in einem süßem Finale gipfelt / © Redaktion FrontRowSociety.net

Für viele Gäste beginnt ein besonderer Moment, wenn der große Käsewagen seinen Auftritt hat. Rund zwanzig verschiedene Sorten werden präsentiert; überwiegend aus Ziegen- oder Schafsmilch und sorgfältig aus der Region ausgewählt. Serviert werden die Käse mit Trüffelhonig, Tomatenmarmelade und einem frischen Kräutersalat. Dadurch wirkt der Käsegang weniger wie ein klassischer Abschluss, mehr wie eine kleine kulinarische Reise durch die Provence.

Je nach persönlichem Geschmack wählt man seine Lieblingssorte vom Käsewagen, … / © Redaktion FrontRowSociety.net
… und schon liegt eine kleine Reise durch die Provence auf dem Teller / © Redaktion FrontRowSociety.net

Was macht ein Dinner perfekt?

Neben der fein austarierten Küche trägt auch der Service entscheidend zum Gelingen eines Abends bei. Im La Bastide arbeitet das Team aufmerksam und professionell, gleichzeitig aber sehr entspannt. Aus ihrem Mund wirken Empfehlungen ehrlich und nicht auswendig gelernt. Jeder Gang wird ruhig erklärt, ohne die Gäste mit Informationen zu überladen.

Herzlich rundet der Sevice das Dinner ab / © Redaktion FrontRowSociety.net

Gerade diese entspannte Professionalität passt perfekt zur Atmosphäre des Hauses. La Bastide versucht nicht, mit steifer Luxusgastronomie Eindruck zu schinden. Stattdessen entsteht eine Ruhe, die den Fokus vollständig auf die Küche und die Umgebung lenkt. Denn immer wieder wandert der Blick vom Teller nach draußen, wenn die Sonne langsam hinter den Hügeln verschwindet.

Man sitzt und genießt bis die Sonne untergeht … / © Redaktion FrontRowSociety.net
… und nascht zum guten Schluss noch köstliche Petit fours / © Redaktion FrontRowSociety.net

Noël Bérard – der Meister von La Bastide

Küchenchef Noël Bérard prägt die Entwicklung des Sternerestaurants seit mehreren Jahren. Nach Stationen in renommierten Häusern wie Les Crayères in Reims, Amber und Écriture in Hongkong oder Le Petit Nice von Gérald Passedat kam er schließlich nach Bonnieux. Nach der Pandemie übernahm er die Leitung der Küche von La Bastide. Unter seiner Führung entwickelte sich das Restaurant weiter: weniger opulent als früher, dafür natürlicher, präziser und stärker mit der Provence verbunden.

Küchenchef Noël Bérard ist verantwortlich für die kulinarische Handschrift des Restaurants … / © Redaktion FrontRowSociety.net
… mit Präzension und Leidenschaft / © Redaktion FrontRowSociety.net

Das Restaurant besitzt heute einen Michelin-Stern. Gerade in Frankreich bleibt diese Auszeichnung enorm wichtig. Michelin-Sterne beeinflussen die internationale Wahrnehmung eines Restaurants und oft auch die Attraktivität des gesamten Hotels. Für viele Gäste ist ein Sternerestaurant ein entscheidender Grund, nach Bonnieux oder überhaupt in den Luberon zu reisen.

Das Capelongue mit der Küche von Noël Bérard ist mehr wert als nur einen Stopp / © Redaktion FrontRowSociety.net

Essen wie Gott in Frankreich

La Bastide gehört heute zu den interessantesten Gourmetrestaurants der Provence. Das Restaurant verbindet regionale Produkte, moderne Technik und eine außergewöhnliche Lage zu einem kulinarischen Erlebnis, das lange in Erinnerung bleibt. Dabei ist es vor allem die Balance, die beeindruckt: zwischen Eleganz und Natürlichkeit, zwischen technischer Präzision und emotionalem Genuss, zwischen Luxus und der einfachen Schönheit der Provence.

Die Terrasse des La Bastide liegt geschützt hinter üppigem Grün, … / © Redaktion FrontRowSociety.net
… und bestimmt die Atmosphäre im Restaurant mit / © Redaktion FrontRowSociety.net

Ein Michelin-Stern signalisiert laut Guide Michelin eine Küche „von hoher Qualität“, die einen Stopp wert ist. Das Capelongue mit der Küche von Noël Bérard ist mehr wert als nur einen Stopp. Es ist die unausgesprochene Einladung, länger als gedacht zu verweilen.

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