Mit Dream of the Desert entsteht in Saudi-Arabien eine Reiseform, die Luxus, Entschleunigung und Entdeckerlust miteinander verbindet. Das Projekt der italienischen Arsenal Group ist mehr als ein Zug – es ist eine „Kreuzfahrt auf Schienen“, die Reisende tief ins Herz der saudischen Wüstenlandschaft führt.
Ziel ist es, das Land jenseits bekannter Destinationen erlebbar zu machen und eine neue Art des Reisens zu etablieren. Paolo Barletta spricht im Interview über die Idee hinter Dream of the Desert, die Verbindung zu internationalen Luxusmarken und darüber, wie aus einer Vision ein einzigartiges Reiseerlebnis wird.

Exklusives Interview mit Paolo Barletta, Geschäftsführer Arsenale Group, Dream of the Desert
Jessica Conrad: Also, wir beschäftigen uns hier gerade mit Tourismus und Luxus, und habe ich ein paar Fragen zu den Dingen, die mich interessieren. Zunächst einmal: Wenn man vom „Dream of the Desert“ spricht – welche Vision steckt dahinter?
Paolo Barletta: Ich denke, der Traum der Wüste ist eine neue Möglichkeit, Saudi-Arabien auf eine andere Art zu erleben. Es gibt hier bereits eine beeindruckende Strecke, und der Zug durchquert einen Teil des Landes Richtung Norden und erreicht Orte wie Qassim, Ha’il und Al-Jouf. Das sind Regionen im Landesinneren, die für Menschen vielleicht sehr schwer zu entdecken wären, aber mit dem Zug wird es zur perfekten Ergänzung – sowohl für Vor- als auch Nachaufenthalte in AlUla, am Roten Meer oder in Riad. Mit dieser kurzen, sehr komfortablen und effizienten Transportform – einem „Kreuzfahrterlebnis auf Schienen“ – erhält man Zugang zu diesen Orten.
Jessica Conrad: „Eine Kreuzfahrt auf Schienen“ – das ist eine schöne Beschreibung, wirklich cool.
Paolo Barletta: Ein einmaliges Erlebnis. Ein einziger, besonderer Moment.
Jessica Conrad: Und Sie sagten, es wird Stopps in Dschidda und AlUla am Roten Meer geben?
Paolo Barletta: Nein, also wir halten in Qassim, in Ha’il und in Al-Jouf – das ist die Nordstrecke. Ha’il liegt sehr nah an al-‚Ula, daher werden die Gäste von Ha’il nach al-‚Ula weitertransportiert und können dort ihren Aufenthalt fortsetzen. Wenn das Streckennetz später vollständig ausgebaut ist, werden wir vermutlich auch andere Destinationen anfahren können, zum Beispiel Dschidda.
Jessica Conrad: Okay, okay, ich verstehe. Das klingt nach einer spannenden Möglichkeit Saudi-Arabien und seine unterschiedliche Landschaft kennenzulernen. Ich habe gestern in einem Vortrag auf der TOURISE-Konferenz gehört, dass der erste Zug gegen Ende nächsten Jahres unterwegs sein soll, richtig?
Paolo Barletta: Ja, korrekt. Ende nächsten Jahres wird der erste Zug in Betrieb gehen. Aktuell sind wir in den letzten Vorbereitungen und der Hochphase des Marketings und der strategischen Planung.

Jessica Conrad: Sehr schön. Und wie läuft es bisher? Es sind bestimmt viele Leute an dem Projekt beteiligt, die der ersten Fahrt des Zuges entgegenfiebern.
Paolo Barletta: Genau so ist es. Ich meine, es gibt sehr großes Interesse. Die Menschen sind begeistert von dieser Art des Reisens. Sie mögen das Produkt sehr, sie waren bereits an Bord und konnten sehen, worum es bei dem Zug gehen wird. Wir sind wirklich sehr zufrieden mit der Unterstützung durch die Community. Die Ausstattung, der Service und das Essen sind auf höchster Klasse geplant und werden die Reisenden verwöhnen.
Jessica Conrad: Und die Interessierten – sind das aktuell hauptsächlich Einheimische oder eher Touristen?
Paolo Barletta: Wir haben Einheimische, wir haben Touristen, wir haben asiatische Märkte und auch europäische Märkte – dieselben Märkte, die derzeit stark nach Saudi-Arabien reisen. Insgesamt also sehr unterschiedliche Zielgruppen. Der lokale Markt ist jedoch besonders stark, vor allem für Charterfahrten. Stellen Sie sich vor, Sie möchten einen kompletten Zug für einen Geburtstag oder eine Party buchen – das ist die perfekte Lösung. Zusammen mit Freunden kann man gemeinsam reisen und einen privaten Zug für sich haben. Die Saudi-Arabier reisen gerne innerhalb des Landes. Dream of the Desert bietet ihnen eine ganz neue, noch nie dagewesene Art, ihr eigenes Land zu erleben.
Jessica Conrad: Für wie viele Personen ist der Zug ausgelegt?
Paolo Barletta: Es wird zwischen 30 und 40 Kabinen geben, je nachdem, wie viele Waggons verfügbar sind. Insgesamt also etwa 60 bis 80 Personen pro Reise. Die Gruppe wird also immer überschaubar sein, so schließen wir aus, dass es sich zu voll und unpersönlich anfühlt.
Jessica Conrad: 60 bis 80 Personen, das ist eine entspannte Reisegröße. Wie lange dauert die Reise – vom Start bis zum Ziel?
Paolo Barletta: Wir bieten entweder ein Erlebnis mit einer Nacht oder mit zwei Nächten an. Die Reisen sind also relativ kurz, aber sehr intensiv, weil man Zeit im Zug und Zeit an Land verbringt.


Jessica Conrad: Ja, das kann ich mir gut vorstellen. Und mit Blick auf die Visionen für die nächsten Jahre – insbesondere da sich Saudi-Arabien weiter für den Tourismus öffnet – ist da noch mehr geplant? Zum Beispiel Hotels, Partnerschaften oder Kooperationen an den Haltepunkten?
Paolo Barletta: Wir denken auch über eine Erweiterung im Tourismus nach. Das Unternehmen – wir haben in Italien „Dolce Vita Orient Express“ – und außerdem „Golden Eagle“ übernommen, eine weitere etablierte Zugmarke in Zentralasien und Osteuropa. Das könnte in Zukunft sehr synergetisch werden, denn wenn der Zug an bestimmten Orten hält, ist es natürlich sinnvoll, das Angebot zu integrieren. Im Moment konzentrieren wir uns jedoch auf die Züge. Wir verfügen über ein sehr bedeutendes Portfolio an Hotel-Assets in Italien. Aber ja, eine zukünftige Expansion ist durchaus möglich.

Jessica Conrad: Eine Sache hat uns besonders interessiert: Wie ist das Projekt mit dem Orient Express verbunden – oder ist es das überhaupt? Geht es eher um die Idee, die Vision dahinter?
Paolo Barletta: Dolce Vita Orient Express, das Orient-Express-Hotel in Rom und das Orient-Express-Hotel in Venedig gehören alle zu Arsenal und zu unserem Unternehmen. Wir sind also das Unternehmen hinter allen bisherigen operativen Orient-Express-Assets. Aber dies ist kein Orient-Express-Projekt.
Jessica Conrad: Okay, verstehe. Und deshalb haben Sie sich für den Namen „Dream of Desert“ entschieden.
Paolo Barletta: Genau. Auch in Italien ist es so: Dolce Vita Orient Express ist eine Partnerschaft zwischen Orient Express und uns. „Dolce Vita“ ist der Name des Zuges, Orient Express die Markenpartnerschaft.

Jessica Conrad: Sehr interessant. Eine letzte Frage: Sie sind aktuell mit Dream of Desert in Saudi-Arabien tätig. Planen Sie eine weitere Expansion in andere Länder?
Paolo Barletta: Wir haben bereits Verträge mit Ägypten und Usbekistan unterzeichnet und führen fortgeschrittene Gespräche mit den VAE. Unsere Idee ist es also, das Netzwerk weiter auszubauen. Viele Länder eigenen sich super, um auf den Schienen entdeckt und bereist zu werden.
Jessica Conrad: Sehr schön, das ist wirklich großartig. Wir freuen uns sehr auf den Start und wünschen viel Erfolg!
Paolo Barletta: Danke, es war wirklich sehr schön.
Vielen Dank an Paolo Barletta für die aufschlussreichen Antworten.
FrontRowSociety-Autorin Jessica Conrad führte das Interview mit Paolo Barletta zu Dream of the Desert auf der TOURISE-Konferenz in Saudi-Arabien im November 2025.





























































