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Als das Museum der Moderne Salzburg Anfang April 2026 seine große Ausstellung „BASELITZ JETZT“ eröffnete, war sie als konzentrierter Blick auf das Spätwerk eines der bedeutendsten deutsch-österreichischen Gegenwartskünstler konzipiert.

Nur wenige Wochen später veränderte ein Ereignis die Perspektive grundlegend: Am 30. April 2026 verstarb Georg Baselitz im Alter von 88 Jahren. Aus einer geplanten Jubiläumsschau wurde eine Ausstellung, die unweigerlich als künstlerisches Vermächtnis gelesen wird.

„BASELITZ JETZT“ am Mönchsberg ist jedoch keine klassische Retrospektive. Die Kuratoren Harald Krejci und Tina Teufel entschieden sich bewusst gegen den chronologischen Durchlauf durch sechs Jahrzehnte Kunstgeschichte. Stattdessen konzentriert sich die Ausstellung auf das letzte Jahrzehnt im Schaffen des Künstlers. In dieser Phase verdichten sich biografische Erfahrung, körperliche Fragilität und malerische Radikalität auf eine sehr berührende Weise.
 
Am Standort des Museums der Moderne Salzburg am Mönchsberg wird aktuell die Ausstellung Baselitz JETZT gezeigt, … / © Redaktion FrontRowSociety.net
… diese beleuchtet die vergangenen 10 Jahre seines Schaffens / © Redaktion FrontRowSociety.net

BASELITZ JETZT – Was wird gezeigt?

Gezeigt werden 24 großformatige Gemälde, entstanden in den letzten Jahren seines Schaffens. Die Reduktion wirkt dabei nicht einschränkend, sondern fokussierend. Sie öffnet den Blick auf eine Malerei, die sich zunehmend dem existenziellen Kern des Lebens nähert: Alter, Erinnerung, Vergänglichkeit.

Im Zentrum stehen eindringliche Doppelporträts, häufig Darstellungen von Georg und Elke Baselitz. Diese Arbeiten sind keine idealisierten Bildnisse, sondern fragile Dialoge zweier Lebensgeschichten. Sie erzählen von Nähe und Dauer, aber auch von der Unausweichlichkeit der Zeit.

Charakteristisch bleibt Baselitz’ Bildsprache: Figuren erscheinen weiterhin auf dem Kopf, Formen sind gebrochen, die Malerei ist körperlich und roh. Doch im Spätwerk tritt eine neue Tonlage hervor. Sie ist weniger provokativ als einst, dafür konzentrierter, fast philosophisch.

Figuren stehen auf dem Kopf – auf der documenta 5 (1972) war Baselitz bereits mit Werken dieser Anordnung vertreten, unter anderem mit dem Ölgemälde „Birken“ und dem Werk „Vögel“ / © Redaktion FrontRowSociety.net

Zu den gesicherten Schlüsselwerken der Ausstellung zählt die „Amerikanische Variante“ (2021), ein monumentales Werk, das Malerei mit textilen Materialien und industriellen Elementen verbindet. Es steht exemplarisch für Baselitz’ anhaltende Experimentierfreude, die sich nie in einer einmal gefundenen Formel erschöpfte.

Es hat den Anschein, Baselitz zeigt uns dokumentarisch Ausstellungsansichten, entstanden aus einem inneren Empfinden, das genauso komplex wie fragil ist. Arbeiten wie „Weißes Bett, weiß“ (2022), wie „Spanisch Winter“, „X-ray Still“, „Surrealismus die Filzlüge“, „Verzückung“ und „Archinto Zorro“ lassen zudem Spielräume, eigenes Erleben im Kontext mit dem Werk zu erkennen. Doch bleibt man bei dem Künstler selbst, so wirken bereits die Titel der Arbeiten wie Verdichtungen eines reflektierten Gesamtwerks.
 
Platz nehmen und nachlesen, dazu lädt das Museum ebenfalls ein / © Redaktion FrontRowSociety.net

Baselitz im Museum der Moderne verortet

Parallel zur Schau am Mönchsberg ergänzt das Museum der Moderne Salzburg das Projekt vom 3. Juli bis zum 4. Oktober 2026 durch eine zweite Ausstellung im Rupertinum: „Baselitz Manifeste“. Während dort frühe grafische Arbeiten und programmatische Texte im Mittelpunkt stehen, zeigt „BASELITZ JETZT“ das Spätwerk – eine bewusste Gegenüberstellung von Anfang und Gegenwart eines Künstlerlebens, das sich über nahezu sieben Jahrzehnte erstreckt.

Das Museum der Moderne Salzburg verteilt sich auf das zeitgemäße Haus am Mönchsberg, das für großflächige Wechselausstellungen zeitgenössischer Kunst genutzt wird, … / © Redaktion FrontRowSociety.net
… und das historische Rupertinum in der Altstadt, das schwerpunktmäßig Fotografie und Grafik präsentiert. Ein gemeinsames Kombiticket verbindet beide Standorte flexibel innerhalb von sieben Tagen und beinhaltet zudem die Nutzung des Lifts am Mönchsberg / © Redaktion FrontRowSociety.net

Auch die Inszenierung am Mönchsberg folgt einer klaren kuratorischen Idee. Die großzügigen Räume lassen den Werken Raum zur Wirkung. Große Abstände verhindern jede Überfülle, die Bilder entfalten ihre Präsenz im Wechsel von Distanz und Nähe. Aus der Ferne wirken sie monumental, aus der Nähe werden die Spuren des Malprozesses sichtbar – Übermalungen, Kratzungen, materielle Verdichtungen. Malerei erscheint hier nicht als fertiges Bild, sondern als Prozess.

Das Museum der Moderne Salzburg gibt den Exponaten viel Raum, um ihre Wirkung zu entfalten / © Redaktion FrontRowSociety.net

Gerade diese Haltung verleiht der Ausstellung eine stille Intensität. Sie setzt nicht auf Spektakel, sondern auf Aufmerksamkeit. Und sie zeigt einen Künstler, der bis zuletzt bereit war, sein eigenes Werk nicht als abgeschlossen, sondern als fortwährende Befragung zu verstehen.

Im Rückblick erscheint „BASELITZ JETZT“ daher weniger als Hommage denn als Momentaufnahme eines künstlerischen Denkens im Übergang: zwischen Leben und Erinnerung, zwischen Gegenwart und Geschichte.

Georg Baselitz zählt zu den bedeutendsten Gegenwartskünstlern, seit 2013 war Salzburg sein Zuhause
Georg Baselitz zählt zu den bedeutendsten Gegenwartskünstlern, seit 2013 war Salzburg sein Zuhause / © Redaktion FrontRowSociety.net

Eckdaten: Ausstellung „BASELITZ JETZT“ in Salzburg

  • Ort: Museum der Moderne Salzburg, Mönchsberg
  • Laufzeit: 1. April – 18. Oktober 2026
  • Kurator:innen: Harald Krejci, Tina Teufel
  • Konzept: Konzentration auf das Spätwerk der letzten zehn Jahre
  • Umfang: 24 großformatige Gemälde
  • Zentrale Themen: Alter, Vergänglichkeit, Körperlichkeit, Biografie
  • Schwerpunktwerke: Doppelporträts von Georg und Elke Baselitz
  • Schlüsselwerk: „Amerikanische Variante“ (2021)
  • Parallelprojekt: „Baselitz Manifeste“ im Rupertinum vom 3. Juli – 4. Oktober 2026 (Frühwerk & Texte)
  • Besonderheit: gemeinsam mit dem Künstler konzipiert

Stichpunkte zum Leben und Wirken des Künstlers Georg Baselitz (1938–2026)

  • Geboren 1938 in Deutschbaselitz (Sachsen)
  • Studium der Malerei in Ost- und West-Berlin ab den 1950er-Jahren
  • 1958 Flucht nach West-Berlin
  • Erste Skandale in den 1960er-Jahren mit expressiver Figuration
  • Ab 1969 radikale Umkehrung der Motive („auf dem Kopf stehende Bilder“)
  • Zentrale Themen: deutsche Nachkriegsgeschichte, Identität, Körper, Erinnerung
  • Internationaler Durchbruch in den 1970er-Jahren
  • Bedeutende Werkgruppen: Heldenbilder, Frakturbilder, Kopfstandbilder, Spätporträts
  • Lebte und arbeitete ab 2013 überwiegend in Salzburg
  • Österreichische Staatsbürgerschaft ab 2015
  • Gestorben am 30. April 2026 in Salzburg

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