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Die portugiesische Insel Madeira bietet im Dezember nicht nur bekanntlich angenehme Temperaturen, sondern auch Weihnachtsbräuche, die einen Winterurlaub schmackhaft bereichern.

Die Hauptstadt Funchal übertrifft sich zudem jedes Jahr aufs Neue mit weihnachtlicher Dekoration und sorgt mit über einer Million Lichter für großes Funkeln und Glitzern.

Lichtermeer über Funchal

Die Madeirer lieben Weihnachten. Und das zeigt sich in der überaus kreativen und opulenten Weihnachtsdekoration in Funchal genauso wie in den Weihnachtsbräuchen, in deren Genuss auch Touristen kommen können. Jedes Jahr am 1. Dezember werden beinahe alle Straßen, die sich die Hügel hinaufziehen, mit Lichterketten geschmückt. Abends bietet sich dann ein beeindruckender Anblick: Wie leuchtende Adern zieht sich die Weihnachtsbeleuchtung durch das ganze Tal und die umliegenden Hänge. Besonders gut lässt sich diese magische Gesamtkomposition vom Parque de Santa Catarina aus genießen. Von hier hat man einen Blick auf die ganze Bucht und den Hafen, der natürlich ebenfalls festlich illuminiert ist. In der Ferne leuchten gewaltige Flaggen der Stadt und der Insel, komponiert aus hunderten farbigen Lichterketten und aufgehängt an den Autobahnbrücken.

Kunstvolle Lichtinstallationen zieren jede Verkehrsinsel in Funchal
Kunstvolle Lichtinstallationen zieren jede Verkehrsinsel in Funchal / © Redaktion FrontRowSociety.net, Foto: Antje Urban
Auch die Zufahrtsbrücke ist großzügig weihnachtlich beleuchtet
Auch die Zufahrtsbrücke ist großzügig weihnachtlich beleuchtet / © Redaktion FrontRowSociety.net, Foto: Antje Urban

Wer mit dem Auto in die Stadt reinfährt, der bekommt außerdem an jedem Kreisel eine originelle Lichtinstallation geboten. Die Zufahrtsbrücke ist mit überdimensionalen Kometensternen geschmückt und in der Allee hinunter zum „Rotunda do Infante“ – dem runden Brunnen mit Wasserspiel am Stadteingang – sind alle Bäume mit tausenden bunten Lichtern dekoriert. Egal wo man hinschaut, bietet sich eine Vielzahl und Vielfalt von Weihnachtsschmuck, der seinesgleichen sucht. Manch eine andere Stadt Europas könnte sich hier in Funchal wahrlich Anregungen holen.

An der Uferpromenade wird mit überdimensionalen Lichtskulpturen geklotzt
An der Uferpromenade wird mit überdimensionalen Lichtskulpturen geklotzt / © Redaktion FrontRowSociety.net, Foto: Antje Urban

Entlang der Uferpromenade entfaltet sich ein noch größeres Licht- und Farbspektakel: Ein rund 30 Meter hoher, bunt blinkender Weihnachtskegel konkurriert mit einem ebenso gigantischen, glitzernden LED-Tunnel, in dem sogar Musik spielt. Die geballte Leuchtkraft eines zeitgleich aufgebauten Jahrmarkts setzt dem Ganzen noch eins drauf. Was anfangs für staunende Gesichter sorgt – so überdimensioniert und üppig ist die Kulisse – lässt einen unweigerlich mit dem Kopf schütteln.

Die biblische Krippenszene wird auf der Blumeninsel natürlich mit exotischen Pflanzen und Früchten dekoriert dargestellt
Die biblische Krippenszene wird auf der Blumeninsel natürlich mit exotischen Pflanzen und Früchten dekoriert dargestellt / © Redaktion FrontRowSociety.net, Foto: Antje Urban

Adventsgefühl für Augen, Ohren und Gaumen

Trotzdem bleibt der Eindruck, dass es wohl keine kreativere Weihnachtsinszenierung in irgendeiner anderen Stadt geben dürfte. Das liegt auch an dem wunderschönen Krippen-Arrangement auf der Hauptstraße, den täglich stattfindenden kleinen Weihnachtskonzerten am Praça do Infante Dom Henrique und dem so entspannten Weihnachtsmarkt. Keine betrunkenen Menschen, kein Gedränge und dezente Musik. Der Mercadinho de Natal erstreckt sich entlang der Avenida Arriaga bis hin zur Kathedrale Sé do Funchal im historischen Zentrum der Stadt. Obwohl die Stände alle identisch geschmückt sind, werden hier die Köstlichkeiten Madeiras unterschiedlich farbenfroh und ansprechend in Szene gesetzt: Das Nationalgetränk Poncha gibt es am Stand nicht nur traditionell mit dem Madeira-Zuckerrohrschnaps, Zucker und frischem Zitronensaft, stattdessen auch mit Maracuja-oder sogar Erdbeersaft. Denn selbst in den Wintermonaten ist die Insel reich beschenkt mit allen möglichen Früchten.

Das Getränk Poncha gehört zu Madeira wie die Sonne und das Meer
Das Getränk Poncha gehört zu Madeira wie die Sonne und das Meer / © Redaktion FrontRowSociety.net, Foto: Antje Urban

Zur kulinarischen Tradition Madeiras gehört auch der Bolo do Caco, ein rundes Fladenbrot, das traditionell auf einer heißen Basaltplatte („caco“) gebacken wird. Dank der Zugabe von Süßkartoffeln zum Weizenmehlteig bekommt er einen leicht süßlichen Geschmack. Er wird als Beilage zur Espedata (Fleischspieß) gegessen, aber auf dem Weihnachtsmarkt auch als belegtes Brot mit „carne vinhad’alhos“ (in Wein und Knoblauch mariniertes Fleisch) oder mit Chorizo-Würstchen gefüllt verkauft. Wer weiter auf dem portugiesischen Pflaster aus Basalt- und Kalkstein der Avenida Arriaga promeniert, der kommt am Jardim Municipal (Stadtgarten) vorbei. Dieser frühere Klostergarten, in dem auf kleiner Fläche eine Vielzahl exotischer Pflanzen wachsen, wird in der Adventszeit auch mit üppiger Weihnachtsbeleuchtung in Szene gesetzt. In dem Park finden altmodische Weihnachtsmotive und neue innovativen Lichteffekte harmonisch zueinander.  

Der Park Jardim Municipal besticht mit leuchtender Dekoration in tropischen Bäumen
Der Park Jardim Municipal besticht mit leuchtender Dekoration in tropischen Bäumen
Vielleicht erfüllen die hübschen Elfen auf Madeira Wünsche
Vielleicht erfüllen die hübschen Elfen auf Madeira Wünsche

Mit etwas Glück tauchen plötzlich „Weihnachtselfen“ auf – junge, hübsche Frauen in Elfenkostümen, mit denen man sich für ein Erinnerungsfoto in Pose stellen kann. Die Elfen scheinen eine Erfindung der Neuzeit zu sein, aber es ist allemal eine Gelegenheit, sich etwas zu wünschen. Schließlich sind sie doch traditionell Helfer des Weihnachtsmannes. Besonders beeindruckend sind die typischen Madeira-Stickereien, die auf dem Weihnachtsmarkt zu finden sind. Tischdecken, Tischläufer und Servietten haben berechtigterweise ihre Preise, denn jedes Motiv wird per Hand gearbeitet. Es sind teilweise wahrhaftige Kunstwerke, die als Originalstücke im besten Fall ein offizielles Echtheitssiegel mit dem Namen „IVBAM“ tragen. Diese durchlaufen mehrere Qualitätskontrollen – auch dieser Prozess schlägt sich im Preis nieder.

Die Anfänge der Stickerei auf Madeira gehen auf die erste Zeit der Besiedelung der Insel im 15. Jahrhundert zurück
Die Anfänge der Stickerei auf Madeira gehen auf die erste Zeit der Besiedelung der Insel im 15. Jahrhundert zurück / © Redaktion FrontRowSociety.net, Foto: Antje Urban

Den ganzen Dezember über liefert die Gemeinde Funchal ein beachtliches weihnachtliches Rahmenprogramm, das jeden Tag Konzerte sowie Vorstellungen von Folkloregruppen beinhaltet. Täglich können Touristen so wie selbstverständlich in das Weihnachtstreiben der Einheimischen eintauchen. Sobald die Weihnachtsbeleuchtung in der frühen Dämmerung angeht, dann treibt es nämlich auch die Madeirer auf die Straßen und auf den Weihnachtsmarkt. Natürlich auch, um sich mit den wichtigsten Lebensmitteln einzudecken, die typischerweise an und rund um Weihnachten in der Familie genossen werden.

Die Adresse für den berühmten „Bolo de Mel-Weihnachtskuchen“
Die Adresse für den berühmten „Bolo de Mel-Weihnachtskuchen“ / © Redaktion FrontRowSociety.net, Foto: Antje Urban
Auch die Einheimischen kaufen in der Weihnachtszeit ihre Kekse und den Bolo de Mel in der Fabrica San Antonio
Auch die Einheimischen kaufen in der Weihnachtszeit ihre Kekse und den Bolo de Mel in der Fabrica San Antonio

Wie wär’s mit einem Bolo de Mel

Auf Madeira gehört der „Bolo de Mel“ zum Weihnachtsbrauch. Viele Familien bereiten den Kuchentraditionell um den 8. Dezember (Hochfest der Unbefleckten Empfängnis) zu, damit er bis Weihnachten durchziehen kann und seinen vollen, würzigen Geschmack entfaltet. Er besteht aus Weizenmehl, Zuckerrohrhonig (Mel de Cana) oder Zuckerrohrmelasse, Fett und einer Mischung aus Nüssen, Trockenfrüchten und Gewürzen. Beim Servieren gilt als typische Sitte, den Bolo de Mel nicht zu schneiden, sondern mit den Händen in Stücke zu brechen. Dazu wird ein Glas Madeirawein getrunken – zusammen ein klassischer Weihnachtsgenuss der Insel. Den kann man sich als Tourist auch mit nach Hause nehmen: In der „Fábrica Santo António“ in Funchal, eine über 130 Jahre alte Keks- und Süßwarenfabrik, herrscht wochenlang reger Andrang. Wer etwas auf sich hält, der backt oder kauft seinen Bolo de Mel dort. Alles wird noch nach überlieferten Familienrezepten hergestellt. In der Travessa do Forno in der Altstadt befindet sich das Ladengeschäft genauso wie der Produktionsstandort. Schon von weitem kann man der Nase folgen, denn der Duft nach Zimt, Kardamom und Melasse ist weithin wahrzunehmen.

Eine sehr leckere Kombination: Madeira-Wein mit traditionellem Weihnachtskuchen
Eine sehr leckere Kombination: Madeira-Wein mit traditionellem Weihnachtskuchen

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