Zwischen Nordatlantikwind, schneebedeckten Hängen und stillen Dörfern offenbaren die Färöer-Inseln ihren rauen Winterzauber. Wer zur kalten Jahreszeit kommt, erlebt die Färöer ohne Menschenmassen – wild, kalt, friedlich und atemberaubend schön.
Die Färöer, jene Inselgruppe zwischen Island, Schottland und Norwegen, sind ein kleines Land. In den Sommermonaten, wenn die Tage lang und die Temperaturen wärmer sind, kommen Jahr für Jahr mehr Touristen. Sie reisen für das üppige Grün an, die zahlreichen Wasserfälle, den scheinbar schwebenden See Sørvágsvatn und die Wanderrouten vor einer rauen Bergkulisse. In den Wintermonaten ändert sich das Bild.
Zwar schneit es im Winter für nordische Verhältnisse wenig, aber die Tage sind kurz und der harte Wind fegt unbarmherzig über die Inseln hinweg. Dann sind kaum Gäste vom Festland unterwegs. Die entlegenen Dörfer ziehen sich in einen touristischen Winterschlaf zurück. Wer dennoch auf einen Besuch vorbeikommt, kann die wilde Natur fast allein entdecken.
Entspannen in der schwimmenden Sauna
Dichter Schneeregen prasselt hörbar auf das Dach. Die Saunadypp schwankt im Takt des Nordatlantiks. Vor dem Panoramafenster breiten sich die Hafenbecken von Runavík und Glyvrar aus. Zu kalt um zur Abkühlung hineinzuspringen. Auf der gegenüberliegenden Seite des Fjordes ziehen sich die langsam entschwindenden Lichtkegel der Autoscheinwerfer den Hang entlang.
Man fragt sich schon, wie man hier gelandet ist. Dampfend in der bibbernden Kälte auf dem dunklen Meer irgendwo an den Ufern eines abgelegenen Archipels. Es ist einsam in diesen Tagen auf den Färöer-Inseln, selbst die Hochseetrawler scheinen nur gedankenverloren vor sich hinzudümpeln. „Der Ort ist aus mehreren Gründen ideal“, meint Meinhard Egilsson Olsen, einer der Gründer von Saunadypp. „Er ist geschützt von den Wellen und der Fjord Skálafjørðurin ist mild.“ Für färöische Standards zumindest.

Im Morgengrauen geht es am darauffolgenden Tag auf die Straße. Auf dem Weg in die nördliche Region Norðuroyggjar, die Nordinseln, passiert man tief in die Landschaft einschneidende Fjorde, nassgrüne Hänge und unzählige Wasserfälle. Die Elemente sind hier näher und intensiver zu spüren als anderswo. Die Route auf die nördlichen Inseln führt über Klaksvík, die Metropole des Nordens. Das bedeutet auf den Färöer-Inseln, dass die Stadt rund 5.000 Einwohner hat. Wie in vielen anderen Städten auch wirkt die Infrastruktur in Klaksvík neu und modern. In unmittelbarer Nähe des wichtigsten Fischereihafens der Färöer laden gemütliche Cafés zum Verweilen ein, kleine Boutiquen bieten nordische und westeuropäische Mode an und kein Besuch in Klaksvík ist vollständig ohne eine Besichtigung der Christianskirkjan, der größten Kirche der Inselgruppe, die einer alten Wikingerhalle nachempfunden wurde.

Europas höchstes Kap
Durch den einsetzenden Regen geht es weiter nach Norden. Nach nur wenigen Minuten zwingt einen die imposante Aussicht auf den Fjord von Árnafjørður zu einem Halt. Kleine rote und gelbe Holzhäuser schmiegen sich an die Hügelhänge, Lichter brennen trotz des Tageslichts an den Häusern und tauchen die Fjordlandschaft in eine Magie aus Natur und nordischem Hygge-Charme.

Hier, am äußersten Nordende der Färöer-Inseln, wird die Landschaft karger, die Besiedlung dünner. Besucher fahren mit ihren Autos über Dämme, die die kleinen Inseln miteinander verbinden. Am nördlichsten Punkt lockt der Enniberg, Europas höchstes Kap. 754 Meter stürzt sich die Felswand steil in die Tiefe Richtung Meer. Blickt man von hier auf den dunklen Ozean, lässt die Weite des Horizonts erahnen, dass in diese Richtung erst einmal kein Land kommt.

Eine der kleinsten Hauptstädte der Welt
In den Wintermonaten traut sich die Sonne nie so ganz über den Horizont hinaus, das Licht ist oft schummrig. Die früh einsetzende Dämmerung führt einen am späten Nachmittag zurück in eine der kleinsten Hauptstädte der Welt. Tórshavn ist die Heimatstadt von etwa 14.000 Färingern. Im Winter ist es hier gemütlich, der Wind pfeift zwischen den alten Holzhäusern von Tinganes, dem Regierungsviertel, umher. Die herausgeputzte kleine Altstadt ist überschaubar. Gemütliche kleine Restaurants, in denen viel Fisch und Lamm auf den Tisch kommt, ein erstaunlich gut besuchter Plattenladen, modische Cafés. In der kürzlich eröffneten ersten Craft-Beer-Brauerei des Landes, OY, lässt sich der Winterblues vertreiben. Bei IPA und Kimchi Burgern spielen lokale Bands. „Unsere Musik bezieht immer wieder traditionelle färöische Elemente mit ein“, erklärt der Bandleader Kristian Blak, der an diesem Abend spielt. „Es gibt tausende davon.“ Der Sound des Atlantiks und ein Rhythmus, der einen auf die Suche schickt, während draußen vor den Toren der Brauerei ein Schneesturm tobt.

Angeblich sorgt der Golfstrom dafür, dass es hier auch im Winter nicht ganz so kalt wird. Eine dicke Schneeschicht straft das Meer am nächsten Morgen Lügen. Zusammen mit den sanft geschwungenen Hügelketten, den schroffen Küstenlinien und den akzentuierten Wetterfronten sorgt der Schnee für ein wahres Winterwunderland. Immer wieder zeigt sich die Sonne und taucht die Szenerie in ein mystisches Zwielicht.
Gásadalur – Endpunkt der Zivilisation
Auf dem Weg nach Gásadalur, so etwas wie dem letzten zivilisatorischen Außenposten auf der westlichen Insel Vágar, ragt der spitze Kirchturm von Sandavágur zwischen der Brandung des Ozeans und den ausladenden Schneeflächen bereits von Weitem sichtbar den Autos entgegen, die den Hang hinab kommen. Der kleine Ort Gásadalur, auf einer grünen Ebene umgeben von gezackten Berggipfeln und dem Atlantik, war bis vor wenigen Jahren nicht über das Straßennetz erreichbar. Inzwischen führt ein einspuriger Tunnel zur abgelegenen Siedlung. Man kann sich vorstellen, dass sich im Sommer hier die Besucher tummeln und der Platz begrenzt ist.

Im Winter hat man diesen Ort für sich, kann alleine die schmalen Pfade entlang wandern und besuchen, weshalb alle hierher kommen: der Múlafossur Wasserfall, der 30 Meter tief in die Gischt des Ozeans fällt. Die Abwesenheit der Besuchermassen sorgt für Entschleunigung, an den Höhepunkten ebenso wie an den Geheimtipps. Man kann sich die Zeit nehmen, die man braucht, um die Naturwunder und die färöische Gastkultur zu genießen. Ein Besuch auf den Färöer-Inseln im Winter ist wild und rau. Aber auch friedlich und still.

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