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Reisen in die Toskana sind vor allem bei einem gut gebildeten Klientel gefragt. Fern ab von Pauschalreisen, deren Ankunft meist in Betonburgen mündet, zeigt die Toskana jedes Mal aufs Neue ihr romantisches Antlitz voller kultureller und kulinarischer Erlebnisse. Städte wie Montalcino oder San Gimignano scheinen nichts an ihrer Ursprünglichkeit eingebüßt zu haben, wohingegen sich in Siena – ähnlich wie in Pisa, Florenz oder Lucca – von Mai bis Oktober lange Schlangen vor den Sehenswürdigkeiten bilden.

Die Toskana: Statt Schlange stehen, einfach einen romantischen Sonnenaufgang genießen / © Redaktion FrontRowSociety.net

Sehnsucht Italien

Ende der 1950er Jahre hieß der Sehnsuchtsort vieler Deutscher: Italien. Das Wirtschaftswunder machte Reisen nicht mehr nur für die Oberschicht möglich. Sommer, Sonne, Dolce Vita lockten und schon ging es mit dem frisch erstandenen PKW über den Brenner. Inzwischen musste Italien den Platz eins der beliebtesten Urlaubsziele von uns Deutschen an Pauschalurlaubsdestinationen abtreten. Doch genau dieser Umstand macht das Land für Individualisten so spannend.

Blauer Himmel, Sonnenschein, Backsteinhäuser und Säulenzypressen – Idealbild Toskana / © Redaktion FrontRowSociety.net

Urlaub in Italien bedeutet, aktiv sein. Ob Luxushotel oder kleine Herberge, Gourmet-Restaurant oder Trattoria, nichts ist uniform, jeder entdeckt Italien auf seine eigene Art. Um in die einzigartige Kultur und Geschichte einzutauchen oder die malerische Natur auf sich wirken zu lassen, bieten sich Aufenthalte in der Vor- bzw. Nachsaison an. Mit noch etwas Sonne auf der Haut, fühlt sich der Winter in unserem Lande doch ein wenig kürzer an.

Radfahren oder Wandern durch die Toskana als Alternativ- bzw. Ergänzungsprogramm zum Sightseeing / © Redaktion FrontRowSociety.net
Eine Landschaft aus Olivenhainen und Weinbergen zieht an dem Betrachter vorüber / © Redaktion FrontRowSociety.net

Facettenreiche Toskana

Komprimiert reihen sich Naturschönheiten an Zeitzeugen. Gedanken an diesen Landstrich sind meist mit Bildern von Säulenzypressen gesäumten Alleen, Olivenhainen, Weinbergen sowie endlosen Getreidefelder verbunden. Die berühmten Städte der Renaissance, das Chianti-Gebiet oder die Maremma zählen zu den bekanntesten Regionen der Toskana. Allerdings kann während eines Kurztrips lediglich ein kleiner Ausschnitt der rund 23 Tausend Quadratkilometer großen Region betrachtet werden.
 
Die Toskana – 23 Tausend Quadratkilometer wollen entdeckt werden / © Redaktion FrontRowSociety.net
Jean Paul sagte: “Der schönste, reichste, beste und wahrste Roman, den ich je gelesen habe, ist die Geschichte”. Tauchen wir also ein, in die Vergangenheit, und lassen uns von ihr berauschen. Wo geht das besser, als in der Toskana / © Redaktion FrontRowSociety.net
Und immer wieder überzeugt die Ursprünglichkeit der Landschaft. Der weite Blick über die Hügel des ehemaligen Landes der Etrusker entschleunigt. Das Leben scheint hier um einiges entspannter zu sein. Aufgeregtheit strahlen lediglich die Hotspots aus. Verlässt man diese jedoch, entdeckt man schon die Einfahrt zur nächsten Tenuta. Aussteigen, probieren und sich an lokalen Köstlichkeiten erfreuen, das ist Urlaub in der Toskana.
 
Einkehren und genießen, zum Beispiel auf dem Weingut Corte Pavone in Montalcino / © Redaktion FrontRowSociety.net
Bei all dem formidablen Wein darf eine Olivenölverkostung nicht zu kurz kommen. Auf den Loacker Estates wird neben erstklassigem Wein auch hervorragendes Olivenöl hergestellt / © Redaktion FrontRowSociety.net
UNESCO Welterbe Siena
 

Seit 1995 gehört Siena zum UNESCO Welterbe. Die Stadt im Zentrum der Toskana konnte sich ihr mittelalterliches Flair bewahren, was sich vor allem in gotischen Bauten wie dem Dom von Siena zeigt. Zwischen den hohen Backsteinfassaden bleibt es auch im Sommer angenehm schattig und kühl. Hier reihen sich kleine Geschäfte mit italienischen bzw. toskanischen Delikatessen neben die eine oder andere Gelateria.

Beim Blick über die Dächer von Siena erwacht die Fantasie / © Redaktion FrontRowSociety.net

Der zentrale Platz Sienas, die Piazza del Campo, ist der Austragungsort des historischen Pferderennens Palio di Siena. Zweimal im Jahr treten die 17 Stadtteile gegeneinander an. Seit dem Mittelalter ist dieses Spektakel fest in Siena verankert. Bis heute gilt es als härtestes Pferderennen der Welt. Ist der Platz nicht mit den zirka 60 Tausend Zuschauern gefüllt, schlendern Touristen gemütlich über die Piazza und suchen in den zahlreichen Restaurants und Café nach einer Erfrischung.

Blick auf die Piazza del Campo, die zweimal im Jahr zur Pferderennbahn wird / © Redaktion FrontRowSociety.net
Findet das Pferderennen nicht statt, herrscht auf und um den Platz geschäftiges Treiben / © Redaktion FrontRowSociety.net
Chianti, Brunello, Bolgheri – was braucht man mehr / © Redaktion FrontRowSociety.net

Auf der Piazza del Campo befindet sich der im gotischen Stil 1297 erbaute Palazzo Publicco, der als Rathaus von Siena fungiert. Von der Spitze des 102 Meter hohen, öffentlich zugänglichen Torre del Mangia bietet sich eine faszinierende Aussicht über die Stadt und ihr Umland.

Zentraler Punkt in Siena ist das Rathaus, der Palazzo Publicco mit seinem imposanten Torre del Mangia / © Redaktion FrontRowSociety.net

So entdeckt man unweit des Palazzo die Universität von Siena, die mit dem Gründungsjahr 1240 zu den ältesten Lehranstalten Italiens gehört. Zudem hat die 1427 gegründete Banca Monte dei Paschi di Siena (MPS) ihren Sitz im herrschaftlichen Palazzo Salimbeni, der lediglich zwei Gehminuten von der Piazza del Campo entfernt ist. Sie ist die älteste noch existierende Bank der Welt und verfügt über eine repräsentative Sammlung italienischer Kunst des 14. bis 19. Jahrhunderts.

Die Kathedrale von Siena ist ein Paradebeispiel für gotische Architektur. Die Mutterkirche des Erzbistums Siena wurde mit grünem und weißem Marmor verblendet / © Redaktion FrontRowSociety.net

San Gimignano – willkommen im Manhattan des Mittelalters

Das Wetteifern reicher Patrizierfamilien mit ihren Geschlechtertürmen brachte der Kleinstadt ihr einmaliges Bild, ihre Berühmtheit sowie die Aufnahme in die Liste der UNESCO Welterbestätten. Mit diesem Schaulaufen der Eitelkeiten ist San Gimignano ein Paradebeispiel für eine mittelalterliche Stadt der Region Siena. Auf einem Hügel im Valdelsa gelegen, ist sie noch immer von der Stadtmauer aus dem 11. Jahrhundert umgeben.

Je höher der Turm, desto größer waren Macht und Ansehen. In San Gimignano ließ Narzissmus im 14. Jahrhundert 72 Türme wie Pilze aus dem Boden schießen / © Redaktion FrontRowSociety.net

In San Gimignano schlendert man durch schmale Gassen mit ihren Backsteinhäusern, die aus der Zeit gefallen scheinen. Der toskanischen Großherzog Cosimo I. de’ Medici verfügte, nicht weiter in den Ausbau und Erhalt der Stadt zu investieren und so blieb die Zeit augenscheinlich um 1563 in San Gimignano stehen. Würde nicht hier und da ein Shop mit Smartphones erblickt werden, könnte man meinen, die Vergangenheit wäre tatsächlich konserviert worden.

San Gimignano hat nichts von dem Charme vergangener Zeiten eingebüßt / © Redaktion FrontRowSociety.net
Auf der Piazza del Duomo stehend, hebt man seine Augen gen Himmel, um das Ende des Torre Rognosa als Teil des Palazzo del Podestá auszumachen. 15 der ehemals 72 Türme sind heute noch erhalten. Der höchste von ihnen, der Torre Grossa, ragt 54 Meter empor. 
 
Torre Rognosa und Palazzo del Podestá am Piazza del Duomo / © Redaktion FrontRowSociety.net
Der Gebrauch von Superlativen scheint den Einwohnern im Blut zu liegen. Nahezu jede Gelateria stellte irgendwann einmal den Eisweltmeister oder verfügt über die beste Eiscreme. Um den Wahrheitsgehalt zu überprüfen, hilft nur selber testen. Im Gegensatz zum Gelato trägt der Wein, der ausschließlich auf dem Gemeindegebiet von San Gimignano angebaut und abgefüllt werden darf, das verbriefte Gütesiegel einer gesicherten Herkunft. D.O.C.G. steht auf jeder Flasche des authentischen Vernaccia, der bei Touristen ein beliebtes Souvenir ist.
 
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San Gimignano liegt an der Via Francigena, einem der drei christlichen Pilgerwege, welche Canterbury mit Rom verbinden. In diesen kleinen Läden versorgen sich natürlich nicht nur Pilger mit lokalen Spezialitäten und dem Vernaccia di San Gimiginano, sondern auch die zahlreichen Besucher / © Redaktion FrontRowSociety.net
In San Gimignano arbeitet in jeder Gelateria ein Eisweltmeister, man kann bei der Wahl der Gelateria also nichts falsch machen / © Redaktion FrontRowSociety.net
Montalcino
 
Die kleine Gemeinde im schönen Val d’Orcia verdankt ihren Ruhm dem Wein. Ein Brunello die Montalcino gilt als einer der teuersten Weine Italiens und darf ausschließlich auf dem Gemeindegebiet von Montalcino hergestellt werden. Das sichert die Einstufung der Weinberge als D.O.C.G. Einen Brunello zu trinken, ist besonders bei Nordamerikanern angesagt. So tummeln sich während der Sommermonate unzählige Besucher aus Übersee in dem beschaulichen Ort und verkosten Brunello auf nahezu jedem Weingut.
 
Weinberge und Säulenzypessen begegnen Reisenden auf dem Weg nach Montalcino, bis man das Örtchen von Weitem erkennt / © Redaktion FrontRowSociety.net
Montalcino wartet als typischer Ort der Toskana ebenfalls mit pittoresker Backsteingotik auf, hinter deren Fassaden sich erstklassige gastronomische Betriebe befinden. Über diesen Link kann unsere Reportaqe über Montalcino und den Brunello gelesen werden.
 
Montalcino ist gastronomisch sehr gut aufgestellt, ob Gourmet-Restaurant oder Pizzeria / © Redaktion FrontRowSociety.net
Um einen biodynamischen Brunello zu verkosten, sollte ein Degustationstermin samt Führung auf Corte Pavone eingeplant werden. Hayo Loacker hat sich dem natürlichen Weinbau verschrieben und produziert mit die besten Brunelli der gesamten Region. Hier geht es zu unserer Reportage über die Tenuta Corte Pavone.
 
Ein 2014 Brunello di Monatlcino aus den dynamischen Cru-Lagen von Corte Pavone sollte nicht unversucht bleiben / © Redaktion FrontRowSociety.net

Mehr Toskana

Die Toskana ist eine Region, die Menschen in ihren Bann zieht. Wer sie einmal bereist, wird von ihrem Flair infiziert und muss einfach wiederkehren. Jeder Aufenthalt kann in diesem abwechslungsreichen Landstrich anders gestaltet werden. Kulturinteressierte reisen nach Florenz und Outdoor-Fans machen sich im Mai auf die Suche nach dem wilden Spargel im Val d’Orcia.
 
Junger Spargeltrieb inmitten von holzigem Spargelkraut, der Anzeigerpflanze / © FrontRowSociety.net, Foto: Georg Berg
Junger Spargeltrieb inmitten von holzigem Spargelkraut, der Anzeigerpflanze / © FrontRowSociety.net, Foto: Georg Berg
Dabei ist es einerlei, ob man in einem ‘piccolo Albergo’ übernachtet oder sich etwas Luxus im 5 Sterne ADLER Spa Resort THERMAE gönnt.
 
Landestypisches Ambiente kann in einer kleinen Herberge, … / © Redaktion FrontRowSociety.net
Beides sehr verlockend: Die Thermalwelt mit mehreren Außenbecken und jenseits der harmonisch eingefügten Trakte mit den Gästezimmern, die Hügel und Zypressenlandschaft des Val d’Orcia / © FrontRowSociety.net, Foto: Georg Berg
… aber auch in einem Luxushotel wie dem 5 Sterne Adler Spa Resort THERMAE genossen werden / © FrontRowSociety.net, Foto: Georg Berg
Natürlich lässt nicht nur ein Brunello di Montalcino die Herzen von Weinliebhabern etwas schneller schlagen. Ein großartiger Chianti Classico vermag dieses Klientel ebenso zu verzücken. In Castellina findet man hierfür ein besonderes Juwel. Dort ist Familie Femfert ansässig und betreibt seit 1982 das Weingut Fattoria Nittardi, welches sich einst im Besitz von Michelangelo befand. Leon Femfert trafen wir auf dem Rheingau Gourmet & Wein Festival, als Weine aus dem Hause Nittardi ein Lunch begleiteten.
 
Nittardi Chef Léon Femfert (li.) und Herausgeber des Luxus & Lifestyle Magazins FrontRowSociety.net Andreas Conrad (re.) trafen sich vor dem Raritäten-Lunch
Nittardi Chef Léon Femfert (li.) und Herausgeber des Luxus & Lifestyle Magazins FrontRowSociety.net Andreas Conrad (re.) trafen sich vor dem Raritäten-Lunch / © FrontRowSociety.net, Foto Annett Conrad
Nun braucht man nur noch wie früher die Eltern oder Großeltern den PKW zu beladen, einsteigen, den Brenner passieren und sich dem italienischen Lebensgefühl hingeben. Ganz authentisch kann die Tour Richtung Toskana mit dem Fiat 500X Sport gestartet werden.
 
Authentischer als mit dem Fiat 500X Sport geht es nur noch mit einem Ferrari – die Toskana wartet / © Redaktion FrontRowSociety.net

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Annett Conrad ist Redakteurin und Mitherausgeberin von FrontRowSociety - The Magazine