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Mit der kulinarischen Aktion „Rheinhessen genießen“ bündeln sich die Synergien dieser Genussregion. Erstklassige Weine, ausgesuchte Produkte und eine breit aufgestellte gastronomische Landschaft entstauben ordentlich das Image Rheinhessens, wie es leider in vielen Köpfen – zu unrecht – noch verhaftet ist.

Anlässlich des 200. Geburtstags der rheinland-pfälzischen Kulturlandschaft rief der Verein Rheinhessenwein e.V. jenen Genießerherbst im Jahr 2016 ins Leben. Damit ist eine Offensive angestoßen worden, welche die Authentizität dieses Landstrichs ins Rampenlicht rückt.

Rheinhessen - eine ideale Lage für den Weinbau
Rheinhessen – eine ideale Lage für den Weinbau / © FrontRowSociety.net, Foto: Carola Faber

Gastronomisches Karussell im Dreieck des Rheinbogens

Über einen Zeitraum von 6 Wochen – vom 17. September bis zum 1. November 2021 – offerieren 25 Gastronomen kreative Gerichte aus heimischen Produkten, die allesamt mit Herzblut hergestellt wurden. Dazu gesellt sich korrespondierender Wein, natürlich aus Deutschlands größtem Weinbaugebiet, Rheinhessen. Jeweils eine Speise auf der Karte eines Restaurants ist in Kooperation mit jeweils einem Erzeuger und einem Winzer Pate dieser Aktion. Die Redaktion von FrontRowSociety hat sich bereits im Voraus den kulinarischen Event mit Unterstützung von Rheinhessen e.V. und GOURMET CONNECTION angeschaut und Restaurants, Winzer sowie teilnehmende Produzenten besucht.
 
Das Weingut Luff aus Jugenheim nahm an unserer großen Orange Wine Verkostung teil und begleitet mit seinem 2020 Weißburgunder die gebratenen Leberknödel im Restaurant Eppard in der 100 Guldenmühle in Appenheim / © Redaktion FrontRowSociety.net
In Rheinhessen sind die Wege kurz. Oft liegen Obsthof, Jäger, Winzer oder der Kräutergarten nur einen Steinwurf voneinander entfernt. Die Gastronomen haben das Potenzial ihres Umlandes inzwischen erkannt und holen ihre Gäste mit Regionalität ab. Dabei spannt sich der Bogen vom gemütlichen Weinkeller bis zum Fine Dining Restaurant.
 
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Gastronomen und Endkunden bedienen sich gern der nachhaltig erzeugten Produkte vom Hofgut Acker aus Bodenheim / © FrontRowSociety, Foto: Noris Conrad
Wer in Bingen unterwegs ist, genießt das spezielle Aktionsgericht im Restaurant Bootshaus. Dieses befindet sich direkt am Rhein, im schicken Hotel Papa Rhein. Erst im letzten Jahr wurde es eröffnet und überzeugt seither mit maritimen Charme und legerer Gemütlichkeit. Spitzenkoch Nils Henkel verantwortet die gastronomischen Bereiche des stylischen Hotels. Hier verwöhnt er Gäste mit einer lokalen und gesunden Küche.
 
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Das gesamte Hotel Papa Rhein ist hell und freundlich gestaltet und gewährt Blicke ins Herzstück des Restaurants Bootshaus, die Küche / © FrontRowSociety, Foto: Noris Conrad
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Spitzenkoch Nils Henkel ist das Gesicht der raffinierten Kulinarik des Hotels Papa Rhein / © FrontRowSociety, Foto: Noris Conrad
Als „Rheinhessen genießen“ Gericht serviert Nils Henkel gebeizte Forelle, Gurkensud, Schwarzwaldmiso, Rettich, Kürbis und Kürbiskernöl mit einem 2020 Riesling vom Kalkstein des Weinguts Wittmann. Der Hof Neber aus Mauenheim liefert passend zur Saison Kürbis sowie Kürbiskernöl.
 
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Gebeizte Forelle, Gurkensud, Schwarzwaldmiso, Rettich, Kürbis und Kürbiskernöl à la Nils Henkel / © FrontRowSociety, Foto: Noris Conrad
Wem nach deftiger, regionaler Küche gelüstet, besucht das Restaurant Das Nack in Gau-Bischofsheim. In dem gemütlichen, rustikalen Gewölbe serviert Inhaber Christoph Arenz ein Stück Bodenständigkeit und lädt seine Gäste zu geschmorten Ochsenbäckchen mit Kartoffel-Meerrettich-Stampf und buntem Gemüse ein. Passend zu dem handfesten Gericht lässt er einen 2018 Spätburgunder trocken vom Weingut Gres einschenken.
 
Christoph Arenz kocht in seinem Restaurant Das Nack geschmorte Ochsenbäckchen mit Kartoffel-Meerrettich-Stampf und buntem Gemüse für die Aktion „Rheinhessen genießen“ / © FrontRowSociety, Foto: Noris Conrad
Seine Partner, wie der Schlachthof Färber, STEINs Kräuter und Garten oder das Weingut Gres, liegen nur wenige Kilometer vom Restaurant entfernt. Das in Appenheim ansässige Weingut Gres richtet auf 22 Hektar Rebfläche sein Augenmerk auf Burgundersorten.
 
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Klaus Gres vom gleichnamigen Weingut schenkt seinen Winzersekt Gres Blanc de Blanc ein – Cheers am Treffpunkt ‚Tisch und Wein‘ in der Lage Hundertgulden / © FrontRowSociety, Foto: Noris Conrad
Neun Hektar sind als Grosses Gewächs klassifiziert, was der Initiative ‚Maxime Herkunft‘ zu verdanken ist. Familie Gres ist wie auch das Weingut Hofmann stolze Besitzerin von Parzellen der Lage Hundertgulden. Diese einzigartigen Hänge des Westerberges zeichnen sich durch einen besonders hohen Carbonatreichtum aus. Keine andere Lage in Deutschland weist eine derartige Konzentration dieser Mineralien auf.
 
Das Streben nach Qualität und Transparenz vereint das Weingut Gres und das Weingut Hofmann mit 68 weiteren Winzern in der Initiative ‚Maxime Herkunft‘ / © FrontRowSociety, Foto: Noris Conrad

Wenn man in den Weinbergen Rheinhessens unterwegs ist, sollte man die malerischen Plätze der Aktion ‚Tisch und Wein‘ aufsuchen. Jene Aussichtspunkte sind einladende Orte für ein Picknick, am besten mit einer Flasche Wein oder einem Winzersekt, welche direkt auf einem der umliegenden Weingüter produziert wurden.

Weiter im Süden liegt in dem verträumten Örtchen Eckelsheim die Eventlocation Kulturhof Eckelsheim. Auf den Fundmanten eines ehemaligen Bauernhofs entstanden, finden heute hier Ausstellungen und Konzerte statt. Darüber hinaus treffen sich auf dem Gelände Menschen zum geselligen Genießen lokaler Köstlichkeiten. Chefkoch Alex Greiner verbindet seine Erfahrungen aus der Sternegastronomie mit allem, was aus direkter Nachbarschaft den Weg in seine Küche findet.

Rustikale Gemütlichkeit erwartet Gäste im Kulturhof Eckelsheim
Rustikale Gemütlichkeit erwartet Gäste im Kulturhof Eckelsheim / © FrontRowSociety, Foto: Noris Conrad
 
Als rheinhessisches Genießergericht steht Rehbraten mit karamellisiertem Rotkohl, glasierten Apfelspalten und Schupfnudeln auf der Speisekarte. Dazu serviert er einen 2019 Cabernet Sauvignon trocken vom Weingut Zöller. Das beste vom heimischen Wild bezieht Alex Greiner von Peter Kunz, dessen Jagdrevier sich in der Gemarkung Rockenhausen befindet.
 
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Ein Kürbissüppchen als Auftakt / © FrontRowSociety, Foto: Noris Conrad
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Einfach lecker – Rehbraten mit karamellisiertem Rotkohl, glasierten Apfelspalten und Schupfnudeln / © FrontRowSociety, Foto: Noris Conrad

Mainz – ein kulinarisches Erlebnis 

Als Landeshauptstadt von Rheinland-Pfalz bündelt Mainz gastronomische Anziehungspunkte. Für jeden Gusto spannt sich über das Areal der Stadt ein kulinarisches Netz. Beispielsweise betreibt Familie Gebert in 5. Generation ihre gemütliche Weinstube. Im Glas findet man das Beste aus Rheinhessens Weinbaubetrieben. Zudem hat sich Geberts Weinstube einen Namen mit bodenständiger, regionaler Kulinarik gemacht. Während der Aktion „Rheinhessen genießen“ steht ein Blut- und Leberwurststrudel mit Apfel-Meerrettich-Gemüse auf dem Programm.

Garantiert nicht alltäglich – der Blut- und Leberwurststrudel mit Apfel-Meerrettich-Gemüse in Gerbets Weinstube / © FrontRowSociety, Foto: Noris Conrad

Partner für den guten Geschmack sind der Obsthof Nikolaus sowie das Hofgut Acker. Die Brüder Peter und Martin Acker verwirklichen auf dem Sankt Wendelinshof ihre Vorstellung von traditioneller, transparenter Landwirtschaft. Das Herzensprojekt verfolgt die ganze Familie und dies bereits seit 2003. Vom Anbau des Futters, über die artgerechte Haltung von Schweinen, Rindern und Hühnern bis hin zur hauseigenen Schlachtung, Verarbeitung und Verkauf liegen jedwede Produktionsschritte in familiärer Hand.

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Auf dem Hofgut Acker pickt und scharrt das Federvieh um den mobilen Hühnerstall / © FrontRowSociety, Foto: Noris Conrad
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Die Rinder stehen im sogenannten Tiefstreustallsystem. Mit ihrem Körpergewicht verdichten sie das Streu zum besten Dünger, den sich Bauer Acker vorstellen kann / © FrontRowSociety, Foto: Noris Conrad

Auf dem Weingut Beck, als weiterer Partner von Gerberts Weinstuben, wird ebenfalls im familiären Verbund gearbeitet. Die Familie ist das zentrale Element, um zeitgemäßen Weinbau zu betreiben. Auch wenn nach der letzten Flurbereinigung viele Parzellen zusammengelegt wurden, verteilen sich die Weinberge der Becks weit über das Land. Das bringt Vorteile für den Terroirausbau sowie für den Anbau unterschiedlicher Rebsorten. Christoph Beck beschäftigt sich als Jungwinzer unter anderem mit der Erzeugung von Pet Nat und Orange Wine. Ihr 2020 Offroad Muskateller begleitet den rheinhessischen Wurststrudel ausgezeichnet.

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Familienbande von Vater und Sohn – Michael Beck (re) und Christoph Beck (li) / © FrontRowSociety, Foto: Noris Conrad

Kulinarische Raffinesse offeriert das Team des kleinen Gasthauses Willems. Am Rande der Mainzer Altstadt wird Gästen eine regionale und saisonale Küche zuteil, die Traditionelles neu und spannend interpretiert. Ihr Gericht zur Aktion ist ein Kartoffelrisotto mit Lehntaler Käse, bunten Gemüsechips vom Gemüsehof Reinheimer und eingelegten Bio-Shiitake Pilze. Diese stammen aus der Zucht des evangelischen Diakoniewerks Zoar. Das Weingut Wagner-Stempel reicht zum Risotto ihre 2019 Cuveé Halbstück.

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Kartoffelrisotto mit Lehntaler Käse und bunten Gemüsechips offeriert das Gasthaus Willems / © FrontRowSociety, Foto: Noris Conrad

Dein Ingelbaum – ein Stück Rheinhessen auf Zeit

Markus Kirn und seine Gattin Margarete Jost widmen sich dem Anbau von Erdbeeren, Salat und Obst. Um Menschen zu zeigen, wie wichtig heimischer Obstbau für die Region ist, riefen sie über Crowdfinding das Projekt ‚Dein Ingelbaum‘ ins Leben. Über jenes Projekt wurden im Großraum Mainz Bingen 777 Apfelbäume gepflanzt, hauptsächlich widerstandsfähige Sorten. 

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Für die Apfelbaumpaten bietet Markus Kirn Kurse für den richtigen Obstbaumschnitt an / © FrontRowSociety, Foto: Noris Conrad

Für jeden gepflanzten Apfelbaum wurde und kann immer noch ein Patenschaft übernommen werden. Markus Kirn hegt und pflegt das Bäumchen übers Jahr mit seinem Team und garantiert jedem Paten 10 Kilogramm frische rheinhessische Äpfel pro Jahr. Die 3 bis 5 Jahre andauernde Patenschaft beläuft auf einen jährlichen Betrag von 75 Euro und kann natürlich immer wieder verlängert werden. 

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Auch Die Grünen besitzen eine Baumpatenschaft – ein Statement für die Belebung regionaler, nachhaltiger Landwirtschaft / © FrontRowSociety, Foto: Noris Conrad

 „Rheinhessen genießen“ teilnehmende Restaurants:

  • Restaurant 44 im Atrium Hotel
  • Restaurant Bootshaus im Papa Rhein
  • Bellpepper im Hyatt Regency
  • BenzOliver
  • DasCrass
  • Das Nack
  • Weinrestaurant Dohlmühle
  • Eppard in der 100 Guldenmühle
  • Weinwirtschaft Espenhof
  • Landhaus Dubs
  • Fetzer’s Restaurant Lindenhof
  • Geberts Weinstuben
  • Genusswerkstatt Menges
  • Gut Leben am Morstein
  • Jordan’s Untermuehle
  • Kulturhof Eckelsheim
  • La Gallerie
  • Mundart Restaurant
  • Pollers Häusje
  • Vis à Vis
  • Wasem Kloster Engelthal
  • Weedenhof
  • Gasthaus Willems
  • Zornheimer Weinstuben
  • Zum Gläsernen Trinkhorn
Die einzige Konstante im Leben ist die Veränderung
 
Über Rheinhessens Felder und Weinberge weht seit geraumer Zeit ein frischer Wind. Ambitionierte Winzer und Landwirte setzen mit Mut zum Wandel Statements für Lokalität, Qualität und Nachhaltigkeit. Im Strudel der globalisierten Massenwaren stellen immer mehr Menschen die Frage nach dem Woher und sind bereit, für regionale, saisonale Produkte faire Preise zu zahlen.
 
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Qualität hat ihren Preis, doch jeder Cent ist gut investiert / © FrontRowSociety, Foto: Noris Conrad
Die Gewissheit der Heimat lässt jenes über 2.000 Jahre alte Zitat des griechischen Philosophen Heraklit aktueller denn je erscheinen. Heimat bedeutet längst nicht mehr, in den Fesseln von Traditionen gefangen zu sein sein, vielmehr ist es ein Zusammenrücken mit gegenseitiger Wertschätzung.
 
Um gemeinsame Werte zu finden, muss man sich zuvor kennenlernen. Und genau dies ermöglicht die zum sechsten Mal stattfindende Kampagne „Rheinhessen genießen“. Mit sehenden Augen und offenem Herzen lässt sich in den sechs Genusswochen so manche kulinarische Überraschung entdecken, begleitet von dem guten Gefühl, Qualität aus dem schönen Rheinhessen zu genießen.
 
Rheinhessen zu Hause genießen – der Kauf von lokalen Produkten direkt vor Ort bringt Schwung in die heimische Küche und frischt das Urlaubsfeeling auf / © Redaktion FrontRowSociety.net

Rheinhessen – Winzer und Weine 

Lange besaßen Weine aus Rheinhessen das Privileg, als einzige im Bremer Ratskeller nach Fertigstellung des Rathauses 1405 ausgeschenkt werden zu dürfen. Wen wundert es da, dass Mainz und Rheinhessen nun dem weltweiten Netzwerk Great Wine Capitals zugehörig sind. Zudem schlossen sich 70 Winzer im Jahr 2017 mit dem VDP zur ‚Maxime Herkunft‘ zusammen, um den qualitätsorientierten Lagenausbau nach VDP Klassifikation weiter voranzutreiben. Und auch die junge Winzergeneration entwickelt in dem Verband ‚Generation Riesling‘ eigene Ideen für zukunftsfähigen Weinbau.

Generation Riesling. Die jungen Winzer trafen sich zum Rheingau Gourmet und Wein Festival und hatten jede Menge guter Tropfen im Gepäck
Generation Riesling: Die jungen Winzer treffen sich regelmäßig, wie hier auf dem Rheingau Gourmet & Wein Festival, um ihr Können zu zeigen / © Redaktion frontrowsociety.net
 „Rheinhessen genießen“ teilnehmende Weingüter:
  • Weingut Knewitz
  • Weingut Wittmann
  • Weingut Spiess
  • Weingut Eulenmühle
  • Weingut Bretz
  • Weingut Gres
  • Weingut Dohlmühle
  • Weingut Luff
  • Weingut Espenhof
  • Weingut Ökomomierat Geil-Erben
  • Weingut J. Bettenheimer
  • Weingut Beck
  • Weingut Michel-Pfannenbecker
  • Weingut Seehof
  • Weingut Kopp
  • Weingut Zöller
  • Weingut Peth-Wetz
  • Weingut Landgraf
  • Weingut Mirjam Schneider
  • Weingut Spieß
  • Weingut Wasem 
  • Weingut Schick
  • Weingut Wagner-Stempel
  • Weingut der Stadt Mainz
  • Weingut Pauser
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Malerisches Rheinhessen – perfekt zum Genießen von Landschaft, Wein und Kulinarik / © FrontRowSociety, Foto: Noris Conrad

Rheinhessens Wein bei FrontRowSociety – The Magazin

Über Rheinhessens Winzer und Weine sind bereits einige Artikel in unserem Magazin veröffentlicht worden und werden immer wieder gern gelesen. 

Dieses ist ein redaktionell erstellter Artikel, der durch externe Unterstützung möglich gemacht wurde. Die Unterstützung hat jedoch keinen Einfluss auf den hier abgebildeten Inhalt. Es gilt der Redaktionskodex.

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Annett Conrad ist Redakteurin und Mitherausgeberin von FrontRowSociety - The Magazine