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Überraschungen erlebt man immer wieder! So auch in dem verschlafenen, eher vom Campingtourismus geprägten Ort Lido di Spina. Ganz unerwartet kommt man hier in den Genuss von Kunstwerken, nach denen sich jedes Museum moderner Kunst die Finger leckt. Denn man würde eher einen Picasso oder einen Dalí in der „Tate Modern“ vermuten als in dem von Wind und Wetter gezeichneten Haus des Künstlers Remo Brindisi, das sich nunmehr zwischen touristischen Bettenburgen an der Küste der Adria befindet.

Lido di Spina – einer der zahlreichen Badeorte von Comacchio / © FrontRowSociety.net, Foto: Annett Conrad

Durch die sanfte Landschaft des Po-Deltas in der Region Emilia Romagna zu radeln, heißt Erholung auf zwei Rädern, gepaart mit dem Schlemmen von bodenständiger Cucina Povera in authentischen Restaurants. Jedoch können auch in Comacchio unerwartete Entdeckungen gemacht werden, die ganz unvermutet eindrucksvoll in dieser eher beschaulichen Gegend hervorragen. So zählen wir den Besuch des Museo Delta Antico und die Stipvisite in der Manifattura dei Marinati zu den Serendipitäten unserer Reise durch den Parco Delta del Po.

Überraschend zeitgemäß – das Museo Delta Antico in Comacchio / © FrontRowSociety.net, Foto: Annett Conrad

Casa Museo Remo Brindisi

Die Provinz Ferrara, insbesondere der Nationalpark Po-Delta, ist als Fahrradregion bekannt. Seebäder reihen sich entlang der Adriaküste, die weniger mondän, sondern vielmehr für Camper und Biker ausgerichtet sind. Das zur Gemeinde Comacchio gehörende Lido di Spina ist einer dieser Badeorte. Hier versteckt sich eine wahre Kunstoase – das Museo Remo Brindisi. Das Haus des italienischen Malers, Bildhauers, Kunstsammlers und Museumsgründers Remo Brinidisi steht in der Nähe des Strandes, umgeben von hochgewachsenen Pinien.

Kaum zu glauben, doch Remo Brindisi lebte zwischen den Werken berühmter Künstler / © FrontRowSociety.net, Foto: Annett Conrad

Vom Haus ist man nicht sonderlich angetan, wenn man vor der verwitterten Fassade des modernen Baus steht. Die Überraschung wartet im Inneren! Die moderne Sommerresidenz des Künstlers Remo Brindisi wurde zwischen 1971 und 1973 von Architekten und Designer Nanda Vigo entworfen und gebaut. An seinem Stil sind deutlich die Einflüsse des Bauhauses zu erkennen. Form folgt Funktion. Nicht zuletzt ordnet sich die recht eigenwillige Architektur des Hauses der Prämisse unter. Denn schon bei der Planung hatte Brindisi vor, das Objekt innen wie außen mit Kunstwerken zu füllen.

Das Wohnhaus des Mailänder Künstlers ist seit 1976 auch ein Museum / © FrontRowSociety.net, Foto: Annett Conrad

Neben seinen eigenen abstrakten Skulpturen versammeln sich unter seinem Dach Werke namhafter Vertreter vieler Kunstrichtungen. So steht man plötzlich staunend vor Plastiken von Hans Arp, Max Ernst, Oskar Kokoschka und Salvador Dalí oder kann Keramikgefäße von Pablo Picasso bewundern. Zirka 1.000 Objekte umfasst seine Kunstsammlung, die er zum Teil durch den Tausch seiner eigenen Arbeiten aufgebaut hat. Weiterhin staunend wandelt man durch das weiß gekachelte Treppenhaus, geht von einem Raum zum nächsten und sieht sich an Ölgemälde sowie Collagen namhafter Künstler aus der ganzen Welt satt.

Das Treppenhaus – weißer, zurückhaltender Hintergrund für die epochale Kunstsammlung / © FrontRowSociety.net, Foto: Annett Conrad
Im Sommer erwacht der kleine Kunstpark hinter dem dreigeschossigen Gebäude zum Leben. Dann bereichern zahlreiche Veranstaltungen das kulturelle Leben von Lido di Spina, deren Bekanntheit auch Gäste aus dem weiteren Umland anlocken. 

Museo Delta Antico

Comacchio gehört zu den weniger lauten Städten Oberitaliens. Hierhin verschlägt es Reisende, die nicht dem Mainstream folgen, sondern abseits ausgetretener Pfade Italiens Schätze erkunden wollen. Auch das Museum Delta Antico gehört zu jenen zufälligen Entdeckungen, die das Gefühl einer wohligen Überraschung hinterlassen. Wie der Name schon sagt, geht es in dem Museum zurück zum Ursprung. Über historische Epochen hinweg beschäftigt sich die Ausstellung des Museums mit der Entwicklung menschlicher Siedlungsgeschichte in dieser Region. Folgen wir also den Spuren der Zivilisation bis zum Altertum oder lösen das Rätsel des römischen Schiffes von Comacchio.

In Comacchio auf den Spuren der Antike / © FrontRowSociety.net, Foto: Annett Conrad

In Comacchio ist man stolz auf dieses zeitgemäße Museum. Kein Wunder, dass es sich in einem monumentalen Gebäude aus dem 18. Jahrhundert im historischen Zentrum befindet. Die teils interaktive Ausstellung verteilt sich über mehrere Räume. So werden die Besucher eindrucksvoll durch die Geschichte dieser Region geführt. Dabei wird ein besonderes Augenmerk auf die antike etruskische Stadt Spina gerichtet, deren historische Bedeutung mit kostbaren Funden und Grabbeigaben untermauert wird.

Museo Delta Antico – hinter diesen historischen Mauern wartet eine sehr modern gestaltete Ausstellung / © FrontRowSociety.net, Foto: Annett Conrad
Unter anderen mit authentischen Bestattungsritualen / © FrontRowSociety.net, Foto: Annett Conrad

Rund 2.000 Ausstellungsstücke gibt es zu bestaunen, die nicht hübsch nebeneinander aufgereiht sind, sondern mit einer smarten Interaktion fast lebendig werden. Zu den Highlights des Museums gehört das 1981 entdeckte römische Schiff mit seiner Fracht. Es gilt als „Pompeji des Meeres“, das authentisch den ausgefeilten Handel des globalisierten Römischen Reichs preisgibt. Zur Entspannung unternimmt man noch einmal eine virtuelle Reise, die in den Tälern des Po-Deltas beginnt und im Delta-Antico-Museum im Herzen von Comacchio endet.

Zahlreiche Artefakte sind chronologisch zusammengestellt … / © FrontRowSociety.net, Foto: Annett Conrad
… und darüber hinaus wartet eine immersive Reise auf die Besucher des Museo Delta Antico / © FrontRowSociety.net, Foto: Annett Conrad

Der Besuch dieser Museen gleicht einem unerwarteten Geschenk. Diese runden die Radtouren durch den Nationalpark Po Delta kulturell ab und hinterlassen das gute Gefühl, genau hier den Urlaub mehrdimensional erleben zu können. 

Dieses ist ein redaktionell erstellter Artikel, der durch externe Unterstützung möglich gemacht wurde. Die Unterstützung hat jedoch keinen Einfluss auf den hier abgebildeten Inhalt. Es gilt der Redaktionskodex.

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