Geschätzte Lesezeit: 6 Minuten

Lausanne, die mondäne Stadt am Genfersee, hat weit verzweigte Verbindungen zu den Olympischen Spielen. Sie wird unter anderem als Olympische Hauptstadt bezeichnet, da hier das Internationale Olympische Komitee sein Hauptquartier hat.

Futuristische Konstruktion in exponierter Lage am Ufer des Genfersees – das Headquarter des Internationalen Olympischen Komitees in Lausanne / © Redaktion FrontRowSociety.net

Während in dem futuristischen Headquarter über Regularien der Olympischen Spiele der Neuzeit debattiert und entschieden wird, begibt man sich im Musée Olympique auf eine Zeitreise durch die Geschichte der Spiele.

Olympiakult am Genfersee

Seit 1993 befindet sich die emotionale und hintergründige Ausstellung in einem avantgardistischen Bau direkt am Ufer des Genfersees. Das gesamte, zirka 8.000 Quadratmeter umfassende Areal steht im Zeichen des Olympischen Sports. Lebensgroße Skulpturen scheinen durch die parkähnliche Anlage zu laufen oder zeigen Sportler in typischen Posen.

Kunst und Sport als Symbiose: als Hommage an die Olympischen Disziplinen wurden 43 Skulpturen im Park verteilt / © Redaktion FrontRowSociety.net

Vor dem Eingang des Museums tummeln sich die bunten, üppigen Nanas der französischen Pop Art Künstlerin Niki de Saint Phalle. Während Rollstuhlfahrer über serpentinenartigen Wege das Portal erreichen, erklimmen sportliche Museumsbesucher die 97 Stufen. Auf jeder zweiten Stufe sind Jahr, Austragungsort sowie der Name des Sportlers verewigt, der die Olympische Flamme entzündete.

Bis zum Eingang des Museums gilt es 97 Stufen zu erklimmen. Dabei verfolgt man die Historie der Austragungsorte seit dem Neubeginn der Spiele im Jahr 1896 in Athen / © Redaktion FrontRowSociety.net
Die Nanas der französischen Pop Art Künstlerin Niki de Saint Phalle heißen die Besucher vor dem Museum im Fußballtrikot willkommen / © Redaktion FrontRowSociety.net

Zur feierlichen Eröffnung am 23. Juni 1993 entfachte die deutsche Eiskunstläuferin Katharina Witt das Olympische Feuer, das seither vor dem Museum brennt.

Die Flamme des Olympischen Feuers galt als Geschenk des Sonnengottes Apollo und symbolisierte in der Antike die Huldigung der griechischen Göttin Hestia, der Göttin des Herd-, Familien- und Opferfeuers. Seit 1936 beginnt der Fackellauf im antiken Olympia auf der Halbinsel Plelponnes und endet nach mehreren Tagen am Austragungsort. Während der Eröffnungszeremonie wird dann die Flamme für die Dauer der Spiele entzündet / © Redaktion FrontRowSociety.net

Ausstellung für Entdecker

Das moderne Museum führt über unterschiedliche Medien die Besucher an den olympischen Gedanken heran. Hier erwartet das Publikum mehr als eine Ausstellung von Sammlerstücken, vielmehr transportiert das Museum den olympischen Geist und lässt Blicke hinter die Kulissen zu. Der mexikanische Architekt Pedro Ramírez gestaltete gemeinsam mit dem Schweizer Architekten Jean-Pierre Cahen ein Museum, in welchem Besucher in Bewegung bleiben.

Willkommen am Musée Olympique in Lausanne. Der Park des Museums ist öffentlich zugänglich und wird von Einheimischen wie Touristen für Spaziergänge oder Picknicks genutzt / © Redaktion FrontRowSociety.net

Über drei Ebenen erstreckt sich die Dauerausstellung, die über eine spiralförmige Rampe, der Welcome Spine, miteinander verbunden sind. Bereits hier beginnt die multimediale Einstimmung, die 3.000 Quadratmeter Ausstellungsfläche zu erkunden. Insgesamt wurden 1.500 Exponate, 5.000 Fotografien und 150 interaktive Stationen installiert. Außerdem warten 7 Stunden Videomaterial auf die Besucher.

Über dieses Schneckenhaus gelangen die Besucher von Level zu Level / © Redaktion FrontRowSociety.net

Ready, Get Set, Go

Auf der ersten Ebene, dem Level 1, gibt es Wissenswertes über den Ursprung der Spiele in Erfahrung zu bringen. Der Einstieg beginnt mit den Olympischen Spielen der Antike und setzt sich mit den Visionen von Pierre de Coubertin, dem Initiator der Spiele der Neuzeit, fort. Eine einzigartige Zurschaustellung der Olympischen Fackeln kann auf dieser Ebene bewundert werden. Weiterhin wird hier hervorgehoben, mit wieviel Kreativität und logistischem Know how die Austragungsorte der neuzeitlichen Spiele aufwarteten.

Auf Level 1 begrüßt das antike Olympia seine Gäste. Die Olympischen Spiele der Antike fanden von 776 v. Chr. bis 393 n. Chr. im Heiligen Hain von Olympia statt / © Redaktion FrontRowSociety.net

Die zweite Ebene, Level 0, steht ganz in Zeichen der Olympischen Spiele. Requisiten wie Kostüme der Eistänzerinnen, Trikots oder Hockeyschläger bringen die Wettkämpfe in einen historischen Kontext. Hautnah am Athleten wird die Weiterentwicklung der einzelnen Disziplinen aufgezeigt, unterstützt von überdimensionalen Videoinstallationen. Auf dieser Plattform steht klar der Sportler im Mittelpunkt.

Auf Level Null werden die Helden der Olympischen Spiele interaktiv in Szene gesetzt / © Redaktion FrontRowSociety.net

Ein besonderes Highlight ist die 180 Grad Audio-Visual-Show “Inside the race”. Der 6 Minuten andauernde Film bespielt die ganze Bandbreite an Emotionen, die Sportler während des Wettkampfs durchlaufen.

Es ist eine Choreografie sehr persönlicher Momente, untermalt mit heldenhaften Hymnen. Anspannung, Vorfreude, Sieg und Niederlage spiegeln sich in den Gesichtern der Protagonisten und die Athleten werden nahbar, sogar verletzlich.

Ein imposantes Spiel aus Licht und Schatten erwartet die Besucher im sogenannten Fackelraum / © Redaktion FrontRowSociety.net

Der Olympisch Geist wird auf der dritten Ebene, Level -1, transportiert. Obwohl dem Museum bereits 2013 ein Facelift verpasst wurde, präsentiert sich die dritte Ebene seit 2018 in dem heutigen Erscheinungsbild. Hier gibt es erneut Athleten zum Anfassen. Besucher sind eingeladen, in die Rolle der Sportler zu schlüpfen und unterschiedliche Trainingsmethoden auszutesten.

Auf Level -1 ist jeder zum Mitmachen eingeladen, auch der Herausgeber von FrontRowSociety – The Magazin, Andreas Conrad / © Redaktion FrontRowSociety.net

Beeindruckend sind außerdem die ausschließlich für das Musée Olympique aufgezeichneten Interviews von Sportlegenden wie beispielsweise Michael Phelps. Hierin geht um sportliche Karrieren und die Geschichten dahinter, es geht um Träume und die Seele des Sports.

Der Rundgang endet am Rondell der Medaillen. Gold, Silber und Bronze im Wandel der Zeit, seit 1896 bis heute.

Olympisches Edelmetall zu gewinnen ist für jeden Athleten ein besonderer Moment / © Redaktion FrontRowSociety.net
Hier ist auch die Medaille von 1972 zu sehen. 1972 war kein gutes Jahr, denn ein Anschlag der palästinensischen Terrororganisation Schwarzer September überschattete die Olympischen Spiele
Hier ist die Medaille von 1972: 1972 war kein gutes Jahr, denn ein Anschlag der palästinensischen Terrororganisation Schwarzer September überschattete die Olympischen Spiele / © Redaktion FrontRowSociety.net

Bedeutung der Olympischen Spiele

Das Musée Olympique richtet den Fokus auf die Athleten. Sportler werden als Zeugen von Frieden, Freundschaft und Fairness aufgerufen und die nationenübergreifenden Spiele werden ihrem eigentlichen Sinn entsprechend dargestellt.

Die Welcome Spine verdeutlicht die Spirale der persönlichen Bestleistungen zwischen Start und Ziel / © Redaktion FrontRowSociety.net
Der Lauf der Geschichte zwischen Krieg und Frieden oder unüberbrückbaren Gegensätzen thematisiert die Machtlosigkeit des Olympischen Geistes gegenüber politischer Entscheidungen. Auch wenn bereits in der Antike während der Olympischen oder auch Panathenäischen Spiele im ganzen Land Waffenruhe herrschte, galt der Zweck der Spiele für 1500 Jahre vergessen.
 
Hier der originalgetreue Miniatur-Nachbau eines olympischen Stadions, in welchen Fairness, Frieden und Freundschaft im Fokus stehen sollen / © Redaktion FrontRowSociety.net
Und erneut entfremdet man die Spiele durch Korruption oder Doping. Selbst jenen Themen, wenn auch nur sehr begrenzt, widmet sich die Ausstellung. Eine kritischere Auseinandersetzung wäre wünschenswert, ganz dem Spirit von Olympia folgend.
 
Eine kleine Sequenz wird der Entwicklung der medialen Berichterstattung gewidmet. Auftrag der Medien ist nicht nur die Darstellung der Spiele, sondern die Recherche und Aufklärung des Missbrauchs der Olympischen Idee / © Redaktion FrontRowSociety.net
Mit dem Musée Olympique wurde ein Museum erschaffen, das mit dauerhaften und temporären Ausstellungen immer wieder Emotionen hervorruft, die Interesse an dem weltumspannenden Sport wecken.
 
Für den Rundgang sollten zwei Stunden eingeplant werden. Abschließend genießt man auf Level 2 im TOM Café ein gemeinsames Essen oder eine Kaffee und berauscht sich an der atemberaubenden Sicht auf den Genfersee und der sich am Horizont abzeichnenden Gebirgslandschaft der Alpen.
 
Die nächsten Olympischen Sommerspiele werden in Tokio stattfinden und wieder im Zeichen des Olympischen Gedanken stehen: Citius, altius, fortius – schneller, höher, stärker / © Redaktion FrontRowSociety.net
Dieses ist ein redaktionell erstellter Artikel, der durch externe Unterstützung möglich gemacht wurde. Die Unterstützung hat jedoch keinen Einfluss auf den hier abgebildeten Inhalt. Es gilt der Redaktionskodex.
Print Friendly, PDF & Email