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Getauft von Lady Diana, zur „Grand Lady“ geadelt von Kapitän Morten Hansen („Verrückt nach Meer“) – die “Artania” zählt noch immer zu den schönsten Kreuzfahrtschiffen auf den sieben Weltmeeren.

Natürlich, hierzulande ist die „Royal Princess“ vor allem als “Artania” bekannt, jenem Schiff der Reederei Phoenix Reisen, das seit der vierten Staffel aus der deutschen Doku Soap „Verrückt nach Meer“ bekannt ist. Ein Star war das Schiff jedoch immer schon. 1984 in Dienst gestellt, war die „Royal Princess“ damals nicht nur das größte jemals speziell für Kreuzfahrten gebaute Passagierschiff, sondern auch das erste, das ausschließlich über Außen- und Balkonkabinen verfügte. Vor allem letztere Tatsache verschafft ihr auch im fortgeschrittenen 21. Jahrhundert noch einen Marktvorteil, auch wenn seit den 1980er Jahren mehr als nur einmal Hand angelegt worden ist an dem Schiff.

Eine Kabine mit eigenem Balkon. Was heute fast selbstverständlich ist, war anno 1984 noch geradezu revolutionär
Eine Kabine mit eigenem Balkon. Was heute fast selbstverständlich ist, war anno 1984 noch geradezu revolutionär / © FrontRowSociety.net, Foto: Kai Ortel

Ein wahres Traumschiff ist die “Artania” aber immer noch. Das kommt in liebevoll ausgestatteten Lounges und breiten Arkaden zum Ausdruck sowie in weitläufigen Freiflächen auf den Außendecks, die auf den modernen Kreuzfahrtschiffen unserer Tage ihresgleichen suchen. Ein Schiff zum Wohlfühlen.

„Harrys Bar“ – einer der schönsten Plätze an Bord der „Artania“
„Harrys Bar“ – einer der schönsten Plätze an Bord der “Artania” / © FrontRowSociety.net, Foto: Kai Ortel

Das Motto von Phoenix Reisen „Willkommen an Bord – willkommen zu Hause“ spiegelt sich auch in Balkonkabine 6500 wieder, ein Refugium, das es an nichts vermissen lässt. Fernseher (30 deutsche Programme), Telefon, Minibar und Safe auf der einen und ein Sofa mit Pool-Handtuch, Bademantel und Pralinen auf der anderen Seite. Zwischen Bett und Sofa die Tür zum Balkon, darauf zwei Liegestühle und ein kleines Korbtischchen. Herrlich. Der Blick fällt vom Balkon wahlweise auf das Bootsdeck (zwei Decks tiefer), auf Rettungsboot Nr. 10 (rechts) oder, zunächst noch, auf die Bremerhavener Unterweser (achtern). Spuren dafür, dass die „Grand Lady“ mittlerweile 35 Jahre alt ist? Keine.

„Sonnenuntergang über der Wesermündung: Als die letzte Hafenrundfahrt endet, nimmt die ARTANIA Kurs auf England“
Sonnenuntergang über der Wesermündung: Als die letzte Hafenrundfahrt endet, nimmt die ARTANIA Kurs auf England / © FrontRowSociety.net, Foto: Kai Ortel

Nach England

Die Nordsee ist am Seetag zwischen Bremerhaven und Harwich platt wie ein Dorfteich, und die meisten Passagiere der “Artania” schlafen noch, als das Schiff mit gemächlichen sieben Knoten auf Kurs Südengland ist. Zeit für ein ausgedehntes Frühstück. Es gibt frische Brötchen sowie frisch gebackenes Brot und neben Tee und Kaffee nicht weniger als vier Sorten Saft zur Auswahl. Fantastisch. Zurückhalten muss man sich dennoch, denn wenig später wird bereits der „Maritime Frühschoppen“ eingeleitet, bei dem auch Kapitän Jarle Flatebø einen Auftritt hat; er wird der versammelten Passagierschar unter der strahlenden Herbstsonne an Deck vorgestellt. Sogar für Selfies mit dem „Master next God“ ist Zeit.

Das Kopernikus-Pooldeck ist für den bevorstehenden „maritimen Frühschoppen“ festlich geschmückt
Das Kopernikus-Pooldeck ist für den bevorstehenden „maritimen Frühschoppen“ festlich geschmückt / © FrontRowSociety.net, Foto: Kai Ortel

In Harwich haben die Passagiere dann die Wahl zwischen einem ganztägigen Busausflug nach London und Harwich selber, das ebenfalls mit viel Geschichte aufwarten kann. Berühmt ist die Stadt vor allem für die „Mayflower“, deren Kapitän Christopher Jones mit diesem Schiff 1620 die „Pilgerväter“ von England in die Neue Welt gebracht hat. Zweihundert Jahre später dagegen stand in Harwich Napoleon vor der Tür. Aus dieser Zeit stammt das „Harwich Redoubt“, eine nicht nur martialisch anmutende, sondern auch ebenso eingerichtete ringförmige Festungsanlage. Seit dem Zweiten Weltkrieg wird das Harwich Redoubt nicht mehr militärisch genutzt und beherbergt heute ein ausgesprochen sehenswertes, wenn auch mitunter beklemmendes kriegs-, militär-, und waffenhistorisches Museum.

Das ringförmige Harwich Redoubt – früher Festungsanlage, heute militärhistorisches Museum
Das ringförmige Harwich Redoubt – früher Festungsanlage, heute militärhistorisches Museum / © FrontRowSociety.net, Foto: Kai Ortel

Amsterdam

Als die “Artania” am Abend Kurs auf Amsterdam genommen hat, stellen im Restaurant „Vier Jahrszeiten“ die Kellner ihr Können unter Beweis. Die nehmen die Bestellungen nicht nur ganz ohne Aufschreiben auf, sondern servieren das Vier Gänge-Menü in respektablen 45 Minuten. Und das ohne beim Passagier das Gefühl aufkommen zu lassen, es müsse schnell gehen, weil der Feierabend oder eine Crew-Party warten. „Effizient und professionell“ umschreibt es eher, auch wenn man auf beiden Seiten nie so recht weiß, ob man nun besser Deutsch oder Englisch miteinander sprechen soll. Auf den Tisch kommt heute übrigens passend zur Destination ein britischer Klassiker: Fish and Chips. Allerdings nicht in der Fast Food-Version, sondern aus Nordsee-Schellfisch zubereitet und liebevoll dargereicht. Und er ist exzellent.

Das Restaurant „Vier Jahreszeiten“. An seiner Stelle befand sich zu „Royal Princess“-Zeiten der edle „Continental Dining Room“
Das Restaurant „Vier Jahreszeiten“. An seiner Stelle befand sich zu „Royal Princess“-Zeiten der edle „Continental Dining Room“ / © FrontRowSociety.net, Foto: Kai Ortel

So sommerlich beschwingt, wie gestern der Tag in England ausgefallen ist, so trostlos empfängt uns Amsterdam. Jedenfalls beschreibt der Begriff „wechselhaft“ im Tagesprogramm das Wetter noch höchst freundlich. Als die “Artania” festmacht, ergießt sich ein strömender Regen über die Stadt. Ich entscheide mich daher für einen Besuch des Amsterdamer Schifffahrtsmuseums. Untergebracht im „Arsenal“, einem restaurierten ehemaligen Lagerhaus der Königlich Niederländischen Marine aus dem Jahr 1656, beherbergt es eine riesige Sammlung an maritimen Gemälden, Schiffsmodellen, Galionsfiguren und Exponaten aller Art. Der größte „Star“ des Museums liegt aber quasi vor der Tür – die „Amsterdam“, der Nachbau eines Segelschiffs des Niederländischen Ostindien-Kompanie aus dem mittleren 18. Jahrhundert.

Blick vom Museumssegelschiff „Amsterdam“ auf das ehemalige „Arsenal“, das heutige Schifffahrtsmuseum Amsterdams
Blick vom Museumssegelschiff „Amsterdam“ auf das ehemalige „Arsenal“, das heutige Schifffahrtsmuseum Amsterdams / © FrontRowSociety.net, Foto: Kai Ortel

Ein Schiff voller Lieblingsplätze

Zurück auf der “Artania”, hat mich Kapitän Flatebø für die Abfahrt aus Amsterdam und die folgende Passage des Nordseekanals auf die Kommandobrücke eingeladen, sein genauso geräumiges wie blitzblankes (und obendrein trockenes) Refugium an Bord. Sie strahlt noch überwiegend 1980er Jahre-Flair aus, auch wenn die Technik natürlich regelmäßig auf den neuesten Stand gebracht wird. „Jedes Mal, wenn ich aus dem Urlaub komme, hat die Reederei ein anderes Instrument ausgetauscht“, erzählt Flatebø, dem „seine“ “Artania” sichtlich ans Herz gewachsen ist.

Auf der Kommandobrücke der „Artania“: Nautische Technik aus vier Jahrzehnten einträchtig nebeneinander
Auf der Kommandobrücke der „Artania“: Nautische Technik aus vier Jahrzehnten einträchtig nebeneinander / © FrontRowSociety.net, Foto: Kai Ortel

Der letzte Teil der Minikreuzfahrt beginnt am Nachmittag, als die “Artania” wieder auf der Nordsee ist. Für die einen mit Sachertorte und Käsekuchen in Harry’s Bar, für die anderen mit frischen Waffeln mit Eiscreme in der Lobby und für die ganz Hartgesottenen mit „Wodka Bingo“ in der Casablanca Bar. Im Restaurant dagegen steht Rinderrücken auf der Speisekarte – nach reichlich Fisch in den letzten Tagen eine schöne Gelegenheit, endlich auch einmal den Rotwein aus dem Hause Phoenix zu probieren. Beides ist köstlich, und kaum zurück auf der Kabine angekommen, wartet dort noch ein letzter Gruß aus der Küche: schiffsgemachte Marmelade – „jedes Glas ein Unikat“, wie der „Beipackzettel“ erklärt.

Herzstück der zweistöckigen Lobby an Bord der „Artania“ ist die zentrale Skulptur „Spindrift“ / © FrontRowSociety.net, Foto: Kai Ortel

Zu guter Letzt muss am Abend auch noch die Seekarte verlost werden, eine Tradition auf vielen Kreuzfahrtschiffen. Dazu holt sich der Kreuzfahrtdirektor eine Dame aus dem Publikum als Assistentin auf die Bühne, die nach eigenen Angaben mal 91 und mal 94 Jahre alt ist, für ihre Mithilfe aber einen donnernden Applaus bekommt. Die Stimmung ist prächtig, sogar eine Polonäse über das halbe Deck stellen Animationsteam und Gastkünstler auf die Beine. Und die “Artania” selber? Sie ist ein Schiff voller Lieblingsplätze, das nicht von ungefähr eine Ausnahmestellung auf dem deutschen Kreuzfahrtmarkt innehat. Zusammen mit dem exzellenten Service ihrer herzlichen Crew erreicht sie sogar einen Grad an Perfektion, von dem andere, auch jüngere Schiffe nur träumen können.

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