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Neben den klassischen Atlantiküberquerungen unternimmt die legendäre QUEEN MARY 2 auch Mini-Kreuzfahrten – zum „Schnuppern“ sozusagen, ob einem Schiff und Ambiente gefallen. Wir waren für eine Kurzreise von England nach Hamburg auf der „Königin der Meere“. Und am Ende natürlich begeistert.

Die QUEEN MARY 2 im Hamburger Hafen
Die QUEEN MARY 2 im Hamburger Hafen / © FrontRowSociety.net, Foto: Kai Ortel

Minikreuzfahrt von Southampton nach Hamburg

Als der Bau der „Queen Mary 2“ im Jahr 2000 beschlossen wurde, schrieb die altehrwürdige Londoner „Times“, der Neubau würde „das Erbe all dessen in sich vereinen, das jemals zur See gefahren ist und die Schönheit und Eleganz einer vergangenen Epoche in die Zukunft tragen“. Und genau so ist auch der Empfang an Bord. „Welcome to Cunard“ begrüßt uns ein Kärtchen auf dem Beistelltisch in der Kabine, zusammen mit „Bon Voyage“-Wünschen von Kapitän Peter Philpott, der Reservierung für den Tisch im Britannia-Restaurant und einem Kübel eisgekühlten Sekt. Zwei Samtkissen, bestickt mit dem goldenen Logo der Reederei, liegen geometrisch perfekt zentriert auf dem Doppelbett, der ledergebundene Ordner mit der „Onboard Information“ lesebereit auf dem Nachttisch. Im Bad stehen die Fläschchen mit Duschgel und Shampoo der britischen Nobelmarke Penhaligon’s in Reih und Glied, die Dusche ist auf exakt 38 Grad eingestellt. Der erste Eindruck? Unübertrefflich. Es sind vielleicht nur zwei Tage, die wir an Bord verbringen dürfen. Die aber versprechen königlich zu werden.

Vom Samtkissen bis zum gekühlten Sekt besticht die Außenkabine bereits bei der Ankunft an Bord durch Perfektion
Vom Samtkissen bis zum gekühlten Sekt besticht die Außenkabine bereits bei der Ankunft an Bord durch Perfektion / © FrontRowSociety.net, Foto: Kai Ortel

Auch der erste Bordrundgang offenbart ein Schiff, das so gar nicht für Mini-Kreuzfahrten mit Otto Normalverbraucher gebaut zu sein scheint. In der eleganten Carinthia Lounge gibt es zum Klang von Harfe oder Violine Kaffee, Tee und Gebäck. Und edlen Wein; 343 verschiedene Sorten zählt der Weinkeller des Schiffes, der älteste davon ist Jahrgang 1840. Edel ist hier selbst das Büffet-Restaurant „Kings Court“. Die Kunstwerke an den Wänden sind vom Art déco inspiriert, gespeist wird von edlem Wedgwood-Porzellan („Made for Cunard“) und das darüber hinaus an erstaunlich vielen Tischen mit Meerblick. Kann es etwas Schöneres geben?

Das Wein-Sortiment auf den Schiffen der Cunard Line (wie hier in der Carinthia Lounge der „Queen Mary 2“) ist seit Jahrzehnten Legende
Das Wein-Sortiment auf den Schiffen der Cunard Line (wie hier in der Carinthia Lounge der „Queen Mary 2“) ist seit Jahrzehnten Legende / © FrontRowSociety.net, Foto: Kai Ortel

Auf der QUEEN MARY 2 schon. Genau genommen den ganzen vorderen Teil des Schiffes. Denn wo auf anderen Kreuzfahrtschiffen riesige Theater, exklusive Spas oder teure Suiten den Blick versperren, heißt es auf dem Cunard-Liner: freie Sicht. Und das auf fast allen Decks. Vom Promenadendeck aus gelangt man bis auf das Vorschiff, wo man bei schönem Wetter seelenruhig zwischen den Ersatz-Propellerblättern spazieren kann; auf Deck 8 darüber laden in der Bibliothek Lesetische zur Lektüre mit Meerblick ein. Auf Deck 9 befindet sich der noble Commodore Club; auf Deck 11 der Atlantic Room, der für Bridge-Partien und Spiele-Turniere genutzt wird, und auf Deck 13 schließlich der „Lookout“ – ein windgeschützter Aussichtsposten an der frischen Luft, der auf Kreuzfahrtschiffen ebenfalls seinesgleichen sucht.

Für viele Passagiere der schönste Ort an Bord der „Queen Mary 2“: der edle Commodore Club mit Blick über den Bug
Für viele Passagiere der schönste Ort an Bord der „Queen Mary 2“: der edle Commodore Club mit Blick über den Bug / © FrontRowSociety.net, Foto: Kai Ortel

Das Auslaufen der QUEEN MARY 2 aus Southampton lässt sich kaum jemand an Bord entgehen. Dicht an dicht steht man an der Reling, während Englands „Gateway to the World“ im Dämmerlicht zurückbleibt. Doch um 18 Uhr beginnt bereits die erste Essenssitzung im Britannia Restaurant, und dafür darf, ja soll man sich auf einem Schiff der Cunard Line in Schale werfen. Das Hauptrestaurant der QUEEN MARY 2 ist vielleicht das prachtvollste seiner Art überhaupt auf See. Nicht das protzigste, aber mit seinen geschwungenen Treppen, den überhängenden Balkonen und dem riesigen Wandteppich hinter dem klassisch runden Kapitänstisch auf jeden Fall eines der elegantesten. Kaum irgendwo an Bord ist man dem Geist der „guten alten“ Zeit der Transatlantik-Liner so nahe wie hier.

„Titanic“ und Co. lassen grüßen: Im zweistöckigen Britannia Restaurant wird die Tradition der großen Transatlantikliner fortgeführt
„Titanic“ und Co. lassen grüßen: Im zweistöckigen Britannia Restaurant wird die Tradition der großen Transatlantikliner fortgeführt / © FrontRowSociety.net, Foto: Kai Ortel

Am nächsten Morgen stampft das Schiff leicht vor sich hin – auf keinste Weise unangenehm, aber immerhin so, dass man noch merkt, dass man auf einem Schiff ist. Zum Glück hat das Frühstück im Kings Court für ausreichend „Bauchschwere“ gesorgt. Der Brownie war ein Traum, der Obstsalat sagenhaft frisch und auch Wurst und Schinken kein Vergleich zur Massenware anderer Reedereien. Auch hier müssen wir neidlos anerkennen: Besser geht es nicht.

Selbst im Büffet-Restaurant Kings Court speist man mit Stil, Wedgwood-Porzellan inklusive. Das Restaurant wurde 2016 einem Umbau unterzogen
Selbst im Büffet-Restaurant Kings Court speist man mit Stil, Wedgwood-Porzellan inklusive. Das Restaurant wurde 2016 einem Umbau unterzogen / © FrontRowSociety.net, Foto: Kai Ortel

Fast möchte man bis zum Mittag am Frühstückstisch sitzen bleiben, so satt und zufrieden ist man. Doch da stehen schon wieder ganz andere Rituale auf dem (Tages-)Programm. Die „Eight Bells“-Zeremonie z. B., die noch aus Zeiten der Segelschiffe stammt, als die Wachen der Besatzung nach Sanduhren bemessen wurden, die nach einer halben Stunde umgedreht werden mussten. Auf der QUEEN MARY 2 sind von diesem Ritual vier Doppelschläge geblieben, die ein Offizier um Punkt 12 Uhr in der Grand Lobby an der dortigen Schiffsglocke ausführt.

Beliebtes Foto-Objekt und Gebrauchsgegenstand zugleich: An der Schiffsglocke in der Grand Lobby wird täglich das Zeremoniell der „Eight Bells“ vollzogen
Beliebtes Foto-Objekt und Gebrauchsgegenstand zugleich: An der Schiffsglocke in der Grand Lobby wird täglich das Zeremoniell der „Eight Bells“ vollzogen / © FrontRowSociety.net, Foto: Kai Ortel

Um 13 Uhr sind wir im „Illuminations“-Theater, das nicht nur Theater und Auditorium für Lektoren Vorträge ist, sondern auch ein Planetarium – das einzige seiner Art auf See natürlich. Auch der Bordbibliothek statten wir einen Besuch ab. Sie erweist sich als gut besucht; die wenigen Lesetische sind praktisch rund um die Uhr belegt, doch allein schon das Herumstromern um die Regale und Vitrinen macht Spaß. Die „Times“ liegt hier in Stapeln aus, und sogar in einer gedruckten Ausgabe der „Encyclopedia Britannica“ kann man hier blättern. Am Nachmittag steht dann ein weiterer Höhepunkte einer jeden Fahrt mit einem Cunard-Liner auf dem Programm: der traditionelle „Afternoon Tea“. Über eine Stunde erstreckt sich das urenglische Ritual im Queens Room, bei dem die Kellner mit ausgesuchter Höflichkeit und weißen Samthandschuhen Tee einschenken, Butter Scones und andere Leckereien servieren und man sich in schicker Garderobe in ebenso urenglischem Small Talk mit seinen Mit-Passagieren übt. Das mag manch einer schrullig finden, und sicherlich hat der eine oder andere in diesen 60 Minuten an Bord Besseres zu tun, mitgemacht haben sollte man es aber einmal. Eine QUEEN MARY 2 ohne Afternoon Tea? Undenkbar.

Der Queens Room an Bord der „Queen Mary 2“ ist ein klassischer Ballsaal, in dem aber auch der traditionelle Afternoon Tea serviert wird
Der Queens Room an Bord der „Queen Mary 2“ ist ein klassischer Ballsaal, in dem aber auch der traditionelle Afternoon Tea serviert wird / © FrontRowSociety.net, Foto: Kai Ortel

Hat man die Abendgarderobe für den Afternoon Tea schon einmal angelegt, kann man mit ihr im Anschluss daran auch wunderbar weiter durchs Schiff flanieren. Sehen und gesehen werden. Anders als die meisten Kreuzfahrtschiffe, deren öffentliche Räume von lichtdurchfluteten Arkaden an den Seiten des Schiffes nach innen zeigen, verfügt die QUEEN MARY 2 auf den Decks 2 und 3 über einen zentralen Mittelgang, von dem aus das Empire Casino, der Golden Lion Pub, der Chart Room und die Champagner Bar nach außen abgehen.

Und noch für etwas anderes hat man dieses Deck genutzt: für Schautafeln, Großfotos und Galerien, welche die Passagiere auf die Geschichte der Cunard Line hinweisen. „Maritime Quest“ nennt die Reederei dies, und im Rahmen einer Minikreuzfahrt ist es eine ziemliche Herausforderung, all die Informationen über die „Queen Mary 2“ und ihre Vorgängerinnen aufzusaugen, die einem an dieser wie an anderer Stelle an Bord geboten werden.

Die Reichen und Schönen waren jahrzehntelang regelmäßige Gäste auf den Schiffen der Cunard Line, das „Who is Who“ kann man im „Maritime Trail“ an Bord nachlesen
Die Reichen und Schönen waren jahrzehntelang regelmäßige Gäste auf den Schiffen der Cunard Line, das „Who is Who“ kann man im „Maritime Trail“ an Bord nachlesen / © FrontRowSociety.net, Foto: Kai Ortel

Viel zu schnell geht die Mini-Kreuzfahrt angesichts dieser und anderer Herrlichkeiten an Bord zu Ende. Als die „Königin der Meere“ in die Elbmündung einfährt, ist auch das Vorschiff offen. Hier gibt es keine Durchsagen, keine laute Pool-Musik und keine Animation; selbst die Passagiere unterhalten sich hier nur leise miteinander. Vom Elbufer kommt dagegen spontaner Jubel. Die QUEEN MARY 2 besucht den Hamburger Hafen nicht einfach, sie gewährt Audienz. Wohl dem, der dieses Erlebnis an Bord des Cunard-Flaggschiffes genießen darf. Einen schöneren Platz auf den sieben Weltmeeren gibt es nicht.

Kurs Hamburg. Viele Atlantiküberquerungen beginnen und enden in der Hansestadt, das Teilstück über die Nordsee kann man dagegen als Mini-Kreuzfahrt buchen
Kurs Hamburg. Viele Atlantiküberquerungen beginnen und enden in der Hansestadt, das Teilstück über die Nordsee kann man dagegen als Mini-Kreuzfahrt buchen / © FrontRowSociety.net, Foto: Kai Ortel

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