Die älteste Winzergenossenschaft Südtirols ist gleichzeitig auch die Kleinste, mit lediglich 60 Mitgliedern, die 80 Hektar Rebfläche bewirtschaften. Im Jahr 1893 gründeten Winzer diese Kellereigenossenschaft in dem verschlafenen Örtchen Andrian, unweit von Meran. Und seit 2008 bündeln sich die Synergien der Kellerei Andrian mit denen der Kellerei Terlan.

Ankunft in der ältesten Kellerei Südtirols, der Cantina Andrian / © Redaktion FrontRowSociety.net

In der weitläufigen Ebene des Etschtals gedeihen die Trauben bei 2.000 Sonnenstunden pro Jahr. Diese idealen Bedingungen ließen zu beiden Seiten der Etsch ein wahres Genussland entstehen. Zahlreiche Restaurants und Weingüter locken mit kulinarischen Verführungen, sodass es den Geheimtipp von Mainstream zu unterscheiden gilt.

In Südtirol entdecken aufgeschlossene Besucher überall reizvolle Schmuckstücke, wie hier im Garten des Weinguts Andrian / © Redaktion FrontRowSociety.net

Wie gut es ist, mit einem ortskundigen Begleiter unterwegs zu sein. Philipp Nocker, Sales Manager der Kellerei Andrian, begleitete uns zu einem der ältesten Weingüter Südtirols, der Kellerei Andrian und zeigte uns eine Gourmetadresse, die jenseits von Punkten und Sternen mit erstklassiger Kulinarik in einem legerem Ambiente Feinschmecker beeindruckt.

... und natürlich das eine oder andere Weingut
Unter dem alten Nussbaum lässt es sich aushalten. Wir waren auf unserer Tour durch Südtirol mit der Luxuslimousine Lexus LS 500h AWD unterwegs / © Redaktion FrontRowSociety.net

Der schönste Arbeitsplatz der Welt

Wir fahren zu Karin, die in der 5. Generation am Fuße des Gantkofel Weinbau betreibt. Die Apfelplantagen des Tals hinter uns lassend, schlängeln wir uns mit unseren Lexus LS 500 zwischen Weinbergen die seichte Anhöhe hinauf zu Karins Refugium. Ihr Gut liegt so malerisch, dass es als Filmkulisse taugen könnte.

Zwischen Karins Weinreben und Obstbäumen scheint sich die Welt ein wenig langsamer zu drehen / © Redaktion FrontRowSociety.net

Unter einem Nussbaum stehen in Reih und Glied die Weinflaschen, von den klassischen Weinen bis hin zu den Flaggschiffen von Adrian.

Wir haben unter dem alten Nussbaum Platz genommen. FrontRowSociety – The Magazine Redakteurin und Mitherausgeberin Annett Conrad plaudert mit Philipp Nocker (li.), Sales Manager der Cantina Andrian über Wein, Genuss und harte Arbeit / © Redaktion FrontRowSociety.net

Doch man möchte noch so gar nicht Platz nehmen, sondern sich an dem mit Liebe gepflegten Garten erfreuen. Neben Gemüse und Obst, duftendem Lavendel und üppigen Hortensien, beherbergt Karins Garten selbstgestaltete Objekte aus Holz, Ton und altem Pergoladraht – Recycling als Kunst.

Karins (li.) Leben auf dem Gut ist geprägt von den Jahreszeiten, doch für die tägliche Obst-und Gemüseration benötigt sie keinen Supermarkt / © Redaktion FrontRowSociety.net
Die Marillen benötigen noch etwas Zeit und Sonne / © Redaktion FrontRowSociety.net

Die Menschen Südtirols erscheinen uns wieder einmal unkompliziert. Rasch plaudert man über Gott und die Welt, das schwierige Weinjahr 2017 und genießt dabei den Ausblick über die Weite des Etschtals bis zur Texelgruppe im Hintergrund den massiven Mendelzug wissend.

Zwischen den Reben liegt Karins Oase aus Lavendel, Oleander, Thymian und Kunstobjekten / © Redaktion FrontRowSociety.net

Weinbau unter dem Gantkofel

Ab einer Höhe von 250 Metern bis zirka 450 Metern zieht sich das Band der Weinberge entlang der Südtiroler Weinstraße. Täglich geht Karin durch die leicht nach Osten abfallenden Hängen ihrer Weinberge. Jedes Mal hat sie ihre Schere dabei, denn die schnellwüchsigen Triebe fordern ihre tägliche Aufmerksamkeit.

Seit 40 Jahren ist Karin täglich in ihren Weinbergen unterwegs. Das Gut übernahm sie von den Schwiegereltern und glücklicherweise führt ihr Sohn das familiäre Erbe fort
Seit 40 Jahren ist Karin täglich in ihren Weinbergen unterwegs. Das Gut übernahm sie von den Schwiegereltern und glücklicherweise führt ihr Sohn das familiäre Erbe fort / © Redaktion FrontRowSociety.net

Ihre Sauvignon-Reben gedeihen in Pergola-Erziehung, was typisch für den Südtiroler Weinbau ist. Zwischen den Reben und Reihen darf ruhig etwas „Unordnung“ herrschen, Kräuter und Gräser sollen den Boden vorm Austrocknen schützen und einen Mikrokosmos zur Verbesserung der Bodenqualität entstehen lassen. Auch wenn der Weinbau konventionell betrieben wird, gilt doch die Devise „Less is More“.

Die Pergola-Erziehung ist typisch für Südtirol, denn das so entstehende Dach schützt vor Hagel und Starkregen, birgt jedoch die Gefahr der Fäulnis / © Redaktion FrontRowSociety.net
Bei der Guyot-Erziehung müssen die Trauben mit Hagelnetzen geschützt werden / © Redaktion FrontRowSociety.net

Einst belebte der Weinbau die unterschiedlichsten Handwerksberufe, auch den des Pergolabauers. Heute sind jene Fachleute rar und die Pergola etwas aus der Mode gekommen. Doch nach den letzten beiden Rekordsommern, mit Temperaturen von über 40 Grad Celsius, stellt sich die Frage nach der Erziehungsform neu.

Das Blätterdach der Pergola schützt die empfindlichen Trauben, macht jedoch maschinelles Arbeiten unmöglich. Die Trauben werden selektioniert per Hand gelesen, ein echtes Qualitätsindiz.

Schweißtreibende Arbeit über Kopf bei der Pergola-Erziehung. Hier muss alles händisch bearbeitet werden / © Redaktion FrontRowSociety.net

Auf dem lehmhaltigen Kalkgesteinsboden gedeihen Sauvignon Blanc, Chardonnay, Merlot und selbstverständlich autochthone Rebsorten wie Vernatsch und Lagrein. Der lockere, mit weißem Dolomitgestein durchsetzte Boden lässt eine tiefe Durchwurzelung zu.

Durch das Zusammenspiel von mediterranen Klima, morgendlicher Frische und einem leichten Föhn in Frühjahr und Sommer, können Weine voller Frische und Frucht mit einem ausgeprägten Säurespiel entstehen.

Verlockend, doch Anfang Juli ist es zu früh zum Probieren / © Redaktion FrontRowSociety.net

Weine der Kellerei Andrian

Sales Manager Philipp Nocker erklärt uns die beiden unterschiedlichen Linien bei Andrian. Er wuchs in Eppan auf und von Kindesbeinen an war er im Weinberg unterwegs. Dort lernte er das Winzerhandwerk von der Picke auf, eine gute Basis für seine heutige Tätigkeit im Vertrieb der Kellerei Andrian.

Wir waren mit Sales Manager Philipp Nocker (re.) in den Weinbergen am Fuße des Gantkofels unterwegs / © Redaktion FrontRowSociety.net

Weine der Kellerei Andrian werden je nach Qualität des Traubenmaterials in einer Traditions- sowie in einer Selektionslinie hergestellt. Die klassischen Weine baut der Kellermeister als Jahrgangswein im Edelstahltank aus.

Für die Weine der Selektionslinie verwendet die Kellerei Trauben von ausgesuchten Lagen mit älteren, ertragsärmeren Reben. Der Ausbau erfolgt im Tonneaux bzw. Barrique.

Die Edelstahltanks für die Terlaner Weißweine stehen hier in Reih und Glied und über dem Eingang wacht die Statue des Heiligen Urban / © Redaktion FrontRowSociety.net

Die erste Gärung erfolgt vier Tage lang temperaturkontrolliert im Edelstahltank unter den wachsamen Augen des Heiligen Urban, dem Schutzpatron der Weinbauern. Anschließend wird der Wein in die Tanks des zweiten Gärkellers gepumpt. Weine der Kellerei Andrian sind eine eigenständige Marke, werden jedoch seit der Fusion auf dem Terrain der Kellerei Terlan von dessem Kellermeister hergestellt.

Angekommen im “Rotweinkeller”. Auch hier muss der Protokollführer ganze Arbeit leisten: Weinbauer, Parzelle, Sorte und der Tag der Ernte werden explizit notiert / © Redaktion FrontRowSociety.net

Das Hefelager wird hier täglich aufgerührt, bis der Kellermeister die Zeit als gekommen sieht, sodann mit der Abfüllung in Holzfässer zu beginnen. Der dritte Keller präsentiert sich ganz im Geschmack von Weinliebhabern, gut gefüllt mit den Weißweinen Andrius und Doran oder mit den roten Selektionsweinen Gant und Tor di Lupo.

Der Gang zum Raritätenkeller hat etwas Mystisches / © Redaktion FrontRowSociety.net
Als Hommage an das Terroir wurde der gesamte Keller mit Porphyrgestein ausgekleidet / © Redaktion FrontRowSociety.net

Aushängeschilder wie Doran, Andrius oder Tor di Lupo gehören zu den besten Weinen Italiens. Bereits bevor diese Weine ihr Lager verlassen dürfen, sind sie vergriffen. Und die Prämierungen liegen beständig in den höchsten Bereichen. Der Andrius Sauvignon Blanc 2017 wurde trotz Hagel- und Frostschäden mit einem Ernteausfall von zirka 40 Prozent zum besten Sauvignon Italiens gekürt. James Suckling bewertete ihn mit 94 Punkten und Robert Parker vergab für den 2016er 93 Punkte.

Der Prunksaal unter Tage: Auch dem Obmann der Kellerei wurde ein Prunkfass gewidmet / © Redaktion FrontRowSociety.net

Der Süßwein Juvelo Gewürztraminer Passito 2016 erhielt vom Wine Spectator 94 Punkte, Tor di Lupo Lagrein Riserva 2015 92 Punkte, welche dem Wein – nach unserem dafür sein – nicht gerecht werden. Mindestens 95 Punkte sollte Robert Parker diesen großartigen Lagrein doch wert sein.

Flüssige Kunstwerke lagern im Raritätenkeller der Kellerei Terlan / © Redaktion FrontRowSociety.net

Eine besondere Rarität ist die Terlaner Cuvée aus Weißburgunder, Sauvignon Blanc und Chardonnay. Der ehemalige Kellermeister Sebastian Stocherl entwickelte diesen Ausnahmewein mit einer speziellen, nach ihm benannten Ausbaumethode. Durch seine Sur-Lie-Methode, gleichbedeutend auf der Hefe, entsteht ein besonderer Tropfen. Mindestens 10 Jahre liegt der Wein auf der Feinhefe, 9 Jahre unter Druck im Edelstahltank und 1 Jahr im Champagnerfass.

Im Raritätenkeller der Kellerei Terlan lagern unbezahlbare Kostbarkeiten wie die Terlaner Cuvée aus dem Jahr 1979 / © Redaktion FrontRowSociety.net

Miil – kulinarisches Versteck im Etschtaler Tscherms

Dem Fluss Etsch folgend, gelangt man in lediglich 20 Minuten zu einem kulinarischen Versteck. Der Miil. Aus der Unkenntnis heraus wären wir an den dichten Hecken vorübergefahren, Gott sei Dank wusste Philipp Nocker um diesen Gourmetflecken.

Miil – zwangloses Ambiente im Stil eines Gartenrestaurants / © Redaktion FrontRowSociety.net

Ottmar Raich, der Inhaber der ehemaligen Mühle, versteht es in seinem Restaurant und erst recht in seinem Garten, ein zwangloses, ländliches Ambiente zu schaffen. Zwischen Olivenbäumen und riesigen Lavendelbüschen platzierte er stylische Leuchten, über den kiesbedeckten Boden laufen Hühner, die sich unter dem Blätterdach der Bäume ein schattiges Plätzchen suchen.

Platz nehmen an der Gartenbar im Grünen / © Redaktion FrontRowSociety.net

Ottmar Raich sieht sich in erster Linie als Gastgeber, in dessen Umgebung sich die Menschen wohlfühlen sollen. Dabei lies er sich von den besten Köchen der Welt inspirieren, unter anderem führte ihn sein Weg auch zu Heinz Winkler.

Ottmar Raich (mi.) kredenzt ambitionierte Gericht mit heimischen Produkten / © Redaktion FrontRowSociety.net

Entwickelt hat er eine Gourmetküche, die durch Präsentation, Präzision und Geschmack überzeugt, ohne dabei die Bodenhaftung zu verlieren. So gelingt ihm die Ceviche Alpin besser als manchem besternten Koch und sein Tatar vom Südtiroler Grauvieh entbehrt keiner Raffinesse.

Auf der Speisekarte findet man pochierten Oktopus auf bunten Tomaten, Panzanella und Tapenade von Oliven und Kapern / © Redaktion FrontRowSociety.net
Warme Vorspeise: Kalte Gurkensuppe mit Avocado und Schwarzbrotcracker / © Redaktion FrontRowSociety.net

Ohne einschlägige Bewertungskriterien bereitet der sympathische Gastgeber ein auf den Punkt gebratenes Entrecôte mit frischen Steinpilzen und Trüffel zu oder einen zarten Seeteufel mit Tomate und Miesmuscheln.

Für Pastafans: Tortelli mit Ossobucofülle, Safranfond und Schmorkarotte / © Redaktion FrontRowSociety.net
Für Fleischliebhaber: rosa gebratenes Entrecôte mit frischen Steinpilzen, schwarzem Trüffel und Kartoffel / © Redaktion FrontRowSociety.net

Doch nicht nur der hervorragenden Küchen wegen suchen Gäste das Restaurant Miil auf, die Weinkarte mit Augenmerk auf Italien und Burgund sei fast schon legendär, verrät Philipp Nocker. Er muss es schließlich wissen.

Das historische Gefüge kommt im Inneren des Restaurants zum Ausdruck / © Redaktion FrontRowSociety.net
Mit dem neuen Erweiterungsbau schuf man eine gelungene Symbiose von Vergangenheit und Gegenwart / © Redaktion FrontRowSociety.net

Dabei gehört zu Ottmars Reich ein 7 Hektar umfassendes Weingut, der Kränzelhof. Dieser historische Landsitz mit seinem Weinkeller, den Gärten sowie der Kunst, ist ein Ort, den es zu einem anderen Zeitpunkt zu entdecken gilt. Denn der Langsamkeit sollte an jenem Ort der Genüsse Raum gegeben werden.

Für Entdecker: der historische Landsitz Kränzelhof ist von sieben Gärten umgeben / © Redaktion FrontRowSociety.net

Neben den essentiellen, kulinarischen Adressen sollte der Besuch eines Weingutes unbedingt eingeplant werden. Es lohnt sich, einen Blick hinter die Kulissen zu werfen. Die Arbeit der Winzer ist spannend genug, um erzählt zu werden. Im Frühjahr und Sommer kann die Cantina Terlan regelmäßig besichtig und natürlich Wein verkostet werden.

Die Kellerei Terlan beeindruckt innen wie außen im Gestein des Terroirs, Porphyr / © Redaktion FrontRowSociety.net

Dieses ist ein redaktionell erstellter Artikel, der durch externe Unterstützung möglich gemacht wurde. Die Unterstützung hat jedoch keinen Einfluss auf den hier abgebildeten Inhalt. Es gilt der Redaktionskodex.