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Ja, welcher gestandene Weinfreund hätte das gedacht: Bordeaux verändert sich! Doch beginnen wir mit einem Zitat von Heraklit: „Die einzige Konstante im Universum ist die Veränderung“. Panta rhei – alles fließt. Und dieser Fluss des Wandels ist inzwischen auch im Bordelais spürbar. Junge Winzer brechen mit alten Codes und bringen Weine mit einem frischen, fruchtigen Charakter auf den Markt.

Bordeaux – mehr Frucht und alte Rebsorten

Bordeaux passt sich den Kundenwünschen an. Moderne Etiketten und ein attraktives Preis-Genuss-Verhältnis kennzeichnen die Weine der neuen Winzer-Generation. Und die haben ihre Hausaufgaben gemacht: zukunftsweisende Arbeiten im Weinberg sowie im Keller lassen fruchtbetonte Weine entstehen, mit wenig Holzeinsatz, einfach jung und unkompliziert. Ein angenehmer Trinkfluss ist entscheidend! Ihre Weine sollen bereits jung Spaß machen. Na dann: Cheers!

Die Gläser stehen bereit für die Blindverkostung
Tasting: Bordeaux steht wie kaum ein anderes Weinbaugebiet für extraktreiche, tanninhaltige Rotweine / © Redaktion frontrowsociety.net

Bislang galt die Cuvée aus den drei Sorten Merlot (66%), Cabernet Sauvignon (22%) und Cabernet Franc (9%) als Dogma. Damit schrieb man Weingeschichte! Trotz der Wiederentdeckung der heimischen Bordelaiser Rebsorten Malbec, Petit Verdot und Carménère dominieren die Reben des klassischen Trios noch immer die Weingärten. Die neue Herausforderung heißt, eine mutige Assemblage zu kreieren. Doch auch in der Weinbereitung vollziehen sich bahnbrechende Umwälzungen. Kürzere Maischezeiten, sanfte Extraktionen, Verwendung von Hefen aus dem Weinberg sowie das Arbeiten mit Schwerkraft statt mit Pumpen geben den Weinen jene gewollte Fruchtigkeit.

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Neue Wege zu alten Methoden werden jetzt in Bordeaux beschritten / © Redaktion FrontRowSociety

Während die Rotweine traditionell im Holzfass – speziell im Barrique – ausgebaut wurden, entwickelt sich heute der Trend hin zum Stahl- und Betontank sowie zum Ausbau in der Tonamphore auf der Feinhefe. Besonders positiv ist das Umdenken die Umwelt betreffend zu bewerten, gerade in Bordeaux. Das Engagement für Nachhaltigkeit trägt langsam Früchte. Inzwischen sind bereits 75 Prozent der Rebfläche in öko-relevanten Programmen zertifiziert.

Sechs Weine im neuen Bordeaux-Stil

Protagonist dieser sechs Weine ist die Rebsorte Merlot. Dabei war über ihr Aus in Bordeaux bereits in einschlägigen Fachmagazinen zu lesen. Doch die Sorte passt sich an und die Jungwinzer verändern die Rahmenbedingungen im Weinberg. Am besten schnitten die Weine aus den Parzellen mit ton- und kalkhaltigen Böden ab. Die Qualitäten waren überzeugend, fruchtbetont, ohne überreif zu sein. 

Rote Bordeaux - jung, frisch und ganz anders als erwartet
Rote Bordeaux – jung, frisch und ganz anders als erwartet / © Redaktion FrontRowSociety.net

Château Bois de la Gravette 2020 – AOC Moulis-en-Médoc

Auftakt mit einem Bio-Wein! Wir finden jeweils hälftig Merlot und Cabernet Sauvignon im Glas. Château Bois de la Gravette 2020 ist der erste Jahrgang der jungen Weinmacherin Lucie Mancais. Gerade einmal 4,5 Hektar bewirtschaftet sie und produziert lediglich drei Rotweine. Die Trauben des Château Bois de la Gravette gedeihen in den Parzellen der Gemeinde Listrac Médoc. Zwar ist diese Cuvée klassisch vinifiziert, wird jedoch 10 Monate im Edelstahl ausgebaut. Wer eine Flasche öffnet, wird von dem fruchtigen, geschmeidigen, ja ungeschminkten Stil der erst 23 Jahre jungen Französin überzeugt sein.

Château Bois de la Gravette 2020 – AOC Moulis-en-Médoc / © Redaktion FrontRowSociety.net

Le Piaf Château Daugay 2021 – AOC Saint-Émilion

Nun steht ein reinsortiger Merlot auf dem Plan. Die 20 Jahre alten Merlot-Reben wachsen auf einer für das Bordelais eher untypischen Bodenstruktur aus Kies, Sand und Lehm. Zudem wird in dieser 1,1 Hektar großen Parzelle nachhaltiger Weinbau betrieben, der mit dem Verzicht auf Herbizide einhergeht. Der Boden verleiht dem Merlot blumige Noten und Aromen von frischen roten Früchten. Den letzten Schliff bekommt der Wein im Keller. Maischezeit im Edelstahl, kurze Kaltmazeration, Gärung bei niedriger Temperatur, eine sanfte Extraktion sowie der sechsmonatige Ausbau im Ovoid-Ei auf der Hefe runden sein vollmundiges Geschmacksprofil ab.

Le Piaf Château Daugay 2021 – AOC Saint-Émilion / © Redaktion FrontRowSociety.net

Les Aigles d’Anthonic 2020 – AOC Moulis-en-Médoc

Für diesen Wein trifft Merlot auf eine homöopathische Dosis Petit Verdot. Lediglich vier Prozent machen seinen Anteil aus. Mit diesem Zweitwein präsentiert Familie Cordonnier einen vollmundigen, nach reifen Kirschen duftenden Rotwein mit einem satten Körper sowie einem samtigen, finessenreichen Abgang. Seit einigen Jahren hat sich die Familie dem naturnahen Anbau ihrer Reben verschrieben. Zudem finden Entwicklungen im Keller statt. So reifen Weine auf dem Bio-Weingut nicht nur in den typischen Barriques, sondern es kommen auch Amphoren zum Einsatz.

Les Aigles d’Anthonic 2020 – AOC Moulis-en-Médoc / © Redaktion FrontRowSociety.net

Encore Soif 2020 – AOC Bordeaux

Auf einem ton- und kalkhaltigen Plateau namens „La Croupe de Lestang“ wachsen die Reben für diesen reinsortigen Merlot. Die Trauben wurden vollreif geerntet. Darauf folgte eine ausgedehnte Maischegärung mit mäßiger Extraktion. Ein besonderes Anliegen ist das Herausarbeiten der typischen Eigenschaften des Merlot. So empfängt den Weinfreund eine kräftige rote Farbe sowie eine ausdrucksstarke Nase von Kirschen und überreifen schwarzen Früchten. Die Tannine sind wunderbar eingebettet und die Frische, die den Wein auszeichnet, hält sich sehr lang am Gaumen.

Encore Soif 2020 – AOC Bordeaux / © Redaktion FrontRowSociety.net

Château Lestrille Le Secret 2016 – AOC Bordeaux Supérieur

Erneut haben wir einen reinsortigen Merlot im Glas. Seit fünf Generationen, genauer gesagt seit 1901, ist das Château Lestrille in Familienbesitz. Schon in den frühen 1980er Jahren fand die Umstellung auf eine biologische, nachhaltige Bewirtschaftung mit anschließender Zertifizierung statt. Handarbeit im Weinberg, bei der Lese sowie bei der Selektion, Ertragsreduzierung und ein ausgeklügeltes Begrünungsmanagement sind einige der Qualitätsmerkmale des Weinguts. Ein Jahr reift der Wein im Barrique. Dies schlägt sich unter anderem in den feinen Vanille- bzw. Brioche-Noten nieder. Dazu findet man komplexe schwarze Fruchtaromen und gut eingebundene Tannine.

Château Lestrille Le Secret 2016 – AOC Bordeaux Supérieur / © Redaktion FrontRowSociety.net

Château Le Thil 2018 – AOC Pessac Léognan

Nun sprechen wir über eine Vermählung aus 95 Prozent Merlot und 5 Prozent Cabernet Franc. Die Reben dieses modernen, fruchtigen Bordeaux wurden auf einem eher lehmigen Boden mit kalkhaltigem Untergrund gepflanzt. Beim Ausbau wird hier noch ganz traditionell im alten Bordeaux-Stil gearbeitet. Vier bis sechs Wochen Maischestandzeit und Gärung im Edelstahl. Rund 14 Monate reift der Wein in Eichenfässern, 30 Prozent sind davon sind neu. Das Resultat ist eine granatrote Cuvée, die den Duft von Kirschen und reifen Pflaumen verströmt. Am Gaumen zeigen sich schwarze Früchte sowie eine frische Mineralik. Dies ist ein wirklich exklusiver Tropfen mit seiner vollmundigen Geschmeidigkeit. 

Château Le Thil 2018 – AOC Pessac Léognan / © Redaktion FrontRowSociety.net

Wer einmal etwas Neues wagen will, macht sich auf den Weg, die fruchtige Seite von Bordeaux zu entdecken. 

Dieses ist ein redaktionell erstellter Artikel, der durch externe Unterstützung möglich gemacht wurde. Die Unterstützung hat jedoch keinen Einfluss auf den hier abgebildeten Inhalt. Es gilt der Redaktionskodex.

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