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Als im Jahr 1935 Möbel, Vertäfelungen und Lampen in 65 Fuhren vom Hafen Pinneberg in das Hotel Stadt Hamburg gebracht wurden, war sich die Bevölkerung sicher: „Da ziehen Verrückte ein!“ Wer sonst würde das prunkvolle Interieur eines ausrangierten Luxusliners in ein Hotelgebäude einbauen? Doch dieser vermeintliche Wahnsinn entpuppte sich als geniale Idee – das Hotel Cap Polonio war geboren.

Cap Polonio – das Erbe eines Dampfschiffs

Die Geschichte dieses außergewöhnlichen Hauses ist eng mit der der gleichnamigen „Cap Polonio“ verknüpft. Das Dampfschiff, 1914 bei Blohm + Voss vom Stapel gelaufen, sollte als Flaggschiff der Hamburg-Südamerikanischen Dampfschifffahrtsgesellschaft die Verbindung nach La Plata bedienen. Doch der Ausbruch des Ersten Weltkriegs machte dem Schiff einen Strich durch die Rechnung. Die „Cap Polonio“ stach 1922 erstmals offiziell in See. Die Begeisterung war riesig: In Buenos Aires standen die Menschen Schlange, um einen Blick auf das prachtvolle Schiff zu erhaschen. Der Wintergarten, das großzügige Schwimmbad und eine eigene Bordgärtnerei beeindruckten Passagiere und Besucher gleichermaßen. Bis 1926 transportierte das Schiff über 52.000 Passagiere und erwirtschaftete einen beachtlichen Gewinn. Doch die Konkurrenz war schnell, so dass das Schiff nur noch einige Jahre als Messeschiff und Vergnügungsdampfer diente, bis es 1935 endgültig nach Bremerhaven überführt und abgewrackt wurde.

Heute befindet sich das elegante Interieur der Cap Polonio im gleichnamigen Hotel in Pinneberg
Heute befindet sich das elegante Interieur der Cap Polonio im gleichnamigen Hotel in Pinneberg / © FrontRowSociety.net, Foto: Carola Faber

Charmantes Interieur

Ihr Erbe lebt aber weiter – nicht auf dem Wasser, sondern an Land. Otto Olbers, einst leitender Ingenieur der „Cap Polonio“, sicherte sich das elegante Interieur und ließ es in sein Hotel in Pinneberg einbauen. Ein Jahr dauerte es, bis alle Elemente – von den Rosenholzvertäfelungen bis zu den Messinglampen – ihren neuen Platz gefunden hatten. Seither ist das Hotel Cap Polonio ein Ort voller Geschichte, eine Hommage an die goldene Ära der Luxusliner. Noch heute spüren Gäste die besondere Atmosphäre des Hauses, das nicht nur kulinarische Erlebnisse, sondern auch einen einzigartigen Einblick in die maritime Vergangenheit Deutschlands bietet. Seit Generationen ist das Haus ein Familienbetrieb. 2004 arbeitet mit Marc M. Ostermann und Philipp Harder-Lobe bereits die vierte Generation in dem Hotel.

Marc M. Ostermann begann seine kulinarische Laufbahn in ausgezeichneten Häusern. Die Ausbildung im renommierten Hotel Vier Jahreszeiten Hamburg legte den Grundstein für eine beeindruckende Karriere, die ihn durch hervorragende Restaurants wie das Haerlin in Hamburg, das Margaux in Berlin und das Louis C. Jacob führte. Mit diesem erstklassigen Erfahrungsschatz trat er 2004 in die Fußstapfen seiner Familie und übernahm als Küchenchef die kulinarische Leitung des traditionsreichen Hotels Cap Polonio – ein Ort, an dem er seither Genusskultur auf höchstem Niveau zelebriert.

Chefkoch Marc M. Ostermann hat in vielen ausgezeichneten Häusern und Restaurants gearbeitet
Chefkoch Marc M. Ostermann hat in vielen ausgezeichneten Häusern und Restaurants gearbeitet / © FrontRowSociety.net, Foto: Carola Faber

Eine Reise für die Sinne – im Ambiente der Cap Polonio

Ein Abend voller raffinierter Aromen beginnt mit einer Hommage an die Nordsee: Feinste Nordseekrabben von Urthel aus Friedrichskoog treffen auf die frische Leichtigkeit von Apfel und Sellerie, umspielt von der nussigen Eleganz piemontesischer Haselnüsse und der feinen Würze von Dillöl. Dazu gefällt ein 2023/7-Terroirs-Riesling vom Weingut Hermannsberg mit seiner Mineralität und Frische. Mit dem schottischen Lachs „Label Rouge“ im Kräutermantel setzt sich die Reise fort – begleitet von samtiger Crème fraîche, zartem grünem Spargel und der duftenden Intensität der Amalfi-Zitrone. Die subtile Säure und die feine Frucht des Rieslings runden dieses Ensemble perfekt ab.

Feinste Nordseekrabben von Urthel aus Friedrichskoog treffen auf die frische Leichtigkeit von Apfel und Sellerie
Feinste Nordseekrabben von Urthel aus Friedrichskoog treffen auf die frische Leichtigkeit von Apfel und Sellerie / © FrontRowSociety.net, Foto: Carola Faber

Ein sanfter Übergang führt zu einer delikaten Zwischennote: Das Zweierlei Süppchen von der Ente entfaltet seine aromatische Tiefe, bevor ein pochiertes Landei vom Hof Ramcke mit Rahmspinat, der würzigen Belper Knolle und feinem Trüffel den Gaumen umschmeichelt. Dazu passt der 2023 Pinot Grigio vom Weingut Elena Walch aus Südtirol mit seinem harmonischen Körper und den feinen nussigen Nuancen.

Der schottische Lachs „Label Rouge“ im Kräutermantel wird von geschmeidiger Crème fraîche und zartem grünen Spargel umspielt
Der schottische Lachs „Label Rouge“ im Kräutermantel wird von geschmeidiger Crème fraîche und zartem grünen Spargel umspielt / © FrontRowSociety.net, Foto: Carola Fab

Kraft der Natur

Der folgende Gang zelebriert die Kraft der Natur: Ein rosa gebratener Rücken vom Heidereh wird kunstvoll mit Essigkirschen, roh mariniertem Spitzkohl und cremigem Topinambur serviert. Ein gebräunter Serviettenknödel sorgt für rustikalen Genuss, während der 2021 Spätburgunder-Merlot vom Weingut Acham-Magin mit samtigen Tanninen und dunkler Frucht die erdigen Aromen perfekt einbindet.

Nicht minder beeindruckend präsentiert sich das „Bœuf bourguignon“: zart geschmorte Ochsenbäckchen in intensiver Rotweinsauce, begleitet von süßlichen Rübchen, roten Perlzwiebeln, geräuchertem Speck und aromatischen Champignons. Die cremige Kartoffelmousseline mit Schnittlauch macht diesen Gang vollends unwiderstehlich. Hierzu entfaltet der 2020 Cabernet Sauvignon vom Weingut Allesverloren aus Südafrika seine kraftvolle Struktur und würzigen Anklänge – ein perfektes Pendant zu diesem geschmacksintensiven Gericht.

Der rosa gebratene Rehrücken wird kunstvoll mit Essigkirschen, roh mariniertem Spitzkohl und cremigem Topinambur serviert
Der rosa gebratene Rehrücken wird kunstvoll mit Essigkirschen, roh mariniertem Spitzkohl und cremigem Topinambur serviert / © FrontRowSociety.net, Foto: Carola Faber
Zart geschmorte Ochsenbäckchen in intensiver Rotweinsauce werden von süßlichen Rübchen, roten Perlzwiebeln, geräuchertem Speck und aromatischen Champignons begleitet
Zart geschmorte Ochsenbäckchen in intensiver Rotweinsauce werden von süßlichen Rübchen, roten Perlzwiebeln, geräuchertem Speck und aromatischen Champignons begleitet / © FrontRowSociety.net, Foto: Carola Faber

Süßes Finale mit erfrischender Säure

Zum süßen Finale überrascht ein Sauerampfer-Eis mit seiner erfrischenden Säure, umspielt von schaumigem Joghurt, Tannenzapfengranité und knusprigem Baiser. Die feine Kräuterwürze des „Aufgesetzten“ Pein’s Tannenzapfen schließt diesen Abend ab – ein harmonischer Ausklang eines Menüs, das die Kunst der gehobenen Kulinarik in Perfektion verkörpert.

Ebenfalls sehr gelungen: Sauerampfer-Eis im Zusammenspiel mit schaumigem Joghurt, Tannenzapfengranité und knusprigem Baiser
Ebenfalls sehr gelungen: Sauerampfer-Eis im Zusammenspiel mit schaumigem Joghurt, Tannenzapfengranité und knusprigem Baiser / © FrontRowSociety.net, Foto: Carola Faber

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