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Kontrast zu Tokio: Die alte Kaiserstadt Kyoto ist für ihren ruhigen, kontemplativen Charakter bekannt. Trotzdem gibt es hier ein großes Netz aus Sehenswürdigkeiten – vom Kaiserpalastgarten bis zu den unzähligen Tempeln und Schreinen. Mein persönliches Highlight: das Onsen im Ryokan.

Zugegeben: Japanische Städte sind alles andere als klein. Bereits beim Landeanflug erkennt man ihre unglaublichen Größendimensionen. Trotzdem zählt Kyoto, im Vergleich zu Tokio, mit knapp eineinhalb Millionen Einwohnern nur als mittelgroße Stadt. Hier kann man das Reisen also durchaus etwas langsamer angehen lassen. Viele mieten sich hier gern ein Rad – und erkunden die Stadt auf diese Weise.

Straßenansicht von Kyoto
Straßenansicht von Kyoto / © FrontRowSociety.net, Foto: Anna Engberg

Die Stadt der tausend Tempel: Wohin zuerst?

Grundsätzlich muss man in Japan erst einmal zwischen buddhistischen Tempeln und Shinto-Schreinen unterscheiden lernen. Mit 90 Mio. Shintoisten und 85 Mio. Buddhisten sind beide Strömungen gleichermaßen präsent. Allein in Kyoto gibt es 400 Shinto-Schreine, erkennbar an ihren roten Torbögen (Torii), und sogar 1600 buddhistische Tempel. Da stellt sich unweigerlich die Frage: Wohin zuerst?

Die Keihan Railway verbindet im Osten Kyotos ein ganzes Netz aus Sehenswürdigkeiten
Die Keihan Railway verbindet im Osten Kyotos ein ganzes Netz aus Sehenswürdigkeiten / © FrontRowSociety.net, Foto: Anna Engberg

Einige ikonische Tempel und Schreine sollte man bei einer Reise nach Kyoto unbedingt mitnehmen – so zum Beispiel den spektakulären, buddhistischen Tempel Kiyumizu-dera. Etwas beschaulicher, dafür aber nicht weniger historisch, ist der Zen-Tempel Kenninji – ebenfalls ein guter Ausgangspunkt für Japan-Newbies.

Kenninji, ein buddhistischer Tempel mit Zen-Garten in Kyoto
Kenninji, ein buddhistischer Tempel mit Zen-Garten in Kyoto / © FrontRowSociety.net, Foto: Anna Engberg

Doch was hat es mit den Shinto-Schreinen auf sich? Vielfach als „Religion“ bezeichnet, ist der Shintoismus eigentlich eine kulturell gelebte, spirituelle Praxis. Die Schreine sind die heiligen Stätten der Shintoisten. Beim Betreten reinigt man sich an einem Waschpavillon Mund und Hände. Verehrt wird das Göttliche in der Natur, etwa im Wald, aber auch spirituelle Geister, die man „Kami“ nennt. Ebenso wichtig: Die Harmonie zwischen den Menschen.

Die Japaner suchen die Shinto-Schreine regelmäßig auf und bitten dort um die Erfüllung ihrer Wünsche. Jeder Schrein kann dabei eine eigene Bedeutung haben, z.B. kann er für Gesundheit, persönliches Glück oder für beruflichen Erfolg stehen. Mit Münzen, Klatschen und tiefen Verbeugungen erweisen die Japaner den Geistern in den Shinto-Stätten ihren Respekt. Der Besuch solcher Schreine ist deshalb ein kultureller Punkt auf jeder Japan-Reise – nicht zuletzt, weil man so beim Reisen etwas spirituellen Flair schnuppern kann.

Yasaka-Schrein, eine wichtige Shinto-Stätte in Kyoto
Yasaka-Schrein, eine wichtige Shinto-Stätte in Kyoto / © FrontRowSociety.net, Foto: Anna Engberg

In Kyoto ist z.B. der Yasaka-Schrein eine sehr gute erste Adresse, um sich mit der Shinto-Praxis vertraut zu machen. Für einen Tagesausflug lohnt sich außerdem der Fushimi Inari Taisha. Viele Japaner holen sich beim Besuch der Schreine und Tempel ein sogenanntes „Omikuji“: Es handelt sich um Papierstreifen mit Wahrsagungen für das persönliche Glück. Diese Prophezeiungen sind überaus beliebt.

Bergwanderung beim Fushimi Inari Taisha

10.000 leuchtend orangerote Torbögen hat man am Fuchs-Schrein Fushimi Inari Taisha entlang des Berges Inari im südlichen Kyoto in langen Reihen aufgestellt. Wer ganz hindurchgeht, kommt bis zur Bergspitze und noch weiter bis zur Aussichtsplattform Yatsutsuji. Unterwegs begegnen einem viele Fuchs-Statuen. Sie sollen Boten von „Inari“ sein, dem Gott, der für Reis, Fruchtbarkeit und Füchse steht. Für die Wanderung empfehlen sich in jedem Fall bequeme Schuhe.

Fushimi Inari Taisha, eine wichtige historische Shinto-Stätte in Kyoto
Fushimi Inari Taisha, eine wichtige historische Shinto-Stätte in Kyoto / © FrontRowSociety.net, Foto: Anna Engberg

Malerische Einkaufsstraßen: Die Altstadt Gijon

Gijon gilt als das mit Abstand beliebteste Viertel in Kyoto. Oftmals wird es auch als Geisha-Viertel bezeichnet. Warum? Tatsächlich ist es hier unter Besuchern durchaus üblich, sich einen hübschen Kimono zu mieten und damit auf einen Foto-Spaziergang zu gehen. Echte Geishas – ein traditioneller weiblicher Beruf im alten Japan – gibt es hier natürlich mitunter auch anzutreffen – ebenso wie traditionelle Teehäuser.

Das beliebte Altstadtviertel Gijon mit Geisha-Kultur, Teehäusern und Pagode
Das beliebte Altstadtviertel Gijon mit Geisha-Kultur, Teehäusern und Pagode / © FrontRowSociety.net, @ Foto: Anna Engberg

Wer Zeit mitbringt, bucht am besten eine richtige Tee-Zeremonie. Dabei wird nicht nur klassischer Matcha Tee auf sehr achtsame Weise zubereitet und getrunken, oftmals werden dabei auch japanische Süßigkeiten wie z.B. Yatsuhashi verköstigt.

Yatsuhashi und Grüntee gibt es in Gijon an jeder Ecke
Yatsuhashi und Grüntee gibt es in Gijon an jeder Ecke / © FrontRowSociety.net, @ Foto: Anna Engberg

Auf den gepflasterten Einkaufsstraßen Gijons findet man unzählige kleine Shops, Restaurants und natürlich jede Menge japanische Souvenirs. Im Zentrum steht der wunderschöne Pagode-Tempel Hokan-ji. Die besonders beliebte Einkaufsstraße Ninenzaka ist malerisch geschwungen, alle Gebäude hier stehen unter Denkmalschutz. Außer Keramik, Messern und Papierschirmen lässt sich hier auch kulinarisch viel entdecken: Dango (süße Reisbällchen mit Sojasoße) am Spieß beispielsweise.

Dango: Klebreisbällchen mit Soja-Soße
Dango: Klebreisbällchen mit Soja-Soße / © FrontRowSociety.net, @ Foto: Anna Engberg

Ausblick über Kyoto: Der Tempel Kiyomizu-dera

Läuft man die Einkaufsstraßen von Gijon bis ganz nach oben, kommt man schließlich am wunderschönen, buddhistischen Tempel Kiyomizu-dera an. Sein leuchtendes Rot sieht man schon von weitem. Von nahem staunt man über die kunstvolle Bemalung der Baulichkeiten – aber auch über die Vielzahl an Besuchern. Der Tempel ist vor allem deshalb so beliebt, weil er so weit oben liegt und man von ihm aus über ganz Kyoto blicken kann. Bei klarem und sonnigem Wetter – in Japan auch im Winter häufig der Fall – ist diese Aussicht ganz fantastisch. Wer bis zum Sonnenuntergang bleibt, wird dies mit Sicherheit nicht so schnell vergessen.

Kiyomizu-dera, eine buddhistische Tempelanlage mit Ausblick auf ganz Kyoto
Kiyomizu-dera, eine buddhistische Tempelanlage mit Ausblick auf ganz Kyoto / © FrontRowSociety.net, @ Foto: Anna Engberg

Oase in der Großstadt: Der Kaiserpalastgarten

Was wäre ein Besuch Kyotos ohne den Besuch des Kaiserpalastes? Richtig: Nicht vollständig. Der Eintritt in den Palast ist erfreulicherweise kostenlos, ebenso wie der Besuch des umliegenden Palastgarten. Lediglich einen Sicherheitscheck muss man passieren. Das Gebäude, früher Sitz der japanischen Kaiser, beeindruckt durch seine schlichte, traditionelle Architektur.

Kyotos Kaiserpalast von außen
Kyotos Kaiserpalast von außen / © FrontRowSociety.net, Foto: Anna Engberg

Während man sich für eine Führung durch die Innenräume anmelden muss, kann man durch den Palastgarten ganz einfach so flanieren. Und das lohnt sich: Der Kaiserpalastgarten ist eine grüne Oase, die mit malerischen Teichen, geschwungenen Brücken und Steinformationen – umrahmt von farbenfrohen Kirschbäumen, Fächerahorn und Schwarzkiefern, zur Entspannung und Kontemplation einlädt.

Der Kaiserpalastgarten im Winter
Der Kaiserpalastgarten im Winter / © FrontRowSociety.net, Foto: Anna Engberg

Arashiyama und der Bambuswald

Kyotos Bambushain gilt als touristisch – und das ist er in der Tat. Trotzdem kann man den Besuch zu einem schönen Erlebnis werden lassen, wenn man sehr früh am Morgen oder erst spät am Abend hierher kommt. Wem das angrenzende Viertel Arashiyama zu überlaufen ist, holt sich am besten eine leckere Bento-Box und seilt sich zum Picknicken ans Ufer des Flusses Katsura ab: Hier, an der berühmten Togetsu-kyo Brücke, einem Wahrzeichen Kyotos, ist es besonders zur Kirschblütenzeit (Sakura) und im Herbst sehr malerisch.

Bambuswald von Kyoto: Viele Touristen machen das Fotografieren schwer
Bambuswald von Kyoto: Viele Touristen machen das Fotografieren schwer / © FrontRowSociety.net, @ Foto: Anna Engberg

Weitere Entdeckung in Kyoto gibt es hier: Unterwegs in Kyoto: Food, Märkte & Entdeckungen

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