Wir sind in dem Hubschrauber der True North unterwegs. Unter uns der regenverhangene Dschungel, in dem Alan, unser Pilot, mithilfe einer App die Lande-Position sucht. Kurzfristig hat die True North von der Flugsicherung für Bougainville die Freigabe für die Route erhalten, die so ähnlich wohl auch der der japanische Admiral Yamamoto Isoroto für sein kleines Geschwader am 18. April 1943 gewählt haben dürfte. Admiral Yamomoto, der mit dem japanischen Angriff auf Pearl Harbor Amerikas Eintritt in den Zweiten Weltkrieg auslöste, blieb, so lange er lebte, für die Vereinigten Staaten ein gefährlicher Gegner. Nachdem der amerikanische Geheimdienst einen verschlüsselten japanischen Funkspruch dekodieren konnte, nahm die Operation Vengeance (Rache) ihren Lauf.

Navigiert wird im Hubschrauber der True North mithilfe eines Tablets / © FrontRowSociety.net, Foto: Georg Berg
Navigiert wird im Hubschrauber der True North mithilfe eines Tablets / © FrontRowSociety.net, Foto: Georg Berg

Anders als die mit der Geschichte des Weltkriegs im Pazifik vertrauteren Australier habe ich keine besonderen Erwartungen an das einsam im undurchdringlichen Hinterland liegende Flugzeugwrack. Doch der Verlauf unserer Mission soll zu einem einprägsamen Erlebnis werden.

In der Bar-Lounge der True North gibt Papua Neuguinea Experte Simon Tewson landeskundliche Auskünfte und hält den Kontakt zu einer Reihe von lokalen Ansprechpartnern / © FrontRowSociety.net, Foto: Georg Berg
In der Bar-Lounge der True North gibt Papua-Neuguinea-Experte Simon Tewson landeskundliche Auskünfte, wenn er nicht gerade den Kontakt zu einer Reihe lokaler Ansprechpartner hält / © FrontRowSociety.net, Foto: Georg Berg

Vor 40 Minuten sind wir bei klarem Wetter von unserem Schiff, der True North, gestartet und vom Cockpit aus sucht der Pilot Alan zusammen mit Simon gemeinsam die Stelle, an der wir erwartet werden. Simon hat mit den Bewohnern eines zwei Stunden entfernten Dorfes verabredet, dass sie in der Nähe der Absturzstelle einen kleiner Flecken für unsere Landung vorbereiten sollen. Straßen oder gut sichtbare Markierungen sind im Dschungel nicht zu erkennen. Auch das Flugzeugwrack selbst ist durch die Vegetation getarnt. Zudem schütteln unterwegs starke Regenschauer mit schlechter Sicht unseren Helikopter.

Aus der Luft sind zuerst die farbigen Schirme der uns erwartenden Menschen zu erkennen / © FrontRowSociety.net, Foto: Georg Berg
Aus der Luft sind zuerst die farbigen Schirme der uns erwartenden Menschen zu erkennen / © FrontRowSociety.net, Foto: Georg Berg

In der Nähe der vermuteten Position entdecken wir eine überraschend große Zahl Menschen, die uns schon erwarten. Ein Hubschrauber braucht selbst keine Scheibenwischer und aus demselben Grund pustet er bei der Landung alle Regenschirme der Umstehenden weg.

Eine Mischung aus Furcht und Neugier erwartet uns nach der Landung / © FrontRowSociety.net, Foto: Georg Berg
Eine Mischung aus Furcht und Neugier erwartet uns nach der Landung / © FrontRowSociety.net, Foto: Georg Berg

Selten machen sich Fremde auf den beschwerlichen Weg zum prominenten Flugzeugwrack und  einen anderen Hubschrauber hat hier noch niemand landen sehen. Die Situation ist also für alle extrem ungewohnt. Ich habe zwar schon oft die Erfahrung gemacht, Blicke von Menschen auf mich zu ziehen, die noch nie jemand mit weißer Hautfarbe gesehen haben. Aber hier sind die Erwartungen besonders hoch und jede unserer Bewegungen wird schweigend beobachtet.

Schücherne Kontaktaufnahme im strömenden Regen / © FrontRowSociety.net, Foto: Georg Berg
Schücherne Kontaktaufnahme im strömenden Regen / © FrontRowSociety.net, Foto: Georg Berg

Auch wir sind unsicher; nicht nur weil der Untergrund weich vom Regen ist. Aber die Leute haben mit ihren Buschmessern zahllose Stauden gerodet, deren Blätter wie eine Matte verhindern, dass man allzu tief einsinkt.

Ein Hubschrauber wirkt hier wie eine himmlische Erscheinung. Das Wort für Hubschrauber in der Pidgin-Sprache lautet vielsagend: Mixmaster belong Jesus-Christ / © FrontRowSociety.net, Foto: Georg Berg
Ein Hubschrauber wirkt hier wie eine himmlische Erscheinung. Das Wort für Hubschrauber in der Pidgin-Sprache lautet vielsagend: Mixmaster belong Jesus-Christ / © FrontRowSociety.net, Foto: Georg Berg

Im Gegensatz zu den Umstehenden, die sich einen ganzen Tag Zeit genommen haben, um das Spektakel einer Hubschrauberlandung mitzuerleben, sind wir nur kurz und in erster Linie wegen des berühmten Yamamoto-Flugzeugwracks gekommen.

Auf dem Weg zum Flugzeugwrack / © FrontRowSociety.net, Foto: Georg Berg
Auf dem Weg zum Flugzeugwrack / © FrontRowSociety.net, Foto: Georg Berg

Auf dem Weg zur Absturzstelle bietet sich dann doch die ein oder andere Gelegenheit zu Gesprächen. Selbst mit Kinder kann man sich auf englisch verständigen und alle helfen im unwegsamen Gelände.

Mehr als hundert Menschen sind zwei Stunden lang zur Yamomoto-Absturzstelle gelaufen / © FrontRowSociety.net, Foto: Georg Berg
Mehr als hundert Menschen sind von weit her zu unserer Landung gekommen und begleiten uns die letzten Meter zu Yamamotos Flugzeugwrack / © FrontRowSociety.net, Foto: Georg Berg
Die Schwimmwesten aus dem Hubschrauber bleiben auch beim Bodenaufenthalt angezogen, damit wir sie vor dem Abflug nicht suchen müssen / © FrontRowSociety.net, Foto: Georg Berg
Die Schwimmwesten aus dem Hubschrauber behalten wir auch beim Bodenaufenthalt an, damit wir sie vor dem Abflug nicht suchen müssen / © FrontRowSociety.net, Foto: Georg Berg

Das Ziel ist erreicht, aber es will sich nicht der Schauder einstellen, den ich mit der Vorstellung des vergangenen Dramas verbunden hätte. Alltagsgegenstände wie Pfeil und Bogen oder die Buschmesser der Umstehenden halten mich in der Gegenwart.

Das Heck des japanischen Mitsubishi-Bombers ist auch 70 Jahre nach dem Abschuss noch gut zu erkennen / © FrontRowSociety.net, Foto: Georg Berg
Das Heck des japanischen Mitsubishi-Bombers ist auch 70 Jahre nach dem Abschuss noch gut zu erkennen. Im Gegensatz zur gescheiterten Kriegsmaschinerie die alltäglichen Gebrauchsgegenstände Pfeil und Bogen / © FrontRowSociety.net, Foto: Georg Berg

Die Einheimischen versuchen zu verstehen, warum sich die Touristen vor allem auf das historische Flugzeugwrack interessieren. Erlebt Bougainville doch zurzeit das erfolgreiche Ende einer ökologisch geprägten Revolution. Mit großer Mehrheit haben sich die Menschen in einem Referendum für die Loslösung von Papua Neuguinea entschieden, weil sie auf keinen Fall mehr Spielball fremder Mächte sein wollen.

Regenschirme und T-Shirts tragen das Motiv der Landesflagge Bougainvilles / © FrontRowSociety.net, Foto: Georg Berg
Das Motiv der Landesflagge Bougainvilles wird stolz auf Regenschirmen und T-Shirts getragen / © FrontRowSociety.net, Foto: Georg Berg
Wirkungsvoll: Regenschirm aus Blättern / © FrontRowSociety.net, Foto: Georg Berg
Wirkungsvoll: Improvisierter Regenschirm aus Blättern, die nicht lange gesucht werden müssen / © FrontRowSociety.net, Foto: Georg Berg
Der Hubschrauberpilot Alan interessiert sich für die Details des alten Fluggeräts / © FrontRowSociety.net, Foto: Georg Berg
Der Hubschrauberpilot interessiert sich für die Details des alten Fluggeräts / © FrontRowSociety.net, Foto: Georg Berg
Die Zukunft gehört der Öko-Technik / © FrontRowSociety.net, Foto: Georg Berg
Die Zukunft gehört der Technik aus nachwachsenden Rohstoffen / © FrontRowSociety.net, Foto: Georg Berg

Mich hat der Ausflug zum Flugzeugwrack nachdenklich gemacht. Vor allem nachträglich. Denn in der Situation gab es nur wenig Zeit, die vielen Eindrücke zu verarbeiten. Wie viel extremer muss unsere Kurzvisite auf die Einheimischen gewirkt haben? Die noch vor wenigen Jahren mit primitiven Waffen gegen die hochgerüstete Regierungsarmee Papua Neuguineas für eine intakte Natur und gegen ein Bergwerk gekämpft haben, das ganze Landstriche vergiftet hat. Deren Leben entbehrungsreich aber auch beschaulicher als unseres abläuft. Ich stelle mir vor, dass auch während des zweiten Weltkriegs und an dieser Stelle kaum jemand die Bedeutung des Ereignisses ahnte, wegen dem wir uns mit immensem Aufwand hierhin auf den Weg gemacht haben.

Ananas und Melone mit unsicherem Blick aber zutiefst herzlich angeboten begleiten uns auf dem Rückweg / © FrontRowSociety.net, Foto: Georg Berg
Ananas und Melone, mit unsicherem Blick aber zutiefst herzlich angeboten, begleiten uns auf dem Rückflug / © FrontRowSociety.net, Foto: Georg Berg

Heute hoffen die Menschen von Bougainville, dass sie von der Weltöffentlichkeit als jüngstes Land so freundlich aufgenommen werden, wie sie auch ihre Besucher behandeln. Kurz vor dem Abflug erhalten wir noch frische Früchte als Geschenk und können dieses Erlebnis nie vergessen. Auch weil man gerne mehr Zeit für Gespräche gehabt hätte.

Schnell besteigen wir den Hubschrauber, bevor das Wetter noch schlechter wird / © FrontRowSociety.net, Foto: Georg Berg
Wir besteigen den Hubschrauber für den Rückflug, bevor das Wetter noch schlechter wird / © FrontRowSociety.net, Foto: Georg Berg
Auf der True North sind mehrere Reportagen für FrontRowSociety entstanden:
Reisen in Australien – worauf müssen sich europäische Touristen einstellen? Nützliche Hinweise von Chefreporter Georg Berg: Down Under als europäischer Tourist
Auf der True North sind alle Aktivitäten und Vorträge im Gesamtpaket enthalten. Zu besonders spektakulären Zielen startet der Hubschrauber vom Dach der True North. Die Flüge kosten extra, sind sehr begehrt und müssen einen Tag im Voraus gebucht werden.
Um sich an die Zeitdifferenz von 9 Stunden zu gewöhnen, empfiehlt sich die Kombination mit weiteren Reisezielen in Nord-Australien. Z.B. zu folgenden von FrontRowSociety erprobten Destinationen:

Die Reisereportage ist von True North Adventure Cruises unterstützt worden. Eine inhaltliche Einflussnahme ist damit nicht verbunden
Reisen, von denen man verändert zurück kommt, sind kennzeichnend für transformativen Tourismus.