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Die Sonne geht gerade unter. Ikuya Yamamoto belädt sein Flachboot mit Mori, den traditionellen zwölfzackigen Speeren und Kabuse Ami, kleinen Fangnetzen. Eine Kühlbox für den Catch of the Night wird ebenfalls mit an Bord genommen. Mehr braucht es nicht, bevor wir das Boot für eine nächtliche Tour der besonderen Art über den Lake Hamana in der Präfektur Shizuoka besteigen.

Die Sonne geht gerade unter am Hamana See. Zeit, das Boot mit den Fischerei-Werkzeug und der Kühlbox für den Fang von Fischen und Krebsen zu beladen / © FrontRowSociety.net, Foto: Georg Berg
Die Sonne geht gerade unter am Hamana See. Zeit, das Boot mit den Fischerei-Werkzeug und der Kühlbox für den Fang von Fischen und Krebsen zu beladen / © FrontRowSociety.net, Foto: Georg Berg

Der Tag war wieder heiß und so ist der Fahrtwind eine willkommene Erfrischung.
Wir fahren aus der mit vielen zweistöckigen Wohnhäusern bebauten Wasserstraße heraus auf den offenen See. Der Hamana See ist seit einem Erdbeben mit dem Pazifik verbunden. Der flache südliche Teil des Gewässers eignet sich besonders für das Speerfischen. In der Ferne zieht ein gewaltiges Gewitter auf und sorgt für ein Parallel-Spektakel.

Lichtspiele am Himmel. In der Ferne zieht ein gewaltiges Gewitter auf und sorgt für ein Parallel-Spektakel. Eigentlich soll man sich beim Speerfischen auf den Gewässergrund konzentrieren, aber die Lichtblitze am Himmel ziehen den Blick immer wieder auf sich / © FrontRowSociety.net, Foto: Georg Berg
Lichtspiele am Himmel. In der Ferne zieht ein gewaltiges Gewitter auf und sorgt für ein Parallel-Spektakel. Eigentlich soll man sich beim Speerfischen auf den Gewässergrund konzentrieren, aber die Lichtblitze am Himmel ziehen den Blick immer wieder auf sich / © FrontRowSociety.net, Foto: Georg Berg

Speerfischen – ein intensives Erlebnis

Speerfischen gehört zu den ältesten Techniken der Jagd auf Fische und Krebse. Es wird in vielen Ländern der Erde praktiziert. Speerfischen gilt als eine sehr Ressourcen schonende Art der Fischerei. Es gibt keinen unerwünschten Beifang und keine Beschädigungen durch Netze oder Leinen, denn die Fische und Krebse werden vom Fischer jeweils einzeln ins Visier genommen. Am Hamana See in der Präfektur Shizuoka in Japan bietet die Gemeinde Hamamatsu Takiya-Ryo Speerfischen bei Nacht an. Ein intensives Erlebnis, denn durch die hereinbrechende Dunkelheit ist man beim Fischen sehr fokussiert.

Zwölf-Zacken, Balance und zwei scharfe Augen sind nötig, um beim Speerfischen auch Beute zu machen / © FrontRowSociety.net, Foto: Georg Berg
Zwölf-Zacken, Balance und zwei scharfe Augen sind nötig, um beim Speerfischen auch Beute zu machen / © FrontRowSociety.net, Foto: Georg Berg
Ikuya Yamamoto erklärt, wie man den Speer zu halten hat und dass der Speer mit großer Entschlossenheit geführt werden sollte. Der Vollmond schaut ihm dabei über die Schulter / © FrontRowSociety.net, Foto: Georg Berg
Ikuya Yamamoto erklärt, wie man den Speer zu halten hat und dass der Speer mit großer Entschlossenheit geführt werden sollte. Der Vollmond schaut ihm dabei über die Schulter / © FrontRowSociety.net, Foto: Georg Berg

Im Hamana See gebe es rund 800 verschiedenen Fischarten, erzählt uns Ikuya Yamamoto. Er hat sich vor kurzem selbstständig gemacht und bietet von Mitte Mai bis Mitte September Nachtfahrten auf dem See für Touristen an. Seit mehr als 100 Jahren wird das Speerfischen auch am Lake Hamana praktiziert. “Takiya-Ryo” nennen die Japaner diese Art des Fischens. Abgeleitet wird es von dem Wort “Taku”, das Brennen bedeutet. Früher benutzen die Fischer brennende Fackeln, um die Fische am Uferrand sehen zu können. Heute noch wird diese Art der Fischerei im flachen Bereich des südlichen Teils des Sees durchgeführt.

Auf dem Weg zu den südlichen Fanggründen des Lake Hamana fährt man auch an dem im Wasser stehenden Tor Bentenjima vorbei / © FrontRowSociety.net, Foto: Georg Berg
Auf dem Weg zu den südlichen Fanggründen des Lake Hamana fährt man auch an dem im Wasser stehenden Tor Bentenjima vorbei / © FrontRowSociety.net, Foto: Georg Berg

Die Boote legen bei Sonnenuntergang ab und setzen kleine unter dem Bug installierte Scheinwerfer ein, um schlafende Fische und Krebse mit Speeren (Mori) und kleinen Cachern (Cabuse Ami) zu fangen. Seit einem Erdbeben ist der Lake Hamana mit dem Pazifik verbunden und somit ein Salzwasser-See mit ruhigen Wellen und geringer Tiefe. Der See ist bekannt auch für Aal und Garnelen. In Ufernähe ist es leicht, den Grund des Sees und die im hellen Sand laufenden Krebse und bedächtig schwimmenden Fische zu sehen. Als Teilnehmer dieser nächtlichen Fischerei kann man wählen, ob man den eigenen Fang mit nach Hause nehmen möchte oder den aktiven Part des Fischens noch mit einem Essen auf einem der schwimmenden Flöße verbinden möchte.

Ikuya Yamamoto öffnet die Luke, in der die Beute gesammelt wird. Der Fang wird mit Hilfe von Aussparungen in den Holzbrettern vom Speer abgestreift und fällt in die Kammer im Bootsrumpf / © FrontRowSociety.net, Foto: Georg Berg
Ikuya Yamamoto öffnet die Luke, in der die Beute gesammelt wird. Der Fang wird mit Hilfe von Aussparungen in den Holzbrettern vom Speer abgestreift und fällt in die Kammer im Bootsrumpf / © FrontRowSociety.net, Foto: Georg Berg
Speer und Stütze in einem. Der Mori hilft auch dem Jäger die Balance auf dem Boot zu halten. Hier FrontRowSociety Redakteurin Angela Berg gemeinsam mit Momoko Takii von TSJ / © FrontRowSociety.net, Foto: Georg Berg
Speer und Stütze in einem. Der Mori hilft auch dem Jäger die Balance auf dem Boot zu halten. Hier FrontRowSociety Redakteurin Angela Berg gemeinsam mit Momoko Takii von TSJ / © FrontRowSociety.net, Foto: Georg Berg

Keine leichte Beute – Speerfischen als transformatives Reiseerlebnis

Wohl wissend, dass jedes Stück Fisch oder Fleisch, das man am eigenen Herd zubereitet hat, auch irgendwann getötet wurde, weckt der Griff zum langen zwölfzackigen Speer auch mulmige Gefühle in mir. Plötzlich stehe ich in der Mitte des wackeligen Flachboots und zum Glück immer noch am Ende der Nahrungskette, aber nun mit der aktiven Rolle einer Jägerin. Das kostet Überwindung.

12 Zacken, zwei scharfe Augen und eine ruhige Hand. Das Boot ist in Bewegung, der Fisch oder Krebs ist es ebenfalls. Da heißt es antizipieren und sich mit Bedacht der Beute nähern / © FrontRowSociety.net, Foto: Georg Berg
12 Zacken, zwei scharfe Augen und eine ruhige Hand. Das Boot ist in Bewegung, der Fisch oder Krebs ist es ebenfalls. Da heißt es antizipieren und sich mit Bedacht der Beute nähern / © FrontRowSociety.net, Foto: Georg Berg

Wieviel einfacher ist es, eine Packung Tiefkühl-Garnelen in den Einkaufskorb zu legen oder beim Fischhändler auf eine Forelle oder ein Rotbarschfilet zu zeigen. Doch was ich jetzt erlege, das essen wir auch gleich. Keine Transportwege, keine Verpackung, keine Überproduktion im Sinne von unerwünschtem Beifang. Ein echt transformatives Erlebnis, das garantiert nachhallt auch für die zukünftigen Einkäufe bei meinem Fischhändler.

Als weiteres Fangwerkzeug wird der Cacher eingesetzt um Fische zu fangen / © FrontRowSociety.net, Foto: Georg Berg
Als weiteres Fangwerkzeug wird der Cacher eingesetzt um Fische zu fangen / © FrontRowSociety.net, Foto: Georg Berg

Mondschein-Dinner auf einem Floß

Sie sind Entertainer, Jäger und Koch zugleich. Die Fischer von Takiya-Ryo müssen nicht nur versiert sein im Umgang mit dem Speer und im Auffinden von geeigneten Fanggründen. Sie sind auch geschickt und schnell im Putzen und Zubereiten der Tiere. Fast zwei Stunden Speerfischen sind wie im Flug vergangen. Wir nehmen Kurs auf einen schwimmende Fisch-Imbiss.

Schwimmende Kochstation: Hier wird von den Speerfischern der Catch of the Night fangfrisch zubereitet / © FrontRowSociety.net, Foto: Georg Berg
Schwimmende Kochstation: Hier wird von den Speerfischern der Catch of the Night fangfrisch zubereitet / © FrontRowSociety.net, Foto: Georg Berg
Fischer, Koch und Entertainer. Mit simpelstem Equipment begibt sich Ikuya Yamamoto an die Zubereitung des Fangs. Geschickt werden die Fische geputzt und die Krebse kommen in den Kochtopf. Gäste stellen neugierig Fragen und werden mit einem kühlen Getränk versorgt / © FrontRowSociety.net, Foto: Georg Berg
Fischer, Koch und Entertainer. Mit simpelstem Equipment begibt sich Ikuya Yamamoto an die Zubereitung des Fangs. Geschickt werden die Fische geputzt und die Krebse kommen in den Kochtopf. Gäste stellen neugierig Fragen und werden mit einem kühlen Getränk versorgt / © FrontRowSociety.net, Foto: Georg Berg

Auf dem Nachbar-Floß ist das Fisch-Dinner bereits in vollem Gang. Der Bootsmann auf jedem “Takiya-tei” -Floß bereitet die Meeresfrüchte als Tempura, Miso-Suppe oder auf dem Grill zu. Frischer und unmittelbarer kann man diese alte traditionelle Art der Fischerei und die Zubereitung nicht erleben.

Gut gelaunte Gesellschaft auf dem Floß. Das Speerfischen bei Nacht wird gewöhnlich von Gruppen gebucht / © FrontRowSociety.net, Foto: Georg Berg
Gut gelaunte Gesellschaft auf dem Floß. Das Speerfischen bei Nacht wird gewöhnlich von Gruppen gebucht / © FrontRowSociety.net, Foto: Georg Berg
Miso-Suppe mit frischer Einlage. Ein selbst gefischter Krebs wird zu einem sehr nachhaltigen kulinarischen Erlebnis / © FrontRowSociety.net, Foto: Georg Berg
Miso-Suppe mit frischer Einlage. Ein selbst gefischter Krebs wird zu einem sehr nachhaltigen kulinarischen Erlebnis / © FrontRowSociety.net, Foto: Georg Berg

Tradition prallt auf Moderne: Shinkansen schnellen über den See

Beim Speerfischen auf dem Lake Hamana ist die Dunkelheit die beste Verbündete dieser alten Tradition des Fischens. Sie legt sich gnädig über die Landschaft und lässt die Häuser und Verkehrstrassen fast vergessen. Als wir nach erfolgreicher Jagd wieder über das Wasser brausen, scheint es als wären wir mindestens so schnell unterwegs wie ein Shinkansen, Japans in aller Welt bewunderter Mobilitätsgarant. Während Ikuya Yamamotos Boot unter der Zugbrücke her fährt, rauscht über uns einer dieser Schnellzüge hinweg. Eine Trasse für den Schinkansen und auch die Nationalstraße 1 durchschneiden ungerührt die schöne Landschaft. Tradition und Moderne treffen hier, wie in vielen Bereichen in Japan unmittelbar aufeinander.

Zimmer mit Blick auf eine Wasserstraße am Lake Hamana. Für das kulinarische Erlebnis “Speerfischen bei Nacht” empfiehlt es sich, eine Übernachtung direkt am Hamana See zu buchen / © FrontRowSociety.net, Foto: Georg Berg
Zimmer mit Blick auf eine Wasserstraße am Lake Hamana. Für das kulinarische Erlebnis “Speerfischen bei Nacht” empfiehlt es sich, eine Übernachtung direkt am Hamana See zu buchen / © FrontRowSociety.net, Foto: Georg Berg

Haus am See – Übernachtung in einem Ryokan

In einem traditionellen Ryokan direkt am See und mit eigener Anlegestelle verbringen wir die Nacht. Der Schlafraum ist mit Tatami-Matten ausgekleidet. Die Fenster sind zum Anlegersteg ausgerichtet. Sachte Wellen schlagen an die Boote. Nach mehreren Stunden auf dem Wasser hat man auch auf dem Futon noch das Gefühl von Wasser und Wellen. Und wie könnte es anders sein? Nach einem Abend auf dem See mit einem sehr besonderen Food-Abenteuer, gibt es am nächsten Morgen ein traditionelles japanisches Frühstück mit Miso-Suppe und viel Fisch.

Typisches japanisches Frühstück mit Fisch, Algen und Miso-Suppe / © FrontRowSociety.net, Foto: Georg Berg
Typisches japanisches Frühstück mit Fisch, Algen und Miso-Suppe / © FrontRowSociety.net, Foto: Georg Berg

Weitere Informationen zu Takiya-ryo, Speerfischen be Nacht:
Ein Ausflug mit einem der Boote auf dem Hamana See dauert ungefähr zwei Stunden für das reine Speerfischen (Takiya-ryo) und gute drei Stunden, wenn man es inklusive Abendesse auf dem Floß (Takiya-tei) bucht. Takiya-tei bedeutet ein Programm mit der anschließenden Zubereitung auf einem der Flöße. Gegessen wird dabei an einem flachen Tisch mit Sitzgelegenheiten auf dem Boden. Ist im Programm von Takiya-Base die Rede, so ist das Floß mit Tischen und Stühlen im westlichen Stil ausgestattet.

Mehr Informationen und Buchungsmöglichkeiten:
Speerfischen auf dem Lake Hamana

Eine Übernachtung direkt am Lake Hamana macht das Erlebnis von Takiya-Ryo zu einer runden Sache.
Übernachtung an der Waterfront, im Inn Oyado “Inoue”
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