Im Bush geboren und dort für immer zu Hause

Sab Lord lernen wir auf einer ungepflasterten Landepiste im Arnhemland kennen. Wir sind gerade nach einstündigem Flug mit einer zweimotorigen Cessna 310 aus Darwin angekommen und werden mit ihm die nächsten drei Tage im Busch zubringen. Wir sind eine vierköpfige Gruppe und gespannt auf die Geheimnisse aus erster Hand.

Sab Lord, die Outback-Legende, kennt den australischen Busch wie kein Zweiter / © FrontRowSociety.net, Foto: Georg Berg
Sab Lord, die Outback-Legende, kennt den australischen Busch wie kein Zweiter / © FrontRowSociety.net, Foto: Georg Berg

Es gibt außer den Aborigines nur wenige Leute, die so innig mit dem Leben und der urwüchsigen Natur des Northern Territory verbunden sind, wie Sab Lord. Er wuchs, weil seine Eltern noch kein Haus hatten, unter freiem Himmel auf, freundete sich mit gleichaltrigen Aborigines an, lernte ihre Sprache und half schon früh auf der Büffelfarm seines Vaters aus. In die Schule kam er erst mit 13 Jahren. Im fernen Sidney war ihm alles fremd und er hat auch erst im Internat gelernt, wie man sich die Schuhe bindet. Geprägt durch solche Extreme kann er sich heute perfekt in seine Kunden, die aus aller Welt kommen, hineinversetzen. Wer heute bei Sab eine Tour bucht, gelangt mit ihm nicht nur zu den besten Flecken, die das australische Outback zu bieten hat. Seine rauhe vom Rugby geprägte aber zugleich humorvolle und herzliche Art, lässt schnell Vertrauen wachsen und die Neugier nimmt zu, je mehr er erzählt. Beiläufig zeigt er auf ein Pflanze. Es ist eine Schraubenpalme, die in Australien Pandanus genannt wird. Erst im Lauf des Tages, erfassen wir die Bedeutung der kurzen Lektion.

Mit den Luftwurzeln einer Schraubenpalme können die Aborigines viel anfangen / © FrontRowSociety.net, Foto: Georg Berg
Mit den Luftwurzeln einer Schraubenpalme können die Aborigines viel anfangen / © FrontRowSociety.net, Foto: Georg Berg
Durch quetschen der Schnittkante mit einem Stein, erhält man einen Pinsel / © FrontRowSociety.net, Foto: Georg Berg
Durch quetschen der Schnittkante mit einem Stein, erhält man einen Pinsel / © FrontRowSociety.net, Foto: Georg Berg
Mit solchen Pinseln wurden schon vor 20.000 Jahren Felsmalereien hergestellt / © FrontRowSociety.net, Foto: Georg Berg
Mit solchen Pinseln wurden schon vor 20.000 Jahren Felsmalereien hergestellt / © FrontRowSociety.net, Foto: Georg Berg

Aber zunächst bekommen wir in der Davidson’s Arnhemland Safaris Lodge unsere Zimmer für die Nacht und eine Einweisung in die wichtigsten Grundlagen für das Leben im Busch. Konsequenter Sonnenschutz und Insektenschutz ab der Dämmerung sind Pflicht. Jeder füllt seine Wasserflasche auf, denn bei den Wanderungen in der Sonne, braucht der Körper pro Stunde einen Liter Wasser.

Taschenlampen, Insekt-Repellent und große Flaschen Sunblock sollen unbedingt benutzt werden / © FrontRowSociety.net, Foto: Georg Berg
Taschenlampen, Insekt-Repellent und große Flaschen Sunblock sollen unbedingt benutzt werden / © FrontRowSociety.net, Foto: Georg Berg

An der Landkarte der Lodge versuchen wir uns zu orientieren. Ein Foto an der Wand erinnert an Max Davidson, der dieses Anwesen gestaltet und hier bis zu seinem Tod gelebt hat. Max hat ähnlich wie Sab viele große Felsmalereien gefunden und wurde von den traditionellen Landeigentümern akzeptiert und geachtet. Aber das Land auf dem die luxuriöse Lodge steht, ist gepachtet und der Vertrag muss alle zehn Jahre verlängert werden.

Max Davidson (rechts) mit Big Charly, dem Familienvorstand der traditionellen Landeigentümer / © FrontRowSociety.net, Foto: Georg Berg
Max Davidson (rechts) mit Big Charly, dem Familienvorstand der traditionellen Landeigentümer / © FrontRowSociety.net, Foto: Georg Berg

Ob die Nachkommen von Big Charly die Lodge demnächst weiter an Max Davidsons Töchter verpachten, bleibt abzuwarten. Zurzeit wird die Lodge von Guides wie Sab Lord für ihre kleinen anspruchsvollen Gruppen gebucht und entsprechend individuell gerprägt ist der Stil bei Unterkünften und Mahlzeiten. Es ist zu befürchten, dass hier aber das Lebenswerk desjenigen, der hier den Wundern der Vergangenheit auf der Spur gewesen ist, in Vergessenheit gerät. Auch wenn wegen der Abgeschiedenheit hier bestimmt kein Massentourismus mit den üblichen Begleiterscheinungen Einzug halten wird, befürchtet Sab, dass die Vollauslastung Vorrang haben könnte und wenn ein Generalunternehmer den Zuschlag bekommen würde, nur noch Angebote für große Gruppen gemacht werden.

Auf der Landkarte sind in der entlegenen Gegend keine Straßen mehr eingezeichnet. Sab Lord zeigt die Landmarken, zu denen er uns bringen wird / © FrontRowSociety.net, Foto: Georg Berg
Auf der Landkarte sind in der entlegenen Gegend keine Straßen mehr eingezeichnet. Sab Lord zeigt die Landmarken, zu denen er uns bringen wird / © FrontRowSociety.net, Foto: Georg Berg
Sab Lords Safarifahrzeug ist startklar auf dem weitläufigen Gelände der Davidsons Lodge / © FrontRowSociety.net, Foto: Georg Berg
Sab Lords Safarifahrzeug ist startklar auf dem weitläufigen Gelände der Davidsons Lodge / © FrontRowSociety.net, Foto: Georg Berg

Unsere erste längere Wanderung mit Sab Lord führt uns zu einem Felsmassiv, in dem sich ein Höhlensystem mit vielen Wandmalereien und Kultstätten befindet. Nicht alles darf fotografiert werden und besonders Begräbniststätten sind absolut tabu. Die Höhlen bieten den Menschen bis heute vor allem in der Regenzeit Schutz. Wir betreten also einen Raum, der vergleichbar ist mit der Privatspäre, die eine Wohnung bietet. So verstehen wir allmählich, warum ein Besuch dieser Stätten nur wenigen Guides gestattet wird, die den traditionellen Eigentümern bekannt sind und für die Unversehrtheit haftbar gemacht werden können.

Ehrfürchtig betreten wir die riesige Höhle, in der seit zig Tausend Jahren Menschen wohnen und ihre Toten bestatten / © FrontRowSociety.net, Foto: Georg Berg
Ehrfürchtig betreten wir die riesige Höhle, in der seit zig Tausend Jahren Menschen leben und ihre Toten bestatten / © FrontRowSociety.net, Foto: Georg Berg
Sab Lord zündet ein von Termiten bearbeitetes Stück Holz an, um mit dem Rauch die Mücken zu vertreiben. Ein altes „Hausmittel“ der Aborigines / © FrontRowSociety.net, Foto: Georg Berg
Sab Lord zündet ein von Termiten bearbeitetes Stück Holz an. Ein altes „Hausmittel“ der Aborigines, um mit dem Rauch die Mücken zu vertreiben / © FrontRowSociety.net, Foto: Georg Berg
Sab Lord weiß über jedes Wandgemälde viel zu erzählen / © FrontRowSociety.net, Foto: Georg Berg
Sab Lord weiß über jedes Wandgemälde viel zu erzählen / © FrontRowSociety.net, Foto: Georg Berg

Da Sab zusammen mit den Kindern der Aborigines aufgewachsen ist, die bei seinem Vater auf der Büffelfarm beschäftigt waren, hat er die Sprache der Bininj gesprochen, die heute als fast ausgestorben gilt. So kennt er bestens die Formen der mündlichen Überlieferung, die davon lebt, dass die Dinge immer wieder neu erzählt werden. Er selbst ist auch ein großartiger Erzähler.

Die Andreaskreuz-Spinne hat ihr Netz mit spiraligen Fäden verstärkt / © FrontRowSociety.net, Foto: Georg Berg
Die Andreaskreuz-Spinne hat ihr Netz mit spiraligen Fäden verstärkt / © FrontRowSociety.net, Foto: Georg Berg

Auf der Weiterfahrt macht plötzlich der Keilriemen des Autos Probleme. Aber wie für alles, hat Sab auch dafür eine Lösung.

Die Macken des alten Toyotas werden mit Bordmitteln repariert. Das Geheimnis ist eine Spraydose mit hochkonzentriertem Insektenschutzmittel, mit der Keilriemen eingesprüht wird / © FrontRowSociety.net, Foto: Georg Berg
Die Macken des alten Toyotas werden mit Bordmitteln repariert. Das Geheimnis ist eine Spraydose mit hochkonzentriertem Insektenschutzmittel, mit der bestimmte Stellen im Motorraum gefügig gemacht werden / © FrontRowSociety.net, Foto: Georg Berg

Wir gelangen an ein Gewässer und steigen in ein einsam auf uns wartendes Boot. Es ist ein Billabong. Billabong wird in Australien ein Fluss genannt, der nur während der Regenzeit fließt, der aber in der Trockenheit nur noch aus unzusammenhängenden teilweise aber immer noch großen Wasserflächen besteht. Auf einem solchen Billabong zelebriert Sab den perfekten Sonnenuntergang und scheint dafür die ganze Natur unter Vertrag genommen zu haben.

Diese Wasserlilien wachsen in Gewässern mit vielen Krokodilen / © FrontRowSociety.net, Foto: Georg Berg
Diese Wasserlilien wachsen in Gewässern mit vielen Krokodilen / © FrontRowSociety.net, Foto: Georg Berg
Der Ibis is an seinem langen, schlanken gebogenen Schnabel leicht zu erkennen. Die breiten kräftigen Flügel ermöglichen einen schnellen Flug / © FrontRowSociety.net, Foto: Georg Berg
Der Ibis ist an seinem langen, schlanken gebogenen Schnabel leicht zu erkennen. Die breiten kräftigen Flügel ermöglichen einen schnellen Flug / © FrontRowSociety.net, Foto: Georg Berg
Katja Bockwinkel vertritt das Tourismus-Marketing des Northern Territory in Deutschland. Sab Lord kennt sie schon lange und genießt mit ihm den Sonnenuntergang auf dem Billabong / © FrontRowSociety.net, Foto: Georg Berg
Katja Bockwinkel vertritt das Tourismus-Marketing des Northern Territory in Deutschland. Sab Lord kennt sie schon lange und genießt mit ihm den Sonnenuntergang auf dem Billabong / © FrontRowSociety.net, Foto: Georg Berg
Ein Schwarzstorch, der in Australien Jabiru genannt wird, gönnt sich einen Fisch / © FrontRowSociety.net, Foto: Georg Berg
Ein Schwarzstorch, der in Australien Jabiru genannt wird, gönnt sich einen frischen Fisch / © FrontRowSociety.net, Foto: Georg Berg
Trotz Tarnung nicht vollständig versteckt: Ein großes Salzwasserkrokodil / © FrontRowSociety.net, Foto: Georg Berg
Trotz Tarnung nicht vollständig versteckt: Ein großes Salzwasserkrokodil / © FrontRowSociety.net, Foto: Georg Berg
Auch der blaue Eisvogel versucht, im Wasser seine Beute zu finden / © FrontRowSociety.net, Foto: Georg Berg
Auch der blaue Eisvogel versucht, im Wasser seine Beute zu finden / © FrontRowSociety.net, Foto: Georg Berg
Der Jesusvogel kann über das Wasser laufen. Sein Trick: Mit extrem langen Zehen kann er auf den Pflanzen an der Wasseroberfläche stehen / © FrontRowSociety.net, Foto: Georg Berg
Der Jesusvogel kann über das Wasser laufen. Sein Trick: Mit extrem langen Zehen kann er auf den Pflanzen an der Wasseroberfläche stehen / © FrontRowSociety.net, Foto: Georg Berg
Die Sonne verabschiedet sich / © FrontRowSociety.net, Foto: Georg Berg
Die Sonne verabschiedet sich / © FrontRowSociety.net, Foto: Georg Berg

Zum Dinner in der Davidsons’s Arnhemland Safaris kommen wir nach einer rasanten Nachtfahrt durch den Busch gerade noch rechtzeitig. Zeit für ein Bad im Pool bleibt nicht mehr.

Swimmingpool und Blick in den Speisesaal der Davidson's Arnhemland Safaris während des Dinners / © FrontRowSociety.net, Foto: Georg Berg
Swimmingpool und Blick in den Speisesaal der Davidson’s Arnhemland Safaris während des Dinners / © FrontRowSociety.net, Foto: Georg Berg

Am nächsten Tag sehen wir noch weitere Felsmalereien aber auch Gegenstände des täglichen Lebens, die griffbereit in Felsspalten liegen, als ob es Regalbretter wären. Dominosteine, Speerspitzen, Zimmermannswerkzeuge aber auch einen Faustkeil, der obwohl uralt immer noch ergonomisch gut in der Hand liegt. Ein Wunder, dass alles noch so gut erhalten und noch nicht abhanden gekommen ist. Sab hat in diese Richtung schon einige Erfahrungen gemacht und bittet jeden, über die entsprechenden Orte Stillschweigen zu halten.

Eine alte Queraxt, mit der Holz bearbeitet werden kann / © FrontRowSociety.net, Foto: Georg Berg
Eine alte Queraxt, mit der Holz bearbeitet werden kann / © FrontRowSociety.net, Foto: Georg Berg
Sab Lord hält einen Dominostein in der Hand, der in einer Aborigine-Höhle hinterlegt worden ist / © FrontRowSociety.net, Foto: Georg Berg
Sab Lord hält einen Dominostein in der Hand, der in einer Aborigine-Höhle hinterlegt worden ist / © FrontRowSociety.net, Foto: Georg Berg
Ein egonomisch geformter Faustkeil. Das Handy aus der Steinzeit liegt glücklicherweise wieder an seinem ursprünglichen Fundort. Ein amerikanischer Tourist hatte ihn vor ein paar Jahren mitgehen lassen. Er konnte aber in Tasmanien gestellt werden, weil Sab die Reisepläne behalten hatte / © FrontRowSociety.net, Foto: Georg Berg
Ein egonomisch geformter Faustkeil. Das Handy aus der Steinzeit liegt glücklicherweise wieder an seinem ursprünglichen Fundort. Ein amerikanischer Tourist hatte ihn vor ein paar Jahren mitgehen lassen. Er konnte aber in Tasmanien gestellt werden, weil Sab sich die Reisepläne gemerkt hatte / © FrontRowSociety.net, Foto: Georg Berg
Im Lager, dass Sab selbst betreibt, schläft man in fertig aufgebauten Steilwandzelten und das Kanguru-Geschnetzelte mit Gemüse wird vom Chef persönlich über dem offenen Feuer zubereitet. Gegessen wird dann stilvoll mit dem Besteck, das er von seiner Mutter geerbt hat / © FrontRowSociety.net, Foto: Georg Berg
Im Lager, dass Sab selbst betreibt, schläft man in fertig aufgebauten Steilwandzelten und das Kanguru-Geschnetzelte mit Gemüse wird vom Chef persönlich über dem offenen Feuer zubereitet. Gegessen wird dann stilvoll mit dem Besteck, das er von seiner Mutter geerbt hat / © FrontRowSociety.net, Foto: Georg Berg
Zum Frühstück verabschiedet Sab sich mit einem Spiegelei im Outback-Style / © FrontRowSociety.net, Foto: Georg Berg
Das Frühstück krönt Sab mit einem Spiegelei im Outback-Style / © FrontRowSociety.net, Foto: Georg Berg

Pünktlich nach dem Frühstück müssen wir aufbrechen, denn der East Alligator River ist nur wenige Stunden am Tag passierbar.

Wracks an der Cahills Crossing. Der East Alligator River ist bei Ebbe leicht zu durchqueren. Während der Flut werden Autos schon mal weggespült / © FrontRowSociety.net, Foto: Georg Berg
Wracks an der Cahills Crossing. Der East Alligator River ist bei Ebbe leicht zu durchqueren. Während der Flut werden Autos schon mal weggespült / © FrontRowSociety.net, Foto: Georg Berg

Auf der FrontRowSociety-Reise, die durch Tourism NT unterstützt worden ist, sind insgesamt vier Reportagen entstanden. Eine inhaltliche Einflussnahme ist damit nicht verbunden.