Wie zünftig es zugeht im Basecamp des Pik Lenin merken wir schnell. Ein großes Zelt dient als Kantine und natürlich stehen schon fast alle anderen Gäste in der Schlange vor dem Buffet, als unsere Gruppe pünktlich um 19 Uhr zum Dinner eintrifft. Einige verbringen hier schon Wochen und akklimatisieren sich in Vollpension zwischen dem Basecamp und verschiedenen Zwischenlagern. Zu denen schleppen sie an mehreren Tagen, unterstützt von Pferden und Sherpas, Proviant hoch. Fast alle haben dasselbe Ziel vor Augen. Sie wollen bei günstigen Wetterbedingungen auf dem 7.134 Meter hohen Gipfel des Pik Lenins stehen.

48 gelbe Zelte können in den Monaten Juli und August ca. 100 Gäste unterbringen. Im übrigen Jahr ist das auf 3,600 Meter Höhe gelegene hügelige Tal nicht mehr von den Shuttlebussen erreichbar, die im Sommer das Basecamp direkt vom 330 km entfernt gelegenen Flughafen Osch hierher bringt / © FrontRowSociety.net, Foto: Georg Berg
48 gelbe Zelte können in den Monaten Juli und August ca. 100 Gäste unterbringen. Im übrigen Jahr ist das auf 3,600 Meter Höhe gelegene hügelige Tal nicht mehr von den Shuttlebussen erreichbar, die im Sommer das Basecamp direkt vom 330 km entfernt gelegenen Flughafen Osch hierher bringt / © FrontRowSociety.net, Foto: Georg Berg

Neben einer spanischen und italienischen Gruppe, sind viele Alpinisten aus Russland und der Ukraine hier – und alle haben einen erstaunlich großen Hunger. Die Namen der Pamir-Gipfel deuten noch das Erbe der Sowjetunion an. “Pik Kommunismus” ist mit 7.495 Metern der höchste Pamir-Gipfel und den zweithöchsten, den “Pik Lenin”, schaue ich an, während er von den letzten Sonnenstrahlen des Tages getroffen wird.

Adapter und Ladegeräte der Expeditions-Funkgeräte scharen sich um den wertvollen Stromanschluss im Basecamp. Wifi bucht man stundenweise für 2 US Dollar / © FrontRowSociety.net, Foto: Georg Berg
Adapter und Ladegeräte der Expeditions-Funkgeräte scharen sich um den wertvollen Stromanschluss im Basecamp. Wifi bucht man stundenweise für 2 US Dollar / © FrontRowSociety.net, Foto: Georg Berg

Gipfel der Gegensätze

Die Szenerie könnte gegensätzlicher nicht sein. Während im Basecamp Akkus geladen werden und über den Bergen der Vollmond aufgeht, steigt aus den Jurten der genügsamen kirgisischen Nomaden die dünne Rauchfahne der mit Viehdung befeuerten Öfen auf. Ich verkrieche mich mit der Absicht, früh aufzustehen in meinen dicken Daunenschlafsack.

Vorgebirgslandschaft am Fuß des Pik Lenin. Die Berge im Hintergrund gehören zum Tian Shan Gebirge / © FrontRowSociety.net, Foto: Georg Berg
Vorgebirgslandschaft am Fuß des Pik Lenin. Die Berge im Hintergrund gehören zum Tian Shan Gebirge / © FrontRowSociety.net, Foto: Georg Berg

Im Morgengrauen zieht mich die sanfte Hochgebirgs-Landschaft mit Hügeln und kleinen Seen in den Bann. In der Ferne ist das Tien Chen Gebirge zu erkennen und hinter mir die gletscherbedeckten Pamir-Giganten. Pferde grasen vereinzelt und gelegentlich passiert mich in lautem Galopp eine ganze Herde.

Erscheinung im Morgengrauen. Der Schimmel ist gerade auf der Flucht vor seinem ärgerlichen Besitzer. Wie das Nachspiel ausgesehen hat, lässt sich nur vermuten / © FrontRowSociety.net, Foto: Georg Berg
Erscheinung im Morgengrauen. Der Schimmel ist gerade auf der Flucht vor seinem ärgerlichen Besitzer. Wie das Nachspiel ausgesehen hat, lässt sich nur vermuten / © FrontRowSociety.net, Foto: Georg Berg

Ein einzelner Schimmel hebt sich vor dem dunklen Hintergrund ab, zieht aber auch durch sein Verhalten die Aufmerksamkeit auf sich. Kurze Zeit nachdem er mich in kürzester Entfernung passiert hat, kommt (vermutlich) sein Besitzer und außer Atem schaut er in die Ferne, wo der Schimmel grast, als ob er nie ausgerissen wäre.

Die Szene scheint unschuldig. Der Schimmel ruht sich aber nur aus, bevor ihn sein Besitzer erreicht - um dann erneut die Flucht anzutreten / © FrontRowSociety.net, Foto: Georg Berg
Die Szene scheint unschuldig. Der Schimmel ruht sich aber nur aus, bevor ihn sein Besitzer erreicht – um dann erneut die Flucht anzutreten / © FrontRowSociety.net, Foto: Georg Berg

Unterdessen kündigen Rauchfahnen aus in der Nähe gelegenen Jurten an, dass für die kirgisischen Hirten ein arbeitsreicher Tag beginnt. Frauen melken Kühe, Männer bereiten Pferde vor und Kinder waschen sich am eiskalten Wasser im Flussbett.

Für die kirgisische Nomadenfamilie am Fuß des Pamirgebirges beginnt ein neuer Tag / © FrontRowSociety.net, Foto: Georg Berg
Für die kirgisische Nomadenfamilie am Fuß des Pamirgebirges beginnt ein neuer Tag / © FrontRowSociety.net, Foto: Georg Berg

Der Einheimische, mit dem ich an diesem Morgen die ersten Worte wechsle, ist ein Junge, der mir zuerst schüchtern zuwinkt und dann auf englisch nach meinem Namen fragt. Er stellt sich als Dschangube vor und verweist auf das Zaumzeug über seinem Arm: “Horse?”. Ich nicke und wortlos machen wir uns gemeinsam auf den Weg. Über das Ziel mache ich mir keine Gedanken. Es ist keine große Überraschung, als Dschangube ein Pferd gefunden hat, dass sich von ihm bereitwillig das Zaumzeug anlegen lässt. Geschickt schwingt er sich drauf, reißt die Zügel rum und posiert für mein Foto.

Raureif bedeckt noch die Vegetation. Dschangube hat sich gerade auf sein Pferd geschwungen / © FrontRowSociety.net, Foto: Georg Berg
Raureif bedeckt noch die Vegetation. Dschangube hat sich gerade auf sein Pferd geschwungen / © FrontRowSociety.net, Foto: Georg Berg

Dann, nur mit Zeichensprache, macht Dschangube mir klar, dass er mich auf dem Pferd fotografieren könne. So wie ich völlig ahnungslos bin, wie ich ohne Steigbügel aufsteigen soll, nimmt auch er seine Herausforderung an. Während ich es also irgendwie auf den Rücken des Pferdes schaffe, hat Dschangube behalten, welches der Auslöserknopf meiner Kamera ist. Jedenfalls ist ihm dass Foto sehr gut gelungen.

Das höchste Glück der Erde ... / © FrontRowSociety.net, Foto: Dschangube
Das höchste Glück der Erde … / © FrontRowSociety.net, Foto: Dschangube

Reportage: Auf dem Pamir-Highway durch Kirgistan und Tadschikistan
Hintergrundreportage: Mit Special Adventures auf der Seidenstraße unterwegs
Einordung und Buchbesprechung: Exotik, Macht und Handel auf der Seidenstraße

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