Mit Blick auf allerhöchste Gipfel führt der Pamir-Highway durch ein Gebiet, das seit vielen Jahrhunderten als Handelsweg zwischen Ost und West dient. Nur an wenigen Orten der Welt verkörpert eine Landschaft so sehr ihre Geschichte, wie hier die viele hundert Kilometer lange Grenze zwischen Tadschikistan und Afghanistan.

Der Pansch-River bildet die Grenze zwischen Tadschikistan und Afghanistan. An beiden Ufern des reißenden Flusses verlaufen die uralten Handelsrouten. Links auf tadschikischer Seite verkehren chinesische Laster auf der „New Silk Road“. Rechts, auf afghanischer Seite sind nur kleinere Lasttiere und Fahrzeuge zu beobachten / © FrontRowSociety.net, Foto: Georg Berg
Der Pansch-River bildet die Grenze zwischen Tadschikistan und Afghanistan. An beiden Ufern des reißenden Flusses verlaufen die uralten Handelsrouten. Links auf tadschikischer Seite verkehren chinesische Laster auf der „New Silk Road“. Rechts, auf afghanischer Seite, sind nur kleinere Lasttiere und Fahrzeuge zu beobachten / © FrontRowSociety.net, Foto: Georg Berg

Die im Süden Kirgistans gelegene Metropole Osch ist Ausgangspunkt und Ziel für eine mehr als 2.000 Kilometer langen Rundreise, die uns in zehn atemberaubenden Tagen durch den südlichen Teil der ehemaligen Sowjetrepublik führen soll. Kyrillische Buchstaben, mit denen sowohl kirgisisch als auch tadschikisch geschrieben wird, und Kenntnis der russischen Sprache wären hier für die Verständigung definitiv besser, als das in vielen Teilen der Welt gesprochene Englisch. Andererseits hat man sich zu Zeiten, als mit Alexander dem Großen, die ersten Europäer einen Drang zu den zentralasiatischen Handelsrouten verspürten, ja auch irgendwie verständigt.

Junger kirgisischer Geschäftsmann unterwegs mit Kalpak, dem traditionell kirgisischen Hut aus weißem Wollfilz / © FrontRowSociety.net, Foto: Georg Berg
Junger kirgisischer Geschäftsmann in Osch unterwegs mit Kalpak, dem traditionell kirgisischen Hut aus weißem Wollfilz / © FrontRowSociety.net, Foto: Georg Berg

Auf Alexanders Spuren am Iskanderkul See

Der Iskanderkul-See liegt nicht weit von der tadschikischen Hauptstadt Duschanbe entfernt / © FrontRowSociety.net, Foto: Georg Berg
Der Iskanderkul-See liegt nicht weit von der tadschikischen Hauptstadt Duschanbe entfernt / © FrontRowSociety.net, Foto: Georg Berg

Das Pferd Alexanders des Großen soll in diesem See ertrunken sein, der den Fluss Iskanderdarja nicht lange vor seinem Asienfeldzug durch einen Erdrutsch aufgestaut haben soll. Der Iskanderkul gilt als einer der schönsten Seen Zentralasiens. Wir übernachten in einem kleinen Dorf, zu dem ein staubiger Weg führt. Neben klassisch flachen Lehmbauten sind auch einige Häuser als Homestays für Urlauber errichtet worden.

Jede Menge Staub wirbeln Autos auf, die durch den kleinen Ort Sarytag in der Nähe des Iskanderkul Sees fahren / © FrontRowSociety.net, Foto: Georg Berg
Jede Menge Staub wirbeln Autos auf, die durch den kleinen Ort Sarytag in der Nähe des Iskanderkul Sees fahren / © FrontRowSociety.net, Foto: Georg Berg
Dem fremden Besucher im Dorf gilt die Aufmerksamkeit auch schon der Kleinsten / © FrontRowSociety.net, Foto: Georg Berg
Den fremden Besuchern im Dorf gilt die Aufmerksamkeit auch schon der Kleinsten / © FrontRowSociety.net, Foto: Georg Berg
Touristen sind selten hier und die Neugier der beiden überwindet ihre scheue Zurückhaltung / © FrontRowSociety.net, Foto: Georg Berg
Touristen sind selten hier und die Neugier der beiden überwindet ihre scheue Zurückhaltung / © FrontRowSociety.net, Foto: Georg Berg

In der Gegend wurde zu Sowjetzeiten das seltene Element Cäsium gewonnen. Das gut erhaltene Mosaik an einer stillgelegten Fabrikwand erinnert im Sowjetstil noch an die Zeit des Bergbaus. Heute wird gelegentlich auf dem Fabrikgelände mit Waren wie Speiseöl oder Mehl gehandelt.

Hinter dem Fabriktor zieht ein Laster mit Grundnahrungsmitteln zahlreiche Interessenten an. Das Mosaik im Sowjetstil an der Fabrikmauer erinnert an den Bergbau in dieser Gegend / © FrontRowSociety.net, Foto: Georg Berg
Hinter dem Fabriktor zieht ein Laster mit Grundnahrungsmitteln zahlreiche Interessenten an. Das Mosaik im Sowjetstil an der Fabrikmauer erinnert an den Bergbau in dieser Gegend / © FrontRowSociety.net, Foto: Georg Berg

Warum eigentlich Seidenstraße?

Es war zwar die Seide, die der Seidenstraße ihren Namen gegeben hat. Gehandelt wurde aber mit vielem. Zunächst boten die Chinesen den Kirgisen Seide im Tausch gegen deren gute Pferde an, die sie für ihre Feldzüge brauchten. Auch Erfindungen wie chinesisches Papier oder Schießpulver und arabisches Glas wurden auf der Seidenstraße von Kontinent zu Kontinent weiter gereicht. Vor allem leichte Waren wie Safran und andere in Europa unbekannte Gewürze lohnten den beschwerlichen Transport entlang reißender Flüsse und über hohe, im Winter unpassierbare, Pässe.

Kunstvoll aufgehäuft: Gewürze wie Pfeffer, Senfkörner, Paprika, Kurkuma oder - eher in kleinen Mengen versteckt – afghanischer Safran / © FrontRowSociety.net, Foto: Georg Berg
Kunstvoll in der Markthalle von Duschanbe aufgehäuft: Gewürze wie Pfeffer, Senfkörner, Paprika, Kurkuma oder – eher in kleinen Mengen versteckt – afghanischer Safran / © FrontRowSociety.net, Foto: Georg Berg

Die Vorfahren der Menschen, denen wir begegnen, haben Karawanen die Durchfahrt ermöglicht. Sie haben Wege passierbar gehalten und Menschen wie auch deren Lasttiere mit Nahrung versorgt.

Auf dem Markt in Osch wird eine große Vielfalt von Kurut angeboten. Die harten salzigen Kugeln basieren auf getrockneten Joghurt- oder Sauermilch-Mischungen / © FrontRowSociety.net, Foto: Georg Berg
Auf dem Markt in Osch wird eine große Vielfalt von Kurut angeboten. Eine haltbare Verpflegung für den Pamir-Highway. Die harten salzigen Kugeln basieren auf getrockneten Joghurt- oder Sauermilch-Mischungen / © FrontRowSociety.net, Foto: Georg Berg

Wechselnde Machtverhältnisse und auch die Natur haben es mit sich gebracht, dass es mehrere Wege gibt, die alle für sich beanspruchen können, die Seidenstraße zu sein. Entlang des Pansch-Flusses wird die Straße auf tadschikischer Seite zurzeit von einem chinesischen Konsortium asphaltiert, um den Gürtel zwischen China und Usbekistan durch Tadschikistan für den Schwerverkehr besser passierbar zu machen.

Im Grenzgebiet zu Afghanistan verbergen sich neben der Straße in Tadschikistan immer noch gefährliche Landmienen / © FrontRowSociety.net, Foto: Georg Berg
Im Grenzgebiet zu Afghanistan verbergen sich neben dem Pamir-Highway in Tadschikistan immer noch gefährliche Landminen / © FrontRowSociety.net, Foto: Georg Berg

2018 proklamiert Tadschikistan das “Jahr des Tourismus”

Auf unserer Reise passieren wir auch den Ort, an dem vor einem Jahr eine Gruppe ausländischer Fahrradtouristen Opfer eines tödlichen terroristischen Anschlags geworden sind. Im selben Jahr noch proklamierte Präsident Emomali Rakhmon, in dessen Geburtsdistrikt Danghara das Verbrechen geschehen ist, 2018 zum Jahr des Tourismus.

In Kaleikhum erinnert ein Denkmal an vier europäische und amerikanische Radfahrer, die 2018 auf dem Pamir-Highway Opfer eines terroristischen Anschlags geworden sind. Im Hintergrund ein allgegenwärtiges Photo des tadschikischen Präsidenten Emomali Rakhmon / © FrontRowSociety.net, Foto: Georg Berg
In Kaleikhum erinnert ein Denkmal an vier europäische und amerikanische Radfahrer, die 2018 auf dem Pamir-Highway Opfer eines tödlichen terroristischen Anschlags geworden sind. Im Hintergrund ein allgegenwärtiges Photo des tadschikischen Präsidenten Emomali Rakhmon / © FrontRowSociety.net, Foto: Georg Berg

Durch seine Tourismus-Offensive möchte Tadschikistan die Zahl der ausländischen Touristen vervielfachen und damit seine Wirtschaft unterstützen. Neben dem Pamir-Highway stellen die Hauptstadt Duschanbe und der Pamir-Gebirgs-Alpinismus mit seinen 7-Tausender-Gipfeln attraktive Ziele dar. Die Visumsbestimmungen sind im letzten Jahr etwas vereinfacht worden und wir haben die früher gefürchteten Kontrollen an der Grenze und den Checkpunkten im Lande freundlich und korrekt erlebt.

Duschanbe, Hauptstadt mit langer Handelsgeschichte

Schon 500 Jahre vor unserer Zeitrechnung kreuzten sich da, wo heute Duschanbe liegt zwei historische Handelswege. Hier fand immer montags ein Markt statt. Deshalb bedeutet der Ortsname wörtlich übersetzt auch Montag [Der zweite Tag nach dem Samstag = “Du” (zwei) + “Schambe” (Samstag)]. Heute ist die Markthalle abseits des Stadtzentrums ein sehr lebhafter Anziehungspunkt. Der riesige Bau wurde 2015 fertig gestellt und 2017 unter französischer Leitung in Betrieb genommen. Zugleich wurden andere Marktplätze in der Stadt aufgelöst.

Kaum ein Parkplatz ist vor der neuen Markthalle in Duschanbe mehr frei / © FrontRowSociety.net, Foto: Georg Berg
Kaum ein Parkplatz ist vor der neuen Markthalle in Duschanbe mehr frei / © FrontRowSociety.net, Foto: Georg Berg

Selten sieht man so viele Gewürzpyramiden, getrocknete Früchte, Gemüse und Nüsse. Dazwischen schieben nicht etwa die Kunden selbst ihre Einkaufswagen. Die Transporteure üben einen eigenständigen Beruf aus. Sie sammeln all die schweren Gemüse, Melonen und sonstigen Waren ein und bringen sie nach draußen ins Gedränge der Taxis und Privatfahrzeuge, mit denen die Kunden ihre Einkäufe abtransportieren.

Für die Dauer des Einkaufs werden Assistenten beschäftigt, die Waren einsammeln und nach draußen zum Auto transportieren / © FrontRowSociety.net, Foto: Georg Ber
Für die Dauer des Einkaufs werden Assistenten beschäftigt, die Waren einsammeln und nach draußen zum Auto transportieren / © FrontRowSociety.net, Foto: Georg Ber

Bezahlt wird in den beiden Ländern Tadschikistan und Kirgistan überwiegend mit Bargeld. Kirgisische Som und tadschikische Somoni kann man gegen US-Dollar oder Euro Noten eintauschen. Geldautomaten sind selbst in großen Städten Mangelware. Wenn überhaupt irgendwo eine Kreditkarte akzeptiert wird, dann am ehesten Visa.

In Osch tauschen zahlreiche Wechselstuben US-Dollar und Euro-Bargeld in die Landeswährung / © FrontRowSociety.net, Foto: Georg Berg
In Osch tauschen zahlreiche Wechselstuben US-Dollar und Euro-Bargeld in die Landeswährung / © FrontRowSociety.net, Foto: Georg Berg

Lesen Sie hier demnächst die ausführliche Reportage über zwei zentralasiatische Großstädte und ihre Märkte

Kirgistan, das Land der Pferde

Ein Viertel aller Kirgisen lebt von der Viehzucht. Auf 6 Mio. Einwohner kommen in Kirgistan 20 Mio. Weidetiere, von denen ca. 10 Mio. Pferde sind. Die nomadische Lebensweise in Jurten macht es möglich, den Tieren zu jeder Jahreszeit nahrhafte Weideflächen anzubieten.

Die Jurten der kirgisischen Nomaden bestehen aus Filztextilien, die über ein Holzgerüst gelegt sind. Sie sind gut transportabel und schnell auf und abzubauen / © FrontRowSociety.net, Foto: Georg Berg
Die Jurten der kirgisischen Nomaden bestehen aus Filztextilien, die über ein Holzgerüst gelegt sind. Sie sind gut transportabel und schnell auf und abzubauen / © FrontRowSociety.net, Foto: Georg Berg
Auf der Hochebene zwischen denen beiden Gebirgen Pamir und Tian Shan grasen kirgisische Pferde vor einer verlassenen sowjetischen Radarstation / © FrontRowSociety.net, Foto: Georg Berg
Auf der Hochebene zwischen denen beiden Gebirgen Pamir und Tian Shan grasen kirgisische Pferde vor einer verlassenen sowjetischen Radarstation / © FrontRowSociety.net, Foto: Georg Berg

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Hintergrundreportage: Mit Special Adventures auf der Seidenstraße unterwegs
Reportage: Unvergessliche Eindrücke am Pik Lenin
Einordnung mit Buchbesprechung: Exotik, Macht und Handel auf der Seidenstraße