Auf Besuch in einer Kartoffelregion

Die Kartoffel ist ein Weltstar unter den Nahrungsmitteln. Nahrhaft, leicht zuzubereiten, vielfältig einsetzbar und lagerfähig. Ab Juni werden in Deutschland die ersten Frühkartoffeln geerntet. In Bayern wird die Kartoffel dann gebührend gefeiert und Jahr für Jahr wird dem Erdapfel eine Königin an die Seite gestellt. Die Produkthoheit wirbt für die heimische Knolle. Sie ist die Litfaßsäule der Kartoffel und hat im Laufe ihrer Regentschaft eine Fülle von repräsentativen Terminen. Da geht es der Kartoffelkönigin von Bayern nicht anders als der Königin von England.

So feiert man in Bayern den Start der neuen Kartoffelsaison. Abendfüllendes Programm der 16 Erzeugergemeinschaften, die dem Verband Bayerische Kartoffel angehören. Ein großes Fest für die scheidende und die neue Königin sowie allerlei Gerichten aus der Frühkartoffel für rund 500 Gäste / © FrontRowSociety.net, Foto: Georg Berg
So feiert man in Bayern den Start der neuen Kartoffelsaison. Abendfüllendes Programm der 16 Erzeugergemeinschaften, die dem Verband Bayerische Kartoffel angehören. Ein großes Fest für die scheidende und die neue Königin sowie allerlei Gerichte aus der Frühkartoffel für rund 500 Gäste / © FrontRowSociety.net, Foto: Georg Berg
Defilee der Produkthoheiten. Eine Königin kommt selten allein. Bei den Krönungsfeierlichkeiten zur Bayerischen Kartoffelkönigin machen auch Produkthoheiten wie Honig-, Hopfen-, Wein- oder Spargelkönigin ihre Aufwartung / © FrontRowSociety.net, Foto: Georg Berg
Defilee der Produkthoheiten. Eine Königin kommt selten allein. Bei den Krönungsfeierlichkeiten zur Bayerischen Kartoffelkönigin machen auch Produkthoheiten wie Honig-, Hopfen-, Wein- oder Spargelkönigin ihre Aufwartung / © FrontRowSociety.net, Foto: Georg Berg

Rein in die Kartoffeln, raus aus den Kartoffeln

Unentschlossenheit kann man Paul Strixner nicht vorwerfen. Ihr wollt sehen, wie wir Kartoffeln ernten? Kurzer Hand spannt Landwirt Strixner den Vollernter hinter den Traktor und rein geht es in die Kartoffeln. Früher belieferte der Strixner Hof, im Landkreis Neuburg-Schrobenhausen gelegen, kleine Supermärkte. Heute sind die Abnehmer Großkunden aus der Gastronomie oder weiterverarbeitende Betriebe. Die kleinen Märkte gibt es nicht mehr. Die Discounter haben übernommen und wer nicht genau hinschaut und beim Einkaufen kein Auge für Regionalität hat, legt sich Kartoffeln aus Ägypten, Zypern oder Israel in den Einkaufswagen. Das muss nicht sein, denn gute Lagerware aus der Region oder Kartoffeln aus Nachbarländern wie Frankreich oder den Niederlanden gibt es das ganze Jahr über.

Landwirt Paul Strixner auf seinem Feld mit der reifen Frühkartoffel Juwel / © FrontRowSociety.net, Foto: Georg Berg
Landwirt Paul Strixner auf seinem Feld mit der reifen Frühkartoffel Juwel / © FrontRowSociety.net, Foto: Georg Berg

Ein Großteil der Ernte deutscher Kartoffeln wandert in die weiterverarbeitenden Betriebe. Geschälte, gewaschene und polierte Kartoffeln verlieren allerdings einen Teil ihrer Vitamine und büßen an Geschmack ein. Eine geschälte Kartoffel, so Paul Strixner verliert gut 40 Prozent ihrer Nährstoffe. Der beste Schutz für die Kartoffel ist eine dünne Schicht der Erde, in der sie gewachsen ist.

Lorbeer macht nicht satt – besser wer Kartoffel hat!

Die Juwel ist eine Frühkartoffel und Landwirt Paul Strixner kann sie auf seinen Feldern bereits ab Anfang Juni aus der sandig-lehmigen Erde holen. Zusammen mit seiner Frau Andrea bewirtschaftet er in vierter Generation 20 Hektar Land. Zumeist in dreijähriger Fruchtfolge von Weizen, Mais und Kartoffeln. “Als Zwischenfrucht zum Mulchen und Aufbessern der Böden wird Alexandrinerklee oder Rettich gesetzt,” fügt Strixner noch hinzu. “Im Februar werden die Mutterkartoffeln gelegt. Diese Saatkartoffeln kommen direkt aus dem Vorkeimraum auf das Feld.” Dort kann der Kartoffel besonders schwül-warmes Wetter zu schaffen machen, denn dann ist sie anfällig für die Krautfäule, ein Pilz, der die Blätter befällt.

Am laufenden Band. Der Vollernter pflügt durch die Reihen und zieht die Knollen aus der Erde. Das Grün fällt direkt wieder aufs Feld. Auf dem Vollernter findet eine erste Vorsortierung statt. Steine, Erdklumpen und die dunkleren und ausgezehrten Mutterkartoffeln werden herausgenommen / © FrontRowSociety.net, Foto: Georg Berg
Am laufenden Band. Der Vollernter pflügt durch die Reihen und zieht die Knollen aus der Erde. Das Grün fällt direkt wieder aufs Feld. Auf dem Vollernter findet eine erste Vorsortierung statt. Steine, Erdklumpen und die dunkleren und ausgezehrten Mutterkartoffeln werden herausgenommen / © FrontRowSociety.net, Foto: Georg Berg

Sparsamer Einsatz der Sparschäler

An der Kartoffel zeigt sich, wie nah Clean Eating und Convenience Food beieinander liegen. Frisch vom Acker geholt, kann die Karriere der Kartoffel in der Kloßfabrik oder als Tiefkühl-Krokette enden oder aber sie wird noch in die Hand genommen und von einem Sparschäler umgarnt und als klassische Beilage serviert. Alles ist möglich. Doch der Zeitdruck in den Großküchen und auch die Bequemlichkeit der Verbraucher drückt die Nachfrage nach erdbehafteten Kartoffeln. Auch mehlig kochende Sorten sind nicht mehr so gefragt.

Deutsche Frühkartoffeln gibt es ab Anfang Juni. Endverbraucher können dann direkt ab Hof im 5-Kilo-Sack die frischen Erdäpfel kaufen / © FrontRowSociety.net, Foto: Georg Berg
Deutsche Frühkartoffeln gibt es ab Anfang Juni. Endverbraucher können dann direkt ab Hof im 5-Kilo-Sack die frischen Erdäpfel kaufen / © FrontRowSociety.net, Foto: Georg Berg

Für den Spargel ist die deutsche Frühkartoffel zu spät

Wenn die Spargelsaison volle Fahrt aufnimmt, ist der Konsument mit Hang zu regionalen Produkten stets in einem Dilemma. An deutsche Frühkartoffeln ist im Mai noch nicht zu denken. In den Regalen liegt dann Frischware aus Zypern oder Ägypten. Die Juwel von Landwirt Paul Strixner wächst da noch unter der Erde. Vorgekeimt brauchen Frühkartoffeln 90 Tage. Bei Strixners kann die Ernte bereits Anfang Juni beginnen, denn sie haben Felder in Tallage, die bei spätem Frost vor zu großer Kälte verschont werden.

Durch die Tallage und angrenzendem Wald sind die Kartoffelfelder von Paul Strixner gut vor späten Frösten geschützt. So ist es möglich, die Mutterkartoffeln im Februar zu legen und mit der Ernte der Frühkartoffeln ab Juni zu beginnen / © FrontRowSociety.net, Foto: Georg Berg
Durch die Tallage und angrenzendem Wald sind die Kartoffelfelder von Paul Strixner gut vor späten Frösten geschützt. So ist es möglich, die Mutterkartoffeln im Februar zu legen und mit der Ernte der Frühkartoffeln ab Juni zu beginnen / © FrontRowSociety.net, Foto: Georg Berg

Immer mehr Bauern errichten Kühlhäuser, um Ware von Oktober bis Juli lagern zu können. Auch die Kartoffelexperten von Caspar Plautz auf dem Münchener Viktualienmarkt empfehlen, der Lagerware eine Chance zu geben. Die Kartoffeln aus dem Vorjahr sind oft intensiver im Geschmack als frische Kartoffeln vom Feld, da sie während der Lagerung immer auch Wasser verloren haben.

Zartes Pflänzchen mit hübscher weißer Blüte. Die Frühkartoffel braucht gut 90 Tage bis zur Reife / © FrontRowSociety.net, Foto: Georg Berg
Zartes Pflänzchen mit hübscher weißer Blüte. Die Frühkartoffel braucht gut 90 Tage bis zur Reife / © FrontRowSociety.net, Foto: Georg Berg

Wenn sich naht Sankt Stanislaus, rollen die Kartoffeln aus

Geerntet oder auch gerohdet werden Kartoffeln in Deutschland im September und Oktober. Auf dem Strixner Hof in Ehekirchen brechen dann die kulinarischen Kartoffelwochen an und die Kartoffel bekommt ihre eigene Speisekarte. Von Kartoffelcreme-Suppe, Rosmarinkartoffeln, Reiberdatschi, Kartoffelsalat bis zur Krokette und Schupfnudel findet sich alles und wird auf Wunsch auf einem „Himmlischen Teller“ arrangiert.

Bayerische Oppulenz: Allerlei von der Kartoffel. Jedes Jahr ab September gibt es auf dem Strixner Hof von Antonie Strixner-Bissinger in Ehekirchen eine eigene Kartoffel-Karte / © FrontRowSociety.net, Foto: Georg Berg
Bayerische Oppulenz: Allerlei von der Kartoffel. Jedes Jahr ab September gibt es auf dem Strixner Hof von Antonie Strixner-Bissinger in Ehekirchen eine eigene Kartoffel-Karte / © FrontRowSociety.net, Foto: Georg Berg

The Queenie-Show must go on!

Gerade noch hat die scheidende Königin Ramona I. ihr Regentenjahr Revue passieren lassen, schon ist Stephanie I. am Start. Standesgemäß wird sie zur Krönung mit einem Lamborghini in die Festhalle gefahren. Das schnittige Nutzfahrzeug passt kaum durch das Hallentor. Während ihrer Amtszeit wird die Produkthoheit die anstehenden Termine allerdings im Pkw zurücklegen. Immerhin – so erfahren wir von Ramona I. – fühlt sich der Verband Bayerische Kartoffel, auch für Knollen zuständig, die im Straßenverkehr entstehen. Das königliche Protokoll hat die flotte Kartoffelkönigin nicht selbst bezahlen müssen.

Stilechter Einzug. Die Bayerische Kartoffelkönigin 2019 Stephanie I. fährt Lamborghini / © FrontRowSociety.net, Foto: Georg Berg
Stilechter Einzug. Die Bayerische Kartoffelkönigin 2019 Stephanie I. fährt Lamborghini / © FrontRowSociety.net, Foto: Georg Berg

Hier geht es zur Reportage über Caspar Plautz, den angesagten Kartoffel-Imbiss auf dem MÜnchener Viktualienmarkt.

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