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Die Unesco hat den 23. August zum Internationalen Tag der Erinnerung an den Sklavenhandel und dessen Abschaffung erklärt. Spuren des transatlantischen Sklavenhandels sind bis heute an den Küsten Afrikas zu sehen. Sie sind Mahnmal und Erinnerungsstätte. Mit dem europäischen Kolonialismus entwickelte sich ab dem 16. Jahrhundert der Sklavenhandel. In einem Dreieckshandel fuhren Schiffe mit Waren an die Küste Westafrikas, um sie dort gegen Menschen einzutauschen. Diese wurden nach Amerika gebracht und dort verkauft. Von Amerika aus fuhren Schiffe zurück nach Europa, wiederum beladen mit Produkten aus der neuen Welt wie Zucker, Kaffee oder Baumwolle. Allesamt Waren, die durch Sklavenarbeit angebaut, geerntet und hergestellt worden waren.

Sierra Leone auf dem Weg zum Tourismus, hier die Brücke in der Hauptstadt Freetown / © Front Row Society, Foto Georg Berg

Freetown – Hauptstadt von Sierra Leone in Westafrika

Die Länder Westafrikas erinnern an verschiedenen Orten bis heute an das dunkle Kapitel der Sklaverei. Hafenanlagen, Buchten, vorgelagerte Inseln waren Schauplatz des Sklavenhandels. Familien wurden auseinandergerissen, Menschen wie auf einem Viehmarkt begutachtet, verkauft und auf Schiffe gebracht. Freetown, die Hauptstadt von Sierra Leone, wurde 1787 von befreiten Sklaven der Briten besiedelt und trägt seit dieser Zeit, das Wort Freiheit im Namen. Liberia, ein Nachbarland von Sierra Leone, wurde von ehemaligen Sklaven aus Amerika gegründet. Es gilt neben Äthiopien als das einzige Land Afrikas, das in der Zeit des Imperialismus im 19. Jahrhundert nicht kolonialisiert wurde. Allerdings kommt es in Liberia immer wieder zu Konflikten zwischen Afroamerikanern und den Ethnien, die das Gebiet schon früher besiedelten.

Ankunft auf Banana Island, einem ehemaligen Umschlagplatz im Sklavenhandel / © Frontrowsociety.net, Foto Georg Berg

Banana Island – einst Umschlagplatz für den transatlantischen Sklavenhandel

Im Atlantik vor der Küste Sierra Leones liegt Banana Island. Dieser friedliche Ort war ein Zentrum des Sklavenhandels. Heute leben wenige Menschen hier und die Fischer verdienen sich durch den Transport von Urlaubern etwas hinzu. Aber nicht immer ging es hier so friedlich zu. Denn noch vor 200 Jahren wurden die auf dem afrikanischen Festland gefangenen Sklaven von englischen Händlern gesammelt und weiter nach Amerika geschickt.

Chefreporter Georg Berg hat eine Gruppe von deutschen Reiseexperten bei ihrer Erkundung der Destination Sierra Leone begleitet. Das Land hat zwei schwere Jahrzehnte hinter sich, die man hier nur noch The Crisis nennt. Im Begriff Krise werden ein 11-jähriger Bürgerkrieg und die danach überstandene Ebola-Epidemie zusammengefasst.

Die Infrastruktur und die Lebensbedingungen der Menschen zu verbessern, auf die Naturschönheiten und die reiche Kultur des Landes hinzuweisen, das ist das Ziel der nächsten Jahre für den Tourismus in Sierra Leone.

Hier geht es zur Reportage über Sierra Leone auf dem Weg zu einem besonderen Reiseziel.

Von diesem natürlichen Hafen wurden früher von Banana Island aus Tausende von Sklaven nach Amerika deportiert / © FrontRowSociety.net, Foto: Georg Berg
Von diesem natürlichen Hafen wurden früher von Banana Island aus Tausende von Sklaven nach Amerika deportiert / © FrontRowSociety.net, Foto: Georg Berg
Der Cotton Tree symbolisiert die Befreiung von der Sklaverei. Der beeindruckende Baum steht im Zentrum der Hauptstadt Freetown. Das historische Gemälde ist im benachbarten Nationalmuseum Sierra Leones ausgestellt / © FrontRowSociety.net, Foto: Georg Berg
Der Cotton Tree symbolisiert die Befreiung von der Sklaverei. Der beeindruckende Baum steht im Zentrum der Hauptstadt Freetown. Das hier abgebildete historische Gemälde ist im benachbarten Nationalmuseum Sierra Leones ausgestellt / © FrontRowSociety.net, Foto: Georg Berg

MOCAA – Zeitz Museum of Contemporary Art Africa

Seit dem Ende der Apartheid im Jahr 1991 ist die Künstlerszene in Südafrika in Bewegung. Im Jahr 2017 entstand in einem ehemaligen Getreidesilo in Kapstadt die weltweit umfangreichsten Sammlung zeitgenössischer afrikanischer Kunst. Schon das Gebäude selbst gilt als Kunstwerk. Künstlerinnen und Künstler des afrikanischen Kontinents beschäftigen sich mit dem Thema Sklaverei und Menschenrechte, arbeiten die Folgen von Kolonialisierung und Unterdrückung auf und treten mit ihren Werken in Dialog mit dem Betrachter.

Hier geht es zu unserer Reportage über die weltweit umfangreichste Sammlung zeitgenössischer afrikanischer Kunst im MOCCA, Zeitz Museum of Contemporary Art Africa

In einem ehemaligen Getreidesilo fand die weltweit umfangreichste Sammlung zeitgenössischer, afrikanischer Kunst eine Zuhause / © Redaktion FrontRowSociety.net
Als Besucher des MOCAA kann man sich dem düsteren Kapitel der Sklaverei nicht entziehen / © Redaktion FrontRowSociety.net
Epochale Kunst, die einen bleibenden Eindruck hinterlässt und für viel Diskussionsstoff sorgt
Was bleibt nach Jahrhunderten der Gewalt? Kunst mit viel Stoff für die Kontroverse / © Redaktion FrontRowSociety.net

Kapstadt – Kolonialisierung und Vertreibung der Ureinwohner

Der Niederländer Jan van Riebeeck gründete im Auftrag der Vereenigde Oostindische Compagnie 1652 Kapstadt, die erste europäische Siedlung an der Südspitze Afrikas. Damit war der Weg für die Vertreibung der Ureinwohner, der Khoikhoi, geebnet. Im Laufe der nächsten Jahre überlebten sie nur noch in Abhängigkeit von den Kolonialherren, sofern sie nicht an den eingeschleppten Infektionskrankheiten verstarben. Um die Expansion weiter voranzutreiben, wurden aus Indien, Indonesien oder Madagaskar stammende Sklaven unter menschenunwürdigen Bedingungen als Handwerker oder Feldarbeiter beschäftigt.

Über dem Tafelberg stehen keine Wolken, kein Nebel und es regnet nicht - wir haben es auch schon anders erleben dürfen
Kapstadt und der ikonische Tafelberg – Heute ist der Tourismus einer der wichtigsten Wirtschaftszweige Südafrikas / © Redaktion FrontRowSociety.net

Die Grundlagen für die südafrikanische Rassentrennung waren geschaffen. Ab 1948 wurde die Apartheidspolitik vorangetrieben und fand in den 1950er Jahren ihre perfide Perfektionierung. Als zentrale Symbolfigur des Kampfes gegen die Apartheid rüttelte Nelson Mandela an den Grundfesten des Regimes. Seine Aura ist in ganz Kapstadt heute spürbar. Die ehemalige Gefängnisinsel Robben Island ist inzwischen ein Natur- und gleichzeitig Nationaldenkmal, zu welcher Besucher drei Mal täglich per Schiff gelangen können. Mandela verbrachte hier fast zwei Jahrzehnte in einer vier Quadratmeter großen Zelle. Auch diese ist zu besichtigen.

Bis hin zu Robben Island kann man schauen, wo einst Nelson Mandela inhaftiert war
Robben Island liegt zirka 7 Kilometer vor der Küste Kapstadts. Regelmäßig bringen Schiffe zahlreiche Besucher zu der einstigen Gefängnisinsel / © Redaktion FrontRowSociety.net

Wir, das Redaktionsteam von FrontRowSociety sind viel unterwegs und empfehlen Reiseziele, die nachhaltige Erlebnisse ermöglichen. Reisen, von denen man verändert zurückkehrt, sind kennzeichnend für Transformativen Tourismus.

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Angela Berg ist Ressortleiterin Food bei FrontRowSociety - The Magazine