Bevor Hermann Koch in Obertauern als Skilehrer, Bergführer und Mentalcoach Generationen von Wintersportlern prägte, schrieb er bereits Sportgeschichte: Als Weltmeister im Snowbike/Skibob-Slalom setzte er Maßstäbe, die bis heute Bestand haben.
Seine Rekordleistungen – unter anderem die schnellste Zeit über 100 Slalomtore sowie die meisten Tore innerhalb einer Stunde – gelten nach wie vor als unerreicht. Im Gespräch mit FrontRowSociety-Autorin Jessica Conrad erzählt der Steirer, wie ihn sein Weg vom begeisterten Kind aus der Obersteiermark nach Obertauern führte, warum der Kopf im Extremsport oft wichtiger ist als die Beine und wie aus Leidenschaft außergewöhnliche Weltrekorde wurden.
Exklusives Interview mit Hermann Koch
Jessica Conrad: Hermann, du bist nicht nur mehrfacher Weltmeister und Rekordhalter in verschiedenen Alpin-Disziplinen, sondern auch leidenschaftlicher Skilehrer und Bergführer in Obertauern. Wie kamst du nach Obertauern? Bist du gebürtig von hier?
Hermann Koch: Ich bin gebürtig aus der Steiermark und stamme aus einer großen Familie mit sieben Kindern. Durch einen eigenen Skilift in der Nähe habe ich schon sehr früh das Skifahren gelernt. Parallel dazu absolvierte ich eine Berufsausbildung im Bereich Betriebs- und Elektrotechnik. Das Unterrichten hat mich jedoch schon damals begleitet: Im Rahmen des Alpenvereins war ich als Jugendführer tätig und habe mein Wissen weitergegeben. In weiterer Folge machte ich die Ausbildung zum Skilehreranwärter und begann in den Wintern 1977 und 1978 – in Obertauern zu unterrichten. Diese erste Saison legte den Grundstein für meinen weiteren Weg. Zunächst war ich noch urlaubsweise tätig, später dann regelmäßig und schließlich vollberuflich während der Wintersaisonen. Die Sommer verbrachte ich in Monza, wo ich ab 1981 zunächst als Segel- und Surflehrer arbeitete und später die Leitung der Segelschule übernahm. Ab diesem Zeitpunkt war ich durchgehend in Obertauern tätig. Ab 1990 war ich im Rahmen einer internationalen Promotionstätigkeit für die Firma HET tätig – unter anderem für Ski und Records in Nürnberg.
Jessica Conrad: Auch wenn dich die Pisten und der Skisport immer begleitet haben, sie waren stets ein Hobby. Hast du dir das mal anders gewünscht?
Hermann Koch: Im gewissen Maße, ja. Das war der Grund, warum ich ständig nebenbei Weiterbildungen und Trainerscheine gemacht habe, bis hin zum staatlichen Skiführer, wo man abseits Skitouren gehen darf mit den Gästen. Ein Highlight war sicher die Diplom-Mentalcoach-Ausbildung, wo ich gemerkt habe, dass ich früher schon Werkzeuge benutzt habe in meinem sportlichen Wesen. Am Berg braucht man den Kopf und die mentale Stärke oft mehr als man denkt.

Jessica Conrad: Wie bist du denn dazu gekommen Richtung Extremsport zu gehen?
Hermann Koch: Schon als kleiner Junge habe immer etwas Außergewöhnliches gemacht, wie von mir zu Hause einen Berg in einer gewissen Zeit zu erklimmen, wo ich die anderen stehen lassen habe und nur das Zeitliche vor Augen hatte. Ich habe mir immer Ziele gesucht, die möglich waren, aber natürlich schon herausfordernd. Einmal bin ich mit zwölf Jahren mit dem Rad von mir zu Hause 90 Kilometer gefahren und wieder retour. Da bin ich dann immer wieder Halbmarathons und Marathons gelaufen. Auch hier oben, in Obertauern. Ich habe den ganzen Tag unterrichtet, so sechs Stunden durchgehend. Dann habe ich mich umgezogen, bin runter nach Untertauern und von dort wieder hochgelaufen, elf Kilometer und anschließend zum Training. So Sachen halt.
Jessica Conrad: Du bist auch mit dem Fahrrad quer durch Südamerika gefahren – 39 Tage, 4.500 Kilometer und 37.000 Höhenmeter – wie bist du auf darauf gekommen?
Hermann Koch: Davor war ich eine Zeit lang in Rio de Janeiro. Dort habe ich zwei junge Frauen aus der Schweiz kennengelernt, die mir von ihrer Reise zum Machu Picchu erzählt haben. Diese Erzählungen haben in mir sofort den Wunsch geweckt, diesen Ort selbst zu besuchen. Also begann ich zu überlegen, wie ich diese Reise umsetzen könnte. Ursprünglich hatte ich geplant, mit dem Motorrad von Anchorage bis nach Ushuaia zu fahren. Anfangs fanden sich auch einige Bekannte, die mich jeweils für einen Monat begleiten wollten. Doch nach und nach sprangen alle ab, sodass ich schließlich allein dagestanden bin. Deshalb entschied ich mich, die Route zu verkürzen und die Reise neu zu planen. Letztlich startete ich in Ecuador, genauer gesagt in Quito, und fuhr von dort aus bis nach Santiago de Chile. Die Strecke legte ich komplett über Land zurück. Anschließend ging es weiter nach Puerto Montt und von dort über die Anden nach Bariloche. Während der südamerikanischen Wintermonate – im Juli und August – unterrichtete ich dort Sport für die Universität von Buenos Aires und betreute als Trainer ein Juniorenteam der Universität. Einer der eindrucksvollsten Momente der Reise war der Grenzübergang von Bolivien nach Chile auf rund 4.700 Metern Höhe – ein Abschnitt, der mir besonders in Erinnerung geblieben ist.
Jessica Conrad: Wahnsinn, alleine bei den Zahlen wird einem schon anders. Eine echte Leistung, auch hier wieder, körperlich wie mental. Wie kam dir die Idee, Weltrekorde aufzustellen oder hat es sich einfach ergeben?
Hermann Koch: Das hat sich dann so ergeben mit meinem Company, mit dem Harald Brenter, der die Bikes erzeugt, also Snowbikes, den Skibop. Und da habe ich mir gefragt, man könnte mir nicht etwas Außergewöhnliches machen. Dann habe ich überlegt, da gibt es einen Rekord in Amerika, die machen so 10.000 Höhenmeter in dem Bereich. In der und der Zeit habe ich gesagt, das können wir toppen. Also in 10 Stunden so, so viele Höhenmeter. Und wir haben gesagt, nein, dann machen wir auch 12 Stunden. Dann sind wir hier 10er-Kar rauf und runter und haben 32.736 Höhenmeter gemacht. Also eigentlich 11 Stunden, aber Guinness hat das nicht anerkannt. Sie haben mir gesagt, es gibt einen Rekord mit 12 oder 24 Stunden. Die haben eigene Regularien, eigene Rules und da muss man natürlich dementsprechend dann nachgeben. Mit Guiness zu arbeiten war auch nie leicht und kostet echt viel Geld. Nach der Anmeldung und allen Hürden haben wir dann den ersten Rekord aufgestellt. Und so hat sich das nach und nach angereiht. Ein Rekord liegt darin, in 3 Tagen 33 Skigebiete zu befahren, das haben wir im Salzburger Land in Angriff genommen. Wir sind in einem Haus im Ennstal gestartet, bis nach Kitzbühel. Da hieß es drei Tage lang: rauf, runter, rauf, runter, nächstes Skigebiet wieder rauf, runter, rauf, runter.

Jessica Conrad: Erzähle mir gerne noch von deinen anderen Weltrekorden.
Hermann Koch: Ich habe einen Weltrekord, im Rückwärtsfahren aufgestellt, einen Kilometer in unter drei Minuten, 2 Minuten 35 Sekunden um genau zu sein. Gleiches auch mit dem Snowbike – rückwärts braucht das deutlich mehr Konzentration als man denken mag. Ich habe immer nur über eine Schulterseite geschaut, um meinen fixierten Zielpunkt und damit mein Gleichgewicht nicht zu verlieren. Ein verrückter Rekord mit dem Snowbike ist auch die 360-Drehung, 24 Mal innerhalb einer Minute. Das haben wir am Kitzsteinhorn gemacht. Dann kam der Rekord, 24 Stunden durchfahren mit dem Snowbike am Scheitberg in Obertauern. Das war schon ein enormer Rekord. Da war ich sehr froh um meine Mental-Coaching-Ausbildung und all das Wissen, was ich mir angeeignet hatte. Da haben wir über 63.638 Höhenmeter auf 380 Kilometer mit 188 Liftfahrten bezwungen. Rein für die Vorstellungskraft, das ist die Länge des Ärmelkanals.
Jessica Conrad: Wahnsinn. Das sind alles unglaubliche Leistungen. Aber du hast insgesamt sieben Weltrekorde, richtig?
Hermann Koch: Sieben Guinness-Rekorde und noch zwei Weltrekorde mit Skitouren. Die anderen beiden Guiness-Rekorde liegen im Slalomfahren. Die meisten Tore innerhalb einer Stunde mit dem Schneebike: 1600 Torstangen in 53 Minuten 24 Sekunden mit dem Snowbike. Und die schnellste Zeit für 100 Tore jemals: 100 Tore in 1 Minute 42 Sekunden. Die letzten beiden Weltrekorde haben auf dem Zehenkar stattgefunden. Insgesamt 110 Skitouren und 60.000 Höhenmeter bin ich gelaufen und danach habe ich mich selbst nochmal übertroffen mit 200 Skitouren und knapp 106.000 Höhenmetern. Das wurde alles aufgezeichnet mit Kamera. Das musste ich genau protokollieren und zur Kontrolle nach England einsenden. Das war gerade mal letzte Saison – ich bin bis Ende April 222 Mal auf den Berg rauf. Manchmal am Tag fünfmal, sonst zwei, dreimal, je nachdem wie es gepasst hat.
Jessica Conrad: Da bleibt mir kaum etwas zu sagen außer: Wahnsinn. Wie motiviert man sich zu sowas?
Hermann Koch: Es kostet schon eine gewisse Überwindung. Aber wenn man nach zehn Minuten geht, hat man einen Rhythmus und dann geht das leicht raus. Man muss zwischendurch Wasser trinken, das ist ganz wichtig. Es macht auch einfach Spaß, wenn man einmal auf einem gewissen Level ist. Zum Beispiel bin ich in diesem Jahr als Erstbefragung jemals am Grand Baradiso rauf mit dem Snowbike. Das Snowbike wiegt so zwölf Kilo mit dem Gebäck, der Schaufel und LVS-Gerät. So bin ich bis zur Hütte Emanuel und am nächsten Tag dann in drei Stunden rauf, auf 4.900 Meter, auf dem Grand Baradiso. Die höchste Erhebung in Italien, der größte und höchste Gebirgsstack.

Jessica Conrad: Was ist dein Geheimnis, so etwas zu schaffen?
Hermann Koch: Es spielt sich viel im Kopf ab. Du musst mental sehr stark sein. Und wenn du mal drinnen bist in dem Rhythmus, dann schaffst du das. Ich schaue immer nach vorne und suche mir eine den Fokus, ich habe mein Ziel, das will ich erreichen. Es geht darum den eigenen Rhythmus zu finden, mit der richtigen Einstellung, der richtigen Atemtechnik und einem balancierten Gleichgewicht.
Jessica Conrad: Jetzt bist du schon lange in Obertauern als Sportler und Skilehrer unterwegs. Hat es dir einfach gefallen, oder wie kam es dazu, dass du dich hier niedergelassen hast?
Hermann Koch: Ich habe die Ausbildung damals in Kaprun gemacht, den Anwärter. Mich hat interessiert, wo viel Schnee fällt. Da habe ich den Michi Koch kennengelernt und bin mit ihm zusammen ins Oberland. Seitdem bin ich also hier. Dass wir den gleichen Nachnamen haben war schon damals ein Zufall. Sein Vater, der Hans Koch, hat damals die Skischule koch in Obertauern gehabt. Ich bin mit eingestiegen und mir hat es gut gefallen, wir waren von Anfang an eine super Gruppe. Als Hans gesehen hat, wie ich Ski fahre, habe ich gleich die top Gruppen bekommen, um sie von einem sehr guten Level auf das beste Level zu bringen. Das war sehr gut. Obertauern ist als Skigebiet auch ideal ideal. Du hast eine gewisse Höhe und die Schneequalität ist immer optimal. Ich meine im Frühjahr ändert sich das, das ist klar. Aber im Großen und Ganzen das Umfeld, alles leicht erreichbar. Du bist gleich vom Haus auf der Piste, das ist das Schöne.
Jessica Conrad: Was würdest du sagen, was war das herausforderndste, sportlichste, was du jemals gemacht hast?
Hermann Koch: Das sportlichste? Da gab es schon einige Dinge. Für mich war der Swiss-Alpin-Marathon mit über 67 Kilometern eine Herausforderung. Aber wie gesagt, da habe ich sehr gut trainiert. Wenn ich in der Natur laufe, das ist also genial, Landschaften sind immer atemberaubend. Zudem waren natürlich meine Radtour durch Aserbaidschan und Georgien, wo ich für einen guten Zweck gefahren bin, eine große Herausforderung, auch logistisch. Da bin ich am Anfang mit dem Junior-Nationalteam von Aserbaidschan gefahren. Sie haben uns voller Begeisterung inklusive Kamerateam begleitet. Wir hatten auch immer wieder Polizeibegleitung Die Pressekonferenz bei McDonalds in Baku war ein Highlight für sich, sogar der Staatspräsident hat uns empfangen und zu dieser Leistung gratuliert. Das waren auch gut über 2000 Kilometer und 20.000 Höhenmeter in 17 Tagen. Aber auch schwierige Verhältnisse mit Schneefällen.
Jessica Conrad: Erinnerst du dich noch an deine ersten Skier?
Hermann Koch: Kann mich noch erinnern, das waren reine Holzskis ohne Stahlkanten, ein reiner Lacksski. Mit denen bin ich damals eines meiner ersten Rennen gefahren, beim Skiclub in St. Lorenzen. Ich habe das gewonnen und das war ein geniales Gefühl. Ich hätte nie geglaubt, dass ich das gewinne. Nicht zuletzt wegen den Skiern, ich habe kein gutes Material gehabt, das konnten wir uns nicht leisten. Wie ich angefangen habe zum Skifahren, meine Eltern hatten gerade ein Haus gebaut, bin ich runtergefahren, einen Hügel und direkt in einen Stackeldraht rein. Mir hat es so viel Spaß gemacht, ich bin gleich neben dem Lift den Berg hochgestapft und die Piste runtergefahren, immer und immer wieder. Mit dem Skilift zu fahren, das konnte ich mir nicht leisten zu der Zeit. Manchmal hat meine Mutter mir was gegeben, in totalen Ausnahmen. Wahrscheinlich habe ich schon damals meine Ausdauer sehr gut trainiert durch diese Aktionen.

Jessica Conrad: Was würdest du sagen, wie viele Kurse hast du inzwischen gegeben in den 40 Jahren hier in Obertauern?
Hermann Koch: Also ich glaube, mit dem Ganzen, das geht in die Zigtausende, muss ich ehrlich sagenEs ist toll, wenn man merkt, wie Leute sich verbessern und anfangen sich wohl und sicher zu fühlen. Sie sind selbst überrascht, wie schnell man vorankommt und dass man die Sicherheit gewinnt. Gerade auch bei Kindern. Die hat man dann so lieb nach einer Woche Skikurs. Die sehen an und sagen zu ihren Eltern „Der hat mir das gezeigt“ und strahlen freudig über das ganze Gesicht. Man ist stolz, dass man was leistet mit den Kindern. Sie haben eine Freude und dieses Feedback, das was man kriegt, das ist wirklich genial und herzerwärmend.
Jessica Conrad: Es gibt Erwachsene, die das erste Mal auf Skiern stehen, die haben meist noch mal mehr Angst als Kinder. Was gibst du denen immer als ersten Tipp mit?
Hermann Koch: Ich beruhige sie immer, indem ich sage, dass sie gutes Material haben. Das ist wichtig. Die meisten haben Angst vor dem Stürzen und blockieren sich selbst gedanklich. Da muss man schauen, dass man sich locker kriegt mit viel Bewegung. Ich mache immer Aufwärmübungen, wie auf einem Ski zu fahren, nur eine Kurve. Und natürlich ist auch die Atmungstechnik wichtig. Viele halten die Luft an, da entsteht Druck, der muss weg. Ich sag immer, du bist keine Waschmaschine oder sonst was zum Einschalten, du musst selber was machen, aus der Bewegung heraus. Aber auch hier ist das Schöne, wenn man merkt, man kriegt die Leute Schritt für Schritt voran.

Für mich ist es immer so, wenn ich selber begeistert bin, dann kann ich auch andere begeistern. So ist es auch für mich im Unterricht. Ich bin begeistert, wenn ich an einem schönen Schneetag runterfahre und gebe das Gefühl der Entspannung und Leichtigkeit weiter und kann es den Menschen übermitteln. Es entsteht eine Dynamik und natürlich auch Vertrauen.
Jessica Conrad: Total spannend. Vielen Dank dir für die ganzen Einblicke. Ich bin schon gespannt von deinen weiteren Weltrekorden zu lesen.
Hermann Koch: Ja, gerne, ich danke dir auch.
Vielen Dank an Hermann Koch für die aufschlussreichen Antworten.
FrontRowSociety-Autorin Jessica Conrad führte das Interview mit Hermann Koch zu seiner Karriere und seinen Erfolgen in Obertauern im Dezember 2025.
































































