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Das Müllerthal ist die bekannteste Wanderregion in Luxemburg. Sie wird auch die Kleine Luxemburger Schweiz genannt. Der Müllerthal Trail gehört zu den Leading Quality Trails – Best of Europe. Dieses Label wird von der Europäischen Wandervereinigung vergeben.

Kleiner Schilderwald im Müllerthal. Der Müllerthal Trail setzt sich aus drei Schlaufen zusammen. Sie sind miteinander verbunden und lassen sich auch separat gehen. Um den Überblick zu behalten, ist auch eine Wanderapp hilfreich / © FrontRowSociety.net, Foto: Georg Berg
Das Zeichen des Müllerthal Trails ist ein rotes M. Aufgrund der vielen Kombinationsmöglichkeiten und Wanderschlaufen kann man sich in diesem Wandergebiet nicht über mangelnde Beschilderung beklagen / © FrontRowSociety.net, Foto: Georg Berg

Der Müllerthal Trail eignet sich auch für Familien mit jüngeren Kindern. Attraktiv ist die grenzüberschreitende Ausrichtung des Trails. Gemeinsam mit der Region Südeifel in Deutschland wurde ein NaturWanderpark Delux ins Leben gerufen, der auf vier Felsentouren das grenzüberschreitende Wandern möglich macht.

Startpunkt der Tagesetappe ist Berdorf. Aus dem Dorf heraus führt schnurstracks ein Feldweg Richtung Wald und schon nach wenigen Gehminuten ist man in einer anderen Welt / © FrontRowSociety.net, Foto: Georg Berg
Startpunkt der Tagesetappe ist Berdorf. Aus dem Dorf heraus führt schnurstracks ein Feldweg Richtung Wald und schon nach wenigen Gehminuten ist man in einer anderen Welt / © FrontRowSociety.net, Foto: Georg Berg
Man bleibt ja unterwegs nicht an jeder rostigen Gießkanne stehen, aber dieser originelle Briefkasten in Berdorf ist schon einen Blick wert. Darüber hinaus bietet Berdorf auch Restaurants und Übernachtungsmöglichkeiten / © FrontRowSociety.net, Foto: Georg Berg
Man bleibt ja unterwegs nicht an jeder rostigen Gießkanne stehen, aber dieser originelle Briefkasten in Berdorf ist schon einen Blick wert. Darüber hinaus bietet Berdorf auch Restaurants und Übernachtungsmöglichkeiten / © FrontRowSociety.net, Foto: Georg Berg

Der rund 112 km lange Müllerthal Trail setzt sich aus drei Schlaufen zusammen. Wir beginnen den Trail in Berdorf. Umgeben von den Berdorfer Felsen liegt der Ort auf einer Hochebene und ist idealer Ausgangspunkt für zahlreiche Wanderungen. Die Wanderung führt durch eine Wald- und Felsenlandschaft über die Wolfsschlucht bis nach Echternach. Kurz nachdem man Berdorf hinter sich gelassen hat, gelangt man zu einem Amphitheater, in dem früher Mühlsteine abgebaut wurden, was typische Spuren hinterlassen hat. Heute wird das Amphitheater für Veranstaltungen genutzt. Auch an der Huel Lee, der Hohllay, erkennt man deutlich die kreisrunden Ausbuchtungen, aus denen hier für die ganze Region Mühlsteine gebrochen wurden.

Huel Lee oder Hohllay - hier wurden früher Mühlsteine aus dem Felsen gebrochen / © FrontRowSociety.net, Foto: Georg Berg
Huel Lee oder Hohllay – hier wurden früher Mühlsteine aus dem Felsen gebrochen / © FrontRowSociety.net, Foto: Georg Berg
Auch die Bühne des Amphittheaters war früher ein Steinbruch für Mühlsteine / © FrontRowSociety.net, Foto: Georg Berg
Auch die Bühne des Amphittheaters war früher ein Steinbruch für Mühlsteine / © FrontRowSociety.net, Foto: Georg Berg

Am seicht plätschernden Aesbach entlang geht es zum Perekop. Parallel zum Bach verläuft ein schmaler Wanderweg. Durch die Blätter blitzt immer wieder die Sonne. Es ist hier am frühen morgen noch sehr ruhig. Ein Mann führt seine Hunde spazieren, ansonsten hört man ringsum nur die Vögel singen.

Am frühen morgen blitzt die Sonne durch die Bäume und nur das Vogelkonzert begleitet uns auf dem Wanderweg E1 Richtung Echternach, der ältesten Stadt Luxemburgs / © FrontRowSociety.net, Foto: Georg Berg
Der Aesbach führt an manchen Stellen kaum noch Wasser. Parallel zum Bach verläuft ein schmaler Wanderweg / © FrontRowSociety.net, Foto: Georg Berg
Felsen in groß und in klein. Neben den wuchtigen Felsformationen stößt man hier auch auf unzählige Arrangements von Steinmännchen / © FrontRowSociety.net, Foto: Georg Berg
Felsen in groß und in klein. Neben den wuchtigen Felsformationen stößt man hier auch auf unzählige Arrangements von Steinmännchen / © FrontRowSociety.net, Foto: Georg Berg

Der Perekop ist ein großer Felsen, der durch eine Felsspalte hindurch per Leitern zu besteigen ist. Zur Beruhigung sei gesagt, dass man die steile Leiter durch den Felsspalt nicht wieder hinunter muss. Außen führt eine etwas gefälligere Treppe um den Perekop herum, über die man wieder zurück über die Straße auf den Wanderweg Richtung Echternach kommt.

Das Müllerthal ist bekannt für seine Felsformationen aus Sandstein / © FrontRowSociety.net, Foto: Georg Berg
Die Außentreppe des großen Felsens Perekop. Über eine steile Leiter kann man auch mitten durch den Felsen hindurch gehen / © FrontRowSociety.net, Foto: Georg Berg

Die Wolfsschlucht mit ihren bis zu 50 Meter hohen und steilen Felsen gilt als das spektakulärste Naturdenkmal auf dem 13,5 Kilometer langen Wanderweg E. Die Schlucht mit dem schaurig-anziehenden Namen ist eine steil abfallenden Felsspalte, in der früher Wölfe Unterschlupf fanden.

Die Felsen rechts und links des Weges kommen immer näher. Die Wolfsschlucht ist nicht mehr weit / © FrontRowSociety.net, Foto: Georg Berg
Die Felsen rechts und links des Weges kommen immer näher. Die Wolfsschlucht ist nicht mehr weit / © FrontRowSociety.net, Foto: Georg Berg

Ein idealer Ausgangspunkt oder wie in unserem Fall ein verlockendes Wanderziel ist Echternach. Die älteste Stadt Luxemburgs und das kulturelle und touristische Zentrum der Region hat eine gute Auswahl an Restaurants, Cafés und Geschäften. Von weitem sichtbar ist die Basilika.

Echternach mit der Basilika vom Aussichtspunkt Trooskneppchen / © FrontRowSociety.net, Foto: Georg Berg
Echternach mit der Basilika vom Aussichtspunkt Trooskneppchen / © FrontRowSociety.net, Foto: Georg Berg

In Echternach angekommen treffen wir Caroline Nockels. Die Echternacherin hatte kurz vor Ausbruch der Pandemie beschlossen, etwas Neues zu wagen und in den alten Geschäftsräumen, in denen ihre Großeltern in den 1950er Jahren eine Bäckerei führten, ein Café zu eröffnen. Ihre Großmutter Irene war dann auch ihr erster Gast bei Eröffnung im Juli 2020.

Caroline Nockels hat sich mitten in der Pandemie ihren Traum vom eigenen Café in Echternach erfüllt. Carli’s Coffee liegt nahe am Echternacher Marktplatz / © FrontRowSociety.net, Foto: Georg Berg
Caroline Nockels hat sich mitten in der Pandemie ihren Traum vom eigenen Café in Echternach erfüllt. Carli’s Coffee liegt nahe am Echternacher Marktplatz / © FrontRowSociety.net, Foto: Georg Berg

In Carli’s Coffee nahe dem Echternacher Marktplatz bekommt man Backwaren aus regionalen Zutaten von Pancakes, Toasts bis Muffins oder dem Orangenkuchen nach Großvaters Rezept. Vom Frühstück bis zum Nachmittags-Kaffee hat Caorline Nockels für Gäste geöffnet.

Wir verlassen Echternach mit dem Bus und machen uns auf in eine andere Wanderregion. Mit dem kostenlosen öffentlichen Verkehr geht es durch das Sauertal Richtung Mosel nach Grevenmacher, dem Weinanbaugebiet von Luxemburg. Mit dem Bus fahren wir durch offene Landschaften, Waldgebiete und immer wieder sind auch Streuobstwiesen zu sehen. Bevor wir den Moselort Grevenmacher erreichen, machen wir einen Zwischenstopp in Born. Der kleine Ort ist seit gut fünf Jahren der Sitz des ersten und einzigen Cider-Produzenten im Land.

Das Auto ist alt, die Firma aber noch jung. Erst 2015 wurde Ramborn von drei Männern gegründet, deren Wurzeln im kleinen Ort Born liegen / © FrontRowSociety.net, Foto: Georg Berg
Das Auto ist alt, die Firma aber noch jung. Erst 2015 wurde Ramborn von drei Männern gegründet, deren Wurzeln im kleinen Ort Born liegen / © FrontRowSociety.net, Foto: Georg Berg

Ramborn ist ein Kunstwort aus Rambo, einer alten Luxemburger Apfelsorte und dem Ort Born. Das traditionelle Handwerk der Apfelweinherstellung wird in der Gegend um Born schon so lange betrieben, wie es Obstbäume im Sauertal gibt. Drei Freunde aus Born erinnern sich bei einem Besuch in Schottland daran und verwirklichen die Idee, der alten Tradition auch in Luxemburg wieder neues Leben einzuhauchen. Ein Bauernhof aus dem 18. Jahrhundert ist renoviert und zur Produktions- und Präsentationsstätte ihrer Apfel- und Birnen-Ciders geworden. Mittlerweile liefern über 100 Landwirte ihr Obst von den Streuobstwiesen an Ramborn.

Cider von Ramborn aus alten Apfelsorten wie Rambo, Boskoop, Bohnapfel und Luxemburger Triumph hat 5,8 Prozent Alkohol und schmeckt spritzig-frisch mit komplexen Apfelaromen / © FrontRowSociety.net, Foto: Georg Berg
Cider von Ramborn aus alten Apfelsorten wie Rambo, Boskoop, Bohnapfel und Luxemburger Triumph hat 5,8 Prozent Alkohol und schmeckt spritzig-frisch mit komplexen Apfelaromen / © FrontRowSociety.net, Foto: Georg Berg

Der Zwischenstopp in Born lohnt sich. Regelmäßig werden Führungen und Verkostungen angeboten. Der Geschmack von Ramborn Cider oder Perry, aus Birnen von teils 250 Jahre alten Birnbäumen, ist komplex und geschmacksintensiv. Während viele Cider-Produzenten auf Plantagenobst zurückgreifen, steckt in den Ciders von Ramborn ausschließlich der Saft alter Obstsorten.

Einsteigen bitte! Freie Fahrt durch Luxemburg

Die Region Müllerthal ist eine von fünf Regionen, die wir zur Fuß erkundet haben. Die Strecken zwischen den Tagesetappen haben wir mit Bus und Bahn zurückgelegt. Luxemburg bietet seinen Einwohner wie auch Besuchern einen landesweit kostenlosen öffentlichen Personenverkehr. Ticketschalter haben im Großherzogtum also ausgedient. Und mit dem landesweiten Angebot Move We Carry sind wir tagsüber völlig unbeschwert gewandert, während unsere Koffer mit dem Gepäckservice von Unterkunft zu Unterkunft reisen. Bis zu sechs Tage in Folge können online gebucht werden. Noch bis Ende September 2021 ist dieser Gepäckservice im Großherzogtum Luxemburg kostenlos.
Mit Move We Carry können Reisende im vorhinein den Gepäcktransport organisieren.

Hier geht es zur Etappenreise Die Luxemburger Ardennen – der Escapardenne Lee Trail

Hier geht es zur Übersicht – Etappenreise durch Luxemburg

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Angela Berg ist Ressortleiterin Food bei FrontRowSociety - The Magazine