Geschätzte Lesezeit: 6 Minuten

Das Hotel Florhof in Zürich ist historisch und doch modern, zentral gelegen und doch idyllisch. Hier ist man der Kunst aufgeschlossen und kulinarisch anspruchsvoll. 1763 wurde das Haus von einem Seidenfabrikanten für die Produktion von Florettseide erbaut. Seit dem Umbau im Jahre 1907 ist der Florhof durchgehend als Hotel in Betrieb. Eine umfassende Renovierung erfolgte 2014. Im Hotel Florhof ist man mitten im Herzen von Zürich, blickt auf die Altstadt und befindet sich in nächster Nähe zu Theater und Oper. Zum Kunsthaus Zürich läuft man nur die Straße runter. Der Bahnhof und auch der Zürichsee sind nur einen Spaziergang weit entfernt.

Idyll auf der Terrasse. In einer Kulisse aus Altbauten und unter Sonnensegeln lässt sich zur Mittagszeit gut sitzen und das Lunch genießen / © FrontRowSociety.net, Foto: Georg Berg
Idyll auf der Terrasse. In einer Kulisse aus Altbauten und unter Sonnensegeln lässt sich zur Mittagszeit gut sitzen und das Lunch genießen / © FrontRowSociety.net, Foto: Georg Berg

Erholung in der Stadt

Entspannen ist auch in der Stadt möglich. Hoteldirektorin Isabelle Zeyssolff erzählt, dass sich ein Gast mal über das deutlich hörbare Vogelgezwitscher beschwerte. Ein kurioser Einzelfall, denn die Gäste sind in der Regel von der Ruhe und Beschaulichkeit sehr begeistert. Es gibt viele Stammgäste, die gerne in ihr Lieblingszimmer zurückkehren. Im Sommer 2014 wurde mit viel Liebe zum Detail renoviert. Seitdem finden sich, insbesondere in den Innenräumen, viele moderne Elemente und Einrichtungsgegenstände, während die Terrasse durch ihre geschützte Lage und umgeben von historischen Fassaden eine kleine grüne Insel ist.

In der Lounge erzählt Hoteldirektorin Isabelle Zeyssolff viel über die Geschichte des Hauses und die neuen Erfahrungen aus den vergangenen Monaten im Zeichen der Corona-Pandemie / © FrontRowSociety.net, Foto: Georg Berg
In der Lounge erzählt Hoteldirektorin Isabelle Zeyssolff viel über die Geschichte des Hauses und die neuen Erfahrungen aus den vergangenen Monaten im Zeichen der Corona-Pandemie / © FrontRowSociety.net, Foto: Georg Berg

Treue Gäste und neue Konzepte

Für die Einhaltung von Corona-Regeln braucht man Platz. Die gemütliche Lounge mit kleiner Bibliothek ist nun ein weiterer Frühstücksraum. Zum Spielverderber wurde Corona auch für das lettische Piano, ein Una Corda, von dem es nur 20 Stück auf der Welt gibt. Es musste vorerst weichen, erzählt Isabelle Zeyssolff. Das ungewöhnliche Instrument verleitete schon so manchen Gast zu einem spontanen Klaviersolo. Darunter auch einmal ein Oskar-Preisträger oder der Schweizer Chansonnier Stephan Eicher. Buchautoren sind häufig Gast im Haus und so ist die kleine Bibliothek ausschließlich bestückt mit Werken von Autoren und Fotografen, die im Hotel Florhof zu Gast waren.

Die kleine Bibliothek führt ausschließlich Bücher von Schriftstellern, die schon mal im Haus zu Gast waren. Sie hinterließen ihre Werke meist signiert. Hoteldirektorin Isabelle Zeyssolff zeigt einige Werke / © FrontRowSociety.net, Foto: Georg Berg
Die kleine Bibliothek führt ausschließlich Bücher von Schriftstellern, die schon mal im Haus zu Gast waren. Sie hinterließen ihre Werke meist signiert. Hoteldirektorin Isabelle Zeyssolff zeigt einige Werke / © FrontRowSociety.net, Foto: Georg Berg

Das Hotel Florhof hat viele Stammgäste, die sich sehr solidarisch gezeigt haben, berichtet Isabelle Zeyssolff. So wurden von Vielen Übernachtungsgutscheine gekauft. Sogar Schokolade wurde im Lockdown von lieben Gästen geschickt. Einige haben Gutschriften aufgrund stornierter Reisen bewusst nicht eingelöst. Isabelle Zeyssoff beobachtete auch ein verändertes Verhalten der Gäste untereinander. Es waren vor allem die Einzelreisenden, die nun, statt das Haus als Rückzugsort zu nutzen, das Gespräch mit anderen Reisenden suchten. Als die Welt draußen mehr oder weniger still stand, gab es für alle Redebedarf.

Im Kellergewölbe wo einst Florettseide gelagert und verpackt wurde, befinden sich nun Event-Räume für Weinverkostungen. Das Restaurant Florhof führt ausschließlich europäischen Weine / © FrontRowSociety.net, Foto: Georg Berg
Im Kellergewölbe wo einst Florettseide gelagert und verpackt wurde, befinden sich nun Event-Räume für Weinverkostungen. Das Restaurant Florhof führt ausschließlich europäischen Weine / © FrontRowSociety.net, Foto: Georg Berg

Kein Zimmer gleicht dem anderen

Dem Altbau geschuldet hat jedes Zimmer im Hotel Florhof einen anderen Grundriss und eine andere Einrichtung. Das macht das Haus mit insgesamt 32 Zimmern, darunter zwei Juniorsuiten und 8 Einzelzimmer, überaus charmant.

Das Blaue Zimmer ist das einzige, das noch die alte handgefertigte Stuckdecke hat. Wegen seines romantischen Firmaments wird es gerne von Hochzeitspaaren gebucht / © FrontRowSociety.net, Foto: Georg Berg
Das Blaue Zimmer ist das einzige, das noch die alte handgefertigte Stuckdecke hat. Wegen seines romantischen Firmaments wird es gerne von Hochzeitspaaren gebucht / © FrontRowSociety.net, Foto: Georg Berg
Ein Doppelzimmer im Hotel Florhof mit hochwertiger Einrichtung, Parkettboden und ausgesuchten Accessoires / © Hotel Florhof
Ein Doppelzimmer im Hotel Florhof mit hochwertiger Einrichtung, Parkettboden und ausgesuchten Accessoires / © Hotel Florhof

Kreative Küche im Hotel Florhof

Chef de Cuisine im Hotel Florhof ist der Schweizer Mark Homberger. Seine Küche ist klassisch französisch mit erfrischend vielen Anlehnungen an die mediterrane Küche. Wobei Homberger hier nicht nur Italien, sondern auch Südfrankreich im Blick hat. Im Corona-Lockdown organisiert er täglich einen Take-Away Service und nutzt die übrige Zeit für die Entwicklung neuer Gerichte oder um ganz bewusst mehr Zeit mit der Familie zu verbringen. Das Take-away für Stammgäste, die sonst regelmäßig ihr Lunch im Florhof einnehmen, war eine gute Sache, sagt Homberger. Inzwischen haben die Leute aber genug davon, aus Plastikschalen zu essen. Mit Gästen hier an den Tischen sei es einfach viel schöner – auch für ihn als Koch.

Der Lunch beginnt mit einem Carpaccio vom Pulpo / © FrontRowSociety.net, Foto: Georg Berg
Der Lunch beginnt mit einem Carpaccio vom Pulpo / © FrontRowSociety.net, Foto: Georg Berg

Ein sommerleichter Lunch im Florhof

Die Temperaturen sind hoch, die Terrasse in einer Kulisse aus wunderschönen Altbaufassaden und Sonnensegeln ist gut besetzt. Auf einen kühlen und prickelnden Aperitif folgt eine hauchdünne Vorspeise, die vor sommerlichen Zutaten nur so strotzt. Da trifft ein Carpaccio vom Pulpo auf ein Tatar aus Zerbinati Melone aus der Lombardei mit einem knusprigen Oliven-Focaccia. Was die Speisekarte nicht verrät, aber Mark Homberger später ergänzt, ist das Geheimnis der schwarzen Punkte. Es handelt sich um atemfreundlichen schwarzen Knoblauch, der mit Eigelb und Traubenkernöl zu einer Mayonnaise montiert wird und für das unergründliche Tiefschwarz noch einen Schuss Sepiatinte bekommt. Schöner kann ein Sommergericht bei fast 30 Grad im Schatten nicht sein.

Der Hauptgang des Sommer-Lunchs ist Lachsforelle mit Meerrettich-Apfelsauce, Limonen-Kartoffelstampf und verschiedene Karotten / © FrontRowSociety.net, Foto: Georg Berg
Der Hauptgang des Sommer-Lunchs ist Lachsforelle mit Meerrettich-Apfelsauce, Limonen-Kartoffelstampf und verschiedene Karotten / © FrontRowSociety.net, Foto: Georg Berg

Am Beispiel der Karotte zeigt sich Anspruch und Qualtiätsbewusstsein des Kochs: Homberger bezieht vieles aus der Region, wie zum Beispiel Rind- und Kalbfleisch und ein Großteil des Gemüses. Aber bei der Möhre fällt seine Wahl auf die Sandmöhre aus Südfrankreich. Diese wächst wie ihr Name schon verrät, im Sand und speichert komplexe Aromen, die den Koch begeistern.

Gut gelaunt in seiner Küche: Chef de Cuisine Marc Homberger und sein Team bieten sowohl ein Lunch-Menü mit zwei oder drei Gängen als auch ein Abend-Menü von drei bis sechs Gängen an / © FrontRowSociety.net, Foto: Georg Berg
Gut gelaunt in seiner Küche: Chef de Cuisine Marc Homberger und sein Team bieten sowohl ein Lunch-Menü mit zwei oder drei Gängen als auch ein Abend-Menü von drei bis sechs Gängen an / © FrontRowSociety.net, Foto: Georg Berg

Bei Marc Homberger kommt die Sandmöhre auf den Holzkohlegrill. Die Sandmöhre karamellisiert und wird anschließend mit der Schale püriert. So kann auch eine Möhre farblich und geschmacklich zum Star auf dem Teller werden.

Restaurant Florhof am Abend

Im Menü gibt es die Wahl zwischen drei bis sechs Gängen oder eine Bestellung a la Carte.
Ein schönes Beispiel für die kreative Küche im Restaurant Florhof sei am Gang Duo von der Miéral Poularde de Bresse gezeigt. Auch Marc Homberger schwört, wie viele Köche im Fine Dining, auf das blaufüßige Bressehuhn. Wenn es um Geflügel bester Qualität geht, hört bei ihm der Ruf nach immer mehr Regionalität auf. Hühner können die Franzosen halt am besten.

Zwei Komponenten aus dem Bressehuhn / © FrontRowSociety.net, Fotos: Georg Berg
Zwei Komponenten aus dem Bressehuhn / © FrontRowSociety.net, Fotos: Georg Berg

Zuerst ein Raviolo gefüllt mit geschmortem Schenkel und eingehüllt in Salbei-Espuma. Darauf folgt die gebratene Brust mit Piment d’Espelette und Honig. Babyartischocken und Tomaten. Auch hier birgt ein kleines Gemüse eine geschmackliche Überraschung. Den Tomaten sieht man nicht an mit wieviel Aufmerksamkeit sie in der Küche bedacht wurden. Erst blanchiert, dann gehäutet, anschließend mit Salz, Pfeffer und Zucker bestreut kommen sie für drei Stunden zum Trocknen in den Ofen und erst dann an die Poularde de Bresse.

In direkter Nachbarschaft zum Hotel Florhof liegt der Rechberg Park. Von der obersten Terrasse hat man einen wunderbaren Blick auf Zürich / © FrontRowSociety.net, Foto: Georg Berg
In direkter Nachbarschaft zum Hotel Florhof liegt der Rechberg Park. Von der obersten Terrasse hat man einen wunderbaren Blick auf Zürich / © FrontRowSociety.net, Foto: Georg Berg

Ausflüge und Stadtspaziergänge

Ob kurzer Streifzug durch die Altstadt oder ein Spaziergang bis zum Zürichsee vom Hotel Florhof lässt sich alles mühelos erlaufen. Auch der Bahnhof für Ausflüge in die Umgebung ist gut erreichbar. Mit der Swiss Classics, einer Foodtour durch die Altstadt von Zürich lernt man viel über die heimische Gastronomie, Spezialitätengeschäfte und lokale Produkte und kommt auch in versteckte Winkel der Stadt.

Hier geht es zur Reportage über die Swiss Classics – eine geführte Foodtour durch Zürich.

Blick auf die Altstadt von Zürich mit Limmat und Großmünster / © FrontRowSociety.net, Foto: Georg Berg
Blick auf die Altstadt von Zürich mit Limmat und Großmünster / © FrontRowSociety.net, Foto: Georg Berg

Ein weiterer Ausflug hat uns mit der Bahn ins benachbarte Winterthur geführt. Hier befindet sich die Sammlung Oskar Reinhart mit einer exzellenten Sammlung an Impressionisten und Alten Meistern. Seit einiger Zeit regt das kleine Museum mit einer Corona-tauglichen Idee seine Besucher charmant zum Verweilen an. Zur Reportage über die Sammlung Oskar Reinhart.

Dieser redaktionell erstellte Artikel wurde durch externe Unterstützung ermöglicht, die jedoch keinen Einfluss auf den Inhalt hat. Es gilt der Redaktionskodex.

Print Friendly, PDF & Email