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Die Bentobox begleitet den Japaner schon seit Jahrhunderten. Zuerst sind es die Adeligen, die sich mit edlen Lackkästchen, gefüllt mit kleinen Speisen, in die Natur begeben. Später in der Edo-Zeit ab dem 17. Jahrhundert beginnt die eigentliche Blüte des Bento. Mit dem Makunochi Bento vereinen Japaner ihre Leidenschaft für gutes Essen mit der Begeisterung für Theater und Bühnenspiele. Makunochi bezeichnet die Pause in einer Theateraufführung. Während man bei uns in der Pause allenfalls im Foyer an einem Glas Sekt nippt, greifen die Japaner beherzt in ihre mitgebrachten großen Taschen. Sobald der Vorhang fällt, beginnt ein reges Rascheln und Schmatzen.

Vorhang zu - Bento auf. Im Kabuki Theater in Tokio sind die Zuschauer bestens vorbereitet. Statt feiner Handtaschen führt man hier geräumige Stoffbeutel mit sich. Aber auch das Klischee des stets arbeitsamen Japaners wird beim Betrachten dieses Fotos bedient / © FrontRowSociety.net, Foto: Georg Berg
Vorhang zu – Bento auf. Im Kabuki Theater in Tokio sind die Zuschauer bestens vorbereitet. Statt feiner Handtaschen führt man hier geräumige Stoffbeutel mit sich. Aber auch das Klischee des stets arbeitsamen Japaners wird beim Betrachten dieses Fotos bedient / © FrontRowSociety.net, Foto: Georg Berg

Makunochi Bento wird nicht im Theaterbistro gekauft, sondern von zuhause mitgebracht. Statt kleiner Handtaschen, haben die Japanerinnen voluminöse Einkaufstaschen unter ihrem Theatersitz verstaut. Dazu muss man wissen, dass eine Kabuki Aufführung tagsüber stattfindet und über viele Stunden geht. Es ist durchaus üblich, sich nur einen Teil der Handlung anzuschauen. In den Foyerräumen des Kabuki Theaters in Tokio gibt es aber auch kleine Imbiss-Stände und sogar ein Restaurant für alle, die nicht ihr eigenes Bento mitgebracht haben.

Bentos in Hülle und Fülle gibt es heute in jedem Supermarkt und auch in den kleinen rund um die Uhr geöffneten Konbinis / © FrontRowSociety.net, Foto: Georg Berg
Bentos in Hülle und Fülle gibt es heute in jedem Supermarkt und auch in den kleinen rund um die Uhr geöffneten Konbinis / © FrontRowSociety.net, Foto: Georg Berg

Mit Beginn der Eisenbahn-Zeit wurde das Eki-Ben geboren, das Bahnhofs-Bento. Heute findet man die Bento-Boxen auch in jedem Konbini. Die kleinen Supermärkte haben meist rund um die Uhr geöffnet. Größere Supermärkte haben eine riesige Auswahl an Bentos. Der Inhalt der Box ist immer sehr ausgewogen, enthält Eiweiß, Gekochtes oder eingelegtes Gemüse und Reis. Die Bentobox ist somit allgegenwärtig und eine Mahlzeit für Schüler, Arbeiter, Wanderer, Reisende oder eben Theaterbesucher.

Von schöner Schlichtheit. Privat benutzen Japaner schöne Holzkästchen für ihre Bentos / © FrontRowSociety.net, Foto: Georg Berg
Von schöner Schlichtheit. Privat benutzen Japaner schöne Holzkästchen für ihre Bentos / © FrontRowSociety.net, Foto: Georg Berg

Ein Workshop mit Bento Chefin Kayoko Kawamura

Bei einem Workshop mit der Bento Köchin Kayoko Kawamura haben wir ein klassisches Picknick-Bento zubereitet. Kayoko nennt ihre Boxen Erinnerungs-Bentos. Sie selber stammt ursprünglich aus Tokio und anfangs gefällt ihr das beschauliche Landleben auf der Halbinsel Izu nicht. Also führt sie ihr Mann immer hinaus in die Natur, zeigt ihr die schönsten Orte am Meer und in den Bergen im Inland der Halbinsel Izu. Jedes Mal mit dabei für ein Picknick im Grünen ist die gut gefüllte Bentobox. Mit den Jahren hat Kayoko Bento zu einer echten Kunstform erhoben. Ihre Boxen und das ist generell wichtig, sehen wunderschön aus. Wenn man sie öffnet, erscheint einem der Inhalt wie eine Landschaft. Kein Platz wird verschwendet in den Fächern der Box. Nie wirkt der Inhalt reingestopft. Alles sieht ausgewogen und appetitlich aus.

Das angebratene Omelett wird in einer Bambusmatte in Form gebracht / © FrontRowSociety.net, Foto: Georg Berg
Das angebratene Omelett wird in einer Bambusmatte in Form gebracht. So lässt sich der Laib besser in Portionen schneiden / © FrontRowSociety.net, Foto: Georg Berg

Japan-Reisende könnten über den Anbieter Holiday Cooking Izu einen Bento-Workshop mit Kayoko inklusive eines Picknicks im Grünen buchen. Gekocht wird bei ihr zuhause. Das ist insofern spannend, weil man auf diese Weise einen japanischen Haushalt kennenlernt. Normalerweise verschlägt es einen auf der Reise in Hotels oder bestenfalls Ryokans. Hier steht man gemeinsam mit Kayoko in ihrer Küche. Sie zeigt uns die Zubereitung eines Dashimaki Tamago, ein gerolltes, süßlich schmeckendes Omelett. Natürlich werden auch Makirollen zubereitet. Überhaupt eignen sich kleine Gerichte mit dem klebrigen Reis sehr gut für den Transport in der Bentobox. Eines der ersten Bentos waren Onigiris. Reisbällchen gefüllt mit Umeboshi, einer eingelegte Pflaume, oder Thunfischpaste. Schon die Samurai hatten Onigiri auf ihren Kriegszügen als Verpflegung dabei.

Beim Zubereiten von Futo Maki Sushi wird die glänzende Seite des Algenblatts nach unten gelegt. Nach jedem Schnitt sollte das Messer mit einem feuchten Tuch gereinigt werden, damit alle Schnitte akkurat und sauber werden / © FrontRowSociety.net, Foto: Georg Berg
Vor dem Einrollen von Futo Maki Sushi wird die glänzende Seite des Algenblatts nach unten gelegt. Nach jedem Schnitt sollte das Messer mit einem feuchten Tuch gereinigt werden, damit alle Schnitte akkurat und sauber werden / © FrontRowSociety.net, Foto: Georg Berg

Beim Befüllen der Box wird kein Platz verschwendet und doch ist der Inhalt so angerichtet, dass sich alle Dinge harmonisch zusammenfügen. Bei dem Kochkurs in Kayoko’s privater Küche bekommt man einen besonders authentischen Eindruck vom Stellenwert der Bentos im japanischen Alltag. Kayoko zeigt einige Kochvorgänge, darunter auch Sushi oder Tofu-Salat. Sie erklärt wissenswerte Grundlagen über das Kochen von Reis oder die Zubereitung einer Dashibrühe. Am Ende des Workshops bereit das Befüllen der Bentobox ein großes Vergnügen, übertroffen nur noch vom anschließenden Verspeisen.

Nach erfolgreicher Dekorationsarbeit präsentieren Kayoko Kawamuar, Redakteurin Angela Berg und Noriko Hasegawa von Cooking Holiday Izu ihre Bento Boxen / © FrontRowSociety.net, Foto: Georg Berg
Nach erfolgreicher Dekorationsarbeit präsentieren Kayoko Kawamuar, Redakteurin Angela Berg und Noriko Hasegawa von Cooking Holiday Izu ihre Bento Boxen / © FrontRowSociety.net, Foto: Georg Berg

Kulinarische Erlebnisse auf Izu – Reisetipp

Der Anbieter Cooking Holiday Izu vermittelt für Japan-Reisende kulinarische Workshops. Alle Kurse werden auch in englischer Sprache angeboten. Noriko Hasegawa bringt den Teilnehmern als Tourguide und versierte Kennerin der Region viele Besonderheiten der japanischen Küche und Kultur näher.

Tokio Street Food – Buchtipp

Titel: Tokio Streetfood, Verlag: Christian Verlag, ISBN-13: 978-3-95961-464-1, Erscheinungsjahr: 2020, Autoren: Caryn und Brendan LiewDas Kochbuch Tokio Street Food von Caryn und Brendan Liew ist ein praktischer Wegweiser für die Zubereitung authentischer japanischer Rezepte. Hier werden eben jene kleinen Beilagen und Gerichte beschrieben, die einem auf einer Japan-Reise in Tokio und auch in anderen Regionen begegnen.

Das Buch ist nach Mahlzeiten gegliedert, widmet sich den kulinarischen Entdeckungen, die es typischerweise als Streetfood oder den zahlreichen Varianten einer Bentobox zum Essen für unterwegs gibt.

Jedes Kapitel beginnt mit einer stimmungsvollen Einstieg in die japanischen Essgewohnheiten der jeweiligen Tageszeit. Auch Basics wie Dashibrühe, japanische Pickles oder Gebäck mit grünem Tee werden beschrieben.

Titel: Tokio Streetfood
Verlag: Christian Verlag
ISBN-13: 978-3-95961-464-1
Erscheinungsjahr: 2020
Autoren: Caryn und Brendan Liew

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