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Bei der Eroberung einer fremden Stadt kann ein roter Faden sehr hilfreich sein. Sich einfach treiben lassen ist auch schön, wird aber spätestens in dem Moment anstrengend, in dem nicht nur der Hunger, sondern auch der Zweifel, das richtige Lokal gewählt zu haben, an einem nagen. Es ist schon über 20 Jahre her, als wir bei einem ersten Spaziergang durch Moskau in einer internationalen Fast-Food-Kette endeten. Es fühlte sich wie eine Niederlage an. Heute gibt es in vielen Städten Food-Touren, die einen vor der Ödnis einer geschmacklich gleichgeschalteten Burger-Kette bewahren.

Goldiger Start einer Foodtour: Das Goldstück aus gemahlenen Mandeln und Puderzucker ist so etwas wie das Signature-Gebäck der Bäckerei KULT in Basel / © FrontRowSociety.net, Foto: Georg Berg
Goldiger Start einer Foodtour: Das Goldstück aus gemahlenen Mandeln und Puderzucker ist so etwas wie das Signature-Gebäck der Bäckerei KULT in Basel / © FrontRowSociety.net, Foto: Georg Berg

Eine Foodtour führt ihre Teilnehmer durch unbekanntes Terrain, manchmal sogar abseits der Touristenströme, durch kleine Gassen und in Geschäfte, die man sonst bedauerlicherweise links liegen gelassen hätte. In Basel lässt sich eine Foodtour besonders autark erleben. Hier führt man sich selber – im Foodie-Sprech „self-guided“ von Station zu Station. Der Informationsgehalt ist zwar nicht so hoch wie bei einer geführten Tour, aber in Zeiten von Corona bleibt man in seiner eigenen Gruppe, gibt selbst den Takt vor und bekommt für einen Preis von derzeit 29 CHF pro Person viel geboten.

Corona-Kreativität: Im Lockdown wurden kurzerhand in Form eines Guglhupfs Abstandhalter aus Beton gegossen / © FrontRowSociety.net, Foto: Georg Berg
Corona-Kreativität: Im Lockdown wurden kurzerhand in Form eines Guglhupfs Abstandhalter aus Beton gegossen / © FrontRowSociety.net, Foto: Georg Berg

Kultiger Start in der ältesten Bäckerei Basels

Ausgangspunkt der Foodtour mit Kult ist die gleichnamige Bäckerei. Hier hat ein junges Team der Bäckerei von 1726 neues Leben eingehaucht. Lea Gessler ist von Anfang an dabei und sieht sich selbst als Kult-Mama und alles zwischen Geschäftsführung und Produktionsleitung. Selbstbewusst wählten sie 2015 den Namen Kult: Weil die alte Bäckerei schon immer Kultstatus in Kleinbasel genoss und weil in Kult auch Kultur steckt und man hier auch das Wissen rund um gutes Brot und Gebäck vermitteln will.

In der Bäckerei KULT kann man die Bäcker bei der Arbeit durch die Scheibe beobachten. Hier entstehen Croissants, die in Basel Gipfel heißen / © FrontRowSociety.net, Foto: Georg Berg
In der Bäckerei KULT kann man die Bäcker bei der Arbeit durch die Scheibe beobachten. Hier entstehen Croissants, die in Basel Gipfel heißen / © FrontRowSociety.net, Foto: Georg Berg

Die Foodtour durch Basel beginnt am zweiten Standort der Bäckerei. Denn hier kann man den Bäcker-Gesellen bei der Arbeit zuschauen. Durch Glasscheiben getrennt schaut man direkt auf die Arbeitstische und sieht zu, wie in Windeseile Gipfel in Form gebracht werden.

Erster Snack der Tour ist ein Klassiker der Bäckerei: feines Basler Gold mit einem Getränk der Wahl. Die Formalitäten zu Beginn der selbstgeführten Tour sind schnell erledigt. Man gibt seine Buchungsbestätigung ab und erhält einen Flyer mit Beschreibung der Tour-Stationen. Die Food-Stationen werden beim Besuch auf dem Flyer abgestempelt. Es ist sogar möglich, die Lokale an verschiedenen Tagen aufzusuchen.

Mehr über das Konzept der Bäckerei KULT, das mit Hilfe eines Crowdfundings umgesetzt wurde. Interview mit Lea Gessler. “Eigentlich ist die Bäckerei zu uns gekommen!”

Basel unverpackt. Lebensmittel einkaufen ohne Abfall

Anleitung zum Abwiegen bei BASEL UNVERPACKT / © FrontRowSociety.net, Foto: Georg Berg
Anleitung zum Abwiegen bei BASEL UNVERPACKT / © FrontRowSociety.net, Foto: Georg Berg

Wieder ein Laden mit besonderem Konzept. Bei BASEL UNVERPACKT setzt man auf Zero Waste, Recycling und nachhaltige Konservierung von Lebensmitteln. Es gibt biologische Produkte, die sich die Kunden in eigene Gefässe füllen. Müsli, Nudeln, Hülsenfrüchte, Gewürze oder Trockenobst und vieles mehr wandert in mitgebrachte Gläser oder Tupperware.

Abstecher in den Unverpackt-Laden. Foodtourer können sich hier zwei Gläser mit dem Inhalt ihrer Wahl abfüllen / © FrontRowSociety.net, Foto: Georg Berg
Abstecher in den Unverpackt-Laden. Foodtourer können sich hier zwei Gläser mit dem Inhalt ihrer Wahl abfüllen / © FrontRowSociety.net, Foto: Georg Berg

Müll vermeiden, insbesondere Plastik, ist das Gebot der Stunde. Als Foodtourer bekommt man zwei Gläser und kann sich diese mit Lebensmitteln seiner Wahl befüllen. Dieser Stopp ist eine gelungene Idee, denn wer sich für Lebensmittel und gutes Essen interessiert, sollte auch neue Verkaufskonzepte kennenlernen.

Mittagessen in Basels Food-Court Klara mit Gerichten aus neun Nationen / © FrontRowSociety.net, Foto: Georg Berg
Mittagessen in Basels Food-Court Klara mit Gerichten aus neun Nationen / © FrontRowSociety.net, Foto: Georg Berg

Foodcourt KLARA – Crossover-Küche in Basel

Weiter geht es Richtung Zentrum in die belebte Clara-Straße. Der Foodtour-Flyer gibt nicht nur Auskunft über die Stationen, sondern auch über Lokale und Geschäfte, links und rechts am Wegesrand. Schnell ist so die Mittagszeit erreicht und die Lust auf etwas Herzhaftes. KLARA ist ein Foodcourt auf der gleichklingenden Straße.

Crossover-Küche: Landestypische Gerichte aus Eritrea und Israel samt Hygieneregeln in Corona-Zeiten / © FrontRowSociety.net, Foto: Georg Berg
Crossover-Küche: Landestypische Gerichte aus Eritrea und Israel samt Hygieneregeln in Corona-Zeiten / © FrontRowSociety.net, Foto: Georg Berg

Hier kochen bei Höchstbesetzung neun Nationen landestypische Gerichte. Foodtourer bekommen drei Voucher für Probierportionen und ein Freigetränk. Eine Gelegenheit, um sich mühelos durch ein paar Küchen der Welt zu probieren. Sei es Israelisches Babaganoush oder eritreische Injerra mit Gemüse, japanisches Sushi oder thailändisches Curry.

Das Dessert – ein Glacé am Rhein

Nicht weit entfernt vom Foodcourt, liegt in der Rheingasse ein kleines Eiscafé mit großer Auswahl an Glacés, wie man Milcheis und Fruchtsorbets in der Schweiz auch nennt. Mit drei Sorten seiner Wahl schlendert man wenige Schritte bis ans Basler Rheinufer. Im Sommer trudeln hier jede Menge Rheinschwimmer stromabwärts.

Volkssport Nummer 1 in Basel das Rheinschwimmen / © FrontRowSociety.net, Foto: Georg Berg
Volkssport Nummer 1 in Basel das Rheinschwimmen / © FrontRowSociety.net, Foto: Georg Berg

Munteres Treiben – Rheinschwimmer in Basel

Ein überaus erfrischendes Vergnügen an heißen Sommertagen ist das Rheinschwimmen: Gute Schwimmerinnen und Schwimmer geben sich zwischen Wettsteinbrücke und Johanniterbrücke der Strömung hin und lassen sich rheinabwärts treiben. Die Locals packen dabei ihre Kleider in einen Schwimmsack. Der bunte „Wickelfisch“, ein Schwimmsack in der Form eines Fischs ist eine original Basler Erfindung.

Am Rheinufer mit Blick auf die Altstadt lässt es sich gut aushalten / © FrontRowSociety.net, Foto: Georg Berg
Am Rheinufer mit Blick auf die Altstadt lässt es sich gut aushalten / © FrontRowSociety.net, Foto: Georg Berg

Die letzte Station der selbstgeführten kulinarischen Tour führt auf den Spalenberg in Basels Altstadt. Tatsächlich ist es hier ein wenig hügelig. Es geht durch kleine Gassen und an allerlei interessanten Shops vorbei. Den Abschluss macht HEJKOH ein klassischer Concept-Store mit viel skandinavischem Design. Nicht unbedingt typisch Basel und auch nicht neu, aber nett. Mit einem Getränk seiner Wahl, zum Beispiel Kaffee aus einer Basler Rösterei oder eine in Basel gemachte Ingwerlimonade kann man sich auf den Ausstellungsmöbeln innen wie außen niederlassen.

Kuriose Situationen im Museum der Fondation Beyerler: Maskerade rund um Edward Hopper / © FrontRowSociety.net, Foto: Georg Berg
Kuriose Situationen im Museum der Fondation Beyerler: Maskerade rund um Edward Hopper / © FrontRowSociety.net, Foto: Georg Berg

Wer nun genug vom Shoppen und Essen hat, der kann sich weiter kulturell betätigen. Basel bietet eine unglaubliche Dichte an Museen. Eines der meistbesuchten Museen der Schweiz ist die Fondation Beyeler, die regelmäßig spektakuläre Ausstellungen kuratiert. Nach Picasso 2019, ist der amerikanische Maler Edward Hopper der Publikumsmagnet im Corona-Jahr 2020.

Flaggen auf der Rheinbrücke weisen auf die Edward Hopper Ausstellung hin / © FrontRowSociety.net, Foto: Georg Berg
Flaggen auf der Rheinbrücke weisen auf die Edward Hopper Ausstellung hin / © FrontRowSociety.net, Foto: Georg Berg

Für 2021 ist eine große Werkschau zu Francisco de Goya geplant. Vom zentralen Marktplatz in Basels Altstadt kommt man mit der Straßenbahn Linie 6 in nur 20 Minuten bis zur Fondation Beyeler nach Riehen. Allerdings ist der Besuch der Ausstellung derzeit nur mit vorgebuchten Timeslots samt Maskenpflicht möglich.

Mehr über Basel, der Stadt am Rhein. Sie diente eigenwilligen Denkern als Refugium

Basel besuchen – von Weil am Rhein aus mit Rad oder Straßenbahn

Hier geht es zur Reportage über die Swiss Classics – eine geführte Foodtour durch Zürich.

Dieser redaktionell erstellte Artikel wurde durch externe Unterstützung ermöglicht, die jedoch keinen Einfluss auf den Inhalt hat. Es gilt der Redaktionskodex.

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